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RE:Herodes 13

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Herodes Atticus, Vertreter der zweiten Sophistik
Band VIII,1 (1912) S. 921954
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13) Herodes, der berühmteste Vertreter der zweiten Sophistik. – Hauptquelle über seinen Bios ist die Darstellung Philostrats vit. soph. (geschr. 230–238) II 1, das Glanzstück des zweiten Buches, wie der Bios Polemons im ersten (I 25); dazu treten sonstige Stellen der vit. soph. Philostrat benützte für seine βίοι eine biographische Sammlung gelehrter Art, die auch Schriftenverzeichnisse (das des H. p. 72, 23 Kayser II 1871) enthielt, dieselbe offenbar, die auch Hesychios Milesios für seine Sophistenartikel benützte (Leo Gr.-röm. Biogr. 1901, 254). Daneben hat Hesych Philostrat selbst benutzt, wie im Suidasartikel H. ein Philostratzitat steht ὧν μέμνηται Φιλόστρατος ἐν τοῖς βίοις τῶν σοφιστῶν. Neben der biographischen Quelle benützt Philostrat die Korrespondenz des H., die publiziert vorlag (Briefe des H. selbst p. 10, 5. 48,10. 57, 11. 60, 32. 70, 31. Brief des Kaisers Marcus an H. p. 70, 10 und 14, Briefe der Sophisten Alexander und Philagros an H. p. 78, 4. 84, 18), wohl auch eine Sammlung von Reden und Deklamationen (p. 58, 11. 68, 22) und anderes zeitgenössisches Material, wie die Anklagerede des Demostratos gegen H. (p. 63, 10. 71, 3). Daneben steht mündliche Anekdotentradition, so z. B. (p. 60, 12) der Bericht eines Ktesidemos über ein mit H. geführtes Gespräch, den Philostrat selbst von Ktesidemos erhalten hat (ὡς γὰρ ἐγὼ Κτησιδήμου τοῦ Ἀθηναίου ἤκουον). Aus alledem stellt Philostrat seinen Bios zusammen, wie immer ohne jede chronologisch genaue Angabe, mit absichtlicher Verschleierung des nur hier und da darchschimmernden Dispositionsschemas der grammatischen Biographie, die er in einen eleganten, mit interessantem Detail gespickten Essai auflöst, in dem – dafür ist Philostrat selbst Sophist – die Stilcharakteristik mit den Angaben von den Äußerlichkeiten des Auftretens und Erfolges einen besonders breiten Raum einnimmt. Sonstige literarische Tradition bieten Pausanias (über H.s Bauten), Gellius (H.s Beziehungen zu Gellius, Favorinus u. a), Fronto (H.s Beziehungen zum Kaiserhause). Das reiche inschriftliche Material, besonders vermehrt durch die Ausgrabungen in Olympia, ist bearbeitet von Dittenberger Die Familie des H. Atticus, Herm. XIII 1878, 67; De H. Attici monumentis Olympicis, [922] Ind. Schol. Halle 1892. IG III = CIA III 1878–1882. Olympia, Ergebnisse, Textband V 1896. Dadurch ist die ältere Literatur vielfach überholt; zu nennen: Eichstädt in Fabricius Bibl. Gr. ed. Harles. VI 1798, 4. Fiorillo H. Attici quae supersunt, Leipzig 1801. Heyse Über einige Epochen im Leben des H. Atticus, Ztschr. f. d. Altertumswiss. 1839 nr. 122–124, 977ff. Clausen Quaestiones Herodeae,Bonn 1847. Fülles De Tiberii Claudii Attici H. vita, Diss. Bonn 1864. Hertzberg Gesch. Grlds. unter der Herrschaft der Römer II 1868, bes. 377ff. Vidal-Lablache Hérode Atticus, Paris 1872. Neuere Bearbeitungen: Diptmar Der Rhetor H. Attikus, ein Mäcen seiner Zeit, Blatt, f. bayer. Gymnasialw. XXIII 1897, 657. Klebs Prosop. imp. Rom. I 1897, 655 p. 353. Schultess H. Atticus, Progr. Wilh.-Gymn. Hamburg 1904.

