Zum Inhalt springen

Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Oppach

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor: Klassig
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Oppach
Untertitel: {{{SUBTITEL}}}
aus: Markgrafenthum Oberlausitz, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 3, Seite 87–88
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: o.J. (1854–1861)
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: Commons und SLUB Dresden
Kurzbeschreibung: Beschreibung des Rittergutes Oppach
{{{SONSTIGES}}}
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[Ξ]
Oppach
Oppach


[87]
Oppach


Zu den bedeutendsten und zugleich in jeder Beziehung angenehmsten Besitzungen in der Ober-Lausitz gehört unzweifelhaft das Rittergut Oppach an den von Neustadt bei Stolpen und von Bautzen nach Zittau führenden Chausséen, 3 Stunden von Bautzen und ebensoweit von Löbau, am rechten Ufer der Spree gelegen.

Oppach, nicht von den Wenden, sondern wahrscheinlich durch Deutsche erbaut, verdankt seinen Namen muthmasslich dem Umstande, dass es von Böhmen aus ob oder über dem Bache gelegen, woraus Obbach und später Oppach entstanden. Schon im Anfange des 13. Jahrhunderts geschieht seiner Erwähnung und schon zu dieser Zeit besass es seine eigne Kirche. Das ganze Besitzthum, die Ortschaften Oppach, Neu-Oppach, Ober-Oppach, Lindenberg, Picka und Wurbis einschliessend, ist ringsum von Anhöhen umgeben, die zum Theil noch auf Oppacher Gebiete zu beträchtlichen, bewaldeten Bergen ansteigen, von denen der Beli-Bog (jetzt Beiersdorfer Berg) und der Ezorny-Berg die berühmtesten sind, denn es ist bekannt, dass hier die alten heidnischen Sorben dem weissen und dem schwarzen Gotte ihre Opfer darbrachten. – Das älteste der genannten Dörfer ist Oppach, früher in Nieder- und Mittel-Oppach geschieden, welche in den Jahren 1555 bis 1695 im Besitze zweier Herrschaften waren. Einen Complex von circa 400 Feuerstätten bildend zählen diese Orte 2200, theils Ackerbau, mehr aber Leinweberei treibende, Einwohner.

