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Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Lossa

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Textdaten
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Titel: Lossa
Untertitel:
aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 121–122
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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Lossa.


Lossa, ein sehr schönes, grosses Rittergut, wozu Deuben gehört, liegt an der Lossbach, ungefähr Dreiviertelstunden von Nitzschwitz, wohin das Rittergut sammt dem Dorfe eingepfarrt ist. Es ist dieses Nitzschwitz im Muldenthale dasselbe, welches in vorigen Zeiten dem reichen Premierminister von Brühl gehörte und wo der berühmte von Oeser gemalte Saal – Scenen aus der griechischen Götterlehre darstellend – zu sehen ist. An der Wand der Kirchhofsmauer von Nitzschwitz befindet sich das jetzige Erbbegräbniss der hochadeligen Familie von Könneritz, den Besitzern von Lossa, nachdem die Familiengruft derselben unterhalb ihrer Emporkirche in Nitzschwitz für immer vermauert worden ist. An der Kirche von Nitzschwitz selbst ist ein Anwurf angebaut, welcher die beiden Emporkirchen der Nitzschwitzer und der eingepfarrten Gerichtsherrschaften, sowie daneben und darunter die Betstübchen ihrer Dienerschaft, ingleichen die Sacristei in sich fasst, wozu der Zugang von Aussen sich befindet.

Das früher unter die Gerichtsbarkeit von Lossa mit gehörige Dorf Deuben hat seine eigene Kirche, welche sehr alt sein mag und mit der Parochie Nepperwitz verbunden ist, in welchen beiden Kirchen der Gottesdienst wechselt. Deuben ist ein sehr schönes Auendorf und seit dem Jahre 1835, wo es durch Brand fast völlig eingeäschert, wurde ganz neu wieder gebaut.

In den frühesten Zeiten soll an der Stelle, wo Deuben steht, ein grosser See gewesen sein, durch welchen die Mulde geflossen ist. An diesem Flusse liegen die schönsten Auendörfer, die alle, nach den Namen zu schliessen, ihre Entstehung den Sorben-Wenden verdanken. Denn die meisten Namen endigen sich auf ein itz oder owe, wie Bölitz, Thallwitz, Nitschwitz, Nepperwitz.

Da wir Nepperwitz (sonst Nippern) einmal erwähnt haben, so dürfte es nicht uninteressant sein, der von diesem Orte existirenden Sage zu gedenken:

In dem Eingange links in der Sacristei zu Nepperwitz stand früher ein altes, grausenerregendes Bild von kernfestem Holze in Mannsgrösse, schwarz von Farbe, mit grossem Barte und grossen, fürchterlichen Augen. Was man sich eigentlich darunter denken sollte, wusste Niemand genau. Einige wollten behaupten, es solle den Tod vorstellen, und daher auch das Sprichwort: „Der Tod von Nippern.“ Niemand durfte sich früher unterstehen, dieses Bild von seiner Stelle zu rücken. Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts liess der damalige Pfarrer dieses Bild durch zwei Maurergesellen bei Restaurirung der Sacristei aus selbiger wegbringen. Die Maurergesellen wurden dafür zwei Nächte hindurch mit Kneipen und Ohrfeigen [122] regalirt, und in der Kirche selbst war ein solcher Lärm, dass man sich genöthigt sah, dem Bilde seinen Platz wieder einzuräumen.

Ein späterer Pfarrer verbrannte dieses Bild. Nun war auf einmal des Nachts die Kirche erleuchtet und Niemand durfte wagen, zu nächtlicher Weile ungemerkt vorüber zu gehen. Doch bald wurde diese Gespensterfurcht verscheucht. Man fand, dass diese Beleuchtung der Kirche weiter nichts war, als der Wiederschein eines Lichts, das aus einem etwas entfernt und schräg stehenden Hause seine Lichtstrahlen in den krummgelaufenen Fensterscheiben der Kirche brach. Das Licht wurde weggenommen und „der Tod von Nippern“ war verschwunden, und mit ihm so manche Furcht aus dem Herzen.

Nach dieser Abschweifung kehren wir zu Lossa zurück.

Lossa ist sehr alten Ursprungs und fehlen aus den frühesten Zeiten die näheren Nachrichten darüber. Das Schloss gehörte in dem vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert den Herren von Canitz und der Familie von Nitzschwitz, welche ausserdem noch Thallwitz und das frühere Vorwerk, spätere Rittergut Collmen, besassen.

Im Jahre 1568 war der Besitzer von Lossa und Collmen Moritz von Nitzschwitz, dem auch Röcknitz gehörte. Im siebzehnten Jahrhundert hat dieses Schloss, sowie die ganze Umgegend, durch die Qualen des 30jährigen Krieges sehr gelitten. In diesem Jahrhundert war der Besitzer Conrad von Stein, von welchem es auf den Herrn von Büchau überging und dann 1800 an Herrn von Bünau. Hernach kam das Gut durch Kauf an die hochadeliche Familie von Könneritz, die es bis auf die heutigen Zeiten noch besitzt. Der frühere Herr Justizminister von Könneritz, der jetzige Besitzer, hat solches durch Erbschaft in Besitz genommen. Der Ort selbst verdankt der Munificenz dieses Mannes viele Wohlthaten und Verbesserungen. So hat z. B. das Dorf Lossa durch die kräftige Verwendung des Herrn Staatsministers von Könneritz eine besondere Schule erhalten, während früher die Kinder wegen der weiten Entfernung zur Winterszeit oft die Schulstunden versäumen mussten.

Herr Staatsminister von Könneritz war durch das Vertrauen seines Königs seit dem Jahre 1830 an die Spitze der Regierung gerufen, welcher Hochderselbe bis zum Jahre 1848 mit Ehren als Chef des Ministeriums und als Justizminister vorgestanden und das Vertrauen vollkommen gerechtfertigt hat. Unter ihm und seinem ausgezeichneten Collegen, dem Herrn Finanzminister von Zeschau, hat sich Sachsen nur wohl befunden, wie dies von einem Manne mit hoher Begabung und humanem Charakter nicht anders möglich ist.

Wenn man diesem Manne im Jahre 1848 den Vorwurf gemacht hat, dass derselbe Reformen abgeneigt gewesen, so ist dies mit Unrecht geschehen. Sein einziges Streben war, Ideen und Neuerungen nicht das Wort zu reden und zu deren Einführung nicht die Hand zu bieten, so lange nicht der Nachweis geliefert werden konnte, dass sie wirklich heilsam und erspriesslich für das Volk seien. In diesem Sinne hat sich auch Herr Staatsminister von Könneritz selbst in der Debatte mit Referenten Dr. Braun, seinem Nachfolger im Amte, über die Einführung des öffentlich-mündlichen Gerichtsverfahrens ausgesprochen, eine Debatte, die von der grossen Beredtsamkeit und tiefen Sachkenntniss unsers damaligen Justizministers zeugt und die eine ewig denkwürdige Erinnerung an den Wettkampf geistiger Kräfte bleiben wird. Sachsens spätere unpartheiische Geschichtsschreiber mögen die Verdienste dieses Mannes nicht verkennen und in ihrem wahren Lichte darstellen!