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RE:Rutilius 13

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Claudius Namatianus Praef. urbis Romae im J. 414
Band I A,1 (1914) S. 12491254
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13) Rutilius Claudius Namatianus, Praef. urbis Romae im J. 414, Verfasser der reizvollen elegischen Reisebeschreibung vom J. 416.

Der Name des Mannes ist in der oben gegebenen Folge überliefert; die Ausgaben stellen seit der ersten fast immer Claudius an die Spitze, ohne zureichenden Grund (s. Thes. onom. Claud. 476, 63ff. Zumpt Obs. 1, nicht gut Vessereau 163). Das Cognomen (in den alten Ausgaben bis auf Zumpt stets falsch Numatianus, wobei wohl Numantia in den Köpfen spukte) ist keltischen Ursprungs (s. Holder Altkelt. Sprachschatz s. Namatius) und weist auf die Heimat; wir wissen durch R. selbst (1, 20. 160. 209), daß er aus Gallien stammte; der Ausdruck 1, 510 patriae nach der Erwähnung von Tolosa (1, 496) macht wahrscheinlich, daß er dort geboren und ansässig war (Zumpt Obs. 5. Vessereau 152). Schon der vor 416 gestorbene Vater hatte es in der höheren Karriere weit gebracht (nicht genau genug Seeck o. Bd. III S. 2667 Nr. 10); wir erfahren im Gedicht des Sohnes (1, 583–586), daß er nacheinander (der Hofmann folgt der Rangordnung der Not. dign.) comes sacrarum largitionum, dann quaestor sacri palatii, endlich praefectus, natürlich urbis Romae, im letztgenannten Amte also einer der Vorgänger des Sohnes (1, 591) gewesen war. Mehr Freude als diese hohen Posten hatte ihm seine frühere Stellung als consularis Tusciae et Umbriae gemacht (1, 579–596). Keine dieser Stellungen vermögen wir zeitlich zu fixieren (daß er der Claudius war, an den als consularis Tusciae das Rescript im Cod. Theod. II 4, 5 vom 2. Mai 389 geht, ist doch recht unsicher; ganz unglaublich, daß er 396 praefectus urbis Constantinopolitanae gewesen); auch seinen Namen kennen wir nicht vollständig, der Sohn sagt 1, 595 famam Lāchanii; dies Ps.-Gentilicium ist gewiß nicht griechisch (so falsch Vessereau 195), gehört auch schwerlich zu der etruskischen Gruppe Laccaeus usw. (bei W. Schulze Röm. Eigennamen 358), sondern wird wie Namatius keltisch sein (s. Holder Altkelt. Sprachschatz s. Lacc-) und die Überlieferung als Lacchanius zu verstehen. Von Mutter oder Geschwistern redet R. nirgend, auch eine Gattin erwähnt er nicht; sein Verlangen nach der Heimat begründet er mit der Fürsorge für seine Besitzungen, die durch die Invasionen der Goten schwer gelitten hatten (1, 19–34). Als Verwandte nennt er 1, 208 den noch jungen Palladius, generis spemque decusque mei, ... filius affectu, stirpe propinquus und dessen Vater Exuperantius, der Aremoricas [1250] ... oras nunc postliminium pacis amare docet; beide vermögen wir nicht sicher mit anderswoher bekannten Homonymen dieser Zeit zu identifizieren (s. Vessereau 205–222); daß Palladius der Verfasser des opus agriculturae sei, ist möglich, aber nicht erweislich. Für die Freunde, welcher Rutilius gelegentlich gedenkt, muß ich hier kurz auf andere Darstellungen verweisen: ob Protadius (1, 542–558) praesul Romae der Korrespondent des Symmachus (Seeck Praef. p. CXLIII) gewesen, was Vessereau 223 als sicher annimmt, lasse ich dahingestellt; über Victorinus (1. 