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RE:Taprobane

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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die Insel Ceylon
Band IV A,2 (1932) S. 22602272 (EL)
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Taprobane, die Insel Ceylon. Neben den griechisch-römischen Nachrichten aus dem 4. Jhdt, v. bis zum 2. Jhdt. n. Chr. gibt es eine ziemlich zuverlässige einheimische Überlieferung, die besonders im Mahāvamṣa (engl. Ausg. G. Turnour und Wijesinha 1909) in der Pali-Sprache niedergelegt ist. Bisher ist es vielfach nicht möglich gewesen, beide Überlieferungen miteinander in Einklang zu bringen. Im folgenden wird gezeigt, daß sich in diesen Fällen die griechisch-römische Überlieferung auf andere Teile [2261] der Insel bezieht, so daß sie die einheimischen Quellen in wertvoller Weise ergänzt.

Gliederung:

1. Literatur.
2. Name.
3. Lage und Größe.
4. Küsten.
5. Berge und Gewässer.
6. Pflanzen- und Tierwelt.
7. Bevölkerung.
8. Siedlungen.
9. Sitten, Bräuche und Religionsverhältnisse.
10. Staatliches.
11. Landeserzeugnisse.
12. Beziehungen zum Ausland.

1. Literatur.

Ritter Erdk. v. Asien IV 145. Lassen Diss. de T. insula veteribus cognita und Indische Altertumsk. III 211ff. Sir. J. E. Tennent Ceylon I 549ff. Paquier Quid de T. insula veteres geographi scripserint. H. W. Cave The Ruined Cities of Ceylon (deutsche Ausg.: Baudenkmäler aus ältester Zeit in Ceylon). H. Parker Ancient Ceylon. L. D. Barnett The early history of Ceylon (The Cambridge History of India I 604ff.). Mitton The lost cities of Ceylon. H. W. Codrington A short history of Ceylon. La géographie de Ptolémée l’Inde, Ausg. L. Renou. Berthelot L’Asie ancienne centrale et sud-orientale d’après Ptolémée 357ff. Topographical Maps of Ceylon (1 : 63360, 76 Bl.).

2. Name.

In der Pāli-Sprache der singhalesischen Literatur heißt Ceylon: 1. Lankā, 2. Tambapanni (sanskrit: Tamraparni), ursprünglich wohl für einen Distrikt an der Nordwestküste ein Name, der sich auch in der singhalesischen Chronik Mahāvamṣa VII 56 findet, was als ,mit rotem Lotus bedeckter Teich‘, d. h. die großen Stauseen im nördlichen Teil der Insel, gedeutet wird, 3. Sīhala-dīpa (sanskrit: Siṇhala-dvīpa), d. h. Insel der Löwen oder der löwenartigen Helden; dieser Name ist zwar nicht direkt überliefert, läßt sich aber besonders aus arabischen und chinesischen Umschreibungen (Serendîb, Sinhala, Löweninsel) erschließen. Er wurde später bei den Portugiesen zu Zeilan, bei den Holländern zu Ceylan, woraus unser Ceylon entstand.

Bei den Griechen und Römern war der Name Laṇkā unbekannt. Der gewöhnliche Name war Ταπροβάνη, der zwischen den beiden indischen Formen Tambapanni und Tamraparmi liegt Der dritte Name erscheint in verschiedenen mehr oder minder entstellten Formen: als Volksname Σάλαι und als Inselname Σαλίκη) Ptolem. VII 4, 1, letzterer auch bei Marc. Heracl. (GGM I 521); weiter als Serendivi und Divi Ammian. Marc. XXII 7, 10; Σηρίνδα Procop. bell. Goth. IV 17, Σηρία Paus. VI 26, 8f. (s. o. Bd. ΙΙ A S. 1738, 6ff.), Σιελεδίβα Kosmas Indikopleustes 445 B, Σιρινδιβηνοί Epiphan. (De Gemmis, Classic. Quarterly III 218) oder einfach Διβοῦς, Διβηνοί Philostorg. III 4.

