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Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Falkenstein (Vogtland)

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Titel: Falkenstein
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aus: Voigtländischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 5, Seite 73–76
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: o. J. [1859]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: SLUB DresdenCommons
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Falkenstein.


In romantischer Berg- und Waldgegend liegt das Rittergut Falkenstein mit dem dazu gehörigen Bergstädtchen. Es ist dem Amte Plauen des Voigtländischen Kreises zugetheilt. Eine Hauptstrasse, die von dem Erzgebirge in das Reich führt, geht durch den Ort, der gegen 300 Bürgerhäuser zählt, und ausserdem die Kirche, einige geistliche Gebäude, Rathhaus, Weberhaus, Schützenhaus, Bleichhäuser und die Rittergutsgebäude. Die Einwohnerschaft ist seit drei Viertel Jahrhundert in stetem Wachsthum begriffen. 1779 zählte man in 52 Familien 116 Einwohner über 10 Jahre; 1800 im Ganzen 1100; 1802 bereits 1347 und 1815 war die Zahl bis auf 1660 gestiegen. Gegenwärtig hat Falkenstein an 3000 Einwohner. Da aber die Häuser meistens ächte Gebirge-Blockhäuser sind, die nur aus einem Erdgeschosse bestehen, erscheint die Stadt, zumal wegen ihrer engen, gewundenen Strassen, viel bevölkerter, als sie in der That ist.

Von Auerbach liegt Falkenstein 1 kleine Stunde südwestlich entfernt, von Plauen 4 Stunden östlich, von Schöneck 21/2 Stunde nordöstlich, von Treuen 2 Stunden südöstlich, von Lengefeld 23/4 Stunden, und von Beginn der grossen Falkenstein-Auerbacher Wälder 1/2 Stunde.

Falkenstein berührt mit wenigen Häusern das linke Ufer der weissen Gölzsch, die eigentliche Stadt aber liegt an einem Bergabhange, und erstreckt sich westwärts bis zu dem Rittergute, also bis zu der Reihe von Klippen, welche mit geringen Unterbrechungen vom sogenannten Wimmersteine an eine Meile weit in der Richtung von Südsüdost nach Nordnordwest fortläuft und bis unter Auerbach die Wasserscheide zwischen der Gölzsch und dem Treuenschen Bache bildet. Diese Klippenreihe zeigt in ihren einzelnen Parthien mitunter sehr eigenthümlich gebildete Felsgestalten. Die Hauptpunkte heissen der Wimmerstein, der Löcherstein, der Falkenstein, der Stein, der Bendelstein [74] etc. etc. Für Geognosten bietet die gelb- oder röthlich-braune Felsenreihe mehrfaches Interesse.

Falkenstein liegt unter 50° 28-29' der Breite und 30° 11/2-2' der Länge. Im Süden davon dehnt sich der sogenannte grüne Wald aus; an diesen schliesst sich der Trützschlerische oder eigentliche Falkensteiner Wald an, welcher die rothe Gölzsch einschliesst, einen Flächenraum von gegen 2240 Acker umfasst, und mit Ausnahme einiger kleinen Buchenbestände nur Fichtenholz enthält. Beide Gölzsch vereinen sich 3/8 Stunden nordöstlich von Falkenstein in dem Dorfe Ellefeld, welches an das nördliche Ende der Stadt beinahe anstösst.

An der weissen Gölsch stehen drei Mühlen nebst einigen Bretmühlen, ein grosses Gut und eine Bleiche, welche zu der Stadt gehören; von der obern Mühle steigt in Südosten ein Berg an, der nach der Mühle benannt ist, und durch einen kleinen Bach, der sich hier in die weisse Gölsch ergiesst, von dem Stallmeisterberge getrennt ist. Dieser trägt die beiden Einöden Juchheh und Hannaloh. An diesem kleinen Bache, und ganz nahe bei der Stadt, liegt die dem Rittergut gehörige Schäferei Mühlberg. Auf der daneben befindlichen Höhe soll einst die Burg Mühlberg gestanden haben, von der jedoch nicht die geringste Spur mehr vorhanden ist. Nach anderen Angaben nimmt die Schäferei die Stelle der ehemaligen Burg ein.

