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Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Munzig

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: O. M.
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Titel: Munzig
Untertitel:
aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 60–61
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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Munzig.


Munzig wird in Urkunden auch Montzig und zur Müntze genannt, wesshalb ein verdienstvoller Sächsischer Historiker sich zu dem falschen Glauben verleiten liess, die einst in hiesiger Gegend wohnenden Daleminzier hätten hier eine Münzstätte gehabt. Der Ort liegt auf einer Höhe des Trübischthales, drei Stunden südlich von Meissen entfernt, und besteht aus vierzig Hausnummern mit dreihundert Einwohnern, von denen sieben Bauergutsbesitzer, die übrigen Häusler sind. Hier befindet sich der äusserste nördliche Punkt, wo der vom Erzgebirge herüberstreichende Gneus sich unter den aufgesetzten thonartigen Gebirgen verliert, wesshalb auch schon in den frühesten Zeiten hier Bergbau getrieben wurde. Alte schriftliche Nachrichten aus dem sechszehnten Jahrhundert beweisen, dass der „Bergbau an der Trübisch“ zu damaliger Zeit bedeutend war, und dafür sprechen auch die zahlreichen alten Halden und Pingen, welche die Stätten ehemaliger Schmelzhütten bezeichnen. So liess Churfürst August einen Stollen einhundert und vier Lachter weit treiben und baute neunzig Lachter unter dem Mundloch die Hütte, welche jedoch bald wieder einging, und 1597 unternahm Hans Schüssler einen ähnlichen Bau, der gleichfalls wieder liegen blieb. Eine bis in die neueste Zeit gangbare Grube, der freundliche Bergmann genannt, baute auf Morgen- und Spatgängen von sechs bis zwölf Zoll Breite, und im Jahre 1795 liess man sich durch die Hoffnung einer noch reicheren Ausbeute zur Erbauung einer neuen Wäsche bestimmen. Die Erze welche hier brechen, sind Bleiglanz, der im Centner funfzig Pfund Blei mit sechs bis sieben Lothen Silber giebt, alsdann Schwefelkies, braune und schwarze Blende und vorzüglich schöner Misspickel (Ferrum arsenico-mineralisatum) in vierseitigen rautenförmigen Prismen von verschiedener Länge und Stärke.

Das Rittergut Munzig, welches im Jahre 1822 auf 111,115 Thaler taxirt wurde, und wozu ein nahes Vorwerk nebst den Dörfern Dreissig und Weitzschen gehört, hat über zweihundertfunfzig Scheffel Feld, treffliche Wiesen und Holzungen, hinreichende Triften und hübsche Gebäude. In den ältesten Zeiten gehörte das Gut zur Herrschaft Scharfenberg und es wird behauptet, dass noch im vorigen Jahrhundert Criminalverbrecher nach dem Schlosse Scharfenberg in den Kerker gebracht wurden. Als die Vitzthume wegen ihrer unaufhörlichen Fehden und Wegelagereien durch Friedrich den Streitbaren von der Burg Scharfenberg vertrieben worden waren, kam die Herrschaft an die Familie von Schleinitz (Schkirnitz) von der sie später die von Miltitz erkauften. Munzig scheint um dieselbe Zeit von der Herrschaft Scharfenberg abgekommen zu sein, vermuthlich [61] ebenfalls durch Kauf, denn 1497 gehörte das Gut bereits dem Ritter Ulrich von Ende, dessen Gemahlin, Felicitas von Starschedel ihm drei Söhne gebar. Ulrich von Ende starb 1518 und Munzig kam an Gottfried von Ende, vermählt mit Katharina von Schleinitz, der 1527 mit Tode abging und das Gut auf seinen Sohn Eckbald vererbte. Dieser, Gemahl Margarethas von Saalhausen aus Schweta hatte eine Tochter und vier Söhne, von denen Georg frühzeitig starb, Uz Beicha, Nikol Taubenheim und Gottfried Heinrich Porschnitz und[WS 1] Munzig erhielten; die Tochter, Anna Maria, vermählte sich mit Asmus von Schleinitz auf Ragewitz und Grubenitz.

