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Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Reichenbach

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Textdaten
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Autor: Moritz Grimmel
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Titel: Reichenbach bei Königsbrück
Untertitel:
aus: Markgrafenthum Oberlausitz, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3, Seite 177–179
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons und SLUB Dresden
Kurzbeschreibung: Beschreibung des Ortes Reichenbach
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Reichenbach
Reichenbach


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Reichenbach bei Königsbrück


liegt 1 Stunde südöstlich von Königsbrück, 1½ Stunde nördlich von Pulsnitz und 2 Stunden südöstlich von Camenz entfernt, an beiden Seiten der Pulsnitz, welchem Flusse, als er in der Neuzeit vielleicht kleiner und nur noch ein Bach war, der Ort höchst wahrscheinlich seinen Namen verdankt: denn es war ein fischreicher Bach und jetzt noch giebt es in solchem viel Forellen.

Ueber die Gründung des Ortes ist keine sichere Nachricht bis auf unsere Zeit gekommen. Nur so viel steht fest, dass er nicht zu den ältesten, sondern nur zu den älteren gehört.

Die ersten Lehnmänner waren die Herren von Camenz, die Nachkommen des Freiherrn von Greiffenstein aus Schwaben. Ernst von Greiffenstein war es, welcher vom Kaiser im 10 Jahrhundert mit dem Burggau Camenz beliehen wurde, und nun das Schloss zu Camenz baute. Von nun an nannten sie sich Herrn von Camenz, auch Burggrafen von Camenz. Der Stammbaum dieser von Camenz erhielt im 13. Jahrhundert viele Seitenzweige, die sich nach ihren Besitzungen von Pulsnitz, von Ponikau, von Canitz u. s. w. nannten. Reichenbach scheint beim eigentlichen Stamme geblieben zu sein und zwar bis zum 15. Jahrhundert. Im darauf folgenden Jahrhundert finden wir die Herren von Schönberge im Besitze von Reichenbach. Zur Zeit der Reformation lebte hier Bernhard von Schönberg, dem sein Sohn Hans von Schönberg folgte. Letzterer hinterliess die Besitzung seinen Söhnen Jacob und Philipp von Schönberg und behauptete die Familie von Schönberg bis 1585 dieses Gut, denn im Jahre 1586 acquirirte Wolf von Theler die Herrschaft Reichenbach, welcher bis 1598 hier lebte, von welchem dann die Besitzung an den Kurfürstl. Oberschenken an Joseph Benjamin von Theler überging, welcher im Jahre 1633 mit Tode abging und sein Sohn Hans Wolf von Theler als Lehnserben hinterliess. Nach ihm finden wir als Erb-, Lehn- und Gerichtsherrn von Reichenbach den Oberstlieutenant Hans Friedrich von Knoch, den Stammvater der Majorats Herrn auf Elster, welcher mit Anna Sabina von Ponikau, einer Tochter des Hans und der Sabina von Ponikau, vermählt war. Nach seinem Tode übernahm Caspar von Ponikau die Verwaltung des Gutes, der jedoch solche bald an seinen Neffen, den ältesten Sohn Hans Friedrich von Knoch, an Hans Ernst von Knoch abtrat, welcher ausser diesem Gute auf Elstra nebst dem Städtlein und den beiden Dörfern Rauschwitz und Kindisch für 29,500 Reichsthaler erkaufte. Er wurde Königl. Poln. und Kurfürstl. Sächs. wirklicher Geheimer-Rath, Hofmeister der Prinzen, Oberconsistorial-Präsident und Domprobst des freien Stifts Meissen. Er war in seiner ersten Ehe mit Maria Salome Kanoffsky von Langendorf vermählt, welche 1644 zu Strassburg geboren und zu Elstra 1698 gestorben ist. Die 2. Gemahlin des gedachten Herrn Hans Ernst von Knoch war Helena Tugendreich von Warnsdorf aus Kuhna, des Hans Caspar von Schönberg auf Limbach Wittwe, welche noch 1717 lebte. Beide Ehen waren kinderlos und deshalb belegte gedachter Herr von Knoch oben genannte Güter in seinem Testamente mit einem Familien-Fideicommiss und setzte in demselben den einzigen Sohn seines jüngern Bruders, des Hans Caspar von Knoch, den er an Kindesstatt hatte erziehen, studiren und reisen lassen, nicht nur zum Universalerben seines Vermögens und seiner Güter ein, sondern bestimmte darinnen noch 6600 Thlr. ad pias causas. Der Sohn des Hans Caspar von Knoch, der reiche Erbe war Ernst Ferdinand von Knoch, später Königl. Poln. und Kurfürstl. Sächs. Kammerherr, auch Appellationsrath und Gegenhändler im Markgrafthum Ober-Lausitz. Derselbe war mit Helena Tugendreich von Schönberg vermählt. Die Kinder aus dieser Ehe waren Charlotte Tugendreich, deren späterer Gemahl Siegismund von Holzendorf auf Thalwitz war. Anna Dorothea und Ursula Margaretha starben jung. Hans Ernst wurde zweiter Majorats-Successor. Johann Friedrich starb jung, Hans Caspar [178] aber von einem Hauptmann von Heldreich im Jahre 1744 im Duelle erstochen.

