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Seite:PhilonJosGermanCohn.djvu/015

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Philon: Ueber Joseph (De Josepho) übersetzt von Leopold Cohn

viele und kolossale Werke schafft oder wenige und kleinere, immer derselbe, wenn er die gleiche Kunstfertigkeit zeigt. 40|(9.) Während er nun bei der Besorgung des Hauswesens sich gar sehr auszeichnet, wird ihm von der Frau des Herrn p. 48 M. aus zügelloser Liebe nachgestellt. Durch die Wohlgestalt des Jünglings in rasende Liebe versetzt und von unbändiger Leidenschaft ergriffen, verfolgte sie ihn mit ihren Liebesanträgen, während er ihr kräftig widerstand und bei seiner angeborenen und durch Uebung in ihm befestigten Ehrbarkeit und Sittsamkeit sie sich durchaus nicht nahe kommen lassen wollte. 41|Als sie aber in ihrer zu voller Flamme gesteigerten sündhaften Begierde es immer wieder versuchte und immer das Ziel verfehlte, gebrauchte sie in ihrer leidenschaftlichen Erregung schliesslich Gewalt, fasste ihn kräftig an seinem Gewande und zog ihn mit starkem Ruck an ihr Lager, da die Leidenschaft, die auch die Schwächsten anzuspannen pflegt, ihr grössere Starke verlieh. 42|Er aber wurde doch Herr über die schlimme Lage und rief ihr die edlen und seiner Abkunft würdigen Worte zu: „Wozu brauchst du Gewalt? Ganz besondere Sitten und Gebräuche haben wir, Abkömmlinge der Hebräer. 43|Den andern ist es erlaubt nach dem vierzehnten Lebensjahre Buhlerinnen, Strassendirnen und andere, die um Lohn ihren Leib feilbieten, ohne jegliche Furcht zu gebrauchen, bei uns aber steht es einer Hetäre nicht einmal frei zu leben (5 Mos. 23,18), Tod ist als Strafe festgesetzt für die, die solches Gewerbe ausübt. Vor der gesetzlichen ehelichen Vereinigung kennen wir den Umgang mit einem andern Weibe nicht, sondern rein kommen wir bei Abschluss der Ehe zu reinen Jungfrauen und setzen uns als Ziel nicht die Wollust, sondern die Erzeugung legitimer Kinder. 44|Nachdem ich bis zu diesem Tage rein geblieben bin, werde ich nicht mit Ehebruch, dem grössten aller Vergehen, zu sündigen anfangen; und selbst wenn ich sonst den Trieben der Jugendkraft nachgegeben und in Nachahmung der Schwelgerei der Eingeborenen ausschweifend gelebt hätte, dürfte ich doch nicht nach Vereinigung mit der Gefährtin eines andern verlangen. Wo gibt es Menschen, die solchen Frevel nicht für todeswürdig halten? In andern

Empfohlene Zitierweise:
Philon: Ueber Joseph (De Josepho) übersetzt von Leopold Cohn. Breslau: H. & M. Marcus, 1909, Seite 167. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhilonJosGermanCohn.djvu/015&oldid=- (Version vom 1.9.2017)