Zum Inhalt springen

Seite:PhiloMos1GermanBadt.djvu/027

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt

[p. 94 M.] er vor der übergewaltigen Aufgabe zurück in der Ueberzeugung, dass das allzugrosse Werk nicht seinen Fähigkeiten entspreche, und riet einen andern zu wählen, der alles ihm Aufgetragene leicht auszurichten imstande sein würde. 84 Gott aber, der ob seiner Bescheidenheit Gefallen an ihm gefunden, sagte; „Kennst du den nicht, der dem Menschen den Mund gegeben, der ihm Zunge und Luftröhre und die ganze Einrichtung der Sprachorgane geschaffen? Ich bin es, daher fürchte nichts, denn durch meine Huld werden alle Laute zu deutlicher Sprache werden und in ebenmässige Rede sich verwandeln, sodass ohne jedes Hindernis fortan schnell und glatt aus reiner Quelle der Strom deiner Worte fliessen wird. Sollte aber ein Dolmetsch nötig werden, so wirst du an deinem Bruder einen helfenden Mund haben, damit er der Menge deine Worte künde, wie du ihm die göttlichen“.

85 (15.) Als er dies hörte, brach er endlich auf – bei der Weigerung zu verharren wäre doch nicht ungefährlich gewesen – und begab sich mit seinem Weibe und seinen Kindern auf den Weg nach Aegypten. Als ihm hier sein Bruder begegnete, teilte er ihm die göttlichen Aussprüche mit und überredete ihn, ihm zu folgen. Diesem war aber durch Gottes Fürsorge die Seele schon vorher willfährig gemacht worden, so dass er ohne Zaudern zusagte und bereitwillig folgte. So kamen sie eines Sinnes und eines Herzens nach Aegypten. 86 Sie versammeln zuerst insgeheim die Aeltesten ihres Volkes und melden ihnen die göttlichen Offenbarungen, dass Gott voll Mitleid und Erbarmen für sie Freiheit und Verpflanzung von dort in ein besseres Land ihnen verheisse und selbst ihr Führer auf diesem Wege zu sein verspreche. 87 Darauf fassen sie Mut auch zu einer Unterredung mit dem Könige, dass er das Volk zu einem Opfer aus den Grenzen seines Landes entsende; denn ihre väterlichen Opfer müssten, so sprachen sie, in einsamer Gegend dargebracht weiden, da sie nicht so wie die der anderen Menschen verrichtet würden, sondern in einer Weise und nach einem Brauche, der infolge der besonderen Eigentümlichkeit ihrer Sitten sich

Empfohlene Zitierweise:
Philon: Ueber das Leben Mosis (De vita Mosis) übersetzt von Benno Badt. H. & M. Marcus, Breslau 1909, Seite 241. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:PhiloMos1GermanBadt.djvu/027&oldid=- (Version vom 1.8.2018)