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Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Schieritz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Schieritz
Untertitel:
aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 157–158
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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Schieritz

liegt 1⅜ Stunde von Meissen, an der Zehren-Lommatzscher Strasse, in einem breiten, schönen Thale, dessen Bach bei Zehren die Elbe erreicht.

Schieritz ist ein sehr alter Ort und existirt schon zu Zeiten Heinrich I. Es gehörte einst zu der Reihe der durch diesen ruhmwürdigen Fürsten immer enger gezogenen Grenzfestungen an der Elbe.

Auf dem Schlosse zu Schieritz hausten in den frühesten Zeiten die Herren von Saalhausen, von welchen das Rittergut an das Geschlecht derer von Arras kam, welches bis zum Jahre 1549 im Besitze war. In diesem Jahre mussten die Herren von Arras ihr Gut Schieritz an die von Schleinitz ablassen. Georg von Schleinitz auf Schieritz kaufte im Jahre 1555 das Dorf Zehren mit aller Gerechtigkeit und Kirchen-Collatur von dem Kurfürst August. Unter den nachfolgenden Gerichtsherren von Schieritz hat sich vorzüglich Joachim von Schleinitz verdient gemacht, welcher noch 1624 im Besitze des Gutes war.

Von der Familie von Schleinitz kam das Gut an einen Oeconom Claus. Derselbe besass es nur wenige Jahre, da zu dessen Vermögen Concurs ausbrach. Aus der Concursmasse erstand es der königl. preuss. Regierungsrath Oberforstmeister zu Potsdam, Georg von Schleinitz, Ritter des preussischen Johanniter- und rothen Adlerordens, welcher es noch im Jahre 1841 besass. Der jetzige beliehene Eigenthümer ist Herr C. F. Kuhnert.

Das Rittergut ist von bedeutendem Umfange und wurde mit 3½ Ritterpferd verdient. Zu demselben gehörten noch die Dörfer Knisitz, Kleinkugen, Obermuschitz, Seylitz, Zscheulitz, Zehren nebst Keibusch, Ickowitz und ein Theil von Klappendorf. Die Rittergutsschäferei steht an dem im Süd-Westen ansteigenden Berge. Ein mit dem Rittergute verbundener Weinberg, Eckardsberg, genannt, befindet sich auf der bis hart hieher reichenden Neundorfer Flur.

Das Rittergut hat das Patronat bei Kirch- und Pfarrämtern und Schule des Dorfes Zehren; auch vergiebt dasselbe 6 Freistellen der Meissner Landesschule.

Das erwähnte Zehren ist nur 1000 Schritte von Schieritz entfernt und so alt wie Schieritz. Schon 1003 hausten hier die Polen unter Boleslaw schrecklich, welcher sich hier festgesetzt hatte und von da aus Glomizi oder Glomazi verheerte. Auf einer Anhöhe bei der Niclasbrücke, in der Mitte zwischen Meissen und Zehren, soll die alte Burg Gouzdek gestanden haben. Bis jetzt noch heisst dieser Punkt „das alte Schloss“. Eine Burg mag da vorhanden gewesen sein, ob aber ihr Name Gouzdek gewesen, scheint zweifelhaft; denn nahe dem Dorfe Dobritz, ½ Stunde südlich von Meissen, macht der hohe Eifer, ein Felsberg, ebenfalls Anspruch auf die Ehre, die Burg Gouzdek getragen zu haben, und eine seiner Pochstein-Vorragungen führt noch heute den Namen „der Gotter (Gouzdeker) Stein“. Von Meissen bis nach Zehren erstreckt sich der Keilbusch, eine mit Buchen, Eichen und Buschholz bestandene, zum Theil sehr felsige, das linke Ufer des Elbthales bildende, hohe Bergwand. Von dieser und der Elbe hart begränzt, läuft, den Fluthen der letzteren nicht erreichbar, die Leipziger Chaussee, welche hier vor etwa einigen 50 Jahren an die Stelle einer sehr schlechten Strasse trat. Früher war hier durchzuwandern Vorsicht nöthig; denn in dem Keilbuche hielt sich nicht selten Diebesgesindel auf, wie z. B. die Lauermann’sche Bande in dieser Umgegend ihre meisten Unthaten verübte. Der Name Keilbusch, welcher als Kylebusch schon im 13. Jahrhundert vorkommt, stammt wahrscheinlich von einem hier befindlich gewesenen grossen Dorfe Kyleb her, das 1087 der böhmische Herzog Wratislaw von der Erde wegschleifen liess, weil die dasigen Einwohner einige Zeit vorher zwei vornehme Böhmen seines Gefolges erschlagen hatten.

