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Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Bärenclause

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Bärenclause
Untertitel:
aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 223–224
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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Bärenclause


am linken Ufer des Grimmaischen Wassers 3 Stunden südlich von Dresden gelegen, mehr an der Golberoder Höhe, welche eine köstliche Aussicht über das Elbthal bis nach der sächsischen Schweiz hinaus gewährt.

Bärenclause wurde früher Beerenclausa genannt und das Allodial-Rittergut ist von nicht geringer Grösse. Schriftsässig gehörten dazu Welschhufe und die Bruchschenke, ein Theil von Kautzsch und Rippchen, so wie die Dörfer Golberode und Gomsen. Das Rittergut Golberode ist längst schon mit Bärenclause combinirt, so dass es schon dadurch einen grössern Umfang erhalten.

Die Gutsgebäude sind nicht von dem grössten Umfang, aber nett und wohnlich und die Oeconomie im besten Zustande. Alle Getreidesorten werden hier in guter Qualität erbaut, der Wiesewachs ist vortrefflich und die Obstgärten gewähren einen wahren Genuss für den Beschauer. Der grössere Theil der Felder gehört zum Rittergut, weshalb das Dorf selbst wenig Oeconomie hat, aber ebenfalls schöne Obstgärten besitzt. An Einwohnern zählt der Ort nur 60.

Im Orte selbst befindet sich auch ein Hammerwerk.

Ueber diesen Ort und über dieses Hammerwerk stand im 17. Jahrhundert der von Haugewitzschen Familie die Gerichtsbarkeit zu als Besitzerin vom Rittergute. Später und jetzt längst schon ist von Bärenclause mit Golberode die Familie van der Beck beliehene Besitzerin.

Der jetzige Gerichtsherr, ist Alexander van der Beck.

Das vorerwähnte Welschhufe ist eigentlich ein Vorwerk von Bärenclause, weil es aber näher an Golberode liegt, so hat man es immer mehr zu letzterem gerechnet.

Im Jahre 1615 wurde Welschhufe von Johann I. zum Dippoldiswalder Amte gekauft. Es hat einen Gasthof, die Bruchschenke genannt, und liegt am Fusse des Göhligsberg, wo der Nöthnitzer Bach entspringt.

Auf der Seite des Göhligberges, wo der Ort liegt, zeigt sich, wie wir schon bei Theisewitz erwähnt haben, eine der schönsten und vollkommensten Aussichten Sachsens.

Alle die Bewohner dieser Orte, so auch die von Bärenclause beschäftigen sich mit Strohflechterei, welche in Wendisch-Carsdorf, einem ebenfalls zur Possendorfer Parochie gehörenden Dorfe, ihren Anfang nimmt. Der Ort selbst liegt nur 1⅜ Stunde von Dippoldiswalde und werden dessen Felder von Dresden aus als die ersten erzgebirgischen betrachtet.

Bärenclause hat keine eigene Kirche, sondern ist, wie Theisewitz, nach Possendorf eingekircht.

Ueberall, von dem letzteren Orte, vorzüglich vom Göhligberge aus, hat man sich einer herrlichen Aussicht zu erfreuen und ungefähr 400 Schritte hinter Possendorf, an der Strasse nach Dippoldiswalde nimmt man einen Wetterscheidepunkt wahr, bei welchem die erzgebirgische Luft sich genau verspüren lässt.

In der Gegend findet man viele versteinerte Holzstücken, wie auch Muschelversteinerungen und den sogenannten Wurmstein.

Dreizehn Dörfer sind mit 2000 Einwohnern in die Possendorfer Kirche [224] eingepfarrt, welche wir schon bei der Beschreibung von Zscheckwitz speciell aufgeführt haben.

Die meisten dieser Dörfer treiben Strohflechterei.

Auf die einheimische Stroharbeit stösst, wenn wir ein solches Dorf betreten, überall unser Auge, wozu selbst die Fenster beitragen, welche gewöhnlich mit Wassergefässen voll eingeweichter Strohhalme besetzt sind.

Das hohe Alter dieses Gewerbes bürgt für dessen Fortbestehen.

In den sogenannten Strohdörfern gesellen sich während des Winters die Stroharbeiter wieder zahlreich zusammen, eben so, wie in andern Gegenden mit dem Klöppelsacke oder Spinnrade die Mädchen gegenseitige Besuche zu machen pflegen und im Sommer sitzt, mit Ausschneiden, Flechten und Nähen beschäftigt, vor den Thüren der Häuser Alt und Jung.

Neben diesem Erwerbszweige ist aber auch der reichliche Obstbau ein bedeutender Nahrungszweig für die Bewohner dieser Gegend.

Dadurch und durch die Fruchtbarkeit der Felder wird der Reiz der Gegend nicht wenig erhöht.

Die Früchte, welche in dieser Gegend gebaut werden, bringt man meistens in die Residenz, so dass Letztere mit gutem Obst stets reichlich versorgt ist.

Ein sehr mit Obst gesegneter Ort ist besonders Babisnau, auch Babistnau und Babistenau, wovon 2 Häuser sonst zur Gerichtsbarkeit von Bärenclause gehörten.

Auch Rippchen, von welchem ebenfalls früher 2 Hufen dem Rittergute Bärenclause unterworfen, ist ein höchst fruchtbarer und interessanter Ort, welcher nahe an Lockwitz liegt. Kann Jemand eine interessantere Lustreise unternehmen, als gerade hieher, wo ihm der schöne Lockwitzgrund die angenehmsten Parthieen bietet?

Auch Bärenclause bietet der angenehmen Wege und Gänge viele, welche durch künstliche Nachhülfe Seitens der Gerichtsherrschaft noch vermehrt worden sind. –

Wohin man seine Blicke wendet, überall nur schöne Obstbäume, überall Wohlhabenheit und Frohsinn.

Im Vergleiche zu andern Gegenden wird man leicht zu schiefen Urtheilen veranlasst und fragt vielleicht, warum kann es nicht überall so sein, wie hier in Bärenclause und Umgegend.

Bärenclause ist seit Aufhebung der Patrimonialgerichte mit 60 Einwohnern zum Gerichtsamte Dippoldiswalde gewiesen.

(M. G.)