H.s Name lautet in vollster Form: Vibullius Hipparchus Tib. Claudius Atticus Herodes (Inschr. aus Delphi, publ. von Foucart Rev. de philol. XXV 1901, 91 und CIA III 1333 mit der Ergänzung von Foucart a. a. O.), sonst zumeist Ti. Claudius Atticus Herodes (CIG II 1883. CIA III 674. Ἐφημ. ἀρχ. 1894 p. 206a. CIL VI 20 217. 24 162. 29 335. XIV 3692). Daneben die weiteren Verkürzungen Ti. Claudius Herodes (CIG II 3187. CIA III 735. 1132. Add. p. 483 n. 69a), Claudius Herodes (CIA III 478. 663. 894 a., Athen. Mitt. VIII 1883, 287. Cass. Dio LXXI 35 Ἡρώδην τὸν Κλαύδιον). Die korrekte Reihenfolge vernachlässigend schreiben Gellius (I 2, 1. IX 2, 1. XIX 12, 1) und Capitolinus (vit. Marci 2, 4; vit. Veri 2, 5) Herodes Atticus. Falsch Suid. s. v. Ἡρώδης Ἰούλιος χρηματίσας υἱὸς Ἀττικοῦ. Als Ἀθηναῖος bezeichnet bei Philostrat. p. 55, 15. Paus. I 19, 6. II 1, 7. VI 21, 2. VII 20, 6. X 32, 1. Suid. s. v.; speziell als Μαραθώνιος CIA III 69. Add. p. 483 n. 69 a. 735. 1333., Ἐφημ. ἀρχ. III 1885 p. 152 n. 28. 1894 p. 207 b. Grabepigramm bei Phil. p. 73, 12. Suid. s. v. τῶν δήμων Μαραθώνιος.

H. war der Sohn des Ti. Claudius Atticus Herodes (s. o. Bd. III S. 2677 Nr. 71) und der Vibullia Alcia (CIA III 3. 674. Ἐφημ. ἀρχ. 1894 p. 206a. Dittenberger 1892 p. VI. Suid. υἱὸς Ἀττικοῦ τοῦ Πλουτάρχου, letzteres falsch), Enkel des Ti. Claudius Hipparchus (πάππος αὐτοῦ Ἵππαρχος Phil. p. 56, 18); darum Ἡρώδης Ἀττικοῦ (CIA III 69.160. 666. 667; Δελτίοv ἀρχαιολ. 1888, 189. Im Grabepigramm bei Phil. p. 73, 12 Ἀττικοῦ Ἡρώδης). Von der Familie des H., die ihren Stammbaum auf die Aiakiden (Phil. p. 55, 17. Suid. s. Ἡρώδης) zurückführte, zum altehrwürdigen Geschlechte der Keryken gehörend (Marcellus von Side bei (Kaibel Epigr. Gr. 1046, 32f.), das von Hermes und der Nymphe Herse stammend zuerst am Demeterdienste teilgenommen hatte (Toepffer Att Geneal. 1889, 81), ist als ältestes Glied ein H. nachweisbar, der zu Caesar oder Augustus als athenischer Gesandter nach Rom kam, dessen Sohn Eukles (s. o. Bd. VI S. 1053, Nr. 6) gegen Ende des 1. Jhdts. v. Chr. als Stratege das Markttor der Athena Archegetis weihte (CIA III 65). Des Eukles Sohn ist Πολύχαρμος Εὐκλέους Μαραθώνιος, ἀρχιερεὺς Τιβερίου Καίσαρος Σεβαστοῦ (CIA III 647. 