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Seite:PhilonJosGermanCohn.djvu/028

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Philon: Ueber Joseph (De Josepho) übersetzt von Leopold Cohn

zwei Träume sind; es ist nur ein Traum, die Verdoppelung ist aber nicht überflüssig, sondern dient zum Beweise stärkerer Glaubwürdigkeit. 108|Die sieben fetten Kühe nämlich und die fruchtbaren und gut gediehenen sieben Aehren bedeuten sieben Jahre der Fülle und Fruchtbarkeit, p. 57 M. und die nachher gekommenen sieben mageren und hässlichen Kühe und die verdorbenen und leeren sieben Aehren bedeuten sieben andere Jahre der Hungersnot <und der Unfruchtbarkeit>. 109|Kommen wird zuerst ein Zeitraum von sieben Jahren mit überaus grosser Fruchtbarkeit, wo alljährlich der Fluss mit seinen Fluten die Fluren bewässert und die Felder reichen Ertrag haben wie nie zuvor; kommen wird aber danach hinwiederum ein Zeitraum von sieben Jahren, der im Gegenteil schwere Not und Mangel an den notwendigen Bedürfnissen mit sich bringt, da der Fluss nicht austritt und das Land nicht befruchtet wird, so dass die frühere Fruchtbarkeit vergessen und jeder Rest des alten Ueberflusses aufgezehrt werden wird. Das ist die Deutung. 110|Es tönt aber in mir die göttliche Stimme, die auch die Heilmittel, wie bei einer Krankheit, an die Hand gibt; die schwerste Krankheit für Staaten und Länder ist ja die Hungersnot, die man möglichst schwächen muss, damit sie nicht ihre volle Stärke gewinne und die Bewohner aufzehre. 111|Wie nun kann sie geschwächt werden? Was von der Frucht der sieben Jahre, die ertragreich sind, nach hinreichender Ernährung der Volksmassen übrig bleibt – es mag etwa der fünfte Teil sein –, muss man in Stadt und Land aufspeichern, nicht so, dass man die geernteten Früchte von weit her (an einen Ort) schafft, sondern sie an den Orten, wo sie sind, aufbewahrt zur Beruhigung der Bewohner. 112|Einsammeln soll man aber das Getreide mit den Garben und es nicht sogleich ausdreschen und säubern, aus vier Gründen: erstens weil es, wenn es diese Schutzhülle hat, sich länger hält und nicht verdirbt; zweitens weil alljährlich dann die Erinnerung an den Ueberfluss aufgefrischt wird, wenn man drischt und worfelt – denn die Erinnerung[1] an den wirklich vorhandenen


  1. ὑπόμνησις nach Mangeys Konjektur für μίμησις.
Empfohlene Zitierweise:
Philon: Ueber Joseph (De Josepho) übersetzt von Leopold Cohn. Breslau: H. & M. Marcus, 1909, Seite 180. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhilonJosGermanCohn.djvu/028&oldid=- (Version vom 4.9.2017)