In der sonstigen Literatur unbekannt ist ein Name, der bei den Griechen in zwei Bildungen erscheint. Megasthenes nennt die Singhalesen Παλαιογόνες (latinisiert zu Palaeogoni Plin. n. h. VI 81), der Peripl. m. Erythr. 61 die Insel Παλαισιμουνδου; Plin. n. h. VI 85 nennt bloß die Hauptstadt Palaesimundus, Ptolem. VII 4, 1 wieder die ganze Insel Παλαισιμουνδου (neben den beiden obigen Namen), ebenso Agathemeros (vgl. Steph. Byz. s. T.), während Steph. Byz. s. T. – wohl mit Unrecht – sagt, die Form Σιμούνδου sei auch ohne Παλαι gebräuchlich gewesen. Nun steht fest, daß Παλαι hier kein griechisches [2262] Wort ist, sondern auf das indische Pāli zurückgeht. Lassen erklärt dies als ‚Gesetz‘ (buddhistische Religion), Tennent I 553 wohl richtiger als den Volksnamen, der sonst bei Megastehenes als Prasioi erscheint, mit dem das mächtige indische Volk mit seiner Hauptstadt Palimbothra bezeichnet wird. Palaeogoni ist daher nach Tennent nur die hellenistische Form von Pāli-Pūtra, d. h. Söhne der Prasier. Wenn es erlaubt ist, Σιμούνδου mit Lassen auf das Sanskritwort sīmanta, d. h. Haupt, zurückzuführen, dann würde das ganze Wort ,Hauptsitz der Prasier‘ bedeuten. Diese Deutung wird nicht bloß dadurch unterstützt, daß sich tatsächlich Prasier auf T. angesiedelt haben sollen, sondern auch durch zwei entsprechende Angaben bei Ptolemaios (VII 4, 3f.), die sich auf zwei benachbarte Punkte an der Westküste beziehen. Der eine Punkt bei der Stadt Anubingara heißt Πριάπιος λιμήν, was leicht aus Πράσιος verschrieben sein kann, der andere Πρασώδης κόλπος, der noch deutlicher an die Prasier erinnert. Da außerdem die Hauptstadt Palaesimunda des Plinius nur dasselbe sein kann wie das eben genannte Anubingara (s. u.), so wäre damit Pāli-sīmanta gegenüber T. geographisch bestimmt.

Aus allem ergibt sich, daß sich Tambapanni oder T. ursprünglich auf den Nordwesten Ceylons mit der Binnenstadt Anurādapūra oder Anurogrammon (s. d.), Pāli-sīmanta oder Παλαισιμούνδου (Palaesimunda) auf den Südwesten der Insel mit der Küstenstadt Anubingara am Priapis (Prasis?)-Hafen bezogen. Je nachdem welcher Teil gerade die Vorherrschaft ausübte, wurde die Insel T. oder Παλαισιμούνδου benannt.

3. Lage und Größe.

Um die Nachrichten der Alten richtig einzuschätzen, haben wir uns zunächst den wahren Tatbestand zu vergegenwärtigen. Ceylon liegt nicht vor der äußersten Südspitze Vorderindiens, dem alten Vorgebirge Komaria, sondern erscheint nach Nordosten geschoben, wo es von dem Festlande durch den Golf von Manaar und die Palkstraße getrennt wird. Zwischen den beiden Meeresteilen strecken sich schmale Halbinseln und Inseln bis auf 28 km einander entgegen. Auf der Seite Ceylons ist es die Insel Manaar, auf der Festlandsseite die Halbinsel Ramesvaram; da diese erst 1480 durch eine Sturmflut zur Insel wurde, ist sie mit der Halbinsel identisch, die nach Ptolemaios gegenüber T. in das Kap Kory ausläuft, an das das heutige Vorgebirge Thani Kodi auf Ramesvaram erinnert. In dem Sund zwischen Ramesvaram und Manaar haben Nordost- und Südwestmonsum eine Sandbank aufgebaut, auf der sich dann Korallenriffe bildeten. Diese sog. Adamsbrücke scheint nach einer indischen Sage in frühhistorischer Zeit tatsächlich noch eine Landbrücke gewesen zu sein (J. Walther Die Adamsbrücke und die Korallenriffe der Palkstraße, Peterm. Mitt. Erg.-Heft 102). Während sich hier Ceylon mit seiner Strandinsel Manaar dem alten Festlande bis auf 28 km nähert, ist seine Nordspitze von der gegenüberliegenden Küste, dem Delta des Kaveri (Chaberis), 60 km entfernt. Für das Altertum werden wir eine noch größere Entfernung annehmen dürfen, da sich dort die Küste Ceylons durch die Monsunwinde immer mehr nach Norden [2263] vorschiebt. Ceylon selbst liegt zwischen 6° und 92/3° nördlicher Breite und zwischen 792/3° und fast 82° östlicher Breite. Von Nord nach Süd erstreckt es sich über 400 km oder 2300 Stadien, von West nach Ost über 230 km oder 1300 Stadien.

Wenn wir nunmehr zu den Berichten der Alten übergehen, dann wird uns zunächst klar, daß die Angaben des Onesikritos, der als Obersteuermann Alexanders die südlichen Küsten Asiens beschrieben hat, überhaupt nicht auf T. passen. Denn wenn Onesikritos bei Strab. XV 691 sagt, T. sei 5000 Stadien groß und vom Festlande 20 schwierige Tagesfahrten entfernt, und zwischen beiden lägen noch andere Inseln, so glauben wir uns eher nach der berühmten Goldinsel Jabadiu (s. d. und den Art. Τάμαρος), dem heutigen Sumatra, versetzt, dessen altes Zentrum Palembang tatsächlich 20 Tagesfahrten von der dortigen Südspitze Indiens entfernt ist. Vermutlich hat also ein Bearbeiter des Oneskritos dessen Beschreibung auf T. übertragen.

