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Seite:De Zwei Frauen (Hahn-Hahn).djvu/176

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dem Druck äußerer Umstände gelitten, immer nach Befreiung geschmachtet und sie bei fünfundzwanzig Jahren zum ersten Mal erlangt hat; darf man darum keinen Vorwurf machen, wenn er sich im vollen frohen Siegeslauf zu seinem Ziele wähnt.

Aurora unterhielt sich vortreflich! sie behauptete zwar sich aus Pflichtgefühl Gewalt anthun zu müssen, und Cornelie nahm sich wol in Acht ihr zu widersprechen, hegte aber im Stillen die wolbegründete Meinung, daß noch nie Aurorens Pflichtgefühl dermaßen mit ihrer Neigung Hand in Hand gegangen sei. Die bunten, neuen, stets wechselnden Gestalten, der Stoff zu Vergleich und Beobachtung den ihr Umgang oder ihre Erscheinung bot, der Reiz einer Berggegend, die Nähe des ewig zauberisch wirkenden Rheins mit seinen Ruinen und seinen alten malerischen Städten zwischen der ewigen Jugendfülle der Rebgelände: das Alles war entzückend für Aurore, die seit sechs Jahren abgeschieden in der märkischen Sandfläche und zwischen geistig flacher Umgebung lebte und sich nach einer erfrischenden Anregung sehnte.

„So weiß ich denn endlich! endlich! wie Berge aussehen und wie ein Strom! rief sie entzückt, und wollte nichts davon hören, daß Cornelie die schlesischen Berge gebirgsartiger nannte als den Taunus.

Empfohlene Zitierweise:
Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Erster Band. Berlin 1845, Seite 172. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn).djvu/176&oldid=- (Version vom 31.7.2018)