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Seite:PhiloMos2GermanBadt.djvu/048

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Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt

erachtet hätte; allein die unvorhergesehenen Umsturzbestrebungen erfordern auch neue Gesetze zur Verhinderung [p. 166 M.] solcher Verbrechen. Sofort wird also folgendes Gesetz gegeben: „Wer Gott flucht, macht sich einer Sünde schuldig, wer aber den Namen des Herrn ausspricht, soll sterben (3 Mos. 24,15.16)“. 204 Ganz recht, o Allweiser, du allein hast ungemischte Weisheit unverfälscht genossen. Du hast das Nennen für schlimmer gehalten als das Verwünschen? Denn sonst hättest du einen Mann, der die schwerste Gottlosigkeit begangen, nicht so milde behandelt, indem du ihn gewöhnlichen Sündern beigeselltest, während du gegen einen, der anscheinend ein geringeres Unrecht begangen, die äusserste Strafe, den Tod, festsetztest. 205 (26.) Aber offenbar hat das vorliegende Gesetz mit dem Worte „Gott“ nicht den Höchsten, den Schöpfer des Alls, sondern die heidnischen Götter[1] im Sinne. Fälschlich heissen „Götter“ die Kunstwerke von Malern und Bildhauern; denn mit Bildsäulen von Holz und Stein und ähnlichen Werken ist die Welt angefüllt, und ihrer Beschimpfung muss man sich enthalten, damit keiner der Jünger des Moses sich gewöhne überhaupt die Benennung „Gott“ geringzuachten; denn diese Bezeichnung ist hochbedeutsam und verehrenswert. 206 Wer aber gegen den Herrn von Menschen und Göttern, ich will nicht sagen ein beschimpfendes


  1. Philo legt hier wie immer die griech. Uebersetzung aus, die für das hebräische Wort אלהיו‎ „seinen Gott“ nur θεὸν gibt. Der hebr. Text lässt diese Deutung wegen des Possessivsuffixes nicht zu. Nach ihm bezieht sich offenbar auch der erste Teil des Verses nicht auf Götzen. Auch Josephus (c. Ap. II § 237. Altert. IV § 207) kennt, wie Philo, das Verbot, die von anderen verehrten Götter zu verspotten oder zu lästern. Die Veranlassung dazu bot die Uebersetzung der LXX 2 Mos. 22,27(28) θεοὺς οὐ κακολογήσεις (אלהים לא תקלל‎). – Den Unterschied zwischen dem Gattungsnamen „Gott“ und dem heiligen Eigennamen macht übrigens auch die jüdische Tradition, nach der die Todesstrafe erst, wie bei Philo, auf die ausdrückliche Nennung des Namens gesetzt ist (vgl. z. B. die Kommentare von Raschi und Ibn Esra z. St.). Freilich ist Philos Auffassung die bei weitem strengere, sie bestraft mit dem Tode auch das „Nennen bei ungehöriger Gelegenheit“. Aber Philo ist hier in der Wiedergabe der Bibelworte ungenau, indem er ὃς δ'ἄν ὀνομάσῃ sagt statt ὀνομάζων (scil. καταράσηται), wie die Septuaginta ונקב‎ übersetzt. Vgl. über diese ganze Stelle Z. Frankel, Einfluss d. paläst. Exegese S. 130ff.
Empfohlene Zitierweise:
Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt. H. & M. Marcus, Breslau 1909, Seite 345. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhiloMos2GermanBadt.djvu/048&oldid=- (Version vom 1.8.2018)