Danach ist erst Megasthenes unser ältester Gewährsmann; er zog seine Erkundigungen am Hofe des Königs Čandragupta ein, aus dessen Reich sich Kolonisten auf T. angesiedelt hatten (s. o.)- Seine Fragmente enthalten nichts über Lage und Größe der Insel. Genaueres bringt hierüber der Geograph Eratosthenes. Auf seiner Erdkarte liegt T. sieben Tagereisen vor der nach Süden herumgelegten Küste der Κωνιάκοι (für Κωλιάκοι, vgl. das Vorgebirge Κώρυ) und auf dem südlichsten Parallel ebenso wie die Zimmetküste Ostafrikas. Die Länge der Insel gibt Eratosthenes mit 7000, die Breite mit 5000 Stadien an (vgl. Strab. II 119. 133. Plin. n. h. VI 81. Artemidoros bei Steph. Byz. s. T.); damit hat er also die wirklichen Maße um das Dreifache überschätzt. Ungefähr dasselbe sagen Strab. II 130 und der Verfasser der pseudo-aristotelischen Schrift De mundo 3. wenn sie T. mit Britannien vergleichen; nur verkürzt Strab. II 72 die Breite auf 3000 Stadien. Durch die falsche Auffassung von der indischen Festlandsküste entsteht ein neuer Fehler: die Länge der Insel wird nicht von Nord nach Süd, sondern von Ost nach West verlegt, so daß sich T. im Westen Azania, der Küste Ostafrikas, bis um 5000 Stadien nähert (Strab. II 72). Plinius kann aus erster Quelle schöpfen, indem er dem Bericht einer singhalesischen Gesandtschaft folgte, die mit nach T. verschlagenen Römern an den Hof des Kaisers Claudius gekommen war (n. h. VI 84ff.). Trotzdem hat auch er übertriebene Vorstellungen. Er bringt die Insel zwar nicht in die Nähe Ostafrikas, gibt ihr aber doch die allzu übertriebene Länge von 10 000 Stadien; dazu verlegt er sie in der Richtung nach Südosten. Von den astronomischen Angaben der singhalesischen Gesandtschaft ist unverständlich die Bemerkung, in ihrer Heimat sei der Mond nur vom achten bis sechzehnten Tage sichtbar. Dagegen ist aus der äquatorialen Lage von T. zu verstehen, wenn sie sagen, bei ihnen leuchte nicht der große Bär, sondern der Canopus, bei ihnen ginge die Sonne im Westen auf und im Osten unter.

Weitere Ansätze zu einer besseren Kenntnis finden sich auf der Karte des Ptolemaios. Dort [2264] ist die Entfernung vom indischen Festlande beim Kap Kory richtig auf 150 Stadien verkürzt, die Länge der Insel richtig von Nord nach Süd verlegt, aber ihre Größe wird wiederum überschätzt: 7500 Stadien für die Länge und 5800 Stadien für die Breite. Das ist für die Breite schon eine vierfache Überschätzung. Der an Ptolemaios anknüpfende Geograph Markianos von Herakleia (GGM 36) erhöht die Maße sogar auf 9500 bzw. 7500 Stadien und damit nahezu auf das Fünffache.

Als um 560 n. Chr. der spätere Mönch Kosmas Nachrichten über Indien einzieht, erfährt er, daß T. jenseits des Pfefferlandes, d. h. der Malabarküste Vorderindiens liege und 900 Meilen lang und breit sei; das wären etwa 7200 Stadien, womit Kosmas den ptolemäischen Angaben am nächsten stünde.

Worin liegen diese maßlos übertriebenen Vorstellungen begründet? Gegen Eratosthenes hatte der Astronom Hipparch erklärt, T. brauche keine zu Indien gehörige Insel zu sein, sondern könne ebenso gut den Anfang einer anderen Ökumene, eines Antichthonenlandes, darstellen, eine Ansicht, die später von Pomponius Mela (III 70) wiederholt wird. Dazu kam, daß seit Hekataios von gewisser Seite immer noch gelehrt wurde, Ägypten und Indien ständen in einem Länderzusammenhang; dieser rückte weiter und weiter nach Süden und Osten, je mehr man beide Länder kennen lernte. Als man dann von T.s Ausdehnung hörte, konnte das nicht etwa der Ausläufer Afrikas sein? Einen Rest dieser überlebten Vorstellung sehen wir sogar bei einem so nüchtern denkenden Bericherstatter wie dem Verfasser des Peripl. m. Erythr. 61; denn während er auf der einen Seite richtig betont, die nördlichen Teile T.s seien von Indien aus schon in einer Tagesfahrt zu erreichen, sagt er andererseits von den südlichen Teilen, sie erstreckten sich weit nach Westen bis gegenüber Azania. Seit Ptolemaios gibt man endlich diese falsche Vorstellung auf.

