Zum Inhalt springen

Seite:De Zwei Frauen (Hahn-Hahn).djvu/179

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.


„Ah, wenn Sie mich so mißverstanden .… dann bleib' ich lieber.“

„Lieber Fürst, sagte Cornelie ernsthaft, Ihr Character läuft wirklich Gefahr in Manie auszuarten.“

„Das sag' ich mir täglich, Gräfin! täglich! .… aber schaffen Sie mir doch einen Willen, eine Richtung, eine Neigung, eine Beschäftigung, irgend etwas, das mich überwältigt .… ganz unwiderstehlich und besinnungslos überwältigt oder versteinert oder in Fesseln schlägt - sei's ein Glück, ein Schmerz, eine Idee .… etwas wofür ich leben mögte oder sterben dürfte. Sehen Sie, in Paris - wenn da bei der ersten besten Emeute die Gamins sich todtschießen lassen bei ihrer dreifarbigen Fahne und sich einbilden sie befreiten dadurch Frankreich und Europa von Knechtschaft: so muß ich gestehen es sind verzweifelt dumme Jungen ohne Urtheil, ohne Scharfblick, ohne Kenntniß der Dinge die sie fördern wollen! - aber das schwör' ich Ihnen: beneidenswerth sind mir diese dummen Jungen schon Millionenmal vorgekommen, und ich gäbe den Rest meines Lebens drum, wenn ich mich nur ein Jahr so vollständig fanatisiren könnte. Was die Reflexion dem Mann für Schaden thut, wenn die Verhältnisse ihm nicht Thatkraft aufzwingen: das ist gar nicht genug zu beherzigen, denn es macht das Elend unsrer Zeit

Empfohlene Zitierweise:
Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Erster Band. Berlin 1845, Seite 175. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn).djvu/179&oldid=- (Version vom 31.7.2018)