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Seite:Die zehnte Muse (Maximilian Bern).djvu/218

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Verschiedene: Die zehnte Muse

     Ja, mein Fräulein, gottvertrauend
Schau’ ich auf die stolzen Höh’n!
Hochpoetisch, herzerbauend

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Sind Ruinen, – wunderschön!


     Wunderschön die düst’ren Mienen
Durch das grüne Laubgewind’!
Doch das schönste an Ruinen
Ist, dass sie Ruinen sind!


Adolf Glassbrenner.




Der Adelige.

Dieser Mann mit wicht’ger Miene,
Einen Orden auf der Brust,
Trägt die Nase hoch und rümpft sie
Ueber die gemeine Lust.

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     Wie sie plaudern rings und lachen.

Er bleibt immer ernst und stumm;
Er hat zweiunddreissig Ahnen
Und ist ungeheuer dumm.

     Weiter ist er nichts hienieden;

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Doch ist sein Verdienst nicht klein:

Wenn er selig einst verstorben,
Wird er auch ein Ahne sein.


Adolf Glassbrenner.




Moderner Dichterling.

Ein glühend heisser Sommertag.
Der Jüngling im blühenden Grase lag
Im goldenen Sonnenschein.
Da war ein Blühen, ein heisses Weben,

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Alles durchglüht von verlangendem Leben,

Von Lebenskraft und Ueberfluss,
Von üppiger Schönheit und tollem Genuss.
Der Jüngling selber blühend und rot,
Schrieb in sein Buch ein Lied – vom Tod!


Alice Berend.



Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 212. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/218&oldid=- (Version vom 31.7.2018)