Aus der Lehre von einer anderen Ökumene lassen sich die übertriebenen Größenverhältnisse nicht erklären; denn sonst fänden sie sich nicht auch bei ihren Gegnern, zumal bei Ptolemaios, der dazu eine so inhaltreiche Darstellung von T. zu geben vermag. Wenn wir der wahren Ursache nachspüren, dann müssen wir uns vor allem vergegenwärtigen, daß sich bei Ptolemaios diese dreifache Überschätzung der Länge nicht bloß auf T. beschränkt, sondern sich bei seinem Gewährsmann Marinos in der Darstellung des hinterindischen Μέγας κόλπος, des Golfs von Siam (s. Magnus sinus), wiederholt (vgl. Herrmann Ztschr. d. Gesellsch. f. Erdk. Berl. 1913, 777); und zwar stammt wie unten gezeigt wird, der Berichterstatter wahrscheinlich wiederum aus T. Daraus folgt, daß dem Marinos ein indisches Entfernungsmaß vorlag, das er in seinem richtigen Wert nicht kannte und darum um das Dreifache überschätzte. Dieser Fehler muß bei den Griechen allgemein gewesen sein; sonst hätten sich nicht auch alle anderen von Eratosthenes bis Kosmas in demselben Faktor geirrt. Die Lösung ergibt sich daraus, daß das einzige indische Längenmaß, das Yojana, in zwei verschiedenen [2265] Werten im Gebrauch war; das lange betrug 14, 5 m, das kurze nur 4 m (vgl. Berthelot 358). Es hat danach jedesmal das kleine Yojana zugrunde gelegen, die Griechen setzten aber das große Yojana voraus, so daß sich jedesmal der drei- bis vierfache Wert ergeben mußte.

Dieser gewaltigen Überschätzung sind sich die Alten nicht bewußt gewesen, obgleich ihnen zum Vergleich Angaben in Tagesfahrten zur Verfügung standen. Diese lassen sich recht gut mit wirklichen Verhältnissen vereinigen. An die Küstenfahrt vom Kap Kory (Thani Kodi) etwa bis Colombo erinnert die Angabe des Eratosthenes (Strab. XV 690), T. sei von den indischen Koniakern (Koliakern) 7 Tagereisen gegen Mittag entfernt. Nach Plin. n. h. VI 82 waren hier die Schiffe aus Papyrus hergestellt und nur mit dem auf dem Nil gebräuchlichen Takelwerk versehen. Wenn es weiter heißt, das dazwischen liegende Meer sei seicht und im ganzen nicht über sechs Schritt tief, so haben wir vor allem wohl an die Sandbank der Adamsbrücke zu denken. Dieselbe Fahrt, aber nur bis zum Hafenplatz Hippuros (Kudrimale) beschreibt Plinius auf Grund des singhalesischen Gesandtschaftsberichts; das nächste Vorgebirge Indiens sei Coliacum, seine Entfernung betrage vier Tagereisen, und auf der Mitte des Weges läge die Sonneninsel. Diese kann danach nur die Insel Manaar sein, die einzige, die auf der Fahrt passiert wird.

4. Küsten.

Ptolemaios ist der einzige, der eine eingehende Beschreibung der Umrisse von T. gibt. Sie entspricht, wie die beigegebene Karte zeigt, in den Entfernungen der einzelnen Punkte nur ganz roh den Küstenformen von Ceylon. Daher hat eine Identifizierung weniger auf die gegenseitigen Entfernungen als auf die Ansetzung markanter Punkte Rücksicht zu nehmen, wie es am besten Lassen und Tennent getan haben, so daß wir ihnen im wesentlichen folgen können. Die abweichenden Resultate Berthelots halten wir aus obigen Gründen für verfehlt.

Was das Nordkap (Βόρειον ἄκρον) betrifft, so lassen wir es dahingestellt, ob es dem äußersten Nordpunkt der Hauptinsel oder der vorgelagerten Insel (Point Pedro) entspricht, da diese, damals noch nicht so groß wie heute, vielleicht durch die Insel Kory dargestellt wird. Über die beiden südlichsten Vorgebirge kann kein Zweifel entstehen; das Kap der Vögel (Ὀρνέων ἄκρα) ist Dondra Head, das Kap Ketaion (Κεταῖον ἄκρον) das Elephant Rock. Das zwischen beiden gelegene Kap des Dionysos ist wohl östlich von Hambantota zu suchen. An der Westküste werden drei Vorgebirge genannt: Galiba, Andrisimundu, Zeuskap (Διὸς ἄκρα). Das letzte ist zweifellos das felsige Vorgebirge von Colombo (Tennent II 151), die Bestimmung der beiden anderen Punkte ist schwierig. Andrisimundu ist vielleicht das Vorgebirge vor Hippuros (Kudrimale); die erste Hälfte des Namens erinnert an den der Binnenstadt Anurogrammon (Anuradhapura). Das Kap Galiba, wahrscheinlich identisch mit Devil’s Point, verdankt seinen Namen dem Volke der Galiboi (s. u.). Das einzige Kap an der Ostküste, namens Oxeia (Ὀξεία ἄκρα) ist wohl das Poul Point.

