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Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Schloss Riesa

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Textdaten
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Autor:
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Titel: Schloss Riesa
Untertitel:
aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 7–8
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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Schloss Riesa,


Rittergut mit dazu gehörigem Vasallen-Städtchen gleiches Namens, auf dem linken Elbufer an dem Einfluss des Jana-Baches in die Elbe, liegt eine Viertelstunde stromabwärts von dem Vereinigungspunkte der Leipzig-Dresdner, der Riesa-Berliner, und der Chemnitz-Riesaer Eisenbahn und der im Jahre 1836 vom Landbaumeister Königsdörfer erbauten, auf 12 Pfeilern ruhenden Eisenbahn-Elbbrücke, mit welcher der sogenannte Röderauer Viaduct, aus zwei hohen Erddämmen und einer Landbrücke von 67 Pfeilern bestehend, in unmittelbarem Zusammenhange steht.

Die gesammte Wirthschaft des Rittergutes ist auf dem, zwei verschiedene Höfe umfassenden, zum Theil aus neu erbauten Scheunen, Stall- und Wohngebäuden bestehenden Vorwerk Göhlis vereinigt. Die Brandweinbrennerei ist ebenfalls in Göhlis; in der Nähe des Vorwerkes ist die sehr schwunghaft betriebene Ziegelbrennerei und in dem Ritterguts-Gehöfte zu Riesa die mit grossen Lagerbier-Kellern versehene Bierbrauerei gelegen.

Dem Rittergutsbesitzer steht das Patronat- und Collatur-Recht über die Pfarreien zu Riesa mit Filial Weyda, und zu Heyda mit Filial Leutewitz und über 6 Schul-Stellen zu.

Riesa kommt in den ältesten Nachrichten unter dem slavischen Namen Risow und Rezowa vor. Schon im Jahre 1111 vom Bischof Dietrich von Naumburg als ein Mönchskloster gegründet, wurde es später in ein Nonnenkloster umgewandelt. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts wurde es von dem Kloster Bosan, zu dem es bis dahin gehörte, an das Hochstift Meissen überwiesen. Im Jahre 1552 wurde das Kloster aufgehoben und die Oeconomie des Klostergutes von der landesherrlichen Säcularisations-Commission in Beschlag genommen. Churfürst August verkaufte jedoch das eingezogene Klostergut 1554 zum ersten Male „als ein Rittergut“ an Martin von Miltitz um 25000 Mfl., jedoch findet sich in diesen ersten, so wie in den folgenden Lehnbriefen stets das ausdrückliche Versprechen einer Schadloshaltung Seiten des Ober-Lehnsherrn für den Fall, „wenn etwa mit diesen Klostergütern eine Aenderung vorgehen würde.“ Im Jahre 1578 kam das nunmehrige Rittergut Riesa nebst Göhlis an den Dr. Johann v. Embden, und im Jahre 1617 an den von Kiesenwetter, von dem es Churfürst Joh. Georg II. erkaufte und im Jahre 1622 seinen Rath und Director der Holzflösse, Christoph Felgenhauer, damit belehnte. Felgenhauer stand in hoher Gunst bei dem Churfürsten und benutzte dieselbe namentlich auch im Interesse des damaligen Marktfleckens Riesa. Auf sein Gesuch geschah es, dass Churfürst Joh. Georg II., laut Urkunde vom 28. Juli 1623, dem Orte die Stadtrechte verlieh.

Die Gunst, in welcher Felgenhauer bei seinem hohen Herren stand, gereichte aber dem Rittergute zum grossen Nachtheil, als im Verlaufe des 30jährigen Krieges die schwedischen Truppen auf dem Gute eines erklärten Günstlings ihres damaligen Feindes mit besonderer Wuth hauseten. Dreimal, 1637, 1642 und 1645 wurde es geplündert und fast ganz verwüstet. Dr. Abel Ficker auf Auerbach gelangte hierauf, als Schwiegersohn des ebengedachten Felgenhauer, auf kurze Zeit in Besitz von Riesa, welches jedoch bald wieder an die männlichen Descendenten Felgenhauer’s kam und im J. 1722 von Heinrich von Felgenhauer an den Kammerherrn von Wehlen auf Martinskirchen verkauft wurde. Das Gerücht sagt, dass dieser Letztere als ein Opfer der berüchtigten Jungfrau auf der Jungfer-Bastion in Dresden fiel und sein enthaupteter Körper in der Kirche zu Martinskirchen ruhen soll. Sein Sohn und Besitz-Nachfolger, der herzogl. meiningensche Kammerjunker v. Wehlen konnte das Gut nicht erhalten; es wurde im Jahre 1744 unter Sequestration gestellt und 1746 erstand es der Commerzienrath Hanisch aus Pirna für 84,000 Thlr. Nach dessen Testamente ging es im Jahre 1764 an seinen Neffen, den gräfl. Schönburg’schen Justiz-Amtmann Joh. Christoph Hanisch in Glauchau über, welcher später, unter Beilegung des Namens [8] „von Odeleben“ in den Freiherrnstand erhoben wurde und bis zu seinem im Jahre 1809 erfolgten Tode im Besitz von Riesa blieb. Seine 3 Söhne, unter denen sich auch der rühmlichst bekannte königl. sächs. Oberst, Freiherr v. Odeleben, befand, mussten jedoch im Jahre 1813 ihre Zahlungsunfähigkeit erklären und so kam das Rittergut Riesa abermals unter Sequestration. Im Jahre 1824 erstanden die Gebrüder Georg Ludewig und Ernst Robert, Freiherrn v. Welk auf Ober-Rabenstein, das Rittergut Riesa. Im Jahre 1826 trat der Erstere seinen Antheil an seinen jüngern Bruder ab und so befindet sich Riesa dermalen im alleinigen Besitz des Herrn Ernst Robert, Freiherrn v. Welk, k. s. Amtshauptmannes ausser Dienst, Mitglied der 1. Kammer der Ständeversammlung, Vorsitzenden der Stände des Meissner Kreises und Capitular des Collegiat-Stiftes zu Wurzen.