Gottfried Heinrich von Ende starb im Jahre 1565 und hinterliess ausser seiner Wittwe, Anna von Karras aus Reinhardsgrimma, zwei Kinder, eine Tochter, Veronika, später vermählt mit Sebastian von Helldorf auf Kostewitz, und einen Sohn, Heinrich, Herrn auf Stauchitz, Forschnitz und Munzig. Einer von dessen sechs Söhnen, deren Mutter Marie von Haubitz aus Leipnitz war, Georg, erbte nach des Vaters Tode das Rittergut Munzig und vermählte sich mit Brigitten von Bärenstein, dann mit Hedwig von Miltitz. Sein Tod erfolgte um das Jahr 1666 und Munzig wurde Eigenthum Heinrichs von Ende, dessen Tochter Katharina Dorothea sich mit Christian Erdmann Kölbel von Geysing vermählte, und nach ihres Vaters Tode das Gut erbte. Die Frau von Kölbel zeichnete sich durch ausserordentliche Fruchtbarkeit aus, denn sie beschenkte ihren Eheherrn mit nicht weniger als sechszehn Kindern. Bei diesem Kindersegen war es nicht möglich, das Gut der Familie zu erhalten und so kam dasselbe an die Familie von Schleinitz, der es noch zu Anfang dieses Jahnhunderts gehörte. Später gelangte Munzig an die Herren von Könneritz. Der jetzige Besitzer von Munzig ist der königl. Sächsische Major Herr Carl Wilhelm von Könneritz.

Zum Rittergute Munzig gehören die Dörfer Weitzschen und Dreissig. Weitzschen liegt hoch über dem rechten Ufer der Trübisch, auf einem steilen Berge, der durch ein kleines Nebenwasser als eine Art von Vorgebirge erscheint. Südöstlich vom Orte ist der sogenannte Diebesgrund, ein buschiges Defileè unter der grossen Selingstädter Höhe, und nördlich die lange Leite; an der Trübisch aber befinden sich die sogenannten Munziger Bergwerke. Das Dorf zählt in zwölf Häusern hundert Einwohner die vierzehn Hufen treffliches Land besitzen, viel Obst erbauen, und auch mit hinreichendem Futterboden versehen sind. Weitzschen ist in die Kirche zu Taubenheim eingepfarrt. – Dreissig liegt an einer ansehnlichen Höhe, die sich östlich nach dem Walde herabsenkt, durch welchen der sogenannte Saubach fliesst, und raint mit Gödelitz, Mockritz und Prübern. Nahe am Orte vorüber führt die Döbeln-Meissner Chaussee nach Oschatz, und an dieser Strasse befindet sich kaum hundert Schritte von Dreissig eine Häusergruppe, dabei ein Gasthaus, die Geleitshäuser genannt, wo das Döbelnsche Geleite eingenommen wird. Schon im Jahre 1467 war hier eine Geleitseinnahme, die indessen nicht, wie oft irrthümlich angegeben ist, von einem Beamten des Klosters Altenzelle verwaltet wurde, sondern immer dem Rathe der Stadt Döbeln zustand. Wie das ganze Dorf Dreissig sind auch mehrere dieser Häuser in die Kirche zu Beicha eingepfarrt.

Munzig ist in die Kirche zu Burkhardswalde eingepfarrt, welche unter Collatur des Rittergutes Rothschönberg steht und ein sehr hohes Alter verräth. Neben dem Altare ist noch die Mauerblende vorhanden, welche zur Zeit des Katholicismus die Monstranz verwahrte. Die Parochie war ehemals umfangreicher als jetzt, wesshalb auch ausser dem Pfarrer in früherer Zeit noch ein Diakonus angestellt war. Die Stürme des dreissigjährigen Krieges, welche unheilvoll über die hiesige Gegend wegzogen, trafen auch Burkhardswalde sehr hart und vernichteten unter Anderem auch das Pfarrarchiv mit allen älteren Urkunden. Eingepfarrt nach Burkhardswalde sind ausser Munzig noch die Pernshäuser zu Rothschönberg und zwei Häuser von Schmiedewalde.

O. M.     



Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: nnd