[2266] Die angegebenen Häfen und Buchten entsprechen ungefähr den tatsächlichen Verhältnissen. An der Westküste erkennen wir im Priapios-Hafen die Bucht von Negombo, in der Prasodes-Bucht die Colombo-Bai wieder, an der Ostküste in der Pausi-Bucht die Kokelay-Bai, auch die vier südlich anschließenden Häfen lassen sich zwanglos identifizieren (näheres s. die Karte).

5. Berge und Gewässer.

Ptolemaios gibt zwei Gebirge an, eins im Norden, das er nach dem Volk der Galiboi benennt, ein anderes im Süden, das Malaiagebirge; letzteres (s. Μαλαία ὄρη) ist das Gebirgsland, das noch heute diesen Namen führt. Hierher gehört sicherlich auch das Galibagebirge, da es die Quelle des Ganges enthält, während der ganze Norden der Insel Flachland ist (hierher von Κießling im Art. Galiba verlegt o. Bd. VII S. 603).

Allerdings bleibt es dabei zweifelhaft, welcher Fluß der Phasis sein könnte, der aus dem Galibagebirge nordwärts ins Meer fließen soll. Der größte Fluß der Insel, der Mahawāli-Ganga, ist als Ganges durch die Verschiebung seines Quellgebirges zum kleinsten Fluß geworden; sein Name beweist, daß die Anwohner Prasier waren. Die im Malaiagebirge entspringenden Flüsse Σοάνα Ἀζανός und Βαράκης sind gemäß ihrer Lage der Dedera-Oya, Niwalle-Ganga und Kombukgam; entsprechende Namen der einheimischen Überlieferung sind nicht bekannt.

Der wichtige Fluß Kalany, der bei Colombo mündet, fehlt auf der ptolemäischen Karte. Dafür erscheint er bei Plinius (n. h. VI 84) als Palaesimundus; als seine Quelle gilt der See Megisba, der auch durch einen anderen Fluß, den Cydara, nach Norden entwässern soll; daß er nicht, wie bisher angenommen, einer der künstlichen Stauseen bei Anuradhapura ist, sondern ein Gebirgssee im Quellgebiet des Kalany und des Mahawāli-Ganga, wird im Bd. XV (Nachtrag zu Megisba) dargelegt.

6. Pflanzen- und Tierwelt.

Dank seines gesegneten tropischen Klimas hat Ceylon eine überaus üppige Pflanzenwelt, die heute jeden Reisenden voll Bewunderung erfüllt. Wenn sich die Alten hierüber mit keinem Worte äußern, so liegt dies wohl daran, weil ihre Berichte mehr kaufmännischen Interessen dienten.

Unter den Tieren werden neben amphibisch lebenden Seetieren, die Kühen, Pferden oder anderen Landtieren gleichen sollen (Strab. XV 691), vor allem Elefanten, Tiger und Riesenschildkröten erwähnt (Plin. n. h. VI 91). Ptolemaios gibt besondere Weidegründe der Elefanten südlich vom Malaiagebirge am Flusse Azanos an (VII 4, 8). Unter Tigern haben wir vielleicht Leoparden zu verstehen; jedoch wird in unserer Zeit auch von Tigern in den Dschungeln von Trincomali berichtet (Tennent II 492, 2).

7. Bevölkerung.

Die heutige Einteilung der Bevölkerung in Wādda, Tamulen und Singhalesen hat schon in alten Zeiten bestanden, als die Griechen die Insel kennen lernten; nur müssen wir für jene Periode eine weitere Verbreitung der Ureinwohner, der Wādda, annehmen. Die singhalesischen Schriften unterscheiden die Yakkhas (Dämonen), Nāgas (Schlangenanbeter) und Dēvas. Als Hauptstadt der Yakkhas galt Lanka-pura, [2267]

das spätere Mahāgrāma (s. Μαάγραμμον) am Mahawāli-Ganga, als Hauptstadt der Nagas, nach denen die Insel auch Nagadipo hieß, die Stadt Kaliyany bei Colombo; jener Stamm hatte also den Osten, dieser den Südwesten der Insel inne. Während die Yakkhas unsere Wādda sind, scheinen die Nagas dravidisch-tamulischer Herkunft, also Einwanderer aus Südindien zu sein (Tennent 325ff.). Die Singhalesen, stark mit einheimischem Blut gemischt, sind arische Inder. Als der Begründer ihrer Herrschaft gilt nach der Chronik Mahāvaruṣa der Fürst Vijaya aus Gujerāt südöstlich vom Indusdelta (um 483ā445 v. Chr.). Während die. singhalesische Chronik nur von dieser Eroberung zu berichten weiß, lernen wir durch die Griechen auch die Prasioi vom Ganges als Kolonisten kennen (s. o.); diese setzten sich besonders an der Westküste bei Colombo fest.