In den einsamen Keilbusch hat im Jahre 1221 der Markgraf Dietrich das früher in der Wasserburg neben der Jacobskapelle, am Fusse der Albrechtsburg in Meissen gestandene Kloster zum heiligen Kreuz verlegt. Dietrich starb jedoch noch vor Vollendung des Baues. Die Nonnen dieses Klosters waren Cisternienserinnen, nach der Regel des heil. Benedict, weshalb sie sich auch oft Benedictinerinnen nannten, und standen mit ihren Schwestern desselben Ordens zu Mühlberg, Sornzig und Riesa in der genauesten Verbindung.

Dieses Kreuzkloster war unter allen säcularisirten Klöstern Sachsens das letzte. Die letzte Aebtissin desselben, Priska von Eisenberg flüchtete im Jahre 1539, welche ob ihres Widerstandes gegen die Aufhebung Heinrichs des Frommen Unwillen fürchtete. Kurfürst Friedrich liess später die Klostereinkünfte durch einen Schösser verwalten und August übertrug sie im Jahre [158] 1571 der Meissner Fürstenschule gegen das derselben entzogene Kloster Sornzig. Die Gebäude selbst gab man der Zeit und dem Wetter Preis, wodurch es gekommen ist, dass nur wenig Spuren noch davon vorhanden sind.

Von Zehren aus geht allwöchentlich ein mit Victualien aus der Umgegend beladenes Schiff. Auch wird zur Verschiffung eine grosse Quantität Getreide aus der ganzen Umgegend von Zeit zu Zeit nach dem durch den Kätzerbach vom Orte getrennten, sogenannten Spitzhause gebracht, welches, besonders für dergleichen Getreidefuhrwerk, einen Gasthof bildet.

Ueber die Kirche zu Zehren steht das Collaturrecht dem Rittergute Schieritz zu. Früher war hier in Zehren blos eine Kapelle zum St. Michael, in welcher ein Geistlicher Messe las, der auf Anordnung des Bischofs von Meissen und der Aebtissin zu Seysslitz und aus dem Kloster zu St. Afra hierher gesendet wurde. Die Collatur und die Gerichtsbarkeit über die Zehrener Kapelle stand dem Frauenkloster Seysslitz und der dasigen Aebtissin zu, welche letztere gegen Ende des 15. Jahrhunderts das Pfarrgut zu Zehren in andere Ordnung brachte. Nach Einziehung des Klosters Seysslitz überliess Herzog Moritz 1543 die Gerichtsbarkeit und Collatur über Zehren und dessen Kapellen dem Schulamte Meissen, worauf im Jahre 1548 die Abtragung der alten Kapelle und der Neubau einer, jedoch zu kleinen Kirche erfolgte. Im Jahre 1555 kaufte Georg von Schleinitz, wie oben schon erwähnt worden ist, das Dorf Zehren mit aller Gerechtigkeit und Kirchen-Collatur, und Joachim von Schleinitz liess nun im Jahre 1624 die Kirche erweitern und ausbessern, sowie eine Orgel einbauen. Diese Kirche war aber bald wieder sehr baufällig, weshalb 1756 das ganze Kirchengebäude weggerissen und das jetzige neu aufgeführt wurde. Die Pfarrwohnung ist seit dem Brande von 1825 neu erbaut, wogegen im Jahre 1835 die Abtragung der alten Diaconatgebäude und die neue Aufführung derselben erfolgte. Das Diakonat ist neben dem Pastorat in Zehren seit dem Jahre 1567 eingerichtet.

Schieritz ist nebst Ickowitz, Mischritz, Naundorf, Nieder-Muschitz, Ober-Muschitz, Seebschütz, Seylitz, Wölkisch, Zscheylitz, Windorf, Eckardsberg, Hebelei, Niederfähre, Keilbusch nach Zehren eingepfarrt, obschon Schieritz eine ebenso alte Kapelle besitzt, wie Zehren. Die Zeit der Entstehung der beiden Kapellen zu Schieritz und Zehren kann jedoch nicht mit Bestimmtheit ermittelt werden. Die Collatur und Gerichtsbarkeit über die Schieritzer Kapelle stand dem Besitzer vom Gute zu. Die Herren von Arras, als Besitzer von Schieritz, hielten sich in den letzten Jahren vor ihrem Abgange an die Messcaplane der Abtei Stauche. Früher las derselbe Geistliche, welcher in Zehren fungirte, auch in der Kapelle zu Schieritz wöchentlich eine Messe. Auf diesen Umstand gründet sich noch eine Legat von 12½ Thaler, so noch jetzt dem Pfarrer in Zehren für die in der Schieritzer Kapelle vom ersten Advent bis zum Palmsonntage zu haltenden Wochenpredigten, von dem jedesmaligen Besitzer des Rittergutes Schieritz ausgezahlt wird.

Schieritz gehört jetzt mit seinen 37 bewohnten Gebäuden und 252 Einwohnern zum Gerichtsamt – zum Bezirksgericht – zur Amtshauptmannschaft, Meissen, zum Regierungsbezirk Dresden.

M. G.