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Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Zedtlitz

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Textdaten
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Autor: Carl Wilhelm Schäfer
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Titel: Zedtlitz
Untertitel:
aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 17–19
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
Kurzbeschreibung:
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Zedtlitz
bei Borna.


Dieser in den frühesten Zeiten der sächsischen Culturanfänge zum Gaue Plisni gehörige Ort, der aber seit den ersten Markgrafen Meissens aus dem Hause Wettin-Buozizi anfänglich zu dem Pleissnerlande gehörte und dann zu dem Osterlande gezogen ward, ist unbedingt als eine alte slavische Herrschaft anzusehen, nach deren Besitze sich auch scheinbar die alte Familie Derer von Zedlitz oder Czedlitz schrieb, aus welcher die Gebrüder Heinrich und Otto von Cedelitz in einem Schenkungsbriefe des Bischofs Berthold zu Naumburg vom Jahre 1191, sowie ein Otto von Zedeliz in einer Bestätigungsurkunde des Königs Philipp, vom 23. April 1203 zu einer Schenkung des Markgrafen Theoderich von Meissen an das Kloster Alten-Zella und endlich auch ein Sigfried von Zedliz in einer Donations-Urkunde desselben meissner Markgrafen, vom 7. März 1216, für dasselbe Kloster als Zeugen erscheinen. – Es giebt zwar in den sächsichen Gesammtlanden noch mehrere Zedlitz, Zedtlitz oder auch Zettlitz,[1] die ursprünglich wohl gleichlautend waren und auch selbst eine Etymologie haben dürften, von denen aber keins für das Stammhaus derer von Zedtlitz angesehen werden kann, da sie keine alten Rittersitze gehabt haben. Dass ein Steinhaus oder Schloss seit den ältesten Zeiten hier stand und vielleicht dem Orte sogar seine Entstehung gab, indem sich Smurten oder Litonen oder die an die Scholle des Schlosses gebundenen Hörigen dabei ansiedelten, geht schon aus dem Namen hervor, da Zed oder Zedl im Slavischen Mauerwerk oder Steinbau bezeichnet. Die [18] Etymologie aber, aus der Anlage des Dorfs, das mit seinen Häusern etwas zerstreut, hingezeddelt liegt, finden zu wollen, ist bedenklich. Doch lässt sich gerade aus dieser zerstreuten Anlage sehr gut vermuthen, dass Zedtlitz im Slaventhume kein wirkliches Dorf war, weil die ältesten Slavendörfer des Osterlands durchgängig in Hufeisenform gebaut sind, sondern nur ein um den alten slavischen Wjes eines Knjes, oder den ursprünglichen Herrnsitz nach und nach angelegter Complex von Doms. Von sehr früher Cultur zeugt übrigens der Name des zu Zedtlitz gehörigen Dorfs Raupenhain, welcher nur scheinbar deutsch ist und nach seiner alten Form (slavisch) nichts als eine „gehauene Waldung“ bezeichnet, sowie ebenfalls der Name des nahen Orts Platecka (alt Plotecka), der soviel als Flechtwerk oder Verzäunung bedeutet. Uebrigens hat die Gegend zwischen der Mulde und Wyhra bereits im Jahre 1104, nach einer Nachricht des Pegauer Mönchs, durch Wieprecht von Groitzsch fränkische Colonisten erhalten, daher auch die vielen deutschen Ortschaftsnamen der nächsten Umgegend.