Von den 15 Völkernamen, die Ptolemaios (VII 4, 9) aufzählt, scheiden für uns 6 aus, die nur Ableitungen ebenfalls überlieferter Fluß- und Ortsnamen sind. Es bleiben dann folgende Völkernamen:

1) Galiboi im Quellgebiet des Mahawāli-Ganges, vielleicht die Vorfahren der dort bei Matelle wohnenden Gahalayas (Tennent II 571).
2) Semnoi, kein Volk, sondern die als Arhat bezeichneten buddhistischen Priester (vgl. Lassen Ind. Altertumsk. III 223).
3) Bumasanoi im Südwesten der Insel; da hier nach Plinius das Reich Palaesimundu lag, [2268] könnte das sonst unerklärliche Bumasanoi eine Verbalhornung dieses Namens sein.
4) Tarachoi, angeblich östlich von den Bumasanoi, ein sonst unbekanntes Volk.
5) Rodangānoi im Südosten der Insel, sie entsprechen dem dortigen Bezirk Rohana.
6) Nanigiroi ganz im Süden, wohl benannt nach der dortigen alten Landschaft Girikanda.

8. Siedlungen.

Nach der singhalesischen Überlieferung haben Vijaya und seine Nachfolger auf der ganzen Insel das Dorfsystem eingeführt, indem sie das Land in Felder und Gärten einteilten. Nur die Hauptorte entwickelten sich später zu Städten. Daher verstehen wir, wenn Eratosthenes (vgl. Plin. n. h. VI 81) sagt, auf T. gäbe es keine Städte, wohl aber 700 Dörfer. Wenn andererseits die singhalesische Gesandtschaft berichtet (vgl. Plin. n. h. VI 85), die Insel habe 500 Städte und die königliche Residenz zähle 200 000 Einwohner, so ist dies wohl nicht allzu genau zu nehmen.

Ptolemaios zählt im ganzen 19 πόλεις;, 2 ἐμπόρια und 5 λίμενες auf. Die πόλεις sind hier nur Dorfschaften; die beiden Hauptorte Anurogrammon und Maagrammon enthalten sogar noch das Sanskritwort grāma = Dorf. Das indische Suffix gara = Wohnsitz erscheint in dem zweimal vorkommenden Ortsnamen Anubingara.

9. Sitten, Bräuche und Religionsverhältnisse.

Hierüber erhalten wir nur unvollständige Nachrichten, die dazu nur von [2269] Teilen der Bevölkerung gelten dürfen. Nach Ptolemaios (VII 4, 1) sind die Bewohner in der Weise der Frauen in Wolle gekleidet, nach Plinius (n. h. VI 90) kleidet sich der König von Palaesimundu nach Art des Bacchus, d. h. nur in ein übergeworfenes Gewand, die übrigen wie Araber. Neben Ackerbau, Obstzucht und Fischerei widmet man sich mit Leidenschaft der Jagd, besonders auf Tiger und Elefanten.

Auch was sonst Plinius von der Bevölkerung von T. berichtet, beschränkt sich auf Zustände im eigentlichen Palaesimundu bei Colombo. Es heißt, niemand habe einen Sklaven; die Getreidepreise würden nicht erhöht, von Gerichtshöfen und Prozessen wisse man nichts. Dies wurde natürlich im bewußten Gegensatz zu Rom gesagt Weiter heißt es, nur durch Stimmenmehrheit könne man zum Tode verurteilt werden, und auch dann stehe dem Verurteilten die Berufung an das Volk offen, das dann 70 Richter ernenne.

Die Religionsverhältnisse kennen wir besser durch die singhalesischen Quellen. Hiernach waren die ältesten indischen Kolonisten Brahmanen und ist der Buddhismus unter dem König Devānampiya Tissa (um 247–207 v. Chr.) eingeführt worden. Das erste Kloster entstand in der Hauptstadt Anurādhapūra, von wo sich die Lehre Buddhas bald über die Ebenen und Küstengebiete ausbreitete. Wenn Plinius (n. h. VI 89) sagt, Hercules würde dort verehrt, so ist unter diesem Decknamen möglicherweise Buddha zu verstehen. Sonst erscheint die von ihm geschilderte Verfassung des Reiches Palaesimundu durchaus nicht indisch, sondern mehr alteinheimisch. Der chinesische Pilger Fa-Lien preist den Buddhismus des Reiches Anurādhapūra, Kosmas spricht von zahlreichen Tempelheiligtümern, ohne anzudeuten, ob sie brahmanisch oder buddhistisch sind. Ferner kennt er auf T. eine christliche Gemeinde aus Persien,, wohl Nestorianer, die einen in Persien ordinierten Presbyter, einen Diaconus und geistliche Diener hätten.

