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Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Altenhain

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Altenhain
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aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 217–218
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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Altenhain


auf der linken Seite der Mulde 2 Stunden nördlich von der Stadt Grimma, fast mitten im Holze an den Fuss des Colmbergs sich anlehnend, welcher nicht mit dem Berge bei Oschatz verwechselt werden darf, in dessen Nähe die wüste Mark Altenhain liegt, wo früher ebenfalls ein Dorf stand, welches zu dem nicht weit davon gelegenen wüsten Schlosse Heyn als ein Dienstdorf gehörte.

Unser Altenhain ist ein sehr alter Ort, worauf auch der Name selbst hindeutet. Denn Altenhain ist unzweifelhaft von dem Worte Aldin, welches schon in den longobardischen Gesetzen vorkommt, abzuleiten, und bedeutet einen leibeigenen Knecht. Es scheint durch Abkürzung aus Allodium entstanden zu sein. Allodium aber hiess jedes Gut, dessen Unterthanen Aldii, leibeigene Leute waren, die willkührlich vererbt werden konnten.

Schon Bonifacius, der Apostel der Deutschen, soll im 8. Jahrhundert die hiesige Gegend bei seinen Bekehrungswesen besucht haben. Bald nach Errichtung des Bisthums Merseburg, zu dem viele Orte hiesiger Gegend im Jahre 974 geschlagen wurden, fand auch das Wort am Kreuze hier Eingang. Namentlich hat sich der Bischof Wiegbert von Merseburg um die allgemeine Verbreitung des Christenthums in dieser Gegend wesentliche Verdienste erworben.

Mitten im dichten Holze lag die frühere alte wohlbefestigte mit Wall und Graben umgebene Ritterburg, welche im Hussitenkriege zerstört worden ist. In diesem und in dem 30jährigen Kriege sind überhaupt sehr wichtige Nachrichten hiesiger Gegend sowie von Altenhain selbst mit untergegangen.

Die Grausamkeit und Plünderungssucht der Schweden und Croaten wird furchtbar geschildert und zu dem Schrecken des Kriegs gesellten sich Seuchen, wodurch die Bevölkerung allüberall zusammenschmolz.

Die jetzigen Rittergutsgebäude sind in neuerem Styl erbaut, wie dies die Abbildung besagt und in vortrefflichen Stand, eben so die Wirthschaftsgebäude und die mit dem Gute verbundene Schäferei ist als vorzüglich zu bezeichnen.

Das Gut selbst war als altschriftsässig erklärt, soweit die Gerichtsbarkeit über das Dorf verbunden war. Das Collaturrecht über Kirche und Schule steht dem Besitzer des Gutes heute noch zu, wogegen die Inspection über Kirche und Schule der Superintendent in Grimma übt. Vor der Reformation stand Altenhain unter dem Kloster Nimbtschen, wie auch der Ort selbst zu diesem Kloster gehört haben mag.

Denn erst im 15. Jahrhundert werden uns besondere Besitzer von Altenhain bekannt Das berühmte Grossische Geschlecht finden wir hier, [218] ein Geschlecht, welches sich sehr lange Zeit hier behauptet hat, bis es der Generalmajor Karl Heinrich von Grosse zwischen den Jahren 1731 und 1746 an den Baron von Hohenthal auf Cröbern verkaufte.

Hohenthalsches Besitzthum blieb es bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Dann folgte im Jahre 1806 die Familie von Bissing von welcher es in die Hände des Herrn Banquier Vetter kam.

Von letzterem acquirirte die Besitzung Herr Dr. Hahn, von welchem es Herr Banquier Seyferth kaufte. Nach dessen Tode ging es auf dessen Herrn Sohn über. Der jetzige Besitzer aber ist Herr Kabitzsch in Grosszschocher.

Verdient um Kirche und Schule haben sich vorzüglich die Herren Seyferth Vater und Sohn gemacht, wie überhaupt Altenhain diesen beiden Besitzern viel zu verdanken hat.

Die Kirche ist im Jahre 1786 ganz neu erbaut und auf eigne Kosten des Herrn Besitzers im Innern im Jahre 1841 verschönert worden.

Auch die Schule ist seit dem Jahre 1818 ganz neu und bequem eingerichtet.

Das Dorf Altenhain bildet ein ganz allein für sich bestehendes Pfarramt ohne Filial und Eingepfarrte, hat seinen eigenen Schulmeister, welcher circa 90 Kinder unterrichtet, wogegen die Einwohnerzahl sich auf 400 Seelen beläuft, welche gröstentheils durch Handarbeit ihren Lebensunterhalt erwerben.

Reich ist die hiesige Gegend immer noch an Wald, obschon solche früher viel bedeutender war.

Ja sogar das Kirchensiegel scheint darauf hinzudeuten, welches einen Altar, ringsumgeben von einem Eichenhain dem Beschauer darstellt.

Einen besondern Nahrungszweig gewähren die grossen Teiche hiesiger Gegend, welche stark mit Fischen besetzt sind, womit ein ausgezeichneter Handel weit und breit getrieben wird.

Nach alten Verträgen musste sonst der hiesige Schenkwirth und die übrigen Einwohner von Mariä Geburt bis zu Johannis Grimmasches Bier verbrauen, während das ihnen die übrige Zeit frei stand, ihr Bier zu kaufen wo sie wollten.

Der Rittergutsbesitzer konnte dagegen von jeher zu seinem Hausbedarf selbst brauen, auch ausserhalb der früheren Biermeile verkaufen.

Durch die neuen Bestimmungen und Gesetze sind natürlich diese Einrichtungen gefallen.

Ausserdem existirten noch besondere Verträge rücksichtlich der sich hier niederlassenden Handwerker.

Es werden nur Zimmerleute, 1 Schneider und 1 Leinweber aufgenommen.

Die oben erwähnten grossen Teiche erhalten ihr Wasser von der faulen Parde, welche unter der Westseite des Trebsener Collmberges entspringt, den Saubach, welcher aus Nordost kommt, aufnimmt und die Parde zwischen Erdmannsdorf und Albrechtshayn erreicht. Seit Einführung der neuen Gerichtsorganisation steht Altenhain unter dem Gerichtsamte Grimma.

M. G.