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RE:Kreon 2a

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Kreon, König von Korinth
Band S IV (1924) S. 10561060
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2a) Sohn des Lykaithos, König von Korinth, Schol. Eur. Med. 20. Hygin fab. 25 nennt den korinthischen K. einen Sohn des Menoikeus. Das kann auf einer Verwechslung der beiden Personen beruhen. Aber da sich auch sonst manche Beziehungen zwischen dem korinthischen und thebanischen Sagenkreise feststellen lassen (vgl. darüber Gruppe Griech. Mythologie 516ff.), insbesondere auch soweit es die Gestalt K.s betrifft, so fügt sich die Angabe des Hygin doch recht gut in den Zusammenhang der Sage. Auf die gemeinsamen Berührungspunkte der beiden Sagenkreise weist beispielsweise die Erzählung von Alkmaion hin Dieser zeugte zur Zeit seines Wahnsinns mit Manto, der Tochter des Teiresias, zwei Kinder, Amphilochos und Tisiphone. Diese brachte er nach Korinth zu König K., damit dieser sie aufziehe. Später verkaufte die Gemahlin des K. die durch Schönheit ausgezeichnete Tisiphone aus Besorgnis, K. würde sie zu seiner Gattin nehmen. Das Kind gelangte dann wieder in den Besitz des Vaters, ohne von diesem erkannt zu werden. Apollod. III 7, 7. Wenn Apollodor Manto die Tochter des Teiresias nennt, so scheint er im Irrtum gewesen zu sein, denn in der Alkmaionis (vgl. Immisch Jahrb. f. Philol. Suppl. XVII 188, und Myth. Lex. 2328) war Alkmaion mit Manto, der Tochter des korinthischen Sehers Polyeidos verbunden. Vgl. auch Gruppe 517, der es, da Manto, die Tochter des Teiresias, nach anderer Version die Gemahlin des Bakchiaden Zograios ist (Schol. Nik. Ther. 958. Schol Alexiph. 11), für wahrscheinlich hält, daß Polyeidos die Tochter dieses Zograios geheiratet hat, so daß also seine Tochter Manto nach ihrer Großmutter heißt und Urenkelin des Teiresias ist und somit die korinthische Manto auf das engste mit der thebanischen zusammengehört. Die erwähnte Stelle des Apollodoros gibt ersichtlich Inhalt der Euripideischen Tragödie Ἀλκμέων ὁ διὰ Κορίνθου wieder, Welcker Griech. Trag. II 579. Basedow De Euripidis fabula Ἀ. διὰ Κορίνθου, Diss.Rostock 1872. Immisch 188. Wahrscheinlich ist dieselbe Sage auch von Astydamas in seinem Ἀλκμέων behandelt worden. – Auf die [1057] engen Beziehungen zwischen thebanischem und korinthischem Sagenkreise deuten auch folgende Momente hin: In der korinthischen Legende nimmt Medeia eine besondere Stellung ein. Von ihr heißt es, daß sie mit Iason nach Korinth zu König K. gekommen sei. Näheres darüber weiter unten! Ein Spätling, der aber aus guter Quelle schöpft, Dracontius Medea 366ff. sagt, daß die beiden nach Theben zu König K. gekommen seien und daß dieser samt seiner Tochter von Medeia getötet worden sei. Das kann freie Umgestaltung eines Dichters sein, der sich des thebanischen K. erinnerte, doch ist auch die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, daß sich darin noch Spuren alter Einwirkung der thebanischen Sage auf die korinthische erhalten haben. Hierfür spricht noch eine andere Erwägung: Die Tochter des thebanischen K. ist Megara, die unglückliche Gattin des Herakles, deren Kinder der wahnsinnige Vater tötet. Den Wahnsinn des Herakles soll nun aber wieder, nach Diod. IV 53, Medeia geheilt haben. Auch das kann ein zufälliges Zusammentreffen sein; indessen legt doch der Umstand, daß die Fälle dieses Zusammentreffens eben keineswegs vereinzelt sind, die Vermutung nahe, daß die thebanische Sage die spätere korinthische entscheidend beeinflußt hat und daß auch insbesondere die Gestalt des K. von Theben aus in die spätere korinthische Sage herübergenommen worden ist; vgl. Gruppe 517 und 558, wobei noch besonders bemerkenswert ist, daß der korinthische K. ebenso wie der thebanische eine ziemlich schattenhafte Nebenfigur gewesen zu sein scheint. K. war der Vater des Hippotes (Diod. IV. 55; vgl. Schol. Eur. Med. 20. Hyg. f. 27) und der Kreusa oder Glauke (s. o. Bd. VII S. 1395). – Wie schon eben angedeutet, spielt K. auch in dem Zusammenhange der korinthischen Medeiasage eine Rolle. Nach den Angaben des Didymos (bei Schol. Eur. Med. 264) hat der Epiker Kreophylos – doch vgl. v. Wilamowitz Hermes XV 486, der bezweifelt, daß der Epiker gemeint sei – berichtet: Medeia habe während ihres Aufenthalts in Korinth den damaligen König K. getötet. Aus Furcht vor seinen Freunden und Geschlechtsgenossen sei sie nach Athen geflohen, habe aber ihre Kinder am Altar der