1007), der unter Kaiser Claudius das römische Bürgerrecht erhalten haben wird, da [923] seine Nachkommen sämtlich Claudier sind. Dessen Sohn hieß Herodes, sein Enkel war Ti. Claudius Hipparchus (s. o. Bd. III S. 2725 Nr. 179; Inschr. aus Eleusis Ἐφημ. ἀρχ. 1894 p. 204, 30 = Dittenberger Syll. I 394 Τιβέριος Κλαύδιος Ἡρώδου [υἵος] Ἵππαρχος Μαραθώνιος τὴν ἑαυτοῦ θυγατέρα Κλαυδίαν Ἀλκίαν μυηθεῖσαν ἄφ’ἑστίας Δήμητρι καὶ Κόρῃ; vgl. Foucart a. O. 89, von Klebs Prosop. imp. Rom. I 354 falsch auf den Sophisten Herodes bezogen). Dieser hatte das Unglück, in den Verdacht hochverräterischer Umtriebe zu kommen, und wurde wahrscheinlich hingerichtet unter Kassation seines Vermögens (Phil. p. 56, 18 ἐδημεύθη τὴν οὐσίαν ἐπὶ τυρρανικοῖς αἰτίαις, ἃς Ἀθηναῖοι μὲν οὐκ ἐπῆγον, ὁ δὲ αὐτοκράτωρ οὐκ ἠγνόησεν. CIA III 38 οἱ τὰ Ἱππάρχου χωρία τὰ ὑπὸ τοῦ φίσκου πραθέντα κεκτημένοι). Die Nachkommenschaft hat deshalb diesen Vorfahren geflissentlich ignoriert (das Bild seiner Tochter, das er in Eleusis geweiht hatte nach Dittenberger Syll. I 394, wurde deshalb später durch ein Standbild des H., das die Korinther weihten, ersetzt, Dittenberger Syll. I 395). Welcher Kaiser jenes Urteil fällte, gibt Philostrat nicht an; Nero könnte in Betracht kommen, wahrscheinlich war es aber Domitian, sodaß des Hipparchos Sohn beim Sturze seines Vaters bereits erwachsen und selbständig war, also nur das noch in Aussicht stehende väterliche Erbe verlor. Dieser Sohn, Ti. Claudius Atticus H., der durch den Fund eines (bei der Konfiskation glücklich beiseite geschafften?) Schatzes in einem seiner Häuser (Phil. p. 56, 22) in den Besitz eines ungeheuren Vermögens kam, das Kaiser Nerva ihm auf wiederholte Anfragen (p. 56, 30. 57,1) beließ (das Finden des Schatzes falsch auf H. selbst übertragen bei Suid. s. Ἡρώδης und Schol. Arist. III 739 Dind.), und das durch die Ehe mit Vibullia Alcia Agrippina, Tochter eines Vibullius Rufus, aus einer Familie, deren Glieder mehrfach im 2. Jhdt. das Archontat bekleideten Dittenberger 1892 p. VI) sich noch verdoppelte (Phil. p. 57, 3 πρὸς γὰρ τῷ πατρώῳ πλούτῳ καὶ ὁ μητρῷος αὐτῷ πλούτος οὐ παρὰ πολὺ τούτου ἐπερρύν, ist des Sophisten H. Vater. Wann dieser geboren, ist nur nach seinem Tode festzustellen, der (s. u. S. 945, 42) 177 oder 178 erfolgt sein muß: Da H. nach Phil. p. 73, 3 im Alter von 76 Jahren starb, fällt seine Geburt 101 oder 102. Dazu stimmt, daß der Vater die Ehe mit Alcia erst nach dem Erlangen des Schatzes unter Nerva (96–98) eingegangen ist. Der erste Sproß der Ehe war H., ein jüngerer Sohn, Ti. Claudius Atticus Herodianus, der durch eine Ehreninschrift aus Iulis auf Keos bezeugt ist, wo Atticus wahrscheinlich Grundbesitz besaß (IG XII fasc. 5, 631), ist vor dem Vater gestorben (s. o. Bd. III S. 2678 Nr. 73).