10. Staatliches.

Die singhalesische Überlieferung unterscheidet seit dem Altertum drei Staaten (vgl. Tennent I 337): 1) Pihiti oder Raja-ratta im Norden mit Anurādhapūra als Königsresidenz, 2) Rohana oder Rohuna im Osten und Südosten, begrenzt durch die Flüsse Mahawäli-ganga und Kalu-ganga, mit der Hauptstadt Mahāgrāma, 3) Maya-ratta im Südwesten zwischen den Flüssen Dedera-oya und Kalu-ganga und mit der Stadt Kaliyani beim heutigen Colombo.

Von diesen drei Staaten werden bei Ptolemaios die zwei ersten durch ihre Hauptstädte Ἀνουρόγραμμον βασίλειον und Μαάγραμμον μητρόπολις bezeichnet. Als Hauptstadt des dritten Staates kommt auf Grund seiner Lage nur Ἀνουβιγγάρα bei Colombo in Betracht. Ergänzt wird Ptolemaios hier durch den singhalesischen Bericht bei Plinius, der diesen dritten Staat unter dem Namen Palaesimundu schildert (s. o.). Ganz im Gegensatz zu den singhalesischen Dynastien in Anurādhapūra herrschte in Palaesimundu das Wahlkönigtum in strengster Form. So durfte der König keine Kinder haben; zeugte er später welche, so mußte er abdanken, damit die Regierung nicht erblich wurde. Wenn er sich ein Vergehen [2270] zu Schulden kommen ließ, so konnte er sogar zum Tode verurteilt werden; allein in diesem Falle tötete ihn niemand, sondern alle wendeten sich von ihm weg und vermieden, mit ihm zu sprechen. Ein Rat von 30 Mitgliedern stand dem König zur Seite, auch das Volk, das ihn ohne weiteres absetzen konnte, hatte auf die Staatsverwaltung angeblich einen bedeutenden Einfluß.

Alles dies paßt nicht auf das Reich, dessen Dynastie in Anurādhapūra residierte. 400 Jahre später berichtet Kosmas von zwei Königreichen; das eine sei das Land der Hyazinthen, d. i. das zentrale Bergland mit seinen Ureinwohnern, das andere umfasse den übrigen Teil der Insel mit den Emporien und Hafenplätzen, die von den Fremden am häufigsten besucht würden; die Könige beider Länder seien gegeneinander verfeindet. Hiernach scheint es, daß das Reich Palaesimundu inzwischen seinen Zugang zum Meere bei Colombo verloren und sich in das Gebirge zurückgezogen hat, wo sein Reichtum auf den Erdschätzen beruhte.

11. Landeserzeugnisse.

Übereinstimmend sind die Nachrichten über die wirtschaftliche Bedeutung der Insel. Der Peripl. m. Erythr. 61 nennt als Produkte nur Steckmuscheln, durchsichtige Steine, quadratische Zeuge und Schildkrot. Plin. n. h. VI 81 hebt hervor, man fände dort mehr Gold und Perlen als in Indien; außerdem nennt er (VI 89) schildkrötig gezeichneten Marmor und Edelsteine. Nach Ptolem. VII 4, 1 gab es dort Reis, Honig, Ingwer, ferner alle Arten von Metallen und Edelsteinen, wie Gold, Silber, Beryll und den Hyazinth (von der Farbe der Hyazinthenblume, vgl. Plin. n. h. XXI 66). Kosmas (445 CD) nennt wieder den Hyazinth als besonderen Edelstein; in einem Tempelheiligtum soll sich an einer erhabenen Stelle ein roter Hyazynth befinden, der, so groß wie ein Tannenzapfen, im Sonnenstrahl prachtvoll funkle. Es ist dies entweder ein Karbunkel oder ein Amethyst, der im Gneiß und Syenit dort viel gewonnen wird (vgl. Tennent 38. 567f.); der betreffende Tempel stand wahrscheinlich auf dem Mihintala, dem heiligen Hügel bei Anurādhapūra (vgl. Tennent I 568). Das dort ausgestellte Prachtstück wird wieder von dem chinesischen Pilger Hsüan-tsang (7. Jhdt.) und 1292 von Marco Polo erwähnt; dieseer nennt es einen Rubin, ,den schönsten und größten der Welt‘, so lang wie eine große Hand und so dick wie der Arm eines Menschen. Der Wunsch des mongolischen Großkhans, ihn zu erwerben, soll von dem Könige der Insel mit den Worten zurückgewiesen sein, er würde den Rubin um keinen Preis verkaufen, weil er ihn von seinen Ahnen her besitze. Auch andere Reisen erzählen von diesem antiken Rubin, zuletzt Andrea Corsali i. J. 1515 (vgl. Yule-Cordier Marco Polo II 313ff.).