Hera Akraia niedergesetzt in dem Glauben, ihr Vater – Iason – würde für sie sorgen. Die Geschlechtsgenossen des K. aber hätten die Kinder getötet und nachher das Gerücht verbreitet, Medeia selbst sei die Mörderin. ,An diese Erzählung des Kreophylos knüpft Euripides in seiner weltberühmten Umgestaltung des Stoffes an‘ Robert Griech. Heldensage I 187. Am wahrscheinlichsten ist es, daß Euripides eine Legende vorfand, die sich an die mit einem Kultus ausgezeichneten Gräber der Medeiakinder im Haine der Hera knüpfte und berichtete, daß Medeia bei dem Versuch, ihre Kinder unsterblich zu machen, diese getötet habe. Euripides – oder sein Vorgänger – hat dann das Motiv der Eifersucht der Medeia dazu erfunden und in dem Zusammenhang der Sage die Erzählung von K. und seiner Tochter mit hineingebracht; vgl. Seeliger Myth. Lex. 2494. Die Hypothesis der Euripideischen Tragödie ist folgende: Nach Korinth zu König K. ist Iason mit Medeia gekommen. Iason verlobt sich mit des [1058] Königs Tochter, und Medeia wird von K. des Landes verwiesen; vor ihrer Abreise aber übt die Tiefgekränkte noch grausame Rache. Mit einem giftgetränkten Gewande und goldenen Kranze, die sie der Braut durch ihre Kinder als Geschenke übersendet, tötet sie die Braut und den dieser zu Hilfe kommenden Vater. Eur. Med. 1156ff.; vgl. auch Seneca Med. 879ff. – Einer anderen Darstellung folgt Diod. IV 54, wonach Medeia K. und seine Tochter dadurch tötet, daß sie nachts in die Königsburg einschleicht und diese in Brand steckt. Vgl. auch Diod. IV 53. Apollod. I 9, 28 (Tzetz. Lyk. 1315). Mythogr. Graeci 345 Westerm. Plut. de amic mult. 7. Hor. epod. 5 64. Ovid. Heroid. 12, 53. Mythogr. Lat. II 138 p. 122 ed. Bode. Schol. in Ibim 603 Schol. Stat. Achill. 1 p. 560 ed. Cruecus heißt es: ad (vellus) auferendum Iason missus a Creonte est, eine Angabe, die offenbar falsch ist. Das Schicksal des K. und der Glauke ward in Tänzen dargestellt, Luc. de salt. 42.

Medeas Rache an K. und seiner Tochter Kreusa ist auf der Prachtvase von Canosa dargestellt. Innerhalb eines tempelartigen Gebäudes steht K. links neben seiner von den Flammen ergriffenen und ohnmächtig auf einen Thronsessel niedersinkenden Tochter. Die Inschrift ΚΡΕΟΝΤΕΙΑ wird unter Ergänzung von παῖς oder θυγατήρ oder auch von δώματα oder ἀνάκτορα gedeutet; während die Buchstaben . ΩΝ wohl zu ΚΡΕΩΝ zu ergänzen sind. K. ist dargestellt als ein Mann mit weißem Haar und Bart, ,der auf diesen Vasenbildern üblichen Herrschertracht, einem langen gestickten Untergewand mit Kreuzbändern über der Brust, weitem Mantel und Schuhen‘. Jahn Arch. Ztg. 1847, 33ff. Mit dem linken Arm umfaßt er seine Tochter; die Rechte, welcher das mit einem Adler geschmückte Szepter entfallen ist, legt er voll Verzweiflung an sein Haupt. Von rechts eilt ein Jüngling mit Chlamys und Schwert schnell herbei, um der Unglücklichen den todbringenden Kopfschmuck abzureißen; eine Beischrift nennt ihn Hippotes (ΙΠΠΟΤΗΣ). Der Blick des K. ist auf eine Frau gerichtet, die in ängstlicher Hast mit ausgestrecktem linken Arm, die Rechte an den Kopf gelegt, herbeieilt; ihr Name ist Merope (ΜΕΡΟΠΗ). Es ist die Gemahlin des K., die nur hier namhaft gemacht wird. Millin Tombeaux de Canose Taf. 7; Arch. Ztg. V (1847) p. 33, Taf. 3. XXV (1867) p. 58. Baumeister Denkmäler nr. 980, p. 903.; vgl. CIG IV 8424. O. Jahn Beschreibung der Vasensammlung in der Pinakothek zu München nr. 810 p. 261. Heydemann Vasens. d. M. Naz. Neapel p. 753 Anm. 2 zu nr. 526; vgl. Helbig Unters. über die Campan. Wandmalerei 178. Robert Bild und Lied 37ff. Höfer Mythol. Lexik, s. Kreon 1413 f. Abb. II, 2510. Während auf der Prachtvase aus Canosa neben dem qualvollen Tod der Kreusa die weiteren Hauptmomente der Sage, die Ermordung der Kinder und die Flucht der Medeia in einer Darstellung zusammengefaßt werden, findet sich der Tod der Kreusa auf einem andern apulischen Vasenbild gesondert behandelt vor, auf einem Krater der Sammlung Santangelo. abgb. Raoul-Rochette Choix de peint. p. 263 vign. 14; vgl. Heydemann nr. 526. Jahn Arch. Ztg. XXV 58tf. Höfer 1411: Vor einem [1059] prächtig verzierten Thronsessel liegt Kreusa hingestreckt auf der Erde, mit beiden Händen an den Schleier greifend; neben ihr steht ein offenes Kästchen an der Erde. Auf sie zu eilt ein bärtiger, unterwärts in einen Mantel gehüllter Mann; entsetzt streckt er die Rechte nach ihr aus, in der Linken hält er ein Szepter: Es ist K., der herbeieilt, der Tochter zu helfen, und ihr Schicksal teilen wird.