Zedtlitz gehörte vor der Reformation unter den borna’schen Sprengel des Bisthums Merseburg, kam nach 1539 unter das Consistorium zu Leipzig, und die hiesige Kirche, die jetzt zur Ephorie Borna gehört, ist wie der vordere Theil derselben welcher Gewölbe ist, zeigt, bereits im 12. oder zu Anfange des 13. Jahrhunderts angelegt, doch hat sie später, zum Theil im 15. und 16. Jahrhunderte schon, wiederholte und zwar nicht unbedeutende Erweiterungen erfahren. Die Grundform der Kirche ist eben durch diese allmähligen Anbaue etwas zu schmal für ihre Länge geworden, ist aber im Innern doch ziemlich geräumig. Sie enthält ausser einigen gutgearbeiteten Epitaphien, wovon das älteste die Jahrzahl 1494 trägt, nichts Bemerkenswerthes; weder Altar, noch Kanzel sind alterthümlich. Besonders knüpfen sich an die Epitaphien der hier Ruhenden aus der Familie Derer von Gladebeck mehrfache Erinnerungen für die Bewohner von Zedtlitz. Das Innere ist in ganz neuester Zeit auf Kosten der Kammerherrin Julie, verwittwete von Metzrad gänzlich restaurirt worden. Uebrigens hat auch die Kirche kein wirkliches Vermögen und ebenso wenig Legate. Ihr äusseres Ansehen ist überdies geeignet die Gegend zu zieren; denn sie hat im Ganzen ein nettes Ansehen, das durch den über 70 Ellen hohen, überaus schlanken Thurm, der, wie die Jahrzahl in der Wetterfahne zeigt, im Jahre 1739 vollendet ward, bedeutend gehoben wird. Der erste evangelische Geistliche war Georg Riemann, der 1569 starb.

Das hiesige altschriftsässige Rittergut, das auch die Collatur der hiesigen Pfarre und des Schulamts hat, ist hinsichtlich seines wohlgebauten Schlosses und der dazu gehörigen Bauten eins der anmuthigsten Rittersitze der Umgegend. Der schöne geräumige, zu Anfange des vorigen Jahrhunderts ausgeführte Schlossbau, dessen mit hohem Schieferdache bedecktes Hauptgebäude drei Etagen mit sieben Fensterbreiten hat, neben welchem sich rechts ein kleiner bewohnbarer Flügel, sowie links ein geräumiges Gewächshaus mit guter Flor erhebt, gewährt in der That einen schönen Prospect. Ein kleinerer parterrehoher Vorbau deckt von vorn den Ziergarten des Schlosses, während die übrigen drei Seiten des geräumigen Rittergutshofes von geschmackvollen und massiv gebauten Wirthschaftsgebäuden, deren Ställe sogar durchaus gewölbt sind, geschlossen sind. Ein sehr anmuthiger Lustgarten, der zum Theil im englischen Geschmacke angelegt ist, umgiebt die ganze Schlosspartie und rings um ihn ist eine Art Wall mit Wassergraben angelegt.

Die von Draschewitz, welche bereits im 14. Jahrhundert sehr begütert in dem Oster- und Pleissnerlande waren und von denen die Gebrüder Albert, Heinrich und Barthel v. D. im Jahre 1311 als Besitzer von „Storkowitz,“ sowie Hans mit seiner Gemahlin Altze („ehelichen Wirthin,“ wie sie in der Urkunde heisst) im Jahre 1390 als Mitbesitzer von Zwenfurt, der auch das „wüste Dorf Biegbruch“ in demselben Jahre an das Thomaskloster zu Leipzig verkaufte, und Nickel von D. auf Albrechtshain gesessen, der im J. 1406 seinen Antheil an „Klein-Posen“ an dasselbe Kloster veräusserte, öfter urkundlich vorkommen, werden auch als die ältern Lehnbesitzer von Zedtlitz genannt. Wolf von Draschwitz diente nach der Ritterrolle von 1614 mit 1½ Ritterpferde wegen des Guts Zedlitz bei der V. „Compagneia der ehrbaren Mannschaft“ und die von D. scheinen den Besitz von Z., an die von Gladebeck käuflich abgetreten zu haben, da sie noch 1692 auf Zedtlitz vorkommen.