12. Beziehungen zum Ausland.

Dank seiner Insellage und seiner günstigen Hafenplätze hat T. mit der Außenwelt regen Schiffsverkehr gepflegt. Freilich beschränkten sich größere Schifffahrten nur auf vier Monate (Plin. n. h. VI 82), von Juni bis September, d. h. während des Sommermonsuns. Die engste Verbindung bestand natürlich mit Südindien und dem Gangesland, [2271] der Heimat der auf T. wohnenden Prasier. Aber auch die fernsten Länder suchten die seekundigen Leute von T. auf. Wenn Ptolemaios (VII 3, 6) im äußersten Südosten Afrikas an der Grenze der terra incognita das Kap Prason (Delgado?) mit dem Πρασώδης-Meer kennt, so erinnert dies an Fahrten der Prasier aus der Prasodes-Bucht bei Colombo. Auch an Arabiens und Ägyptens Küste werden dieselben Seefahrer gelandet sein; denn ein ausführlicher singhalesischer Bericht war es, den der alexandrinische Gelehrte seiner Darstellung von T. zugrunde legte. Als der Freigelassene des römischen Pächters Annius Plocamus nach T. verschlagen wurde, kehrte er mit vier Gesandten des dortigen Fürsten nach Rom zurück, wo diese vor dem Kaiser Claudius erschienen (Plin. n. h. VI 84), ein Beweis für den großen Unternehmungsgeist dieses Seevolkes.

Von da werden immer wieder Beziehungen zum römischen Reich bestanden haben. Wir können dies aus den Münzfunden schließen, die auf T. gemacht worden sind. Münzen mit dem Namen des Kaisers Claudius wurden angeblich 1574 auf der Insel Manaar gefunden (Tennent II 539, 2). Aus der kurzen Zeit, in der ein singhalesischer Fürst namens Kassapa (um 500 n. Chr.) in der abgelegenen Bergfeste Siha-giri (südöstlich von Anurādhapūra) residierte, hat man dort 1700 alte Münzen, außer zwölf alle römische aus dem 4. und 5. Jhdt. ausgegraben, die meisten aus Messing, aber auch einige aus Gold und Silber. Dieser Handel mit römischen Münzen kann natürlich kein Einzelfall gewesen sein.

Auf der anderen Seite unterhielt T. direkte Beziehungen zu Hinterindien und China. So erzählte die singhalesische Gesandtschaft in Rom (Plin. n. h. VI 88), das Gebiet der Seres (Seidenleute) sei ihnen durch den Handel wohlbekannt; der Vater eines der Gesandten, namens Rachias, sei dort gewesen, und die Seres kämen ihnen unterwegs entgegen. Hierüber erfahren wir Näheres indirekt durch Ptolemaios. Wir haben gesehen (s. o.), daß er über Hinterindien vornehmlich einen singhalesischen Periplus benutzt haben muß, da in seiner Darstellung die Entfernungen in demselben Maße überschätzt worden sind wie die Größe von T. Indischer Herkunft sind die Namen von so wichtigen hinterindischen Orten wie Kokkonagara und Kattigara (s. die betr. Art.). Ein besonderer Beweis ist wohl die sonderbare Mitteilung über die chinesische Hauptstadt Thinai (VII 3, 6), sie habe weder Mauern aus Erz noch irgend etwas Nennenswertes. Der Palast von Anurādhapūra war nämlich ebenso wie im südlichen Indien mit Kupferplatten bedeckt; daß dieser Schmuck in der Hauptstadt Chinas fehlt, mußte also am ehesten einem Singhalesen auffallen (vgl. Berthelot 417).

Eine beherrschende Stellung im indischen Seehandel erreichte T., als um 560 n. Chr. Kosmas im äthiopischen Hafen Adule seine Nachrichten über die Insel einzog. Damals stand T. in lebhaftestem Handelsverkehr mit Indien, Persien und Äthiopien ebenso wie mit den Ländern der hinteren Gewässer (τῶν ἐνδοτέρων), vor allem mit Tzinitza (China), von wo es rohe Seide (μέταξα) bezieht. ,Dieses Sielediba‘, sagt Κosmas [2272] wörtlich, ,ist ein großes Emporium; denn auch nach Sind (Indusland) ... verkehrt es; auch nach Persien, zu den Homeriten (in Arabia Felix) und nach Adule. Von den Emporien aller dieser Länder tauscht es Waren ein, die es wieder zu den hinteren Indern weiterleitet; ebenso führt es dorthin seine eigenen Waren aus‘.

In diesem Zusammenhang wird verständlich, warum es in derselben Zeit T. gewesen ist, das die chinesischen Seidenraupe nach dem Westen übermittelt hat; die berühmte Erzählung bei Prokop (bell. Goth. IV 17), im Auftrage des oströmischen Kaisers Iustinian hätten zwei Mönche Eier der Seidenraupe in hohlen Stöcken aus Serinda, d. i. Ceylon (s. den Art. Serinda), heimgebracht, ist wohl ein besonderer Hinweis darauf, daß damals Ceylon als Vermittler zwischen den Kulturen des fernen Ostens und Westens eine hervorragende Rolle gespielt hat.