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Sommer (Lavant)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
Autor: Rudolf Lavant
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Titel: Sommer
Untertitel:
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Herausgeber: Illustrierter Neue Welt-Kalender
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1891
Verlag: Auer/Hamburg und J.H.W. Dietz/Stuttgart (in Kommission)
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Erscheinungsort: Leipzig
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Kurzbeschreibung:
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Sommer.

Wenn in lauter Städte Dust
Deine Kindheit Dir verflossen,
Wenn Du helle Sommerlust
Auf dem Lande nie genossen,

5
Wenn im Weiler buschversteckt

Nie gelebt Du aus dem Vollen,
Nie den Widerhall geweckt
Jauchzend in des Reigens Tollen,
Kennst Du nur, was trügend gleißt,

10
Kämst Du auch zu hohen Jahren,

Und Du hast, was Leben heißt
Und beglückt sein ― nie erfahren.

Ungehemmt und unbeirrt
Wiese, Feld und Busch durchlärmen,

15
Sorglos, wie der Falter schwirrt,

Froh entlang die Raine schwärmen,
Ohne Rast und blasse Scheu
Führen ein Gefecht mit Kletten
Und das Haupt in duft‘ges Heu

20
Dann zur Mittagsruhe betten ―

Wem sie nie beschieden war,
Solche Wonne auserlesen,
Blieb der besten Freuden bar
Und ist nie ein Kind gewesen.

25
Schweifen durch die Morgenluft,

Spielen mit den jungen Lämmern,
Spechtgepoch und Nadelduft
Und der Wege blau Verdämmern,
Einen Arm voll Raden schlicht

30
Und Cyanen heimwärts tragen

Und im grauen Dämmerlicht
Thronen auf dem Erntewagen ―
Das ist echte Kinderlust
Und sie wird das Herz Dir binden

35
Und sie wird aus Deiner Brust

Nie und nimmer wieder schwinden.

Daß ich manchen langen Tag
Durch die Wälder durfte streifen,
Wenn verstummt des Finken Schlag,

40
Wenn die Haselnüsse reifen,

Daß in Sturm und Ungemach
Oft der Regen mich gebadet,
Daß ich durch den klaren Bach
Voll Vergißmeinnicht gewatet ―

45
Bess’res ward mir nie zu Theil

Und ich nenn‘ es, wenn ich sterbe,
Meiner Jugend bestes Theil,
Meines Daseins reichstes Erbe.
                                                       R.L.