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Sponsel Grünes Gewölbe Band 4/Tafel 44

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Tafel 43 Das Grüne Gewölbe: eine Auswahl von Meisterwerken in vier Bänden. Band 4 (1932) von Jean Louis Sponsel
Tafel 44
Tafel 45
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TAFEL 44
HOLZSCHNITZEREI: WINZER UND WINZERIN
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[128] a) Der gut bürgerlich gekleidete Mann, mit gepflegtem Spitzbart, seitlich aufgeschlagnem Hut mit breiter Feder, hält mit beiden Händen den schweren, mehrfach querdurchbohrten Stock mit einem kauernden Eichhörnchen an der Spitze, um den sich eine blätterreiche Rebe mit vielen Trauben rankt. Am linken Arm ein Korb, darin ein Paar Würfel, am Gürtel langes Reitschwert und Dolch. Neben ihm, an langer Kette, ein Hündchen. Schuhe und Strümpfe, Kniebänder und Rosetten, Tressen und Gürtel, Stulpen und Achseldecken („Schwalbennester“), spanischer Kragen und Hut von Silber, z. T. vergoldet. Die hölzerne Bütte mit Reifen und Beschlägen von Silber, z. T. graviert, der Deckel, mit einem lautespielenden Affen an langer Kette, getrieben, mit Blumen und Früchten. Das Postament gleichfalls getriebenes Silber, mit Ranken und Masken, Standplatte mit vielerlei Getier („style rustique“), eine Staude mit drei Blüten wächst hinten auf. – Holz, z. T. bemalt. Am Beschlag der Butte und am Sockel unten die Frankfurter Beschau (Adler) und Marke N: (R3 2028).

VI. 4. – 1733 Inventar des Pretiosenzimmers Nr. 437, S. 671: „Ein Winzer von schwarzen Ebenholz geschnitten, hält mit beyden Händen einen Staab, worauf ein silbern vergoldt Eichhörnigen sizet, dieses ist an einer Kette festgemacht, wie auch ein kleines zum Füßen stehendes Hündgen …“

Eine ähnliche Figur im Schlesischen Museum für Kunstgewerbe und Altertümer, Breslau, eine Arbeit des Breslauer Goldschmieds Joachim Hiller, 1602, gest. 1613; andere im Victoria and Albert Museum London, aus der Sammlung Rothschild, und bei Baron Weichs in Troppau (E. Hintze und K. Masner, Goldschmiedearbeiten Schlesiens, Tafel 26, Text S. 19). – Die Dresdner Figur stammt, dem künstlerischen Stil und der Tracht nach, gleichfalls aus dem Ende des 16. Jahrhunderts.

b) Die Frau trägt am Arm einen offenen Korb, in dem Hahn und Henne sitzen, und an dessen Henkel eine Tasche an einer Kette hängt. Hut, der auf einem tief in die Stirn gezogenen Kopftuch sitzt und Stock mit Rebe, das Hündchen an der Kette und die Butte sind denen des Mannes gleich; der Affe auf dem Deckel der letzteren spielt die Geige. Die Butte ist innen mit vergoldetem Silber bekleidet.

VI. 6. – 1733 Inventar des Pretiosenzimmers Nr. 438, S. 673: „Eine dergl. Winzerin auch von Ebenholtz, dem Winzer in allen gleich, außer daß sie an den Lincken Arm einen Korb hat worinnen ein Hahn und eine Henne sitzet. Auf dem Deckel ist auch ein Affe so aber auf der Violine spielt.“

Das Grüne Gewölbe besitzt noch zwei Winzerpaare, beide aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, in Holz geschnitzte Figuren mit silbernen Geräten, von denen das eine die Marke des Straßburger Goldschmieds Paul Ölinger (R3 6983) trägt.