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Seite:De Zwei Frauen (Hahn-Hahn).djvu/200

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für ihn. Ich nenne Liebe: Kraft der Seele, entwickelnde, bildende, adelnde Kraft, die sich am Vollkommnen wie am Unvollkommnen üben soll, wie wir es gemischt im Menschen finden. Mein höchst prosaisches Ideal eines Mannes - das Ihr Beide gewiß nicht dafür gelten laßt - ist: gestützt auf seinen Arm getrost durch Lust und Leid des Lebens gehen zu können und wenn ich müde bin mit unermeßlichem Vertrauen mein Haupt an seine Brust lehnen zu dürfen.“

„Immer ein Felsen zu sein .… immer .… das ist doch eine schwierige Aufgabe!“ murmelte Gotthard.

„Ja, fuhr Cornelie fort, ein Fels, stark in der Gesinnung, fest im Handeln, und immer grade in die Höhe. Dafür dulde ich Härte, Eigensinn, alle Launen - diese Nadelstiche der Häuslichkeit; - dafür habe ich Nachsicht mit wunderlichen Einfällen, mit schroffen Ansichten, mit ich weiß nicht was Alles für Gewohnheiten, die mir vielleicht sehr lästig - mehr! die mir schmerzlich sein mögen; dafür begehre ich nicht die kleinen Aufmerksamkeiten und Zärtlichkeiten, die doch gar lieblich sind und oft mehr Freude machen, als große Opfer.“

„Das sind ja wahrhaft antike Gesinnungen, gnädige Gräfin,“ sagte Fürst Gotthard.

„Gesinnungen, die eigentlich dem Leben Zauber,

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Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Erster Band. Berlin 1845, Seite 196. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn).djvu/200&oldid=- (Version vom 31.7.2018)