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Seite:WuerttVjhhLG Jhg 01.djvu/073

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Bernhard Grueber: Peter von Gmünd genannt Parler. In: Württembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte. Jahrgang I.

Peter von Gmünd genannt Parler
Dombaumeister in Prag
1333-1401.
Eine auf Urkunden und Denkmale gegründete biographische Studie
von
Bernhard Grueber.
(Fortsetzung.)


III. Peter als Dombaumeister und Ingenieur.

Der vom Kaiser zum Dombaumeister ernannte Peter trat sein Amt unverzüglich an und entwickelte bald eine außerordentliche Thätigkeit. Von dem Zeitpunkt seines Eintreffens in Prag an bis zu der im Jahre 1385 erfolgten Einweihung des Chores mehren sich die Nachrichten über sein Wirken und seine Häuslichkeit von Jahr zu Jahr. Ehe wir jedoch unsere Aufmerksamkeit seinen Schöpfungen zuwenden, ist es nöthig, zwei Inschriften anzuführen, welche Peter entweder selbst verfaßt hat, oder an deren Abfassung er betheiligt war. Die erste und wichtigste dieser Inschriften befindet sich im Triforium des Prager Domes, wo Karl IV. die Bildnisse aller um den Dombau verdienten Personen, der Mitglieder des kaiserlichen Hauses, der betheiligten Erzbischöfe und geistlichen Baudirektoren, wie auch der beiden Dombaumeister hat aufstellen lassen. Neben jedem der in Lebensgröße ausgeführten Bildnisse (es sind Büsten aus feinem Sandstein) ist eine Inschrift mit kurzer Angabe, der Verdienste des Dargestellten beigefügt. Die den Peter betreffende Schrift, von welcher bereits ein Bruchstück mitgetheilt worden ist, lautet vollinhaltlich:

Petrus, henrici arleri. de polonia magistri de gemunden in suevia. secundus magister hujus fabrice. quem imperator Karolus IIII. adduxit de dicta civitate. et fecit eum magistrum hujus ecclesie. et tunc fuerat annorum XXIII. et incepit. rege anno dmi. MCCCLVI. et perfecit chorum istum anno dmi. MCCCLXXXVI. quo anno incepit sedilia chori illius. et infra tempus prescriptum etiam incepit et perfecit chorum omnium sanctorum. et rexit pontem multavie. et incepit a fundo chorum in colonya circa albeam.

Peter (Sohn) des Heinrich Arler aus polonia (?) Meisters zu Gmünden in Schwaben, zweiter Meister dieses Kirchenbaues, welchen Kaiser Karl IIII. herüberholte aus besagter Stadt und zum Baumeister dieses Domes einsetzte. Er war damals dreiundzwanzig Jahre alt und fing an den Dombau zu leiten im Jahre 1356, und vollendete den Chor im Jahr 1386. In demselben Jahre begann er die Ausführung der Chorstühle des Prager Domes, auch begann und vollendete er zur selben Zeit den Chor der Allerheiligenkirche. Er leitete den Bau der Moldaubrücke, und erbaute von Grund aus den Chor zu Köln (dem heutigen Kolin) an der Elbe.

Empfohlene Zitierweise:
Bernhard Grueber: Peter von Gmünd genannt Parler. In: Württembergische Vierteljahrshefte für Landesgeschichte. Jahrgang I.. H. Lindemann, Stuttgart 1878, Seite 65. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:WuerttVjhhLG_Jhg_01.djvu/073&oldid=- (Version vom 1.8.2018)