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Schloß Prunn

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Textdaten
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Autor:
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Titel: Schloß Prunn
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 9, S. 281, 288, 290
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[281] 

Schloß Prunn.
Zeichnung von R. Püttner.

[288] Schloß Prunn. (Zu dem Bilde S. 281.) Kühne Bauherren waren die Ritter des Mittelalters, das weiß man aus mehr als einem Beispiele. Aber so keck hat selten ein Schloß auf seinem Felsenstock gesessen wie dasjenige, welches unsere Abbildung dem Beschauer vorführt. Es ist das Schloß Prunn, drei Stunden oberhalb Kehlheim an der Altmühl, einem linken Nebenfluß der Donau, gelegen. Es ist, als wollte der riesige Felsenthurm sich vornüber neigen und sammt seiner Last zu Thal stürzen, denn wie ein von der Brandung ausgewaschenes Felsgestade zeigt er sich unterhöhlt und eine breite Kluft trennt ihn von dem Rande der Hochebene.

Jahrhunderte haben an den Gebäulichkeiten des Schlosses gearbeitet, und die ersten Erbauer fanden bequeme Bausteine in den Trümmern eines alten Römerkastells; die Ringmauer auf der Süd- und Westseite weist viele Römerreste auf. Wann die Burg erstand, das weiß man nicht genau, jedenfalls war es schon vor dem Jahr 1100, in welcher Zeit (1037) zuerst Herren von Prunn bekannt werden. Dann sah das Felsennest manche wechselnde Besitzer: die Breitenecker, Frauenberger, die Herren von Keck, später die Jesuiten und Johanniter, und alle haben ihre Gedächtnißmale in Erweiterungsbauten hinterlassen. Eine lange, auf drei gemauerten Pfeilern ruhende Holzbrücke führt über den außerordentlich tiefen und breiten Schloßgraben, ein 16 Meter tiefer Ziehbrunnen spendet einen erquickend kühlen Trunk; oben aber, von den Bodenräumen der Schloßgebäude, genießt man eine entzückende Aussicht weithin über das gesegnete Bayerland.

Ein sonderbares Gemälde fällt an der Ostseite des Schlosses dem Blicke des Beschauers auf. Es ist ein sich bäumender Schimmel in rothem Felde, und die Sage weiß hierzu eine kleine Geschichte zu erzählen. Einer der Ritter, der auf Schloß Prunn saß, war alt geworden und gedachte sein Haus zu bestellen. Er hatte aber drei Söhne, die er alle drei gleich liebte und von denen er keinem einen Vorzug einräumen wollte. Da stellte er einen Wettstreit unter ihnen an: wer am schnellsten die Strecke vom Fuße des Berges [290] hinüber nach der benachbarten Riedenburg und wieder zurück reite und zuerst wieder auf Prunn eintreffe, der solle das Bergschloß haben. Dem zweiten war das Schloß im Thale, dem dritten eine Geldabfindung zugesichert. Der Jüngste mit seinem Schimmel gewann das Schloß, und zum Dank ließ er sein flinkes Roß auf der Wand des Herrenhauses abkonterfeien.

So die Sage. Der nüchterne Heraldiker freilich sagt uns einfach: der Schimmel im rothen Felde ist das Wappen der Frauenberger. =