Auf dem väterlichen Gute in Marathon geboren (deshalb Μαραθώνιος, s. o. S. 922, 38.), wuchs H. daheim, in Attika bezw. Athen, auf. Frühzeitig wurde er den besten Lehrern anvertraut. Philostrat nennt als seine Lehrer in der Grammatik (der κριτικοὶ τῶν λόγων p. 71, 27) einen Theagenes aus Knidos (jedenfalls nicht identisch mit dem aus Luc. de mort. Peregr. 5. 6. 36 bekannten gleichnamigen Kyniker) und Munatius aus Tralles; wir finden diesen noch später in der Begleitung des H. bei dessen Aufenthalt in Smyrna (s. u. S. 927, 2); [924] dabei wird ihm die ehrende Bezeichnung ὁ κριτικός von Philostrat (p. 49, 8) beigelegt; von des Mannes wissenschaftlicher Tätigkeit wissen wir etwas durch die Theokritscholien, die mehrfach gegen ihn polemisieren; diese Polemik stammt wahrscheinlich von Munatius’ jüngerem Konkurrenten, dem Theokritkommentator Amarantes (s. o Bd. I S. 1728 Nr. 3. v. Wilamowitz Einltg. in d gr. Trag. 188). Als Lehrer der Platonischen Philosophie nennt Philostrat den Tyrier Tauros (nach Suidas aus Berytos stammend), der unter Antoninus Pius ,blühte‘ (Euseb. chron. ad ann. 145): aus Suidas lernen wir ein paar Titel seiner Bücher (περὶ τῆς τῶν δογμάτων διαφορᾶς Πλάτωνος καὶ Ἀριστοτέλους, περὶ σωμάτων καὶ ἀσωμάτων καὶ ἄλλα πλεῖστα) kennen; von der Art seiner Unterweisung erhalten wir eine Vorstellung durch die Mitteilungen des Gellius (auch Verweise auf Werke des Taurus fehlen nicht, so I 26, 3 commentaria de morbo affectuve irae, ein Werk gegen die stoische ἀπάθεια XII 5, 5), der als iuvenis von etwa 30 Jahren, also um 160 n. Chr., diesen vir memoria nostra in disciplina Platonica celebratus (VII 10, 1) in Athen hörte und auch die Gastfreundschaft des Mäcens der römischen Jugend, des H., damals genoß; eines der Taurusgespräche bei Gellius (XVIII 10, daselbst auch der volle Name Calvisius Taurus) knüpft an einen Fieberanfall an, der Gellius in der Villa des H. in Kephisia traf. Des H. Lehrer in der sophistischen Rhetorik war zunächst Secundus aus Athen (Phil. p. 71, 26). Dieser erfuhr Spott, weil er aus dem Handwerkerstande hervorgegangen war, und Philostrat, der ihn am Schluß des I. Buches der vit. soph. (I 26), also unmittelbar vor H. behandelt, charakterisiert ihn als γνῶναι μὲν περιττός, ἑρμηνεύσαι δὲ ἀπέριττος. Auch H., der begeisterte Anhänger des αὐτοσχεδιάζειν, geriet später mit dem trockenen Secundus in Differenzen, so daß der einstige Schüler auf seinen Lehrer den Hesiodvers (Erga 25) parodisch anwandte: καὶ κεραμεὺς κεραμεῖ κοτέει καὶ ῥήτορι τέκτων; indes widmete H. dem greisen Lehrer nach seinem Tode Tränen und eine Gedächtnisrede. Möglich, daß dieser Secundus, wie Böckh vermutete, ein Vorfahr war jenes Σεκοῦνδος Ἀττικός Εὐδόξου Σφέττιος, der nach Commodus lebte und als ὁ Εὐμολπίδης bezeichnet wird (CIG I 399. 