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Rechenschaft der Stylgruppe

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Textdaten
Autor: Theo van Doesburg
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Titel: Rechenschaft der Stylgruppe (Holland) gegenüber der Union Internationaler Fortschrittlicher Künstler.
Untertitel: Manifest I van „De Stijl“, 1918. Schöpferische Forderungen von „De Stijl“.
aus: De Stijl, 5. Jahrgang, Nr. 4 (April 1922): S. 59-62.
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Erscheinungsdatum: 1922
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Quelle: De Stijl. 2. [Teil] 1921_1932. Complete Reprint 1968. Amsterdam: Athenaeum, Den Haag: Bert Bakker, Amsterdam: Polak & Van Gennep, 1968, S. 204–205.
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RECHENSCHAFT DER STYLGRUPPE (HOLLAND)
GEGENÜBER DER UNION INTERNATIONALER FORTSCHRITTLICHER KÜNSTLER

    I. Ich spreche hier für die Stylgruppe in Holland, welche entstanden ist aus der Notwendigkeit, die Konsequenzen der modernen Kunst zu ziehen, d. h. allgemeine Probleme in der Praxis zu lösen.

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II. Für uns gilt der Bau, d. h. das Organisieren seiner Mittel zur Einheit (Gestaltung).
III. Diese Einheit ist nur möglich durch Unterdrückung subjektiver Willkür in den Ausdrucksmitteln.
IV. Wir geben alle subjektive Auswahl von Formen auf und bereiten die Verwendung eines objektiven universalen Gestaltungsmittels vor.
V. Diejenigen, die diese Konsequenzen des neuen Kunstgedankens nicht fürchten, nennen wir fortschrittliche Künstler.
VI. Die fortschrittlichen Künstler Hollands haben sich von vornherein auf einen internationalen Standpunkt gestellt. Auch während des Krieges (siehe Einleitung Stylband I, 1917).
VII. Die internationale Einstellung war gegeben durch die Entwicklung unserer Arbeit selbst. Also aus der Praxis gewachsen. Auch durch die Entwicklung der meist fortschrittlichen Künstler anderer Länder ergaben sich die gleichen Notwendigkeiten.
VIII. Aus der Sicherheit, daß sich in allen Ländern dieselben Probleme entwickelten (sowohl in Wissenschaft, Technik, Architektur, Plastik, Malerei, Musik usw.), haben wir im Jahre 1918 unser erstes Manifest aufgestellt.
IX. Das Manifest lautet folgendermaßen:

MANIFEST I VAN „DE STIJL“, 1918.

1. Es gibt ein altes und ein neues Zeitbewußtsein. Das alte richtet sich auf das Individuelle. Das neue richtet sich auf das Universelle. Der Streit des Individuellen gegen das Universelle zeigt sich sowohl in dem Weltkriege wie in der heutigen Kunst.
2. Der Krieg destruktiviert die alte Welt mit ihrem Inhalt: die individuelle Vorherrschaft auf jedem Gebiet.
3. Die neue Kunst hat das, was das neue Zeitbewußtsein enthält ans Licht gebracht: gleichmäßiges Verhältnis des Universellen und des Individuellen.
4. Das neue Zeitbewußtsein ist bereit sich in allem, auch im äußerlichen Leben zu realisieren.
5. Tradition, Dogmen und die Vorherrschaft des Individuellen (des Natürlichen) stehen dieser Realisierung im Wege.
6. Deshalb rufen die Begründer der neuen Bildung alle, die

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  an die Reform der Kunst und der Kultur glauben, auf, diese Hindernisse der Entwicklung zu vernichten, so wie sie in der neuen bildenden Kunst — indem sie die natürliche Form aufhoben — dasjenige ausgeschaltet haben, das dem reinen Kunstausdruck, der äußersten Konsequenz jeden Kunstbegriffs, im Wege steht.
7. Die Künstler der Gegenwart haben, getrieben durch ein und dasselbe Bewußtsein in der ganzen Welt, auf geistigem Gebiet teilgenommen an dem Weltkrieg gegen die Vorherrschaft des Individualismus, der Willkür. Sie sympathisieren deshalb mit allen, die geistig oder materiel, streiten für die Bildung einer internationalen Einheit in Leben, Kunst, Kultur.
8. Das Organ „De Stijl”, zu diesem Zweck gegründet, trachtet dazu beizutragen, die neue Lebensauffassung in ein reines Licht zu stellen. Mitwirkung aller ist möglich durch:
9. I. Als Beweis von Zustimmung, Einsendung (an die Redaktion) von Namen (genau), Adresse, Beruf.
  II. Beiträge im weitesten Sinne (kritische, philosophische, architectonische wissenschaftliche, litterarische, musikalische u. s. w. sowie reproductieve) für die Monatschrift „De Stijl”.
  III. Übersetzung in andere Sprachen und Verbreitung der Ansichten die in „Der Stil” veröffentlicht werden.
    Unterschrift der Mitarbeiter:
Theo van Doesburg, Maler.
Rob. van’t Hoff, Architekt.
Vilmos Huszar, Maler.
Antony Kok, Dichter.
Piet Mondriaan, Maler.
G. Vantongerloo, Bildhauer.
Jan Wils, Architekt.

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   X.

Dieses Manifest war entstanden aus der gemeinsamen Gesinnung gestaltender Arbeiter: Maler, Architekten, Bildhauer und Dichter und hat bei den fortschrittlichen Künstlern aller Länder (siehe Stylband II, 1918, Seite 94 und Band III, 1919, Seite 1—4) Widerhall gefunden. Hierdurch war der Beweis erbracht, daß eine internationale Organisation ausführbar und notwendig sei.
An dieser Organisation praktisch mitzuarbeiten, bin ich hierhergekommen.

Düsseldorf, den 30. Mai 1922.

gez. Theo van Doesburg.

SCHÖPFERISCHE FORDERUNGEN VON „De STIJL”

1. Aufhören der Ausstellungen. Dafür: Demonstrationsräume für Gesamtarbeit. (Applaus.)
2. Internationaler Gedankenaustausch über schöpferische Probleme.
3. Entwicklung eines universalen eindeutigen Gestaltungsmittels für alle Künste.
4. Aufhören der Trennung von Kunst und Leben. (Kunst wird Leben.) (Applaus.)
5. Aufhören der Trennung von Künstler und Mensch.