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Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Lockwitz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Lockwitz
Untertitel:
aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 123–124
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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Lockwitz.


Lockwitz, ein zum Theil stadtähnliches Dorf an den Strassen nach Dohna, Liebstadt und Kreischa, eine Meile südsüdöstlich von Dresden, am Ausgange des reizenden und durch Spazierwege verschönten Lockwitzer Grundes in die Elb-Aue, und an der Lungwitz oder Lockwitz überaus angenehm gelegen, war ehedem gegen die Dohna’schen Güter ein Gränzort.

Der Ort kommt bereits in einer Urkunde des Jahres 1288 unter dem Namen Lucawitz, und im Jahre 1311 unter der heutigen Benennung vor.

Er bildet eigentlich ein aus zwei Theilen bestehendes Rittergut, nämlich Lockwitz obern Theils und Lockwitz untern Theils. Zu dem ersteren gehörten auch das Dorf Kleinluga und Antheile von Leuben und Rippgen, zum letztern Niederlockwitz, Gaustritz und Antheile von Kauscha und Kleinsedlitz.

Von den Zeiten der Reformation bis zum Jahre 1620 gehörte das Rittergut Lockwitz der Familie Allnpeck. Es ist dies dieselbe Familie, welche im Jahre 1493 durch ihre Glieder Stephan, Hans und Georg Allnpeck in Grünthal, 4½ Stunden östlich von Marienberg, dicht an der böhmischen Grenze die sogenannte Saigerhütte anlegten, wo man durch Blei, welches dem Schwarzkupfer zugeschlagen wird, nicht nur das Silber von dem Kupfer, sondern beide Metalle auch von den, ihnen im Schwarzkupfer beigemischten Halbmetallen und andern Unarten reinigt oder saigert.

Die Familie Allnpeck stammte aus Ungarn und hatten sich des Bergbaues wegen nach Sachsen gewendet. Die Gründer dieser Saigerhütte und deren Nachkommen, mit denen noch einige Künstler aus Nürnberg sich verbanden, besassen dieselbe bis zum Jahre 1567, wo sie Kurfürst August kaufte und seit dieser Zeit immer mehr verbessert und erweitert worden ist.

Von der Familie Allnpeck kam Lockwitz an den Hofmarschall von Osterhausen, welcher es, nebst Nickern, von Leubnitz auspfarrte, im Jahre 1622 auf seine Kosten eine Kirche bauete, und 3000 Gulden zur Besoldung des Pfarrers und Schullehrers legirte.

In der Folge besassen dieses Rittergut nach und nach die Familien von Schönberg, von Dallwitz, von Recknitz, der Graf Schall und von Wirsing.

Die alte Burg mag wohl auf dem offenbar planirten Adams- oder Mückersberge gestanden haben. Die nächsten Berge am Grunde mit vortrefflichen Aussichten, tragen noch Spuren alter Befestigung.

Das jetzige Schloss mit Colonade und Balcon erhielt seine jetzige schöne Gestalt durch die Grafen von Dallwitz und Schall, welcher letztere auch den Garten im englischen Geschmacke anlegte, das ohnedem schöne Lockwitzer Thal noch durch Promenaden mit Brücken, Banken, Tempeln und Ruinen verschönerte, welche aber durch feindliche Truppen und durch den Zahn der Zeit nach und nach wieder zerstört worden sind.

Das Schloss ist drei Etagen hoch und 17 Fenster breit mit freien Säulen geziert, gehört zu den grössten und schönsten Privatschlössern Sachsens.

Zum Gute gehört eine starke Brauerei, Schäferei und Ziegelei, so wie auch eine 1836 begründete Runkelrübenzuckerfabrik.

Das Gut selbst gehört schon seit längerer Zeit der Familie Preusser in Leipzig.

Eine Merkwürdigkeit ist der hübsche Thurm, welcher Schloss und Kirche mit einander verkettet.

Schon gegen 300 Jahre hat Lockwitz neben einer starken Strohflechterei (worüber wir uns bei Kreischa weiter verbreiten werden) neben Zwirn- und Butterhandel 30 sogenannte Freizeichen, oder das Recht des freien Mehl- und Brodhandels nach Dresden.

Im Anfange des sechszehnten Jahrhunderts wüthete die Pest in Dresden, die Thore waren gesperrt und Hungersnoth griff um sich; da wagten sich dennoch die gutmüthigen Lockwitzer bis an die Ringmauern der Stadt und warfen Brod und Mehl den unglücklichen Dresdnern über die Thore hinein. Deshalb bekamen sie vom damaligen Fürsten 30 Freizeichen, um ungehindert Brod und Mehl nach Dresden verkaufen zu können. Die Urkunden darüber datiren sich von den Jahren 1522 und 1527.