Das Ritterguts-Gehöfte in Riesa umfasst ein Areal von 8 Acker 234 Qu.-R. mit Inbegriff der dazu gehörigen Gärten und ist mit einer hohen Umfassungs-Mauer, noch eben so wie zu Zeiten des Klosters, umschlossen. Es besteht aus 3 verschiedenen Hofräumen, von denen der hinterste den eigentlichen Klosterhof bildete, der im Viereck von den alten Klostergebäuden umgeben ist, die jetzt zum Theil als Scheunen, theilweise zu Zwecken der Bierbrauerei und als Wohngebäude benutzt werden; nach Morgen zu stösst der Klosterhof an den Nonnengarten, der jetzt durch englische Anlagen geziert ist und von dem aus man noch sämmtliche Fenster der ehemaligen Kloster-Zellen in der Scheunen-Mauer wahrnimmt. Unter der nach Mitternacht gelegenen Scheunen-Ecke fanden sich im Jahre 1767, bei Ausräumung einiger mit Brandschutt angefüllten Keller, 14 menschliche, anscheinend weibliche, Skelette vor, von denen sich einige in knieender Stellung befanden. Man vermuthet, dass sich Nonnen in diese Keller geflüchtet hatten, während die Hussiten im Jahre 1426 das Kloster in Brand steckten. Als im Jahre 1851 unter derselben, nach Mitternacht gelegenen, Scheune ein grosser Lagerbier-Keller ausgegraben wurde, fanden sich, 6 Ellen unter dem Grund-Mauern der Scheune, im Sandboden, ebenfalls mehrere Skelette, unter andern auch das eines Kindes, und in einer Umgebung von Brandschutt mehrere Gefässe und Instrumente vor, die vermuthen liessen, dass an dieser Stelle eine Apotheke oder ein chemisches Laboratorium des Klosters gewesen sei. – Der mittlere Hof enthält die Bierbrauerei, ein neuerbautes Gewächshaus und Pferdeställe; als Malztenne dient jetzt das ehemalige, in seinem ausgezeichnet schönen Gewölbe noch vollkommen erhaltene, Refectorium. Der vorderste Hof, welcher zugleich die Einfahrt von der Stadt aus bildet, enthält das sogenannte Sommer-Gebäude, an welches, im rechten Winkel nach Morgen zu, die ehemalige Abts-Wohnung, mit einem kleinen schlanken Thurm versehen, anstösst. Der jetzige Besitzer hat das ehemalige spitze Schieferdach mit einer Platform vertauschen lassen, von der aus man eine reizende Aussicht, nicht nur auf den Ort Riesa, die Elbe, die Eisenbahn mit ihren grossartigen Strom- und Landbrücken, sondern auch eine vollständige Rundschau auf die Gegend hat. Das zweite Stockwerk dieser Abtei besteht aus einem grossen Saale mit Bogenfenstern, in denen sich noch viele Ueberbleibsel alter Malerei vorfinden. Aus dem erwähnten Hofe gelangt man, nach Morgen zu, vor das eigentliche Wohnhaus, welches zugleich die südliche Fronte des hintersten Hofes bildet und in unmittelbarem Zusammenhange mit der Kirche steht. Unter dem Altare dieser letzteren befindet sich das herrschaftl. Erbbegräbniss, welches die merkwürdige Eigenschaft besitzt, dass die Leichen darin nicht verwesen, sondern an Gesicht, Händen und Kleidungsstücken vollständig erhalten bleiben. Der jetzige Besitzer lies im Jahre 1827 zehn Stück der ältesten, meist zerfallenen Särge in einem, nach dem Nonnengarten zu gelegenen, Kirchengewölbe beisetzen, über die in dem Erbbegräbniss verbliebenen 23 Särge ein vollständiges Inventarium und genaue Beschreibung der Leichen und ihres Anzugs aufnehmen und sodann die Gruft wieder vermauern.

Während des, besonders durch eine grossartige Illumination, berühmten, Zeithayner Campements, im Jahre 1731, lag in Riesa das königl. preuss. Haupt-Quartier, und der Weg, welchen die preussischen Gäste vom Rittergute aus durch den sogen. Riesaer Busch einschlagen mussten, um über die Elbe nach Zeithayn zu gelangen, heisst noch jetzt „der Brandenburger Weg“.

Im Jahre 1837 wurden beim Umackern des sogenannten Trippeltamstückes, einer sandigen Höhe bei der Stadt, mehrere alte Urnen mit verbrannten Knochen, auch einige Spangen und Ringe gefunden, und man nimmt an, dass daselbst ein Begräbnissplatz der Sorben und Wenden gewesen sei.