492–510) aus Toulouse, Vicarius Britanniarum, der eine glänzende Laufbahn gerne verließ, um in Tuscien sich des Landlebens zu freuen, s. Vessereau 228ff.; in Rom läßt der scheidende Dichter zurück den Rufius, Albini gloria viva patris (1, 167–178), über den er dann in Populonia hört, daß er praefeetus urbis Romae geworden (1, 415–428): es ist Rufius Antonius Agrypnius Volusianus (o. Bd. III S. 1866 Nr. 40), sein Vater Ceionius Rufius Albinus o. (Bd. III S. 1864 Nr. 33); verwandt mit ihnen ist der Nachfolger des Dichters in der Stadtpraefectur im J. 414 Caecina Decius Aginatius Albinus (o. Bd. III S. 1865 Nr. 39), in dessen Villa zu Vada der Reisende schützende Unterkunft fand (1, 465–474); über den 1, 267–276 erwähnten Praef. praet. Rufius Valerius Messala s. Symmachus ed. Seeck p. CLXXXVI; den Consularis Tusciae Decius und seinen Vater, den Satiriker Lucillus, kennen wir nur aus den Versen des R. 1, 599–614. – Der Dichter selbst hat wohl eine Reihe von höheren Ämtern bekleidet (1, 591 ipsum me gradibus non degenerasse parentis), er nennt aber im Gedichte nur zwei: das des magister officiorum (1, 563, vgl. Not. dign. occ. 9) und die praefectura urbis Romae (1, 157–160. 423. 427. 467f.); diese Praefectenwürde aber hat er höchstens 8 Monate lang gehabt, und zwar etwa Februar bis August des Js. 414 (Zumpt Obs. 19). – Aufgewachsen ist er in der Heimat und wie Palladius als Jüngling nach Rom gekommen Romani discere iura fori (1, 210); die Art, wie er 1, 1ff. und 1, 161ff. spricht, machen wahrscheinlich, daß er jetzt (Herbst 416) zum ersten Male wiederheimkehrt, als gereifter Mann, um patriis vitam componere terris (1, 161). Von vorzüglicher Schulbildung zeugt das ganze Gedicht, nicht nur Vergil, Ovid, Horaz, auch eine Reihe anderer Dichter bis auf Ausons Mosella herab werden verwertet (zu sichtende Stellenlisten bei Vessereau 386–401); zweimal zitiert R. direkt Homer (1, 195 450); in Roms Sagen und Geschichte weiß er trefflich Bescheid, so daß er an passenden Stellen Anspielungen und Schilderungen zu geben vermag (z. B. des Quells auf dem Tarpeischen Fels 1, 107ff., der Siege Roms 1, 125ff., der verschiedenen Lepidi 1, 296–312, eine besonders merkwürdige Deklamation, wie es scheint, nicht ohne aktuellen, wenn nicht gar persönlichen Hintergrund, s. v. 307, u. a. m.); auch in naturwissenschaftlichen Dingen bekundet er verschiedentlich lebhaftes Interesse; reizvoll ist z. B. die Beschreibung der Salinen 1, 475–490, leider wieder zur Deklamation zugespitzt. Denn das ist die [1251] für unser Gefühl so störende Kehrseite seiner hohen Schulbildung: alles wird ihm unter der Hand zur preziösesten Rhetorik, jeden Eindruck, jede Empfindung schleift er so lange ab, bis die natürliche Form unkennbar geworden. Natürlich darf man aber nicht glauben, sein Schulwissen und -können habe den R. befähigt, ein Gedicht, wie das uns erhaltene, zu extemporieren; es ist nicht etwa ein poetisches Tagebuch, auf der Fahrt selbst niedergeschrieben (so töricht Vessereau 254), R. hat es vielmehr in der Heimat in seiner wohlausgestatteten Bibliothek verfaßt; aber er wird sich Eindrücke und Lokalgeschichten an den verschiedenen Stationen der Reise in seine Pugillaria eingetragen und daheim aus seinem Wissen und seinen Büchern ergänzt haben. Denn daß er seine Reise glücklich vollendet (man hat ihn sogar im Meere ertrinken lassen; auch Vessereau 275 und 347 weiß sich nicht zu helfen), beweist eben die Existenz des Gedichtes, das nur nicht vollständig auf uns gekommen ist. Das genaue Datum der Reise gibt die Altersbezeichnung der Stadt Rom 1, 135 quamvis sedecies denis et mille peractis annus praeterea iam tibi nonus eat verbunden mit v. 183. 