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Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Döben

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Textdaten
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Titel: Döben
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aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 126–127
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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Döben.


Döben liegt eine kleine halbe Stunde von Grimma an dem rechten Muldenufer auf einem Berge, das Zettengebirge genannt, welches von Höfchen aus bis nach Schmorditz das Ufer des Flusses begränzt und mit seinen Bäumen, seinen Thälern und Höhen neben der laut dahin rauschenden Mulde der ganzen Gegend die Anmuth und den Reiz verleiht, wodurch selbst aus der Ferne Besucher herbeigeführt werden.

Döben findet man schon in den ältesten Urkunden und wird Dewie benannt und soll früher ein Städtlein gewesen sein. Dewie bedeutet in wendischer Sprache die Jungfrau und deutet auf einen Ursprung dieses Ortes zu einer Zeit, wo noch die Sorben-Wenden das Meissnische Land bewohnten.

Schon im Jahre 1117 kommt das Städtlein Dewie in der Geschichte vor. Zu dieser Zeit hat Graf Wiprecht diese Stadt durch List eingenommen und soll einen solchen Vorrath an Sachen daselbst davon gebracht haben, dass alle seine Soldaten ihren Mangel dadurch abhelfen konnten.

Kaiser Heinrich V. hatte nämlich den Vater dieses Wiprecht, den berühmten Landgrafen Wieprecht von Groitzsch, gefangen und im Schlosse Dewin verwahrt, die Söhne desselben aber das kaiserliche Heer bei Dewin geschlagen, ein verschanztes Lager erbeutet und ihren Vater befreiet. Von dieser Verschanzung sind noch Spuren zu finden, welche an der Nordostseite des Dorfes bis an das in einer steilen Felswand gebildete Muldenufer laufen.

Das Schloss Döben ist auf einem steil anstrebenden Felsen erbaut, das Souterain fast gänzlich in Felsen gehauen. Von dem eigentlich alten Baustyl ist nicht viel mehr vorhanden. Ein Thurm ist noch da, der zwar noch Spuren gothischer Baukunst trägt, aber seine Bedachung ist aus der Neuzeit. Auf diesem Thurme soll dem Markgrafen Otto dem Reichen sein Aufenthalt auf einige Wochen angewiesen gewesen sein, als derselbe von seinem Sohne, Albrecht dem Stolzen, im Jahre 1188 gefangen genommen war, weil er die Erbtheilung zu Gunsten seines jungen Sohnes Dietrich ändern wollte. Albrecht musste seinen Vater auf Befehl des Kaisers Friedrich I. wieder freilassen, jedoch die Streitigkeiten selbst wurden erst später beigelegt.

Das Schloss hat gar nichts Alterthümliches mehr, als den Rittersaal, zu welchem aus dem Keller eine Wendeltreppe führt. Die Grösse des Saals beträgt 2500 Quadratfuss und der Saal selbst hat einen Ofen von 5 Ellen lang, 2¼ Ellen breit und 6½ Ellen hoch, in welchem eine Feuerung von in Leipzig klein gemachtem Holze schwerlich an ihrem Platze sein dürfte.

Die Geschichte von Dewie erzählt uns von ihren Burggrafen. In einer Urkunde auf dem Landtage, welcher auf dem Kulmberge bei Oschatz 1185 abgehalten worden, hat ein solcher Burggraf den Rang von den Burggrafen zu Leisnig und Dohna. Ein Burggraf Albrecht von Dewin war der Beförderer des Baues des Georgen-Hospitals bei Grimma im Jahre 1241, weshalb auch Döben mit dem Rittergute Böhlen abwechselnd das Recht hat, in diesem in eine Waisen-Anstalt umgewandelten Hospitale eine Stelle mit einer männlichen oder weiblichen Waise zu besetzen. Im Jahre 1286 verschwinden die Burggrafen von Döben, bis sie ausgestorben, oder [127] nach Abtretung der Burggrafschaft Döben an die Burggrafen von Wettin, blos den Namen Herren von Döben fortgeführt und ein adliches Geschlecht gegründet haben, welche in Meissen bis Ende des sechszehnten Jahrhunderts unter dem Namen Herren von Staucha vorkommen, ist ungewiss.

