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Spuksagen

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Textdaten
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Autor: Anton Birlinger
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Titel: Spuksagen
Untertitel:
aus: Rechtsrheinische Sagen, in: Alemannia, Band XI, S. 29–30
Herausgeber: Anton Birlinger
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1883
Verlag: Adolph Marcus
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Erscheinungsort: Bonn
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Quelle: Google-USA*, Commons
Kurzbeschreibung:
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[29] 23 Spuksagen

a Ueber die heilige Zeit 1827/28 regten sich alle Gespenster, die scheinbar ruhig geworden waren, aufs neue und stärker. Das in Matthias Mösners Haus zu Dornhan, das sonst seit mer den 35 Jaren her nur in der Küche rumorte, besonders gerne mit Waßergelten, kam jezt in Mösners Leibdingstüble und zwar das erstemal wie folgt. Wie froh bin ich, sagte er einst zu seiner alten Gattin, daß der Kerl nur in der Küche lärmt und nicht in die Stube kommt! Sih da, im Augenblicke auch schob der Unsichtbare, wie mit starkem Handgriffe den Rigel zurück und lupfte die Schnalle. In frühern Jaren rumorte er auch im Stalle, hat da die Rosse losgebunden. Vor Mösners Zeit wonte im Hause ein Grötzinger, sein Vater war Amtspfleger und Bürgermeister, ein betrogener Kerle, dem entlief einst sein Knecht deshalb. Dem Mösner blies der Geist etlichemal das Liecht aus. Nur einmal hat er in vom Bett aus sehen können, im Zauskittel, bückte sich mermals beim Tische und tat, als ob er etwas suchte. Unter allerlei Getöse knallte es [30] auch, wie wenn einer eine Schlüßelbüchse abschöße. Auf das Gebet weicht er und wird still.

Aufzeichnung Köhlers, Mittwoch 30. Januar 1828, aus Mösners eigenem Munde.

b Auch der seit vilen Jaren gewonte Spuk in Schloßermeister Klingels Haus regte sich aufs neue. Als Klingel einst in der Stubenkammer sich zu Bette gelegt und das auf ein Tischgen neben dem Bette gestellte Liecht gelescht hatte, hörte er ein Geräusch, dem ganz änlich, als ob die Kaze das Liecht zernagte. Als es auf sein Abweren fortdauerte und er mit den Worten: „Kuz, du Luder!“ mit s. Fuß aus dem Bette nach der vermeintlichen Kaze stieß, grif in Jemand am Fuße und hielt im denselben einige Zeit.

c Der schon vor etwa 7 Jaren gestorbene Theussenbauer in Fürnsal spukt nicht im Hause und spukte biß im Spätjare 1807 gar nicht. Nun begegnete er einst dem resign. Stadtschultheiß Reich in der Halde zwischen Fürnsal und Gundelshausen bei hellem Tage, in der Kleidung, die er lebend trug, und einen Markstein unter dem Arm haltend, redete den Reich an, der aber das nicht sagen zu dürfen versichert, was er im gesagt habe, und überhaupt ein geöffnetes Sehorgan für die unsichtbare Welt zu haben scheint, denn er sah einst 3 verstorbene Männer von Dornhan zumal und miteinander laufen.

Obiger Theussenbauer, dessen Tochtermann, ein schrecklicher Asot, vor im in den besten Jaren starb, erschin auch einem Burschen, der Holz im Walde holen wollte, aber Seil und Beil von sich warf und entprang; und dem Son des Wirts von Fürnsal, welcher zuvor den Wunsch in auch zu sehen geäußert hatte, beim Stege über den Dirnenbach, über den er gehn wollte, aber weil der Spukende von der entgegengesezten Seite herkam und mit im auf dem Stege zusammengekommen wäre, ebenfalls entsprang.

d In der Nacht vom 12./13. Januar 1828 bemerkten merere Leute in dem leerstehenden Hause des nach Ravensburg abgezognen H. Oberamts-Arztes Schettle in der Hauptstraße zu Oberndorf ein helles Liecht, das von einem Zimmer in das andere gieng und die Kreuzstöcke erhellte. Auf die Nachricht davon kamen merere Leute herbei und auch der Salzfaktor, welchem mit den Schlüßeln die Aufsicht dises Hauses übergeben war. Nun giengen um nachzusehen einige Männer in das Haus, fanden aber weder Diebe noch Liecht, und erst im Februar erfur man, daß in der nemlichen Nacht der Stadtarzt Dr. Kreuzer in Furtwangen, der eine Schwester von Schettle’s Frau zur Ehe hatte, gestorben war.