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Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Solschwitz

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Textdaten
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Autor: Moritz Grimmel
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Titel: Solschwitz
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aus: Markgrafenthum Oberlausitz, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3, Seite 129–130
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854–1861
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons und SLUB Dresden
Kurzbeschreibung: Beschreibung des Rittergutes Sollschwitz
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Solschwitz
Solschwitz


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Solschwitz


wendisch Ssulschezy, 2 Stunden nordwestlich von der Stadt Bautzen entfernt gelegen.

Solschwitz hat ein sehr schön und massiv erbautes Schloss, dessen Lage einen herrlichen Anblick gewährt, wie dies auch schon aus der Abbildung zu ersehen ist.

Solschwitz ist sehr alten, und den Namen nach zu schliessen wendischen Ursprungs. Die jetzigen Wenden sind Ueberreste und Nachkommen jener alten Wenden, welche zur Zeit der grossen Völkerwanderungen aus dem Meklenburgischen einen Einfall in die Mark Brandenburg und in die benachbarte Lausitz machten, nach damaligen Sitten ihre Fusstapfen mit Blut und Feuer bezeichneten und allda ihre Wohnsitze aufschlugen.

Die vornehmste Gottheit, welche sie anbeteten, hiess Rhadegast, welche vorgestellt wird als ein Mann mit einem ungestalteten Gesicht, in der Hand einen langen Spiess haltend und auf dessen Kopf ein Vogel sitzt, der einer Gans ähnlich ist.

Zu Razeburg in Niedersachsen zeigt man einige solche Götzen, welche am Tollensee, an dem Ort, wo sonst die wendische Stadt Räthra gestanden, ausgegraben worden sind. Lange musste man sich mit diesem kriegerischem Volke herumschlagen, bis endlich die Christen die Oberhand behielten und sie besonders unter dem Markgraf Albertus Ursus im 12. Säculo, zum Theil ausrotteten, theils zu Leibeigenen machten. Diese Leibeigenschaft ist in der neuern Zeit durch die Humanität und Menschenfreundlichkeit der Herren Gutsbesitzer in der Lausitz aufgehoben und überall wird für Ausbildung und Lehre und Unterricht durch Schulen und Stiftungen gesorgt.

Man rechnet auf die Oberlausitz 449 wendische Dörfer, welche 50,000 evangelische Einwohner nebst 62 Kirchen und etwa 9,000 römisch-katholische Einwohner nebst 10 Kirchen haben. In den Hauptstädten wohnen nur wenige und nur wegen der eingepfarrten Dörfer sind in Bautzen und Camenz wendische Kirchen. Auch Solzschwitz war früher in die Nicolaikirche zu Bautzen gepfarrt, während die evangelischen Einwohner nach Göda oder Neschwitz in die Kirche gingen.

Die hiesige Gegend ist hügelig aber fruchtbar. Das örtliche Klima ist mild, die[WS 1] Mineralien bestehen[WS 2] wie das nahe Urgebirge aus Granit.

Der Boden ist von lehmiger milder Beschaffenheit und bei einiger Düngung dankbar.

Die Obstcultur ist blühend und wird sehr strenge beobachtet.

Der Kunstwiesenbau ist hier und in den benachbarten Orten stark.

In den Forsten sind die Höhen mit Nadelholz, Kiefern und Lerchen gut bestanden und zeigen einen freudigen üppigen Wuchs.

Die Niederungen halten Laubholz an Teichen und Dämmen und gewähren den Wandrer und Naturfreund einen entzückenden Anblick.

Der Nahrungszweig der Einwohner von Solschwitz ist grösstentheils Ackerbau, Vieh- und Baumzucht.

Ein Schloss stand hier schon in den frühesten Zeiten, doch ist dessen Geschichte nicht bekannt, da die Nachrichten aus jener Zeit nicht aufzufinden sind.

Das Gut besass im Jahre 1770 der Acciscommissar Johann Michael Richter; im Jahre 1800 noch dessen Erben und im Jahre 1820 Johann Ernst August Richter.

[130] Der derzeitige Besitzer ist Herr Kammerherr von Watzdorf auf Störmthal bei Leipzig.

Die katholischen Einwohner von Solschwitz sind, wie schon erwähnt, mit Dreikretzscham, Pannewitz, Weidlitz, Zeschkowitz, Autschkowitz, Neuhof oder Kleinhausen nach Chrostewitz gewiesen, ein katholisches Pfarrkirchdorf nahe bei dem Kloster Marienstern, zu dem es gehört. Dieses Chrostwitz besitzt die älteste Kirche im Bautzener Kreise und deshalb ist die Parochie sehr stark.