Unter der Obermühle liegt der Schmelzhammer, und weiter unten die weisse Mühle. Gegen Nordwesten, etwa 2000 Schritt weiter, am Treuenschen Wasser, beginnt Dorfstadt. Im Süden, nicht weit von der Meisterei entfernt, liegt das Oertchen Lohberg und der oben bereits erwähnte Löcherstein, so genannt von seiner eigenthümlichen Gestaltung. Er ist eine ziemlich hohe schmale und schroffe Steinwand, von einer grossen Oeffnung durchbrochen, durch welche man, unter dem Felsen stehend, den Himmel sehen kann. Früher hatte die Wand mehrere solcher Löcher, die Felsstücke aber, in denen sie sich befanden, sind nach und nach herabgestürzt.

Von dem Löchersteine, der am Ende der Stadt liegt, führt ein bequemer Fusspfad, von welchem man einer reizenden Fernsicht geniesst, bis zu dem etwa 3/4 Stunden entfernten Wendelsteine, einer grossen Felsenparthie, 2288 Fuss über der Meeresfläche. Von dieser hat man eine weite und schöne Aussicht über die Umgegend.

Auf Falkensteiner Flur, etwa 21/2 Stunden von der Stadt entfernt, liegt der sogenannte Schneckenstein. Er ist 2698 Fuss über der Meeresfläche und gewährt ebenfalls eine schöne Fernsicht. In diesem Berge wurden die schönen Topase gefunden, von denen in dem grünen Gewölbe zu Dresden Exemplare von bedeutender Grösse gezeigt werden. Der Bruch wurde sonst auf königliche Rechnung betrieben, ist aber schon seit längerer Zeit aufgegeben worden. Die benachbarten Berge enthalten auch schöne und ergiebige Schieferflötze und liefern Achate von schöner Zeichnung und Farbenspiel.

Falkenstein hatte im Jahre 1828 nur 275 Häuser. Seitdem hat sich die Zahl derselben bedeutend vermehrt; es sind neue Stadttheile angebaut worden, die ein freundlicheres Ansehen gewähren, als die alte Stadt. Dies gilt besonders von der sogenannten Vorstadt, einer Häuserreihe an der Auerbacher Strasse, hinter dem Gottesacker. Man geniesst von hier aus eines freundlichen Einblickes in das Ellefelder Thal und auf das Rempesgrüner Gebirge. Der Stein, eine der oben erwähnten Klippen, bildet sowohl für den Gottesacker wie für die Gärten, mit denen diese Häuser umgehen sind, eine natürliche Einfriedigung.

Das Rittergut Falkenstein ist ein altschriftsässiges Mannlehen. Es wird als Falkenstein mit Mühlberg, oder auch als Falkenstein oberen Theils bezeichnet. Es besteht aus dem Hauptgehöft in der Stadt Falkenstein und zwei Schäfereien, einer auf dem Mühlberg in Ellefelder und einer auf dem Winn in Neustädter Flur. Ausser den grossen Waldungen gehören zu dem Gute noch 240 Acker Felder, Wiesen und sonstige Grundstücke, in den Fluren der Orte Falkenstein, Neustadt, Ellefeld, Friedrichsgrün mit Boda, Wieselburg und Mühlleite gelegen.

Das Wohnhaus des Rittergutes, das Schloss genannt, wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts neu erbaut, 1832 aber im Innern wesentlich umgestaltet. Es ist ein massives, 9 Fenster breites, meist mit Schiefer gedecktes, freistehendes Gebäude, umgeben von sehr alten rund nicht bedeutenden, mit Schindeln gedeckten Wirthschaftsgebäuden, der Pachterwohnung und dem bisherigen Gerichtshause. In dem Hausgarten erhebt sich der Falkenstein, ein beträchtlicher, mit sehr hohen und starken Ahornen und Lärchenbäumen besetzter isolirter Felsen, der einen sehr freundlichen Anblick gewährt. An demselben führen steinerne Stufen empor. Auf dem Gipfel dieses Felsens stand wahrscheinlich einst die Burg, nach welcher sich die Besitzer von Falkenstein nannten, wenigstens stand hier noch im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts ein Thurm; er wurde indess zum Bedauern der Alterthumsfreunde abgetragen, und an dessen Stelle ein freundliches Lusthaus gesetzt, von welchem aus man eine schöne und weite Aussicht hat und viele der umliegenden Ortschaften übersieht.