201. 205f.: R. wird am 21. oder 22. Sept. 416 Rom verlassen haben (s. Vessereau 254ff.). – Man möchte gerne in etwa die Persönlichkeit des interessanten Aristokraten kennen lernen, der in so anmutiger Form uns zu seinen Reisebegleitern macht; aber es ist vielfach sehr schwer, fast unmöglich, das literarisch Konventionelle von dem Ausdruck persönlichen Empfindens zu scheiden: das beachtet Vessereau 180ff. zu wenig. Wer die Höflichkeitsphrasen gegen die vornehmen Freunde alle für echtes Gefühl nimmt, irrt gewiß ebenso, wie wer die Deklamation gegen Stilicho (2, 40–60), der die Barbaren ins Reich gelassen, der die Sibyllinischen Bücher verbrannt, als Ausbruch persönlichen Hasses auffaßt; die ersten sind nichts als Umsetzung des uns aus den Briefen der Zeit bekannten überschwenglichen Verkehrstones in daktylische Verse, die Beurteilung des christlichen Vandalen Stilicho aber gibt die Ansicht der ganzen altrömischen Aristokratenpartei, der Anhänger der Symmachi und Nicomachi, wieder. Auch die beiden meistbesprochenen Teile der Dichtung, die Ausfälle gegen die Juden (1, 383–398) und gegen die Mönche (440–452 und 517–526), sind, so geschickt sie auch R. als Ausbrüche persönlicher Stimmung, die eine durch die Erzählung von dem wenig gastfreundlichen Benehmen des jüdischen Fischereipächters zu Faleria, die andere durch die Klage um die Weltabkehr eines hoffnungsvollen Standesgenossen, zu motivieren weiß, doch aus Büchern geholt (s. die ausführlichen Nachweise bei H. Schenkl Rh. Mus. LXVI 1911, 393–416). So kommen wir über ein paar ganz allgemeine Züge wie innige Verehrung des Vaters, Begeisterung für Roms Größe und Glanz nicht mit Sicherheit hinaus; R. ist ein geistvoller, literarisch interessierter Diplomat, der schwerlich in Versen hat mehr von seinem tiefsten Innern verraten wollen, als er im täglichen Verkehr zu geben gewohnt war. Die Frage, ob R. Christ oder Heide gewesen, möchte ich nicht so offen lassen, [1252] wie Schenkl das a. a. O. tut; zwar daß die Ausfälle gegen Juden und Mönche genau ebenso bei christlichen Schriftstellern wiederkehren, hat Schenkl erwiesen, für mich aber macht das lange Gebet an die Dea Roma (1, 47–164), die doch nur für die Isis Pelagia eintritt, und die Erwähnung des Osirisfestes (1, 375f.) ohne jeden Ausdruck der Mißbilligung sicher, daß R. zu der römischen Heidengemeinde der Aristokraten gehörte, die in diesen Zeiten toleriert wurde, wenn sie vorsichtig genug war, ihrerseits nicht anzugreifen.

Das Gedicht des R. ist uns bekanntlich unvollständig überliefert, es fehlen ein paar Verse zu Anfang des ersten Buches (gegen diese Annahme kämpft vergeblich an Vessereau 3433.) und der größte Teil des zweiten (erhalten nur 68 Verse); daß es nicht mehr als zwei Bücher gehabt, sagt R. selbst (2, 9). Mit dem Anfang des Werkes ist auch sein Titel verloren gegangen (daß ihm R. überhaupt keinen gegeben, ist eine sicher falsche Annahme Vessereaus 343); ich würde bei der Art der Überlieferung das sicherste Zeugnis im Explicit des ersten Buches suchen, aber de reditu suo, was dort und auch vor v. 1, 1 V und B geben, halte ich für abgeleitet aus v. 1, 1; natürlich kommt der Titel in B Itinerarium erst recht nicht in Betracht. Wir können