400), dann fand der Secundus, des H. Lehrer, eben als Eumolpide sein Grab πρὸς τῇ Ἐλευσῖνι ἐν δεξιᾷ τῆς Μεγαράδε ὅδου (Phil. p. 55, 13). Philostrat gibt ein paar kurze Proben der Ausdrucksweise des Secundus, Suidas erwähnt von ihm μελέτας ῥητορικάς, konfundiert ihn aber im übrigen mit Plinius Secundus. – Aus einem Briefe des Kaisers Marcus an Fronto (ad M. Caes. III 2 p. 41 et scio illum quidem in avi mei P. Calvisii domo eruditum, me autem apud te eruditum) erfahren wir, daß H. in seiner Jugend bereits auch in Rom war. Offenbar hat der Vater Atticus seine Familie mit nach der Hauptstadt genommen, als er unter Traian zweimal cos. suff. war (Phil. p. 55,17 ἐκ πατέρων ἐς τοὺς δισυπάτους, Liebenam Fasti consulares 65). Durch das Haus des Calvisius Tullus (cos. suff. 109, s. o. Bd. III S. 1413 Nr. 19), des Vaters der Domitia Lucilla minor (s. o. Bd. V S. 1518 Nr. 105), der Mutter des Kaisers Marcus, trat Atticus und auch sein Sohn H. damals schon mit dem Kaiserhause in unmittelbare Berührung. [925] Als Hadrian zur Regierung gekommen war, haben die Athener, anscheinend noch ehe der neue Princeps nach Rom kam, als er von Asien her seinen ersten Zug gegen die Sarmaten unternahm, eine Begrüßungsgesandtschaft an ihn, der bereits 112/3 athenischer Archon war, abgeschickt, und als Sprecher fungierte, das hatte der ehrgeizige Atticus durchgesetzt, der kaum 17jährige H.; dieser hatte aber das Mißgeschick, in seiner Ansprache stecken zu bleiben, eine Schande, die er nach Philostrats Behauptung durch Selbstmord im Ister büßen wollte, statt sich mit dem gleichen Mißgeschick des Demosthenes vor Philippos zu trösten (p. 72, 25ff. οἱ δὲ προφέροντες αὐτῷ νέῳ ἔτι τὸ λόγου τινὸς ἐν Παιονίᾳ εκπεσεῖν ἐπὶ τοῦ αὐτοκράτορος κτἔ., wo aber nicht mit Schultess 27, 11 Παννονίᾳ zu schreiben ist, wenn auch natürlich Pannonien gemeint ist, das eben, wie Cass. Dio XLIX 36 ausdrücklich sagt, von Ἑλλήνων τινὲς τἀληθὲς ἀγνοήσαντες mit Paionien an der makedonischen Grenze verwechselt wurde; den gleichen Fehler wie Philostrat begehen Herodian. II 9, 1 u. ö. und Appian. prooem. 3). Der Vater Atticus, wütend über die Blamage, ließ die Hermenbüsten der alten Redner, die in seinem Hause standen, steinigen, (ὡς διεφθορότας αὐτῷ τὸν υἱόν: da fand er den richtigen Lehrer für seinen Sohn (μειράκιον μὲν δὴ ἐτύγχανεν ὢν ὁ Ἡρώδης τότε καὶ ὑπὸ τῷ πατρί ἔτι p. 34, 10, was wohl zeigt, daß jene Szene in Pannonien in Hadrians ersten Aufenthalt in den Donauländern 117/8, nicht erst den zweiten 120/1 zu verlegen ist) in dem Smyrnäer Skopelianos. Voll Bewunderung nahm Atticus den berühmten Gast in seinem Hause auf. Von ihm lernte H. nun vor allem die Kunst zu improvisieren. Und als ihm eine μελέτη in der Art seines Lehrers gelungen war, gab Atticus seinem Sohne H. 500 Talente, ihn dadurch selbständig machend, und Skopelian 15 Talente als Lohn, welche Summe H. aus seinem neuen Besitz verdoppelte (Phil, soph. I 21, 7 p. 34, 4). Die Zeit des Aufenthalts des Skopelianos in Athen im Hause des Atticus läßt sich genau nicht bestimmen.

