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Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/230

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bereits Verdacht geschöpft hatte, es könnte der Besuch des Josephus mit seiner Person zusammenhängen, schickte er ihm doch unter dem übrigen Volke, das zur Begrüßung des Josephus ausgezogen, auch seinerseits einen seiner Bekannten entgegen, um sich heuchlerisch auf sein fortdauerndes Unwohlsein zu berufen und sich zu entschuldigen, dass er, weil ans Bett gefesselt, ihm nicht persönlich seine Hochachtung bezeigen könne. 618 Als aber dann Josephus vor den Bürgern von Tiberias, die er in die Rennbahn hatte entbieten lassen, über die Mittheilungen des Silas eben Aufklärungen geben und sich geben lassen wollte, da schickte Johannes ganz unauffällig Bewaffnete zur Versammlung, die den Auftrag hatten, Josephus niederzuhauen. Doch sah das Volk noch zur rechten Zeit das Aufleuchten der gezogenen Schwerter und stieß ein lautes Geschrei aus. 619 Auf den Schrei wandte sich Josephus um und sah das schon zum Todesstoß erhobene Eisen. Mit einem Satz war er unten – er stand nämlich während seiner Rede an das Volk auf einem sechs Ellen hohen Vorsprung – und stürzte nach dem Seestrande, wo er in einen dort haltenden Nachen sprang und mit zwei seiner Leibwachen eiligst die Mitte des Sees zu gewinnen suchte.

620 (7.) Seine anderen Krieger hatten unterdessen schnell zu den Waffen gegriffen, um sich auf die Meuterer zu werfen. Da bekam aber Josephus Furcht, es möchte etwa ein Bürgerkampf daraus entstehen, der ihm um einiger Neider willen die Stadt ganz nutzlos ruinieren würde. Er schickte darum durch einen Boten an seine Leute die Weisung, sich bloß auf die Vertheidigung zu beschränken und weder einen der Schuldigen zu tödten, noch sie aufzuspüren. 621 Die Krieger gehorchten dem Befehle und verhielten sich ruhig. Anders die umwohnende Landbevölkerung, welche auf die Kunde von dem Anschläge und dessen eigentlichem Anstifter sich gegen Johannes zusammenrottete. Der aber hatte sich noch bei gutem Wind nach seiner Vaterstadt Gischala geflüchtet. 622 Jetzt sammelten sich die Galiläer aus allen Städten um Josephus und schwollen zu vielen tausend und tausend von Bewaffneten an, die da laut erklärten, dass sie sich gegen den Landesverräther zusammengefunden hätten und entschlossen seien, ihn sammt der Stadt, die ihn unter ihren Schutz genommen, zu verbrennen. 623 Obschon Josephus von diesem Beweise ihrer Anhänglichkeit, wie er der Menge selbst gestand, sehr befriedigt war, so suchte er doch ihren Zorneseifer zu zügeln, weil er von dem Grundsatz ausgieng, seine Feinde lieber durch ein kluges Benehmen unschädlich zu machen, als zu tödten. 624 Was er that, war, dass er die Namen der einzelnen Personen, die aus jeder Stadt zur Partei des Johannes abgefallen waren, herauszubekommen suchte, was ihm Dank der Bereitwilligkeit der Bürgerschaft, die ohneweiters die betreffenden Mitglieder

Empfohlene Zitierweise:
Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 230. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/230&oldid=- (Version vom 18.2.2020)