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Ritter Landschaden

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Textdaten
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Autor: Gustav Schwab
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Titel: Ritter Landschaden
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 570–571
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Commons, Google
Kurzbeschreibung:
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[570]
Ritter Landschaden.

Zwei Stunden oberhalb Heidelberg, wo das Neckarthal einen offenen Halbkreis bildet, spiegelt sich das Städtchen Neckarsteinach am Fuße mächtiger grauer Felsen im Strome, und auf bedeutenden Höhen liegen vier zerfallene Ritterburgen, die Sitze der Landschaden von Steinach, in geringer Entfernung von einander. Die älteste, mit ihrem Taufnamen Schadeck genannt, heißt im Munde des Volkes das Schwalbennest.

[571] Die Kirche von Neckarsteinach bewahrt viele Grabsteine der Ritter von Landschaden. Der älteste und schönste trägt die einfache Umschrift: 1369 in die Sancti Michael’ ob. Ulricus Landschad. Miles. Es ist eine alte Rittergestalt mit vor sich gesenktem Schwert. Zwei Engel halten ihm ein Kissen unter das Haupt; zu seinen Füßen schmiegt sich ein Hund; zur Rechten hat er eine Harfe, zur Linken einen gekrönten Heidenkopf. An diesen Ulrich knüpft sich die Volkssage von der Entstehung der Landschaden. Sein Vater, Bligger von Steinach, war wild wie die Gegend, die er bewohnte, sein Herz so hart, wie das Felsgestein, auf dem er horstete. Kaiser Rudolf von Habsburg hatte verordnet, „daß Niemand eine Burg haben solle, es geschehe denn ohne des Landes Schaden.“ Bligger aber, von Raub und Morde lebend, war der Schrecken der ganzen Gegend, ein wirklicher Landschaden. Vom Kaiser vor Gericht berufen, blieb er auf seiner unzugänglichen Burg, bis Acht und Aberacht über ihn ausgesprochen ward und er keinen Weg mehr sicher betreten konnte. Die Ruhe war dem wilden Raubritter unerträglich, und eines Morgens ward er entseelt im Burghofe liegend gefunden. – Sein Sohn Ulrich Landschade von Steinach hatte den schlimmen Namen seines Vaters, aber nicht sein böses Gemüth geerbt. Dessen Missethaten zu büßen und sich mit Kaiser und Reich zu versöhnen, nahm er das Kreuz und zog gegen die Sarazenen. Er half Smyrna belagern und erobern, vernichtete mit seinem Häuflein eine dreimal stärkere Schaar von Feinden, hieb endlich dem Sultan, in dessen Hoflager er sich als Harfner verkleidet, eingeschlichen und in dessen Gunst er sich durch sein Saitenspiel eingeschmeichelt hatte, den Kopf ab, und brachte die reiche Beute zu seinem jubelnden Heere. Jetzt bestätigte ihm der Kaiser feierlich seine Ritterwürde, verlieh ihm den bisherigen Schimpfnamen, „Landschaden“ als ritterlichen und ehrlichen Geschlechtsnamen, und gestattete ihm, den Kopf des erlegten Feindes als Helmzierde im Wappen zu führen.

Gustav Schwab.
(S. dessen „Wanderungen durch Schwaben.“ 2. Section des „malerischen und romantischen Teutschlands.“ Leipzig Wigand. S. 64 und 65).