In einer Reihe von Sarkophagreliefs, auf denen neben anderen Schicksalen Iasons und Medeias auch die Ermordung Kreusas dargestellt wird, erscheint auch K., beim Tode seiner Tochter zugegen. Jahn Arch. Ztg. XVIII (1866) 239ff. Dilthey Sarcophagi di Medea, Ann. d. Inst. 1869, 5ff. Kalkmann Arch. Ztg. XLI (1883). 112. v. Urlichs Ein Medeasarkophag, Würzburger Progr. von 1888, der eine Aufzählung aller bekannten Medeasarkophage gibt. Der Tod Kreusas in Gegenwart K.s ist auf der Vorderseite neben der Darbringung der Brautgeschenke an Kreusa durch die Kinder Medeias dargestellt, und zwar auf den einzelnen Reliefs ziemlich übereinstimmend; so 1) auf dem Medeosarkophag im Vatikan, Casino di Pio IV., früher im Hof des Pal. Lancelotti; abg. Winckelmann Alte Denkmäler d. Kunst, übers. von Brunn, II Taf. 91, S. 13. Conze Vorlegebl. Ser. II, Taf. 2, 3. 2) Ferner auf einem Sarkophag im Louvre aus Villa Borghese, Bouillon 3 basrel. 18, 2, Clarac Mus. d. sculpt. 204, 478; bei Robert Die antiken Sarkophagreliefs II nr. 195. Baumeister Denkm. 907f. nr. 982. 3) Sodann auf einem Sarkophagrelief aus Rom, jetzt in Berlin, (Conze) Beschreibung der antiken Skulpturen im K. Museum zu Berlin nr. 843 b S. 531 = Robert II nr. 200. Mythol. Lexikon, 2507 Abb. 2. 4). Dann auf einem solchen im Klosterhof der Diocletiansthermen, herausgegeben von Dilthey Ann. d. Inst. 1869 tav. d’agg. A B 2; bei Robert nr. 199; alte Zeichnung im Cod. Coburg und Cod. Pighianus. Arch. Ztg. 1866 Taf. 216, 1. 5) Weiter auf einem Bruchstück im Vatikan, abgeb. bei Visconti Mus. Pio Clement. VII 16; bei Robert nr. 197. 6) Auf einer Sarkophagplatte aus Rom in Mantua, Millin Gal. myth. 108, 426, bei Robert nr. 196. 7) Endlich im Klosterhof der Diocletiansthermen, herausgegeben von Dilthey A B 1, bei Robert nr. 201: Neben Kreusa, die mit hochgestreckten Armen, den Kopf mit fliegenden Haaren in den Nacken werfend, unter der Wirkung des Giftes jäh emporschnellt, steht K. Den linken Fuß stellt er auf den Untersatz des Lagers; mit der rechten Hand greift er mit der Gebärde heftigsten Schmerzes sich in das Haar; die Linke ist ausgestreckt; oder sie stützt das Szepter auf (4); oder er faltet beide Hände (5); vgl. Botenbericht in Eur. Med. v. 1188ff. Heydemann Mitt. a. d. Antikensamml. in Ober- und Mittelitalien, 3. Hallisches Winckelmannsprogr. 8 nr. 9, und Anm. 12. Matz-Duhn Antike Bildwerke in Rom II nr. 3161. 3162, S. 364ff. Dütschke Antike Bildwerke in Turin, Brescia. Verona und Mantua = Antike Bildwerke in Oberitalien IV nr. 688, S. 310ff. und die daselbst, wie bei Matz-Duhn angeführte Litteratur. – Die gleiche Darstellung findet sich auch auf einem 1887 in Rom gefundenen Sarkophag, abgebildet [1060] bei Urlichs 9ff. Höfer Mythol. Lexik 1413ff.

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2a) König von Korinth, Sohn des Lykaithos. S IV.