Das erste öffentliche Amt, das H., noch bei Lebzeiten seines Vaters, verwaltete, war das des ἀγορανόμος zwischen 120 und 126 (CIA III 160. Liebenam Städteverwalt. im röm. Kaiserr. 1900, 362); später, unter Antoninus Pius, ließ H. ein neues ἀγορανόμιον erbauen (CIA III 160. Δελτίον ἀρχ.1888, 189), dessen Reste beim Turm der Winde sich finden (Curtius Stadtgeschichte von Athen 1891, 273). Als Hadrians erster Besuch in Athen (Herbst 125 bis Frühling 126) erfolgt war, weitere in Aussicht standen, wurde H. wohl nicht unabsichtlich zum Archon gewählt (s. o. Bd. II S. 595 nach CIA III 735 p. 483 nr. 69 a ἐπὶ Τιβερίου Κλαυδίου Ἡρώδου Μαραθωνίου νε(ωτέρου) ἄρχοντος, τὸ γ’ἀπὸ τῆς Καίσαρος Ἀδριανοῦ ἐπιδημίας wahrscheinlich 127/8 (möglich auch 128/9). 131 folgt Hadrians dritter Aufenthalt in Athen, bei dem er die Einigung Griechenlands durch die Feier der Panhellenien dokumentierte (Zeit sicher durch Dittenberger Syll. I 391 mit Note 2): der erste ἄρχων oder πρῶτος τῶν Πανελλήνων war H. (Phil, p. 58, 28. Hertzberg II 331/2). Im Anschluß an diese engen Berührungen mit dem Kaiser wurde H. zum διορθωτής der freien Städte Asiens ernannt [926] (Phil. p. 47, 27. 57, 7. 63, 9. Mommsen St.-R. II² 1038), zur Zeit, da Antoninus Pius Proconsul in Asien war (130–135), mit dem H. auf dem Idagebirge ein Rencontre gehabt hat, bei dem es zu Tätlichkeiten gekommen sein soll, was Philostrat (p. 63, 7) für Verleumdung erklärt, da davon nichts in der Demostratosrede gegen H. (s. o. Bad. V S. 192 Nr. 13) gesagt sei (nur ὠθισμὸς μὲν γὰρ τις αὐτοῖς ξυνέπεσεν, ὡς ἐν δυσχωρία καὶ στενοῖς, αἱ δὲ χεῖρες οὐδὲν παρηνόμησαν p. 63, 13). Von der amtlichen Tätigkeit des H. in Kleinasien ist nur bekannt sein Bäderbau in Alexandreia Troas. Bei diesem ging er weit über die vom Kaiser bewilligte Summe von drei Millionen Drachmen hinaus; die Beschwerden der asiatischen Behörden, daß für einer Stadt Quellen die Abgaben von 500 Städten verbraucht würden, verstummten aber, als H.s Vater Atticus, dem Hadrian die Verschwendung seines Sohnes tadelnd vorgehalten hatte, den Mehrverbrauch von vier Millionen aus eigener Tasche deckte (Phil. p. 57, 6ff.); die Eeste jener Bäder und Wasserleitung sind bei Eskistambul noch heute vorhanden (Koldewey Athen. Mitt. IX 1884, 36. Hirschfeld o. Bd. I S. 1396, 16; vgl. CIG II 3579 aus Alexandreia Troas, arg zerstört). Auch als ἀρχιερεὺς θεᾶς Ῥώμης καὶ θεοῦ [Σεβαστοῦ Καίσαρος] (Ergänzung unsicher) Διὸς πατρῴου αὐτοκράτορος hat H. damals in Asien fungiert (Inschrift des κοινὸν Ἀσίας CIG II 