Die von Gladebeck stammten aus der hannöverschen, landtagsfähigen Herrschaft gleiches Namens im Amte Kalenberg und sind bereits im 10. Jahrhunderte angesehene niedersächsische Odelinger gewesen, denn 930 vermählte Statz (Statius) von G. seine Tochter an Conrad von Schwanringen. Doch war ihr Stammhaus bereits im 16. Jahrh. im Besitze derer von Pappenheim. Zu Anfange des 17. Jahrhunderts finden sie sich im Brandenburgischen, wo Bodo von G. wirklicher Geh. Staatsrath, Hofkammerpräsident und Hauptmann zu Fürstenwalde war. Die Wittwe des königl. preussischen und churbrandenburgischen Kriegsraths von Gladebeck, eine Geborne von Münchhausen, war schon zu Anfange des 18. Jahrhunderts Besitzerin von Zedtlitz und baute im Jahre 1706 die ansehnlichen Schlossgebäude nebst den dazu gehörigen Wirthschaftsräumlichkeiten, und legte auch die ersten Gartenanlagen an. Doch hat das Andenken der von Gladebeck’schen Familie unstreitig das Fräulein Johanna Sophie von Gladebeck, durch vier eigenthümliche, ihren frommen und wohlthätigen Sinn beurkundende Legate am Meisten in der ganzen Parochie gesichert. Sie legirte nämlich im Jahre 1728 1500 meissnische Gülden zum alljährlichen Ankauf von 3 Viertel Bier, welches am Johannistage alljährlich alle Gemeindemitglieder gemeinschaftlich trinken, während die übrig bleibenden Zinsen gleichmässig vertheilt werden; ausserdem setzte sie 300 Thaler als Schullegat, deren Zinsen zur Bezahlung des Schulgelds für Aermere und zur Anschaffung von Kleidungsstücken sowie von Schulbüchern bestimmt sind. Ersteres Legat hat die Gutsherrschaft und letzteres diese mit dem Pfarrer und Schulmeister zu verwalten. Ueberdies dotirte sie 500 Thlr. zum Ankauf einer grossen halleschen oder nürnberger Bibel in Folio, einer Handbibel und einem Gesangbuche als Inventarium für jedes Haus der ganzen Parochie, wozu auch Raupenhain und Platecka gehören, wobei sie ausdrücklich noch bestimmt hat, dass bei jeder Besitzveränderung der Häuser diese Bücher als ein Inventarium dem neuen Besitzer besonders mit übergeben, auch stets in Stand erhalten werden müssen. Endlich vermachte [19] sie noch 1500 Thlr. zur Erbauung eines neuen Kirchthurms, welchen sie als ihr Epitaphium angesehen wissen wollte. Wie schön die Errichtung dieses zugleich nützlichen Grabmonuments ausgefallen ist, haben wir bereits erwähnt. Mit ihr starb im Jahre 1728 das von Gladebeck’sche Geschlecht auf Zedlitz vollends aus, nachdem bereits im Jahre 1701 die von Gladebeck auf Münchlora ohne Erben abgegangen waren und deren Besitz dem König von Preussen apert geworden war. Der damalige Pastor zu Zedtlitz, Mag. Heinrich Ludwig Freiesleben, der 1725 von Altenburg (seinem Geburtsorte) aus hierher die Vocation erhalten hatte, hat noch ausserdem ihr Andenken dadurch erhalten, dass er die auf ihren Tod gehaltene Gedächtnisspredigt, fast 24 Bogen stark, in Folio hat drucken lassen. – Das Rittergut selbst testamentirte sie dem einzigen Sohne ihrer schon verstorbenen Schwester, dem Bodo von Grossig aus dem Winkel; im Jahre 1752 besassen es noch drei Brüder dieser Familie (auf Nenkersdorf und Wettin). Doch diese verkauften es an den K. S. Hofrath von Reinhold, Oberamtmann zu Dresden. Nach dessen Tode ging es an seine beiden Söhne Jacob Christian von Reinhold, K. S. Kriegsgerichtsrath und Jacob Karl von Reinhold, K. S. Legationsrath über. Letzterer starb früher und hinterliess eine Tochter, Julie, und als Ersterer ohne Erben das Zeitliche segnete, so erbte diese, die sich mit den Kammerherrn Johann Ferdinand von Metzrad vermählt hatte, das Rittergut Zedtlitz. Nach dem Tode ihres Gemahls übergab sie es ihrem einzigen Sohne, Rudolph von Metzrad, der sich mit Fräulein Marie von Nostiz-Jänkendorf, Tochter des K. S. Staatsminister ausser Dienst und Probst’s zu Budissin, vermählte und noch jetzt Besitzer und Collator auf und zu Zedtlitz ist.