Der erste Besitzer, welcher in einem Lehnsbriefe von 1426 vorkommt, ist Nicolaus von Kopperitz. Im Jahre 1511 war Hans von Rechenberg, Hauptmann in Budissin, Herr von Oppach. Von dieser Zeit bis 1695 war Oppach im Besitze derer von Rechenberg. Ebengenanntem Hans von Rechenberg folgten seine Söhne, Hans und Ernst, von denen der Letztere im Jahre 1594 starb, der Erstere aber seinem Sohne Hans Christoph 1601 die Besitzung vererbte, von dem sie 1626 an Rudolph von Rechenberg kam, dem seine Söhne, Hans Ernst und Rudolph Ernst, folgten. Dieser Rudolph Ernst von Rechenberg verkaufte seinen Anteil wahrscheinlich, denn 1657 wird neben Hans Christoph von Rechenberg, Wolff Christoph von Nostitz als Besitzer eines Theiles von Oppach genannt. Aus der Familie von Rechenberg besassen einen Theil von Oppach noch: Heinrich Ernst von Rechenberg um 1663, Hans Ernst, welcher 1694 starb und Gottlob Ehrenreich von Rechenberg von 1665 an. Dieser Letztere verkaufte 1695 an Johann Casper von Nostitz auf Jänkendorf, welcher im darauf folgenden Jahre auch Mittel-Oppach käuflich erwarb und seit jener Zeit ist Oppach im Besitze der Familie von Nostitz-Jänkendorf. Johann Casper von Nostitz, Herr von Jänkendorf, Coma, Wiesa, Thiemendorf, See, Sproitz, Kleinbautzen und Kottmarsdorf starb 1706 und hinterliess als Erben 2 Söhne, von denen jedoch der Eine ihm bereits 1708 in die Ewigkeit folgte und Wolf Adolph Traugott von Nostitz alleiniger Besitzer wurde, nach dessen 1735 erfolgtem Tode, sein Sohn Moritz Ferdinand die Herrschaft übernahm, bald darauf jedoch unvermählt starb und seinem Bruder, Wolf Gottlob, Oppach hinterliess. Dieser verkaufte sein Erbtheil an seine Mutter, Charlotte Elisabeth, eine geborene von Ziegler-Klipphausen, von der er es jedoch 1746, nach ihrem [88] Tode wieder erbte. Schon im Jahre 1768 starb auch er und hinterliess als Besitzer seiner Güter einen einzigen Sohn, Gottlob Adolph Ernst von Nostitz, welcher Oppach 15 Jahre unter Vormundschaft und von 1783 ab noch 53 Jahre besass. Verdankt diesem vorzüglichen Manne Oppach zahlreiche Verbesserungen im Kirchen-, Schul- und Gemeinde-Wesen, ist die Verschönerung des Schlosses und seiner Umgebungen grossentheils sein Werk, so müssen diese Vorzüge doch unbedingt in den Hintergrund treten, vor den vielen Verdiensten, die er sich um das Gesammt-Vaterland erwarb. Bereits im Jahre 1785 zum wirklichen Finanz-Rath befördert, ward er 1792 Landesältester des Budissiner Kreises, 1804 Ober-Amtshauptmann, 1806 Ober-Consistorial-Präsident und 1809 Conferenz-Minister. Als solcher hat er die stürmischen Kriegsjahre, die Zerstückelung des Vaterlandes, aber auch sein allmäliges Wiederemporblühen gesehen und war in trüben wie in guten Tagen ein treuer Rathgeber seines Königs und Herrn. Sachsen verdankt ihm die Irren-Anstalt zu Sonnenstein und die Sonderung der Irren und Gemüthskranken; er ist der Stifter des Landwaisenhauses zu Bräunsdorf bei Freiberg, das er 1824 ins Leben rief, nachdem die frühere Anstalt Langendorf, mit an Preussen gekommen. Aber auch der Poesie huldigte er, und die herrlichen Gedichte Arthurs von Nordstern (unter welchem Namen er sie veröffentlichte), sind ein Gemeingut der ganzen deutschen Nation geworden. Er schloss sein langes und thatenreiches Leben auf seinem Stammsitze Oppach, im Jahre 1836 gesegnet von seinen Untergebenen, beweint von den Seinen, betrauert von seinem Könige wie von dem ganzen Vaterlande. Erbe seiner Besitzungen wie seiner Tugenden war sein Sohn, Herr Eduard Gottlob von Nostitz und Jänkendorf, Staatsminister des Innern, Probst des Domstiftes St. Petri zu Bautzen, Senior des Hochstifts Meissen und Kapitular des Stiftes zu Wurzen. Er war bis 1844, wo er Kränklichkeitshalber den Staatsdienst verliess, Mitglied des Ministeriums Lindenau, eines Ministeriums, dessen Andenken Sachsen noch nach Jahrhunderten segnen wird.

Die vielfachen Arbeiten die die hohe Stellung des jetzigen Herrn Besitzers mit sich führten, haben ihn nicht abhalten können, auch an sein Oppach zu denken. Zu den beiden Schulen des Ortes, die von drei tüchtigen Lehrern geleitet werden, hat sich ein Rettungshaus für Knaben gesellt, worin gegenwärtig 23 Zöglinge sich befinden. Den Einwohnern, welche seit 1676 sich mehr und mehr der Leinweberei zugewandt, sind die nach und nach um mehr als dreihundert Acker vermehrten Grundstücke des Rittergutes parzellenweise in Pacht gegeben; der Park, der das schöne in rein gothischem Style erbaute Schloss umgiebt, zählt durch vielfach angebrachte Verschönerungen zu den schönsten des Landes. Die romantisch gelegene Kirche seit 1787 in ihrer gegenwärtigen Grösse und Einrichtung, seit 1834 mit neuen Glocken geziert, erfreut sich in jeder Weise der Aufmerksamkeit des die Collatur innehabenden Herrn Gutsbesitzers — kurz, der Gesammt - Anblick von Oppach zeigt, dass hier Klugheit, Wohlwollen und Milde gewaltet haben und fort und fort gehandhabt werden!

Klassig.