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Seite:De Zwei Frauen (Hahn-Hahn).djvu/084

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„Liebes Kind, da ich weder ein Prophet noch ein Witzling bin, so sind meine Worte ohne alles Gewicht.“

Die Polinnen waren aber in großer Aufregung. Konnte nicht die Bonapartistische Partei die Oberhand gewinnen? konnten als dann nicht alle Sympathien für Polen erwachen? konnten gährende Zustände, durch Beispiel angefeuert, nicht zum Ausbruch kommen? und mit welchem Erfolg? Madame Orzelska gerieth in hofnungsfreudige flammende Lebendigkeit und wurde hinreißend schön, und Cornelie beneidete ihr fast diesen Enthusiasmus, der ihr zugleich so viel Schwung und soviel Anmuth gab. Bei der abendlichen Heimfahrt sagte Eustach zu Cornelie:

„Liebes Kind, ich finde Dein Benehmen höchst unpassend mutterseelenallein mit Fürst Gotthard herum zu reiten.“

„Ich war ja in Altdorf auch allein mit ihm,“ sagte Cornelie kleinlaut.

„In Deinem Hause, ja! da bist Du die Herrin, da darfst Du allein sein mit wem Du willst. Aber auf der Landstraße, mit einem Fremden und einem Reitknecht - das thut man nicht, das ist taktlos, das verstößt gegen alle Sitte, und es ist beklagenswerth daß ich Dich darauf aufmerksam machen muß.“

Empfohlene Zitierweise:
Ida von Hahn-Hahn: Zwei Frauen. Erster Band. Berlin 1845, Seite 80. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Zwei_Frauen_(Hahn-Hahn).djvu/084&oldid=- (Version vom 31.7.2018)