also, da auch kein Zitat aus dem Werke vorliegt, nichts Sicheres sagen, höchstens vermuten, daß es einmal Iter Gallicum geheißen habe. Die alten Ausgaben von B, der Princeps, an lassen das Gedicht an Rufius Volusianus dediziert sein, das ist ein falscher Schluß aus der verderbten Tradition ueneris in v. 421; die Anreden an den lector 1, 1 und 2, 4 zeigen vielmehr deutlichst, daß das Gedicht keine Dedikation hatte, R. bedurfte ja auch keines Patrones. Es ist der Form nach eine Mischung von Propempticon und Reise-Satura: Horaz’ Iter Brundisinum, Ovids Reisebrief (trist. 1, 10), Statius’ Propempticon (Silv. III 2) sind die unmittelbaren Vorbilder; die von Ovid übernommene elegische Form erleichterte dem R. die rhetorische Zuteilung. Der Aufbau ist kurz folgender: 1, 1–42 Veranlassung zur Reise; Grund für die Fahrt zur See; 43–164 Abschied von Rom: Preis der Dea Roma und Bitte an sie um glückliche Fahrt; 165–178 Abschied von den Freunden; 179–216 14tägiger Aufenthalt in Ostia; Trennung vom letzten Freunde; 217–644 Fahrt von Ostia bis zum Portus Pisanus, Aufenthalte an verschiedenen Stationen; 2, 1–10 kurze Einleitung; 11–68 Fortsetzung der Fahrt bis Luna. Anziehend und wertvoll wird für uns das Gedicht durch den reichen Stoff, mit dem R. diesen Rahmen ausgefüllt hat; höchst bewundernswert ist die Geschicklichkeit, mit der immer wieder neue, andersartige Beobachtungen oder Betrachtungen vorgebracht werden. Gerade hier erinnert Stoff und Ton verschiedentlich an Horaz, ohne daß je sein Verismus und sein geistreiches Geplauder erreicht würde.

Korrekt und vorsichtig wie sein politisches Verhalten ist des R. Sprache und Verskunst. Selten genug finden wir Spuren wirklich späten oder nichtdichterischen Sprachgebrauchs, so 1, 276 quisque statt quisquis, 313 decessis ... [1253] umbris, ebenso alt und vulgär wie 388 propudiosa, 2, 4 kühn iuge ... opus, öfters dichterische Neubildungen 1, 384 Iudaeus ... humanis animal dissociale cibis, 610 pede glutineo, 312 wegen des Wortspiels gewagt Lepidum ... malum wie venena Colcha u. a. (lange, aber unkritische Listen bei Vessereau 383ff.). In der Prosodie verdient kaum Erwähnung die Messung prōpudiosa 1, 388 (prǒp-Plautus), sie ergab sich im Hexameter von selbst; kühner ist schon harpyǐas viersilbig 1, 608; auffallend auch 633 Hyadēs (ich kann nur vergleichen Italic. Il. lat. 710 Trōēs). Für die Metrik verweise ich auf die kurzen, aber gehaltvollen Bemerkungen L. Müllers (Ausgabe p. XIf). P. Rasi, in Cl. R. N. adnotat. metricae, Riv. di filolog. XXV 1897; lange Listen über Caesuren und Wechsel der Füße bei Vessereau 402–421. Zu notieren bleiben vor allem die drei Spondiazontes 1, 637 Orioni, 2, 33 Apenninum, aber auch 1, 585 praefecturam, der Hexameterschluß 239 amphitheatrum, die langwortigen Peutameterschlüsse: 1, 56 Oceanus, 82 imperium (2, 42), 306 adulterii, 382 Antiphate, 450 Bellerophonteis sollicitudinibus, 472 amicitiis, 564 excubias, 572 insereret, 608 Harpyias, 628 Amphitryoniadae, 2, 22 Sicaniae, dazu 160 sed populi, 526 nunc animi, am härtesten 328 seu domini genio; sehr geringe Zahl von Elisionen (schwerstes Beispiel 1, 328 loci ingenio, durch Wortspiel entschuldigt), keine in der zweiten Hälfte des Pentameters; im allgemeinen steht für R. rhetorische Wirkung höher als Eleganz der Metrik, doch hat L. Müller recht, ihn ,inter praestantissimos Romanorum versificatores‘ zu rechnen.