Im 30jährigen Kriege gingen die Lockwitzer Weiber hinter den Mehl- und Brodwägen her und verteidigten sie mit Steinen, die sie in ihren Schürzen bei sich trugen, so lange gegen Streifpartheien, bis sie Hülfe von Bauern oder befreundeten Soldaten erhielten. Während der Pest des Jahres 1680 verbot zwar die Lockwitzer Herrschaft jenen Handel nach Dresden, das dortige Gouvernement aber forderte ihn, und da es mit Verlust des Privilegiums drohte, so erzwang es ihn auch. Die damit verbundenen Vortheile vermehrten bald die Theilnehmer so, dass endlich die Müller und Bäcker in Dresden sich darüber beschwerten und deshalb wurde die Zahl der Freizeichen nun festgesetzt.

[124] Wenn durch Todesfälle eines derselben vacant oder auch nur verloren wurde, so musste solches bei der Herrschaft von neuem gelöst werden. In der Regel überliess es die Herrschaft den Meistbietenden und der Preis stieg von 30 bis 80 Thaler.

Bemerkenswerth sind auch die im Lockwitzer Grunde reizend gelegenen vier Mahlmühlen, die diesem Grunde selbst im Winter, wenn der Sang der Vögel schweigt, ein reges Leben geben. Hier war es auch, wo schon zwei Verbrecher ihre Strafe fanden; der Eine, ein gewisser Schuster, welcher einen Sattler aus Lockwitz ermordete, wurde vor 92 Jahren beim Eingange in den Grund gerädert: der Andere mit Namen Richter, ein Brandstifter, 1809 auf derselben Stelle enthauptet.

Die Frohnen wurden den guten Lockwitzern schon im Jahre 1812 durch den damaligen Besitzer, Herrn Preusser, erlassen. Der dermalige Besitzer des Gutes ist der Sohn des verstorbenen Kaufmanns Preusser. Herr Lieutenant Preusser, eine Familie, die in den Herzen ihrer Untergebenen viele hundert Tempel der Dankbarkeit sich erbaut hat. – Jetzt aber noch einiges Wenige vom Erbau der Kirche. Auf der Stelle, wo die jetzige Kirche steht, war früher eine katholische Capelle mit zwei Altären, in welcher der Pfarrer zu Leubnitz jährlich mehrere Male Messe lesen musste. Seit dem Jahre 1538 lag sie jedoch wüste. Erst im Jahre 1622 wurde sie, wie oben schon erwähnt worden, von dem damaligen Besitzer von Lockwitz, Hans Georg von Osterhausen, Hofmarschall und Oberkammer- und Bergrath erneuert und auf seine Kosten Lockwitz und Nickern von Leubnitz ausgepfarrt.

Im Jahre 1700 wurde vom damaligen Besitzer, dem Oberconsistorialpräsidenten, Friedrich von Schönberg, die Kirche neu gebaut und da dieser zweite Bau mehrere Jahre dauerte, ward während dieser Zeit in einem Saale des herrschaftlichen Schlosses der Gottesdienst gehalten.

Die Kirche selbst ist ein schönes Gebäude, das mit dem Schlosse zusammenhängt und eine von dem berühmten Orgelbauer Silber neu gebaute Orgel hat.

In der Kirche hängt neben der Orgel das Bildniss des am 1. November 1627 verstorbenen Herrn von Osterhausen, wie er auf dem Paradebette liegt und zur Seite eine Tafel, welche das Nähere des Kirchenbaues besagt.

Der erste an hiesiger Kirche angestellte Prediger war M. Gabriel Ursinus.

Der Gottesacker liegt hinter dem Dorfe auf einer Anhöhe und hat manches schöne Denkmal aufzuweisen.

Der jedesmalige Besitzer des Gutes ist auch Collator von Kirche und Schule.

Eingepfarrt hierher ist, wie oben schon gesagt worden, das Dorf Nickern, welches bis 1681 mit Lockwitz verbunden war. Der Geburtsort des berühmten Instrumentenmacher Horn, welcher in der Zeit von 1739 bis 1797 lebte.

Die sonstigen kirchlichen Nachrichten über Lockwitz und Nickern sind durch einen Brand verloren gegangen, der im siebenjährigen Kriege durch einen preussischen Soldaten in einem Bauerngute veranlasst wurde, wodurch Pfarrwohnung nebst allen Schriften den Flammen erlagen, so dass die eigentliche sichere Kunde von der Kirche erst mit dem Jahre 1757 beginnt.

Die hiesige Pfarrwohnung war deshalb längere Zeit ein Bauergut, dessen Steuern und Gaben die gesammte Kirchfahrt übertrug.

Pfarre und Schule stehen unter der Inspection Dresden.

Lockwitz mit seinen 127 bewohnten Gebäuden, mit seinen 315 Familienhaushaltungen, mit seinen 1315 Einwohnern gehört jetzt zum Gerichtsamt – zum Bezirksgericht – zur Amtshauptmannschaft – zum Regierungsbezirk Dresden.

M. G.