Zum Inhalt springen

Seite:Die zehnte Muse (Maximilian Bern).djvu/231

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Verschiedene: Die zehnte Muse

Absynth.

Mein Lieben, Träumen, Grollen,
Ist früchtelos verrauscht.
Wenn meine Segel schwollen,
Hat sie der Sturm gebauscht;

5
Gewaltig klingt sein Gellen

Im Takelwerk, den Raa’n,
Mein Schifflein will zerschellen –
Ei nu – was geht’s mich an?

Es starb das heil’ge Feuer,

10
Das auf dem Mast gesprüht:

Die Hand verliess das Steuer –
Sie war wohl allzumüd.
Sie sucht nicht mehr durch Sunde
Die klippenfreie Bahn …

15
Sie hebt das Glas zum Munde –

Ei nu – wen geht’s was an?

Und hab’ ich nie besessen,
Was je mein Herz begehrt –
Du Taumeltrunk Vergessen,

20
Du bleibst mir immer wert!

In dir versenkt zur Stunde
Sei, was man mir gethan …
Ihr sagt, ich geh’ zu Grunde?
Ei nu – was geht’s euch an?


J. J. David.




Lumpenhochzeit.

In der alten Heideschenke
Zittern heute Diel und Decke,
Reichlich fliessen die Getränke,
Dass der Braten besser schmecke.

5
Hochzeit hat die rote Jule

Mit Hansjörg, dem Pferdediebe, –
Sitzen auf bekränztem Stuhle,
Schon beseelt von Grog und Liebe.

Jules Bräut’gam ist ein hag’rer,

10
Rings gefürchteter Geselle,

Seine Gäste: Wegelag’rer,
Fürchten sämtlich sehr das Helle.

Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 225. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/231&oldid=- (Version vom 31.7.2018)