Des R. Gedicht hat keine weite Verbreitung gefunden; nicht einmal bei einem Landsmann wie Venantius Fortunatus findet man seinen Namen oder Spuren seiner Verse. Wir würden heute weder vom Dichter noch von seinem Werke irgend etwas wissen, wäre nicht im J. 1493 zu Bobbio von Giorgio Merula mit andern bis dahin unbekannten Schriftstellern auch eine verstümmelte Hs. des R. gefunden worden. Über diesen berühmten Bücherfund s. O. v. Gebhardt Zentralbl. f. Bibl.-Wesen 1888, 343ff. H. Schenkl Zur Kritik ... des Grattius, Jahrb. f. Philol. Suppl. XXIV (1898) 394ff.; darnach Vessereau 74ff. und gut zusammenfassend (auch über VBR) G. Heidrich 5ff. Aus der verloren gegangenen alten Hs. stammen ein Autograph des Sannazar V = cod. Vindob. lat. 277 fol. 84–93, die erste Ausgabe von Ioh. Bapt. Pius, Bologna 1520 = B, diese beiden aus einer gemeinsamen Zwischenstufe, und, ebenfalls nicht direkt aus der Ur-Hs. abgeschrieben, R, der codex Romanus in der Bibliothek des Herzogs von Sermoneta; über die letzte erst vor einem Vierteljahrhundert durch A. Elter gefundene Hs. s. A. Elter Rh. Mus. XLVI (1891) 112. 2 und C. Hosius Rh. Mus. LI (1896) 197ff. Aus diesen beiden Quellen VB und R haben wir heute die Worte des Dichters herzustellen, was bis auf ein paar verzweifelte Stellen mit leichter Mühe geschieht.

Ein Verzeichnis der Ausgaben gibt Wernsdorf vor seinem Text und Vessereau 114–149; ich nenne hier außer der schon besprochenen [1254] Editio princeps 1520 nur die des Guiseppe Castaglione Rom 1582 mit ausgezeichneten Emendationen; die von Sitzmann-Zinzerling Lyon 1616 mit den trefflichen Noten Sitzmanns; die Sammelarbeit von P. Burmann in den Poetae latini minores II, Leyden 1731; die gründliche und durch ihre Anmerkungen auch heute noch wertvolle Bearbeitung Joh. Chr. Wernsdorfs in den Poetae lat. minores vol. V, Altenburg 1788 (Vol. IV des Lemaire sehen Nachdrucks, Paris 1825). Nach Wernsdorf hat zuerst wieder gründliche eigene Arbeit geleistet Aug. Wilh. Zumpt, dessen reife Dissertation (Observationum in Rut. Cl. Nam. Carmen de reditu suo, pars prior, Berlin 1836) wiederholt und fortgesetzt wurde in der Ausgabe des Textes Berlin 1840; hier ist zum ersten Male unsere beste Textquelle V, wie sichs gehört, ausgenutzt, und die erklärenden Anmerkungen gehen keiner Schwierigkeit aus dem Wege. Durch ein paar gute Konjekturen und eine Revision der Lesungen von V ist verdienstlich die Ausgabe von L. Müller Leipzig 1870. Nur eine vielfach fehlerhafte deutsche Übersetzung, keinen Text bringt das Buch von Itasius Lemniacus (Alfred von Reumont), Berlin 1872, das im übrigen gerade den mannigfachen antiquarischen Interessen, die sich an R. knüpfen, sorgfältig und in anziehender Form (NB. viele Spezialkarten) nachgeht. Die erste Ausgabe mit wirklichem und vollständigem kritischen Apparat ist die von E. Baehrens in seinen Poetae lat. minores vol. V, Leipzig 1883, der auch diesen Text weniger verdorben hat, als sonst seine Art war. Eine äußerst fleißige und durch Zusammenfassung alles erdenklichen Materiales höchst nützliche These (443 SS.) hat dann geliefert J. Vessereau (Paris 1904): Text, kritischer Apparat (zum ersten Male auch R einbezogen), vollständiger (aber richtige Konjekturen nicht berücksichtigender) Index verborum, französische Übersetzung, dann ,l’oeuvre et l’auteur, étude historique et littéraire‘; leider reichte die kritische Ausbildung des Verfassers nicht aus, um überflüssigen Ballast an Unwesentlichem und Falschem über Bord zu werfen. Besseres dürfen wir von Georg Heidrich erwarten, der als Sonderabdruck aus d. Jahresber. des k. k. Erzherzog Rainer-Gymn. Wien 1911 schon hat erscheinen lassen ,Cl. Rut. Nam. mit Einleitung und kritischem Apparat‘ (recht gut) und einen erklärenden Kommentar folgen lassen will. Natürlich soll der R. auch in meiner Neuausgabe der Poetae lat. minores (vol. III Ende) seine Stelle wieder finden.