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RE:Pulvinus

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Kissen auf dem Speisesofa oder Liegestuhl, Bettkissen, Sitzpolster
Band XXIII,2 (1959) S. 19791980
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pulvinus, Kissen. Der Name p. bezeichnet jede Art von Kissen: Bettkissen, Catull. 6, 9. Sen. benef. II 10 = Diog. Laert. IV 37, Kissen auf dem Speisesofa, Sen. dial. V 37, 4. Mart. III 82, 7, auf dem Liegestuhl, Horat. epod. VIII 15, als Sitzpolster auf Stühlen, Plaut. Stich. 94. Cic. de orat. I 29; fam. IX 18, 4, in Sänften, Cic. Verr. V 27. Sen. dial. VI 16, 2; vgl. Iuven. I 159, dem pulvillus, Horat. a. O. Fronto ep. ad Ver. I p. 128, 19 N. Apul. met. X 20. Zum Unterschied von p. bedeutet cervical hauptsächlich das Kopfkissen, s. o. Bd. III S. 1988, ebenso culcita, das meistens Matratze bedeutet; Cat. r. r. 10, 5. 11, 5 unterscheidet culcita und p. In ähnlicher Weise wie der Name p. werden die griechischen Ausdrücke: τύλη, Herodian π. μον. λέξεως 39, 15. Artemid. oneir. V 8. τυλεῖον, Poll. X 39, attisch κνίφαλον, κνέφαλλον, VI 10, προσκεφάλαιον, X 38, 40 füreinander gesetzt.

Das Altertum kannte keine Polstermöbel, sondern bediente sich zur Bequemlichkeit beweglicher Kissen, die man mitnehmen konnte, sei es zum Sitzen im Freien, Cic. de orat. I 29, oder im Theater, Aristoph. Equ. 784f., und Zirkus, Ovid. a. am. I 160 und Schol., oder zum Gebrauch des Lehrers in der Schule, Cic. fam. IX 18, 4. Manchmal brachte man das Kissen zum Mahle mit, zu dem man eingeladen war, Diog. Laert. II 139, oder der Gastgeber bot dem Gaste, den er ehren wollte, ein Sitzkissen an, Plaut. Stich. 94.

Es gab Kissen von verschiedener Größe und Form. Die zahlreichen Darstellungen auf den Denkmälern zeigen viereckige oder rundliche Kissen, ähnlich unsern Bett- oder Divankissen. Die einen erscheinen steif und fest, andere weniger straff. Erstere dienen bei Tische auch als Armstütze. Apuleius met. X 20 schildert ein Lager am Boden, aus einer Menge schwellender, mit Flaumfedern gefüllter pulvilli bestehend, über die mit Gοld und Purpur verzierte Decken gelegt waren. Beim halbkreisförmigen Speiselager, sigma, diente ein um den Vorderrand des Lagers laufender gepolsterter Wulst den Speisenden als Armstütze, s. u. Bd. II A S. 2324, 32.

Große Verschiedenheit herrschte in den Überzügen. Man benutzte dazu nicht nur Leinwand und Wollenstoff, sondern auch Leder, Poll. X 39, 40. Sen. dial. VII 25. 2. Die Kissenüberzüge der Reichen waren von feinem Linnen, Byssus und Seide, Athen. VI 255 e. Horat. epod. VIII 15f. Prop. I 14, 22. Mart. III 82, 7, auch mit Purpur verziert, Athen. a. O. Mart. a. O. Sehr beliebt war die Leinwand der Cadurcer in Aquitanien, Plin. XIX 13, weswegen solche Polster geradezu cadurca hießen, Iuven. VI 537. Die besten Kissen und Polster lieferte Tralles in Karien, Antinupolis in Ägypten, auch Malta, geringere Damaskus und [1980] Kypros. Über die Preise leinener Überzüge belehrt Ed. Diocl. 28, 46–55. Blümner Maximaltarif 172. Die Überzüge auf Vasenbildern erscheinen meist gestreift, waren also mehrfarbig, Propert. IV 6 (III 7), 50 fultum pluma versicolare caput, oft verziert mit Blattmustern, Sternchen u. a. Daremb.-Sagl. IV 767 Abb. 5878 ff. Die Kissen waren mit verschiedenen Stoffen gefüllt. Die Füllung hieß πλήρωμα, tomentum. Die Kissen der Armen und Soldaten waren hauptsächlich mit Stroh, Heu, Seegras und ähnlichem Material gefüllt, die der Reichen mit Wollflocken, Baumwolle und den weichen Blättern des Gnaphalium, mit Federn verschiedener Vögel, weswegen das Wort pluma bisweilen auch Kissen bedeutete, Propert. a. O. Mart. XIV 146, 2. Über Einzelheiten betreff Füllung der Kissen s. den Art. Tomentum u. Bd. VI A S. 1699f. Blümner a. O. 146f.; Technol. I² 215ff. Heliogabal verwendete auch Luftkissen bei Gelagen, um durch ihre plötzliche Entleerung den Gästen einen Possen zu spielen, Hist. Aug. XVII 25, 2. – Bildliche Darstellungen: Pfuhl Meisterwerke griech. Zeichnung und Malerei S. 18 Abb. 28. Verziertes Kissen zum Anlehnen, Amphora des Andokides. Sitzkissen S. 105. Abb. 138, Wandgemälde aus Boscoreale, und S. 117 Abb. 151, Komödienszene auf dem Mosaik des Dioskurides. – Μužik-Perschinka Kunst und Leben im Altertum S. 18, 2. 32, 4 Sitzender Menander. 38, 1. 132 I 2 Kissen als Armstütze, 133, 3. 4 Kissen auf dem Speisesofa und 142, 3 auf dem Ruhelager. 165, 1 Zwei verzierte Kopfkissen für einen Verstorbenen.

[A. Hug. ]