An der Stelle der gegenwärtigen Kirche in Chrostwitz stand früher ein heidnischer Tempel, weshalb man auch zu der Ueberzeugung gelangt ist, dass die Orte in hiesiger Gegend wo nicht im 11. doch im 12. Jahrhundert entstanden sind.

Chrostwitz verdient einige Aufmerksamkeit wegen der in der Nähe liegenden Schanzen, nämlich die Kotzschiner, bei dem Dorfe Kotzschin und die Kuckauer bei dem Dorfe Kuckau. Die alten Wenden scheinen sich derselben einerseits zu ihren Opfern, anderseits bei ihren Verfolgungen zu ihrer Vertheidigung bedient zu haben.

In der Schanze zu Kuckau siedelte sich 1765 ein gewisser Packan als Eremit an, lebte dasselbst 23 Jahre, legte aber dann die Kutte ab und verliess seine Granitbank, auf welcher er schlief, um sich zu verheirathen und zum thätigen Leben wieder zurückzukehren.

Wie wir schon oben erwähnt haben, so gehört Crostwitz zum Kloster Marienstern und diesem steht auch über die dasigen Stellen der Geistlichen und Schule die Collatur zu und zwar in folgender Art und Weise: Die Collatur über das Pfarramt sowie die Schulstellen zu Crostwitz und Kuckau hat die Aebtisinn; dagegen besorgt die Stellen der 2 Kaplane zu Crostwitz der Ordinarius zu Budissin.

Die evangelischen Unterthanen von Solschwitz halten sich, wie wir schon erwähnt haben, zu Göda, früher gingen sie nach Neschwitz.

Wer noch kein mit fürstlicher Pracht meublirtes Schloss gesehen hat, der versäume nicht bei dem Besuche hiesiger Gegend Neschwitz mit zu berühren. Hier giebt es genug zu sehen und zu bewundern.

Der gegenwärtige Besitzer von Neschwitz ist Herr Franz Theodor Reichsgraf von Riesch, eine Familie die mit den Geschlechtern von Einsiedel, Gersdorf, Riaucour, Reder hier in der Lausitz die meisten Güter besitzt.

Eine Eigenthümlichkeit hiesiger Parochie ist es, dass in derselben, mehr als in irgend einer andern, Protestanten und Katholiken untermischt leben und bilden letztere in einigen Oertern sogar die Mehrzahl.

Die Parochie überhaupt ist sehr stark und dürfte aus einer Seelenzahl von 3757 bestehen.

Da die Kirchengemeinde theils aus wendischen, theils aus deutschen Mitgliedern besteht, so findet jeden Sonn- und Festtag Gottesdienst in beiden Sprachen statt.

Ad sacra halten sich hieher, auch nicht wenige Protestanten, die zerstreut in den benachbarten katholischen, namentlich dem Radiborer Kirchspiele leben.

Schmochtitz und Solschwitz, welche beide Dörfer ehedem beliebig hieher oder nach Göda sich hielten, wurden erst vor einigen Jahren definitiv an letzteren Ort gewiesen und das Unsichere und Schwankende der Neschwitzer Parochialverhältnisse gehoben.

Die Kirche in Gödau ist schon öfter in diesem Album beschrieben und erwähnt worden, weshalb deshalb eine Wiederholung nicht am Platze ist.

Bemerkenswerth ist noch von Solschwitz und der dasigen Umgegend die Liebhaberei der Bienenzucht, obschon solche nicht mehr so stark ist, als zu der Zeit, wo der Bienenvater Schirach, Prediger in Kleinpautzen, eine Stunde von der Stadt Bautzen Anno 1766 eine ordentliche Bienengesellschaft errichtete, welche Kavaliers, Prediger, Oeconomen und Bauern zu Mitgliedern hatte. Dieser Mann war ein so eifriger Freund seiner Bienen, dass man erzählt, er sei einstmals aus der Beichte gelaufen, ohne die Beichte anzuhören und die Absolution zu ertheilen, als man ihm gesagt, es schwärme ein Bienenstock.

Solschwitz gehört jezt mit seinen 8 Rauchen zum Gerichtsamt-, zum Bezirksgericht-, zur Amtshauptmannschaft-, zum Regierungsbezirk Bautzen.

Möge der Ort noch lange sich seiner jetzigen, nach jeder Seite hin nur achtenswerthen Gerichtsherrschaft erfreuen.

M. G.     




Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: bie
  2. Vorlage: Mineralieu