Stadt und Rittergut Falkenstein befinden sich schon seit undenklichen Zeiten in dem Besitze der Familie von Trützschler, die ausserdem auch die nahegelegenen Rittergüter Dorfstadt und Oberlauterbach besitzt. Auch das bereits erwähnte Ellefeld war lange Zeit in ihrem Besitz; erst 1816 fiel es durch das Aussterben dieser Linie des Geschlechtes anheim. Die ältesten Lehnbriefe, von denen sich in Falkenstein eine Abschrift befindet, sind vom 23. Juli 1580 und vom 16. Januar 1587, und nennen Georg Christoph Trützschler als Hauptbelehnten. Genauere Nachrichten über die frühere Geschichte Falkensteins sind nur sehr mangelhaft, da, wie man versichert, alle älteren Acten im vorigen Jahrhundert bei einem Brande zu Grunde gingen, der in Reichenbach die Wohnung des dort ansässigen von Trützschlerschen Gerichtshalters einäscherte.

Mit ziemlicher Gewissheit nimmt man an, dass auch die früheren Besitzer, und so auch namentlich der im Jahre 1270 genannte Johann von Valkenstein, dem Geschlechte der Trützschler angehörten, und diese Güter wären demnach schon sechshundert Jahre bei derselben Familie.

Der Ort selbst wurde in älteren Zeiten Valkenstein geschrieben, und im Jahre 1379 wird er als „Walkenstein in der Plawischen Art gelegen“ bezeichnet; indess nahm man es damals bekanntlich mit der gleichmässigen Schreibart eben nicht sehr genau.

[75] Das Gut wechselte seit dem 16. Jahrhundert durch Kauf, Erbschaft oder Verträge seine Besitzer aus den verschiedenen Linien des Geschlechtes der Trützschler, bis es im Jahre 1831 durch Erbschaft an den jetzigen Besitzer, Herrn Franz Adolf von Trützschler, Herzoglich Sachsen-Coburg Gothaischen Geheimerath a. D. fiel.

Zu den in der Belehnung mit dem Rittergute Falkenstein bezeichneten Gegenständen gehörten ausser sehr umfänglichen Gerichten, (die im Jahre 1855 zugleich mit denen mit dem Rittergute Oberlauterbach und dem von Trützschlerschen Seniorate (Collatur) verbundenen Gerichten, auf den Staat übergingen, so dass nun in Falkenstein ein königliches Gericht errichtet wurde), auch die Bergwerksrechte auf alle Metalle und Mineralien ausser Gold und Silber. Damit war das Rittergut Falkenstein seit undenklichen Zeiten beliehen; es hatte ein besonderes Bergamt mit den dazu nöthigen Beamten, das in Falkenstein seinen Sitz hatte. An diesem Regal, welches sich auch auf die sogenannten Auerbacher Waldungen erstreckte, die früher zu dem Gute Falkenstein gehörten, aber schon vor langer Zeit an den Staat verkauft worden waren, stand den Rittergütern Falkenstein mit Mühlberg, Dorfstadt, Oberlauterbach und dem 1816 anheimgefallenen Rittergut Ellefeld, jedem 1/4 zu. Das Ellefelder Viertel gelangte somit an den Staat und das Bergamt wurde nach Schneeberg verlegt.

Die Erträgnisse von diesem Regal in Zehenten, Ladegeldern etc. waren früher, wo der Bergbau, namentlich im 17. Jahrhundert, sehr schwunghaft betrieben wurde, so bedeutend, dass die Stadt Falkenstein selbst die Vorrechte einer Bergstadt erhielt. In neuerer Zeit war der Bergbau aus unbekannten Gründen ins Erliegen gekommen, und das Bergwerksregal selbst kam in Folge des Gesetzes vom 22. Mai 1851 in Wegfall.

Noch ein Recht, welches dem Rittergute Falkenstein zustand, war das Jagdgefolge in den königlichen Forsten.