Döben ist bald von den Wettinern an die Leisniger Burggrafen gekommen, welche an 200 Jahre als Lehnsherrn über das Schloss Döben figuriren.

Seit Anfang des vierzehnten Jahrhunderts bis 1440 werden die Herren von Luppa als Lehnsherren von Döben erwähnt. Um das Jahr 1440 kam Döben an die Herren von Maltitz, und zwar durch die Vermählung des heimlichen Raths Hans von Maltitz mit einem Fräulein von Luppe. Dieser Hans von Maltitz war in den Diensten des Kurfürsten Friedrich des Sanftmüthigen und hat in dem Bruderkriege auf seinen Gütern viel Verwüstungen erleben müssen. Hans von Maltitz ist auf einer Wallfahrt nach dem heiligen Grabe, die er mit Herzog Albrecht unternommen hatte, gestorben. Ihm folgte sein Sohn Dietrich von Maltitz, welcher mit vielen Sorgen zu kämpfen hatte und bei seinem Tode drei unmündige Kinder hinterliess. Die beiden Brüder Bernhardt und Heinrich von Maltitz sollen die Erbauer einer Capelle in Döben sein, und dürfte diese Capelle derjenige Theil der jetzigen Kirche sein, auf welchem der Altar steht. Von Bernhardt von Maltitz kam das Gut an Christoph von Maltitz. Letzterer konnte solches nicht erhalten und überliess es seinem Schwager Wolf von Hirschfeld. Die Söhne Wolf von Hirschfelds, Georg und David, theilten das Gut. Georg kaufte 1561 in Böhlen ein Bauergut, riss die Gebäude nieder, erbaute ein Herrenhaus, vereinigte die Dienste und Zinsen damit, welche ihm in der Theilung zugefallen waren, und so entstand das Rittergut Böhlen bei Grimma. Beide Brüder waren aber gezwungen, ihre Güter zu verkaufen, und zwar Böhlen an Tamm Pflug und Döben an von Kanitz. Letzterer verkaufte später seine Besitzung an Ernst und Georg von Schönfels. Diese beiden Brüder starben ohne Leibeserben und es kam nun Döben durch Erbschaft an Hans von Schönfels, den Bruder, welcher 1599 starb, aber sechs Söhne und fünf Töchter hinterliess, so dass Döben an Wolf von Schönfels fiel, welcher wieder fünf Söhne hatte, die durch den 30jährigen Krieg so herabkamen, dass sie Döben an den in jenem Kriege berühmten Sächsischen General von Arnheim verkaufen mussten, dessen Geschlecht Döben bis heute mit der einzigen Veränderung besitzt, dass es 1783 auf die weibliche Descendenz Marie Charlotte von Arnim überging, welche an den herzoglich Coburgischen Ober-Landjägermeister von Böhlau vermählt war, dessen Enkel, Herr Otto von Böhlau dieses Gut zugleich mit dem von seinem Grossvater erkauften, eine Viertelstunde entfernten, Rittergut Haubitz jetzt im Lehn und Besitz hat.

Im 30jährigen Kriege hat Döben sehr gelitten. Mehrere Einwohner haben für ihre Kranken Hütten im Holze bauen müssen. Ebenso ist Döben vom Feuer heimgesucht worden. Im Jahre 1791 ist ein Feuer im Dorfe Döben durch brennenden Schwamm, welchen der Wind Bergleuten, die einen Brunnen graben wollten, entführt hat, entstanden. Im Jahre 1806 brannten die Wirthschaftsgebäude der Pfarre und im Jahr 1809 acht Bauergüter ab.

Als Merkwürdigkeit in Döben ist der Altar der Kirche zu erwähnen. Es ist eine Familiengruppe in Holz geschnitten, wovon die unverbürgte Geschichte erzählt wird: Die Gemahlin des Herrn von Schönfels sei scheintodt, dem Begraben nahe, wieder erwacht und habe hierauf noch neun Kinder geboren. Dies die Veranlassung zu der Gruppirung.

Aus Grimma und andern Orten ist Döben den Sommer über häufig besucht und die moderne Welt im Concerte hier stellt einen grossen Contrast zu den früher vielleicht hier stattgefundenen ritterlichen Uebungen dar.