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Shakespeare als Wilddieb

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Textdaten
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Autor:
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Titel: Shakespeare als Wilddieb
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 32, S. 533, 536
Herausgeber: Ernst Ziel
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1884
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[533]

Shakespeare als Wilddieb.
Nach dem Oelgemälde von Julius Schrader.

[536] Shakespeare als Wilddieb. (Mit Illustration S. 533.) Ueber die bewegte Scene unsrer heutigen Illustration, in welcher uns der größte Dichter Englands in der kritischen Lage als Wilddieb vor seinem Richter vorgeführt wird, berichtet die Ueberlieferung Folgendes: William Shakespeare soll in dem Parke eines bei Stratford ansässigen Edelmanns gewildert haben. Von den Wächtern ergriffen, wurde er vor den edlen Sir gebracht. In Darstellung der weiteren Vorgänge gehen die Fassungen, welche man der Anekdote gegeben hat – sie ist auch dichterisch verwerthet worden – aus einander. Nach der einen habe der junge Mann durch Fürsprache der Tochter des Sirs Verzeihung erlangt, nach der andern aber nicht; aus Furcht vor Strafe sei er aus Stratford entwichen und habe sich nach London begeben. Die nüchterne Forschung, welche mit dergleichen Geschichtchen wenig rücksichtsvoll umgeht, hat auch die Glaubwürdigkeit dieser Anekdote stark erschüttert. Einerseits ist wohl als sicher anzunehmen, daß der Dichter durch andere Gründe aus seinem Heimathsorte gedrängt worden sei: sein lebhafter Geist mußte einem größeren Schauplatze zustreben; das Zusammentreffen mit Londoner Schauspielern, vielleicht mit jenen, welche der Truppe Leicester’s angehörten und in den Jahren vor 1585 mehrmals auf dem Schlosse Kenilworth bei Stratford spielten, sowie die Pflicht, für Weib und Kinder zu sorgen, mögen dann hinzugekommen sein, dem jungen Dichter den Weg zu bestimmen. Ein englischer Shakespeare-Forscher hat sogar nachgewiesen, daß jener Park, worin der Poet gewildert haben soll, niemals vorhanden gewesen sei. Aber die Kunst kümmert sich wenig um die Ergebnisse der nüchternen Kritik – sie hat das schöne Vorrecht, auch das Nichtgewesene zu lebensvoller Wahrheit zu gestalten, und so hat denn auch Julius Schrader die Ueberlieferung verkörpert. Mögen wir auch an sie nicht glauben, seinem Bilde gegenüber zweifeln wir nicht, sondern fühlen die Wahrheit des Wortes:

„Zaubermärchen wunderbar,
Dichterkünste machen’s wahr.“