Die Kirche, welche zwar ziemlich gross, doch nicht von gefälligem Aussehen ist, liegt mitten in der Stadt. Die Pfarrei derselben wurde am 4. April 1632 begründet; bis dahin war Falkenstein wahrscheinlich Filial von Plauen. Bis zur Reformation waren Bergen und Werda Filiale von Falkenstein. Der erste protestantische Pfarrer war aus dem Geschlechte der Gutsherrschaft selbst, Konrad von Trützschler. Es rühren von denselben mehrere Stiftungen her, namentlich dass der Pfarrer Lehn-, Zins- und Frohn-Unterthanen hatte. Die Pfarrkirche steht unter der Inspection Plauen. Als Schullehrer sind ein Cantor und ein Organist angestellt. Die Collatur haftet nicht auf dem Rittergute, sondern auf dem Geschlechte von Trützschler, von welchem jedesmal der Senior Collator ist, ganz ohne Rücksicht darauf, ob er Haupt- oder Mitbelehnter ist oder nicht, ob er auf dem Gute seinen Wohnsitz hat oder anderwärts, ja sogar ob er einen Antheil an dem Gute besitzt; nach der Familienbestimmung muss er jedoch aus einem der beiden allein noch übrigen Häuser Falkenstein oder Dorfstadt abstammen. Die ausgestorbenen Linien Oberlauterbach und Ellefeld waren ebenfalls mit zu der Collatur berufen. Diese erstreckt sich auch über die Pfarren und Schulen zu Werda und Bergen, und war bis zum Jahre 1855 mit einer eigenen Gerichtsbarkeit verbunden. Ausser unbedeutenden Gerichtsrevenüen waren mit diesem Seniorat nur unbeträchtliche Gefälle verbunden, welche die Collatur-Unterthanen zu entrichten hatten, die aber nun zur Ablösung gelangen werden.

Nach Falkenstein eingepfarrt sind die folgenden Ortschaften, von denen einige nur aus wenigen Häusern bestehen und die zum Theil zwei Meilen entfernt sind: Ellefeld, Oberlauterbach, Neustadt, Dorfstadt, Irrgang, Siebenhitz, Juchheh, Hahnenlohe und Hahnweg, Lohberg, Mühlberg, Messingwerk mit Hohofen, Scheibenknock, Winn, Vorder-Grünbach, Hinter-Grünbach, Rissbrück, Hammerbrück, Friedrichsgrün, Bode, Kalteküch und Reimtengrün. Die am entferntesten liegenden Orte Mühlleite und Wieselburg sind unlängst nach Klingenthal ausgepfarrt worden. Einige dieser Orte liegen mitten in den Waldungen, die zu Falkenstein gehören und sich bis an die böhmische Grenze erstrecken und die grossen Entfernungen derselben hat das Bedürfniss dringend fühlbar gemacht, noch einen zweiten Geistlichen, vorläufig einen Vicar, anzustellen. Dessen Berufung steht in nächster Aussicht.

Der Boden ist an sich von der besten Art und für fast alle Feldfrüchte geeignet; es haben auch die Waldbewohner durchgängig etwas Feld urbar gemacht, allein das Klima ist rauh, der Winter sehr strenge, und es können daher keine Winterfrüchte gedeihen. Selbst die Sommerfrüchte und besonders die Erdäpfel, kommen nicht immer zur vollen Reife oder erfrieren. Die Gräserei und Viehzucht gedeihen dagegen vortrefflich; namentlich ist die Butter fast so gut wie in der Schweiz.

