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Rettende Eisberge

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
Autor: Walther Kabel
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Titel: Rettende Eisberge
Untertitel:
aus: Die Burg. Illustrierte Zeitschrift für die studierende Jugend, 2. Jahrgang, S. 79–80
Herausgeber: Prof. J. Hartorius und Oberlehrer K. Faustmann, Mainz.
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1914
Verlag: Verlag der Paulinus Druckerei
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Erscheinungsort: Trier
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Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
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[79] Rettende Eisberge. Von W. Kabel.

Treibende Eisberge spielen als Zufluchtsstätte bei Seeunfällen eine fast ebenso wichtige Rolle, wie sie als gefährliches Hindernis auf dem Ozean gefürchtet sind. Diese so einfache und doch so sichere Weise der Lebensrettung, schreibt ein amerikanischer Seemann, ist z. B. allgemein gebräuchlich unter den Fischern, die an der Nordostküste von Amerika ihrem gefährlichen Gewerbe nachgehen, dabei nur zu oft durch Stürme weit in den Ozean hinausgetrieben werden und in die Trift der vom hohen Norden kommenden Eisberge geraten.

Jedes Jahr zerschellen dort mehrere dieser Fischereidampfer an schwimmenden Eisriesen, ohne daß Menschenleben dabei verloren gehen. Meistens kann sich die ganze Besatzung auf den Attentäter, den Eisberg, retten, auf dem sie dann Tage, vielleicht Wochen lang dahintreibt, bis sie von einem vorbeifahrenden Schiffe aufgenommen und in die Heimat zurückgebracht wird.

Allerdings sind diese Fischereifahrzeuge auf Zusammenstöße dieser Art stets gut vorbereitet. So ist das größte der Rettungsboote immer reichlich mit Proviant, mit Trinkwasser und mit einem oder zwei Gewehren nebst Munition ausgerüstet, damit es bei einem Unglücksfalle ohne Säumen zu Wasser gelassen werden kann. Noch im Jahre 1910 retteten sich die Leute des amerikanischen Fischereidampfers „Merkur“ auf einen Eisberg und mußten dort fünf Wochen ausharren, bevor eine vorbeifahrende Privatjacht ihrer ansichtig ward und sie an Bord nahm. Während dieser fünf Wochen hatte die Besatzung keinerlei Mangel an Speise und Trank gelitten, da die Vorräte ihres Rettungsbootes vollauf hinreichten, und sie sich außerdem noch durch Schießen von Seevögeln, die auf dem Eise ausruhten, jeder Zeit frisches Fleisch verschaffen konnten.

[80] Die längste Zeit auf einem Eisberg hat die Besatzung des Robbenfängers „Polaris“ zugebracht – ganze 193 Tage. Im September 1872 war die „Polaris“ bei Nordgrönland im Eise zerdrückt worden. Die Insassen hatten sich auf einen nahen Eisberg geflüchtet in der Hoffnung, von da aus Grönland erreichen zu können. Kaum waren jedoch aus dem zertrümmerten Schiffe die Lebensmittel und einige andere Vorräte auf die Eisinsel hinübergebracht worden, als ein gewaltiger Sturm losbrach und den Eisberg in die offene See hinaustrieb. Erst am 7. April 1873, also nach länger als einem halben Jahre wurden die Schiffbrüchigen, die sich inzwischen auf ihrer Zufluchtsstätte häuslich eingerichtet hatten, von dem Dampfer „Tigreß“ bemerkt und aus ihrer merkwürdigen Gefangenschaft befreit.