Anna Sabina und Sophia Amalia starben ebenfalls jung.

Hans Ernst von Knoch der Nachfolger Ernst Ferdinand’s von Knochs hielt sich oft in Elstra auf, aber eben so häufig in Reichenbach und war von seinen Unterthanen sehr geliebt. Derselbe starb 1769 zu Dresden ohne Descendenz, weshalb die Majoratsgüter und somit auch Reichenbach an seinen Bruder Otto Ernst von Knoch, nachherigen Landes-Syndicus der Nieder-Lausitz übergingen, dem später sein Stiefbruder Gottlob Ernst Ferdinand von Knoch folgte, welcher mit Friederika Dorothea Wihelmine von Globig aus Grauwinkel verheirathet war.

Aus dieser Ehe entspross ein einziges Kind, Caroline Ernestine Friederike, vermählt mit Heinrich Ludwig, Grafen zu Lynar auf Ogrose. Letztere nahm nach ihres Vaters Tode von den Majoratsgütern und Pertinenzien Besitz, und wurde eine Zeitlang im Besitze geschützt, konnte, sich aber in dem entstandenen Majorats-Successions-Processe nicht behaupten. Da im Testamente des Majoratsstifters die weiblichen Verwandten von der Succession ausgeschlossen waren, so sollte nach dem Tode des Gottlieb Ernst Ferdinand von Knoch, Christian Friedrich von Rex succediren. Dieser war geboren zu Uckro und durch seine Mutter, Eva Sophia, eine Enkelin des Christian Heinrich von Knoch und eine Tochter des Christian Ernst von Knoch, mit dem Majoratsstifter verwandt. Sein Vater war Sigismund Siegfried von Rex auf Uckro, Pasarie, Pickel und Pitzschen. Der Sohn vermählte sich mit Johanna Elisabeth, der jüngsten Tochter des Hans Christoph von Waltersdorf auf Muckro und der Charlotte Caroline Tugendreich von Kablenberg zu Kückebusch. Seine Ehe blieb kinderlos und da er nach Beendigung des Successions-Processes im Jahre 1802 starb, so succedirte der ältere Sohn seiner Schwester, Johann Heinrich Wilhelm Gustav von Hartmann, genannt Knoch. Derselbe ist am 4. März 1791 zu Berlin geboren.

Die Majorats-Succession wurde ihm von Rechtswegen im Jahre 1814 zugesprochen und der Fundation gemäss der Knoch’sche Name und das Knoch’sche Wappen mit dem seinigen vereinigt.

Er vermählte sich im Jahre 1818 mit Rosalie Henriette Catharina, Edle von der Planitz, des Major von Planitz auf Neidschütz und Coblas bei Naumburg und der Frau Wilhelmine, geb. Freiin von Kaufberg liebe Tochter, welche ihrem Herrn Gemahl zwei Kinder geboren hat, Mathilde Henriette Wilhelmine und Adolph Carl Wilhelm, die beide wieder verstorben sind.