3187. Brandis o. Bd. II S. 479). In die Zeit der Amtsführung in Asien fällt der Verkehr mit zwei bedeutenden Männern, zu denen H. als zu seinen Lehrern aufschaute. Der eine ist der Gallier Favorinus (Phil. p. 71, 25), den H. wie seinen Vater verehrte (p. 10, 4 διδάσκαλόν τε ἡγουμένῳ καὶ πατέρα). Philostrat zitiert aus einem Briefe des H. an Favorin eine schwärmerische Zeile (πότε σε ἴδω καὶ πότε σου περιλεῖξω τὸ στόμα p. 10, 5). Engste Freundschaft bestand zwischen beiden Männern in Rom zur Zeit von H.s Consulat (Gell. XIII 25, 2). Favorin ernannte H. testamentarisch zum Erben seiner Bibliothek samt seines Hauses in Rom und seines schwarzen indischen Sklaven Autolykos, an dessen mit indischen Brocken untermischtem, geradebrechtem Griechisch sich beide früher beim Weine ergötzt hatten (Phil. p. 10, 6ff. W. Schmid o. Bd. VI S. 2079). Der zweite ist Polemon, der berühmteste und eitelste Sophist der Zeit, durch den πάσης … τῆς Ἰωνίας οἷον μουσείου πεπολισμένης ἀρτιωτάτην ἐπέχει τάξιν ἡ Σμύρνα, καθάπερ ἐν τοῖς ὀργάνοις ἡ μαγάς (Phil, p. 29, 23). H. hatte Polemon wohl schon bei der Einweihung des Olympieions in Athen gehört, zu welcher Feier Polemon von Hadrian als Festredner berufen worden war (Phil. p. 44, 18). Jetzt suchte H. Polemon feierlich und offiziell auf. Philostrat gibt p. 47, 19ff. nach einem Briefe des H. selbst an Varus (p. 48, 10) eine genaue Schilderung dieser ξυνουσία, wie Polemon nach der begrüßenden Umarmung sich zu H.s Verwunderung sofort bereit erklärt, sich vor and für H. hören zu lassen, wie H. von den drei Vorträgen des Polemon den ersten mit Kritik, den zweiten mit Liebe, den dritten mit Bewunderung anhört, wie H., um dem Wettkampf mit Polemon, dem er sich offenbar nicht gewachsen fühlte, zu entgehen, Smyrna heimlich verließ, wie H. dem Polemon 150 000 Drachmen übersandte, Polemon diese Summe hochmütig [927] zurückwies und erst das Honorar annahm, als H. auf den Rat seines Munatius (s. o.) noch 100 000 Drachmen hinzufügte. Jedenfalls sah H. in Polemon (ὦ πάτερ redete er ihn an Phil. p. 47, 30) ein glänzendes, schwer zu erreichendes Muster (ὑπὲρ θαῦμα ἄγων p. 49, 19), seinen verehrten Lehrer (p. 50, 4. 71, 24): als H. in Athen eines der drei Polemonthemen behandelt hatte (Beseitigung der τρόπαια nach dem Friedensschluß am Ende des Peloponnesischen Krieges p. 49, 1 und 21), sagte er: τὴν Πολέμωνος μελέτην ἀνάγνωτε καὶ εἴσεσθε ἄνδρα (p. 49, 22); als man in Olympia H. pries: εἶς ὡς Δημοσθένης, erwiderte er bescheidentlich: εἴθε γὰρ ὡς ὁ Φρύξ (p. 49, 23).

