Zum Inhalt springen

Seite:Heft32VereinGeschichteDresden1937.pdf/61

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

41) Den Sommer verbrachte Tieck bis zum Jahre 1848 in Potsdam in einer ihm vom König eingerichteten freundlichen Gartenwohnung, die übrige Zeit wohnte er in Berlin, Friedrichstraße 208, in einem vornehmen einstöckigen Hause. Vgl. Köpke a. a. O. II 108 f., 124 f.; Berend a. a. O. LXXV.

42) Bis zu seinem Weggang von Dresden durfte Tieck sich glücklich schätzen, in Frau von Lüttichau jahrelang eine Persönlichkeit um sich zu haben, der es gegeben war, seine dichterischen Gedanken und Pläne nicht nur klar zu erfassen, sondern auch mit feinem Verständnis zu vertiefen und weiterzuführen (Ein Lebensbild 32 f.). Sein Erbe trat Carus an, der seit Herbst 1839 täglich mit ihr zusammenkam. Ihr teilte der geistvolle Arzt die schwierigsten Kapitel seiner Psyche, die 1846 im Druck erschien, zur Prüfung mit und hatte reichen Gewinn von diesem Gedankenaustausch (Lebenserinnerungen III 167, 211).

43) Des frühvollendeten Seelenfreundes Novalis hat Tieck als Mitherausgeber seiner Schriften im letzten Absatz der Vorrede zur 1. Auflage von 1802 (S. XI f.) ehrfürchtig gedacht.

44) Mit seinen Geschwistern muß Tieck bisweilen heftige Auftritte gehabt haben. Nach seinem Briefe vom 3. Februar 1853 (S. 39) bestand zwischen ihnen und ihm kein freundschaftliches Einvernehmen.

45) Am 1. Oktober 1842 hatte Tieck die erbetene Entlassung als Dramaturg erhalten. Auf seinen Wunsch blieb die Stelle unbesetzt. Eine Zwischenlösung bedeutete es, daß der am 1. Juni 1844 als Schauspieler und Oberregisseur nach Dresden berufene Eduard Devrient das Amt eines dramaturgischen Beirates mit übernahm. Er versah es auch weiter, als er im Februar 1846 die Oberregie niederlegte und sich auf seine Schauspielertätigkeit beschränkte. Doch hielt Herr von Lüttichau es nunmehr für angezeigt, die Tieck'sche Dramaturgenstelle vom 1. Januar 1847 ab ordnungsgemäß zu besetzen. Da die Dresdener Schauspieler den in Leipzig als Schriftsteller tätigen Heinrich Laube, der in erster Linie dafür in Aussicht genommen war, ablehnten, entschied sich der Intendant für Gutzkow, der ihm nach dem großen Erfolge seiner letzten Stücke „Zopf und Schwert“ und „Das Urbild des Tartüffe“ sehr geeignet erschien, um so mehr, als Carus und das gewichtige Schauspielerpaar August Bürck und Marie Bayer diese Wahl warm befürworteten. Freilich hatte Tieck nur zu recht mit seiner Voraussage, Herr von Lüttichau werde bald genug mit dem selbstherrlichen Manne viel Verdruß haben. Siehe dazu Robert Proelß, Geschichte des Hoftheaters zu Dresden (Dresden 1878) 504–507, 512–522, und Houben, Gutzkow-Funde (Berlin 1901) 380–391.

46) Richard Wagner, der seit 1842 in Dresden als zweiter Kapellmeister angestellt war, scheint sich bei der ihm wohlgesinnten Frau von Lüttichau darüber beklagt zu haben, daß Tieck der am 17. Mai 1846 in Darmstadt aufgeführten Tannenhäuseroper heiteren Stils des hessischen Musikdirektors Karl Ludwig Amand Mangold, deren Text der Dichter Eduard Duller verfaßte, mehr Beachtung schenkte als seiner großen romantischen Oper, die zwar bei der ersten Aufführung am 19. Oktober 1845 in Dresden keinen Erfolg hatte, bei der ersten und zweiten Wiederholung dagegen sehr gefiel. Mit Mangolds Tannenhäuser mußte Tieck sich eingehender beschäftigen, weil sein königlicher Herr, der sich für die von der hessischen Prinzessin Elisabeth empfohlene Oper interessierte, für eine Aufführung in Berlin szenische Änderungen wünschte, die Duller und Mangold bekanntzugeben waren. Wagner sollte die Genugtuung haben, daß der Mangold'sche Tannenhäuser trotz der vorgenommenen Änderungen in Berlin nie zur Aufführung kam, während sein Tannhäuser, dem Berlin zunächst allerdings verschlossen blieb, beim Besuch des Preußenkönigs in Dresden auf dessen ausdrücklichen Wunsch am 22. November 1847 gegeben wurde. Vgl. dazu H. Riemann, Opern-Handbuch (Leipzig 1887) 546; L. H. Fischer, Aus Berlins Vergangenheit 158–162; Glasenapp, Das