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Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/526

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können, während soviele andere, die unvermuthet in die Hände der Feinde gefallen sind, dieses Glück nicht gehabt haben. 326 Wir haben so ziemlich die Gewissheit, dass morgen die Veste fällt, aber auch die Freiheit, den Tod der Wackeren mit unseren Liebsten zu sterben. Weder können die Feinde das letztere verhindern, wenn sie auch um jeden Preis uns lebend in ihren Händen sehen möchten, noch vermögen wir selbst mit all’ unserer Anstrengung den Sturm des Feindes abzuschlagen. 327 Ich sage: »mit all’ unserer Anstrengung«; denn man hätte vielleicht schon gleich zu Anfang, wo gerade wir, die feurigsten Verfechter der Freiheit, mit all’ unseren Plänen bei den eigenen Leuten einen schlechten, vor dem Feinde aber den schlechtesten Erfolg gehabt haben, auf den göttlichen Willen schließen und einsehen sollen, dass das einst so gottgeliebte Volk der Juden zum Untergang verurtheilt sei. 328 Denn wäre Gott uns wirklich gewogen geblieben oder nur ganz leicht über uns erzürnt gewesen, so hätte er wohl einem solchen Massenuntergang nicht ruhig zusehen und seine heiligste Stadt nicht der Brandfackel und dem Brecheisen der Feinde ausliefern können! 329 Wir haben uns denn also mit der Hoffnung geschmeichelt, dass wir allein aus dem ganzen Judengeschlechte unsere Existenz und unsere Freiheit behaupten würden, als hätten wir uns vor allem Frevel gegen Gott stets rein bewahrt und vor jeder Befleckung uns gehütet, obschon wir dazu auch noch die anderen angeleitet haben! 330 So müsst ihr nun denn selbst sehen, wie Gott unsere Erwartung jämmerlich zu Schanden macht, indem er uns in eine so verzweifelte Drangsal gestürzt hat, dass in uns auch die leiseste Hoffnung ersticken muss. 331 Denn nicht allein hat uns die natürliche Unbezwingbarkeit der Veste gar keinen Schutz gewährt, sondern auch Gott selbst hat uns in Mitte eines unerschöpflichen Proviantes und unter ganzen Bergen von Waffen und sonstigen zahllosen Vertheidigungsmitteln durch ein ganz unzweideutiges Zeichen jede Hoffnung auf Rettung geraubt: 332 ich meine das Feuer, das sich von seiner Richtung gegen den Feind gewiss nicht rein zufällig auf den von uns gebauten Mauerwall zurückgeworfen hat. Das alles ist vielmehr nur die göttliche Rache für die vielen Bosheiten, die wir in unserer Raserei gegen die eigenen Stammgenossen verübt haben, 333 und für die wir nun auch, nicht etwa unseren ärgsten Feinden, den Römern, sondern einzig Gott dem Herrn durch das Selbstopfer unseres Lebens eine Genugthuung geben wollen. 334 Diese Genugthuung ist doch sicher noch die leichteste: sterben werden dann, ohne Schmach zu leiden, unsere Frauen, sterben werden dann unbekannt mit dem Joch der Knechtschaft unsere Kinder, und nach ihnen wollen wir selbst uns einander den edelsten Liebesdienst erweisen, und

Empfohlene Zitierweise:
Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 526. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/526&oldid=- (Version vom 1.8.2018)