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Saul unter den Propheten

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Textdaten
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Autor: Rainer Maria Rilke
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Titel: Saul unter den Propheten
Untertitel:
aus: Der neuen Gedichte anderer Teil, S. 12
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1918
Verlag: Insel-Verlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Österreichische Nationalbibliothek
Kurzbeschreibung:
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SAUL UNTER DEN PROPHETEN


Meinst du denn, daß man sich sinken sieht?
Nein, der König schien sich noch erhaben,
da er seinen starken Harfenknaben
töten wollte bis ins zehnte Glied.

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Erst da ihn der Geist auf solchen Wegen

überfiel und auseinanderriß,
sah er sich im Innern ohne Segen,
und sein Blut ging in der Finsternis
abergläubig dem Gericht entgegen.

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Wenn sein Mund jetzt troff und prophezeite,

war es nur, damit der Flüchtling weit
flüchten könne. So war dieses zweite
Mal. Doch einst: er hatte prophezeit

fast als Kind, als ob ihm jede Ader

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mündete in einen Mund aus Erz;

alle schritten, doch er schritt gerader.
Alle schrieen, doch ihm schrie das Herz.

Und nun war er nichts als dieser Haufen
umgestürzter Würden, Last auf Last:

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und sein Mund war wie der Mund der Traufen,

der die Güsse, die zusammenlaufen,
fallen läßt, eh er sie faßt.