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Schloß Eger (Fontane, 1905)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: Theodor Fontane
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Titel: Schloß Eger
Untertitel:
aus: Gedichte, Seite 232–234
Herausgeber:
Auflage: 10. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1905
Verlag: J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Stuttgart und Berlin
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Quelle: Commons
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[232]
Schloß Eger.


     Lärmend, im Schloß zu Eger,
Ueber dem Ungarwein,
Sitzen die Würdenträger
Herzogs Wallenstein:

5
Tertschka, des Feldherrn Schwager,

Illo und Kinsky dazu,[1]
Ihre Heimath das Lager,
Und die Schlacht ihre Ruh.

     Lustig flackern die Kerzen;

10
Aber der Tertschka spricht:

„Ist mir’s Nacht im Herzen,
Oder vor’m Gesicht?
Diese Lichter leuchten
Wie in dunkler Gruft,

15
Und die Wände, die feuchten,

Hauchen Grabesluft.“

     Feurig funkelt der Unger;
Aber der Kinsky spricht:
„Draußen bei Frost und Hunger

20
Schüttelte so mich’s nicht,

Hielte lieber bei Lützen
Wieder in Qualm und Rauch;
Wolle Gott uns schützen,
Oder – der Teufel auch.“

[233]
25
     Illo nur, Herz wie Kehle

Hält er bei Laune sich,
Dicht ist seine Seele
Gegen Hieb und Stich,
Trägt ein Büffelkoller

30
Wie sein Körper traun,

Lustiger und toller
War er nie zu schaun.

     Und vom Trunke heiser
Ruft er jetzt und lacht:

35
„Das erst ist der Kaiser,

Wer den Kaiser macht;
Eid und Treue brechen,
Thaten wir’s allein?
Hoch der König der Czechen,

40
Herzog Wallenstein!“


     Burg- und Schloß-Bewohner
Ruhen Da sieh, in Stahl,
Buttlersche Dragoner
Dringen in den Saal;

45
Buttler[2] selbst, im Helme,

Tritt an den Illo: „sprich,
Seid ihr Schurken und Schelme,
Oder gut kaiserlich?!“

     Hei, da fahren die Klingen

50
Wie von selber heraus,

Von dem Pfeifen und Schwingen
Löschen die Lichter aus;
Weiter geht es im Dunkeln,
Nein, im Dunkeln nicht:

55
Ihrer Augen Funkeln

Giebt das rechte Licht.

[234]
     Tertschka fällt; daneben

Kinsky mit Fluch und Schwur;
Mehr um Tod wie Leben

60
Ficht selbst Illo nur,

Schlägt blindhin in Scherben
Schädel und Flaschen jetzt,
Wie ein Eber im Sterben
Noch die Hauer wetzt.

65
     Licht und Fackel kommen,

Geben düstren Schein:
In einander verschwommen
Blinken Blut und Wein;
Ueberall im Saale

70
Leichen in buntem Gemisch,

Stumm, vor seinem Mahle,
Sitzt der Tod am Tisch.

     Buttler aber, wie Wetter
Donnert jetzt: „laßt sie ruhn!

75
Das sind erst die Blätter,

An die Wurzel nun.“
Bald in Schlosses Ferne
Hört man’s krachen und schrein; –
Schau nicht in die Sterne,

80
Rette dich, Wallenstein!

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Wallensteins enge Vertraute Adam Erdmann Trčka von Lípa (1599–1634), Christian von Ilow (1585–1634) und Wilhelm Kinsky (1574–1634) wurden am 25. Februar 1634 in Eger (Cheb) ermordet und Wallenstein selbst noch in der gleichen Nacht.
  2. Walter Butler (1600–1634).