Das Dorf liegt etwa ⅝ Stunde von Borna, 1½ Stunde von Frohburg und erstreckt sich mit seinem obern Theile, der die Schule und Kirche enthält, auf einer nach Morgen sich hebenden Anhöhe an die von Leipzig über Borna, Frohburg und Penig nach Chemnitz führenden chaussirte Hauptstrasse, die alte ehemalige Reichsstrasse ins Böhmerland, die zu den fünf Stapelstrassen von Leipzig aus gerechnet wird, während der untere Theil desselben, mit dem Rittergute nach Abend zu an das rechte Ufer des Flüsschens Wyhra (was soviel als Grenzfluss heisst), sich erstreckt. Die weitere Umgebung besteht grösstentheils aus Sandhügeln und der grösste Reiz der Gegend ist eigentlich die hier ¼ Stunde breite Wyhraaue mit üppigen Wiesen und einigem Gehölze. Besonders hat das Rittergut eine höchst anmuthige Lage, während die Kirche gleichsam die Krone der Landschaft bildet. Die zum Rittergute gehörige, stark veredelte Schäferei liegt etwas südlicher vom Gehöfte, während noch etwas entfernter im Südwest die gutsherrliche Ziegelei sich befindet. Ausser dem gegen das Dorf hin sich ausbreitenden herrschaftlichen Zier- und Nutzgarten tragen auch die von mehreren Seiten nach dem Schlosse hinführenden Alleen und die Dämme in der Wyhraaue Vieles zur Annehmlichkeit der nächsten Umgebung bei. Innerhalb der Dorfflur, die übrigens mit Wenigen-Borna, Schöna, Neukirchen, Nenkersdorf, sowie mit Platecka und Raupenhain raint, nimmt auch die sich vielfach dahinschlängelnde Wyhra den kleinen Nenkersdorfer Bach auf, während sie nordöstlich an den grossen Staatsforst, das „Fürstenholz“ genannt, gränzt.

Unter den Gebäuden des Dorfs zeichnet sich zuvörderst der Gasthof aus, welcher seit dem Brande um 1838 ein neues, im modernsten Baustyle aufgeführtes Gebäude mit schönem Gesellschaftssaale ist, wo sich öfter ein Predigerverein, eine pomologische Gesellschaft und ein landwirthschaftlicher Verein zu versammeln pflegen und auch letztere wiederholt Ausstellungen veranstaltet haben. Der Besitzer derselben Friedrich Teichmann, Besitzer von Munkern, ist ein wissenschaftlich gebildeter Mann. Ebenfalls ist die hiesige Mahl- und Oelmühle hinsichtlich ihrer Betriebswerke beachtenswerth zu nennen; auch sie hatte das Missgeschick 1839 niederzubrennen. – Die Einwohner des Dorfs Zedtlitz, welche sich mit Ackerbau und Viehzucht vornehmlich beschäftigen und auf neun Anspännergüter, 16 Hintersässergüter und einige 30 Häuslernahrungen vertheilt sind, werden in zwei Gemeinden, nach der Lage des Orts in die obere und untere, getheilt, zu letzterer gehörte bis um 1840 auch das nahe Dorf Platecka, das jetzt eine eigne Gemeinde bildet.

Zur Chronik des Orts gehört endlich noch, dass er wegen seiner allzu nahen Lage an der Heerstrasse in allen Sachsen berührenden Kriegen gewaltig gelitten hat. So im Schwabenkriege 1377, im Hussitenkriege 1433, da die Hussiten auf dieser Strasse bis Leipzig vordrangen, im Bruderkriege, im dreissigjährigen Kriege, namentlich durch Gallas im Oct. 1632, sowie im siebenjährigen und endlich im letzten französischen Kriege, wo es am 10. Oct. 1813, abwechselnd von den Franzosen und Alliirten beschossen wurde und von Letztern endlich sogar, um den Pass der Strasse ganz zu gewinnen, mit Sturm genommen ward, wo es auch eine Plünderung und einiges Brennen zu erdulden hatte und wobei selbst das alte, damals schon baufällige Pfarrhaus nicht ganz verschont blieb.

Dr. Carl Wilhelm Schäfer.     




  1. Zedlitz, im alten Neustädter Kreise bei Weyda und Mildenfurth, Zedlitz bei Budissin, Zettlitz im Amte Rochlitz. Stammverschieden sind aber unbedingt die Sedlitz, die von Sedlo, der Sitz, ihren Namen haben.