Möge der Himmel diese Gerichtherrschaft noch lange beschützen und erhalten, damit dieselbe hier schon den Lohn ihrer hochherzigen Thaten und Handlungen erndten möge.

Die Mit- und Nachwelt wird aber die vielen Wohlthaten, welche von ihr den Unterthanen Kirchen und Schulen erwiesen worden sind, gewiss nie vergessen.

Das Rittergut Reichenbach liegt eigentlich auf dem Meissner Antheile des Orts. Die Wohn- und Wirthschaftsgebäude sind jetzt in vortrefflichen Zustand. Seit dem 30jährigen Kriege ist das Gut selbst durch wüste liegen gebliebene Bauergüter bedeutend vergrössert. Der hiesige Boden gehört nicht zu den besten: denn unzählige Riesensteine sind gleichsam über die Fluren gesäet. Doch ist durch Fleiss und Thätigkeit in der neueren Zeit viel gethan worden: denn hundert von Steinen wurden jährlich gesprengt und so die Felder immer mehr von ihnen gereinigt.

Westlich vom Dorfe erhebt sich der Keulenberg oder der im 107. Hefte dieses Albums beschriebene Augustusberg.

Im Jahre 1836 legten die Brüder Hillemann, Tuchfabrikanten aus Camenz, am untern Ende des Dorfes eine 3 Stock hohe Wollspinnerei-Fabrik und Tuchwolle an, in welcher viele Kinder und Erwachsene des Ortes Beschäftigung finden.

Unter den Gebäuden des Ortes zeichnet sich sehr vorteilhaft die in der Mitte desselben, auf einer Anhöhe Oberlausitzer Antheils gelegene, freundliche Kirche aus.

Sie ist die dritte. Die verlegte Kirche wurde im Jahre 1606 und die jetzige in den Jahren 1748 und 1749 erbaut. Eingepfarrt in diese Kirche sind Reichenau, das 10 Minuten von Reichenbach entfernte Nieder-Lichtenau und 13 Besitzungen von Ober-Lichtenau.

Die Kirche besitzt ein Vermögen von 4000 Thlrn. und ein Legat von 200 Thlrn., welches auf hiesigem Rittergute steht und mit 6 pro Cent verzinst wird.

Von diesen Zinsen bekommt der Schullehrer jährlich 6 Thlr. für das Orgelspielen, 4 Thlr. werden durch den Pastor unter die Hausarmen [179] vertheilt, 1 Thlr. 12 Ngr. bekommt der Pastor für seine Mühewaltung dabei und 15 Ngr. bekommt der Schullehrer bei dieser Vertheilung.

Ganz nahe an der Kirche südöstlich steht die Pfarre, und südlich von der Kirche liegt die Schule, in welcher in 3 Classen 170 Kinder unterrichtet werden.

Die Schicksale des Ortes anlangend, so litt derselbe im letzten französischen Kriege durch bedeutende Durchmärsche und Einquartirungen, blieb aber fast seit undenklichen Zeiten von Feuersbrünsten verschont bis auf 2 nicht zu bedeutende im Anfange des jetzigen Jahrhunderts.

Die Bewohner des Ortes beschäftigen sich meistens mit Feldbau, und sind fleissig und arbeitsam. Auch Professionisten, wie Leinweber, Maurer, Zimmerleute namentlich, finden hier ihre Nahrung und Beschäftigung.

Vor der neuen Gerichtsorganisation gehörte der Oberlausitzer Antheil des Ortes unter den Kreis-Directions-Bezirk Budissin, der Meissner aber unter das Amt Hain.

Jetzt ist Reichenbach, Oberlausitzer und Meissner Antheils mit 91 Gebäuden und 536 Einwohnern dem Gerichtsamte Königsbrück zugetheilt, und steht also ganz unter dem Regierungsbezirk Bautzen.

M. G.