Die Hauptnahrung der Bewohner von Falkenstein selbst ist die Musselinweberei; daneben Handwerke verschiedener Art, Ausnähen, Spinnen, Spitzenklöppeln, Blonden-Verfertigung; dann Viehzucht, Feld- und Bergbau, namentlich aber auch Kammertuchweberei. Diese wurde in Falkenstein im Jahre 1785 erfunden und zwar gemeinschaftlich von den Webermeistern Johann Michael Dressel aus Falkenstein und Hahn aus Plauen; sie bedienten sich aber so schwerfälliger Maschinen, dass die Bearbeitung keinen günstigen Erfolg hatte. 1793 gelang es einem hiesigen Webermeister, Gottfried Thomas, an den bisher gebrauchten Maschinen Vorrichtungen anzubringen, vermittelst welcher man schnell und mit Vortheil arbeiten konnte. Der Erfinder theilte sein Geheimniss einigen wenigen, ihm näher befreundeten Webermeistern mit; er vereinigte sich mit ihnen zu einer geschlossenen Gesellschaft, deren Mitglieder sich eidlich zur Geheimhaltung verpflichteten und den G. Fr. Thomas in Lengefeld zum eigenen Verleger annahmen. Die Kammertuchweberei kam nun rasch in Aufschwung und das in Falkenstein gefertigte Tuch stand dem französischen nicht nach; indess bei dem Kunstsinn und rastlosen Forschen, welche die hiesigen Bewohner auszeichnen, konnte das Geheimniss nicht lange bewahrt werden, und so ist denn jetzt die Kammertuchweberei Gemeingut. Auch wird sie ausser in Falkenstein noch an mehreren Orten des Voigtlandes getrieben, das Fabrikat aber meistens nach Falkenstein geliefert. Die Fabrikation hat sich seit ihrer ersten Erfindung bedeutend gehoben; namentlich hat die grosse Mannigfaltigkeit der Muster den Werth wie den Absatz der Waare gesteigert. Ein besonderes Verdienst darum erwarben sich die Tischlermeister J. Ch. Müller und Ch. Erdmann Müller durch grosse Vereinfachung der Maschinerie, so dass diese jetzt von einem Menschen regiert werden kann.

Auch die Waldbewohner des Gebietes von Falkenstein haben trotz der [76] wenig ergiebigen Natur ihre reichliche Nahrung. Im Frühjahr, Sommer und Herbst beschäftigen sie sich mit Holzhauen und Stockmachen und im Winter mit Anfahren des Flossholzes in Handschlitten bis zu den Flossbahnen, von wo es dann weiter in die Flossgräben geschafft wird. Da aus den hiesigen Waldungen jährlich 10- bis 12,000 Klafter Holz auf die Flüsse geliefert wird, kann man ermessen, dass es den Einwohnern weder an Arbeit nach an Verdienst fehlt. Die Weiber und Kinder beschäftigen sich überdies noch mit Spitzen- und Blonden-Klöppeln, mit dem Nähen und Sticken der Fabrikwaaren, theils mit dem Häkeln im Tamburin oder auf dem Rahmen, theils mit französischer und deutscher Stickerei. Ein Theil der Waldbewohner beschäftigt sich auch als Bergleute, entweder durch Arbeit auf den Gruben, oder indem sie mit Arzeneien und Olitäten in das Ausland wandern, und dadurch den Unterhalt ihrer Familien besorgen.

In Friedrichsgrün ist eine Glashütte mit Pottaschen-Siederei und Vitriolwerk. Wegen der vortrefflichen Quarze, die man in der Gegend findet, ist das hier fabrizirte Glas sehr schön und gut.

Seit langen Zeiten hat Falkenstein 2 Jahrmärkte gehabt, welche am Montag nach 1. Trinitati und am Montag nach Kreuzeserhöhung abgehalten wurden. Später kam noch ein dritter hinzu, der auf den Montag vor Fastnacht fällt.

Im März 1641 fiel zwischen den Schweden und den Kaiserlichen ein Gefecht bei Falkenstein vor. Die Kaiserlichen zündeten den Ort an, und wurden dabei von den Schweden überfallen und geschlagen.

Noch ist zu bemerken, dass Falkenstein in zwei Theile zerfällt – Falkenstein-Obertheil und Falkenstein-Untertheil. Der Obertheil besteht aus Falkenstein mit Mühlberg und Dorfstadt; der Untertheil aus Oberlauterbach und Collatur. Das Rittergut besass auch noch Antheile von Dorfstadt, Ellefeld, Neustadt bei Falkenstein, Schreyersgrün, Reimtengrün, Werda, Bergen an der Trieb, Trieb und Cottengrün. Die übrigen Antheile von Falkenstein gehören zu den schriftsässigen Rittergütern Dorfstadt, Ellefeld, Mühlberg, Oberlauterbach und Collatur.