H. sagt (bei Phil. p. 50, 4) selbst, er sei Polemons Schüler gewesen ἤδη παιδεύων, also hatte er wohl bereits vor der Zeit des asiatischen Aufenthaltes in Athen begonnen, als Lehrer der Beredsamkeit tätig zu sein, und nach der Rückkehr aus Asien nahm er diese Tätigkeit wieder auf. In diesen jüngeren Jahren gehörten zum engsten Kreise von H.s Schülern wohl jene drei, mit denen er sich am Jagdvergnügen zu ergötzen pflegte, Achilleus, Polydeukes, Memnon (letzterer war nach Philostrat. v. Apoll. III 11 p. 91, 11 ein Aithiopier, in der Jugend mit einem mondförmigen glänzenden Fleck auf der Stirn; allerdings heißt der Name hier Μένων), die nach Philostrat (p. 66, 23) καλοὶ μάλιστα καὶ ἀγαθοὶ ἦσαν γενναῖοι τε καὶ φιλομαθεῖς καὶ τῇ παρ’αὐτῷ τροφῇ πρέποντες. Als diese Jünglinge, die H. also in seinem Hause aufzog, starben, betrauerte er sie, wie seine eigenen Kinder, τροφίμους ὄντας. Überall, in Wäldern, auf Feldern, an Quellen, im Schatten der Platanen errichtete H. Standbilder seiner Lieblinge, θηρώντων καὶ τεθηρακότων καὶ θηρασόντων. Diese Schilderung Philostrats wird für Polydeukes durch die Inschriften bestätigt, mag also im ganzen auf Wahrheit beruhen. Wir haben die Inschrift des Standbildes, das H. dem Polydeukes im Tempel der Nemesis in Rhamnus errichtete (CIA III 811 [ψηφίσματι τῆς] βουλῆς καὶ τοῦ δήμ[ου τοῦ Ῥαμνο]υσίων Ἡρώδης Βιβού[λ]λιον Πολυδευκίωνα Ἱππ[αρχου υἱὸν ἐκ τῶν ἰδ]ίων, ὁ τρέφας καὶ φι[λ]ήσας ὡς υἱόν, τῇ Νεμέ[σει], ᾗ μετ’αὐτοῦ ἔθυεν,εὐ[με]νῆ καὶ ἀ[ε]ίμνηστον τὸν [ἑαυτοῦ πρό]φιμον; dazu 813 ὅτι ἐνθάδε καὶ περὶ θήραν εἶχον. 814 = (Kaibel Epigr. Gr. 1091 καὶ τούτοις λουτροῖσι συνωμειλήσαμεν ἄμφο, nach (Kaibels Ergänzung. CIG I 989 = 1090 Kaibel ταῖσδέ ποτ’ ἐν τριόδοις σὺν σοὶ ἐπεστρεφόμην). [1]H.s Mutter, Vibullia, schloß sich der Verehrung des neuen Heros an (CIA III 815. 816), ebenso H.s Freunde Λούκιος Ὀκτάβιος Ῥεστιτοῦτος Μαραθώνιος (CIA III 817) und Ἀσιατικὸς Λανπτρεύς (CIA III 818). Ferner Ἥρωα Πολυδευκίωνα … οἱ ῥαβδοφόροι (CIA III 810). Später erfuhr H. wegen dieses übertriebenen Kultus Vorwürfe seitens der Quintilier (s. u. S. 931, 64), und sofort spottete seiner der Philosoph Demonax, der ihm als Botschaft des Polydeukes aus der Unterwelt meldete: αἰτιᾶται σε, ἔφη, ὅτι μὴ ἤδη πρὸς αὐτὸν ἄπει (Lukian. Dem. 24).

Wann H.s Vater starb, ist nicht genau zu bestimmen, sicher aber vor 138, da H. noch unter Kaiser Hadrian ἀρχιερεὺς τῶν σεβαστῶν war (CIA III 478. 736. 1132; s. o. Bd. II S. 480), welches Amt vor ihm sein Vater verwaltet (CIA III 476. [928] 665. 668. 669–673; zweifelhaft ob Vater oder Sohn gemeint CIA III 485), er also nach dessen Tode übernommen hat. Der Vater, dessen Streben es allzeit gewesen, das athenische Volk durch splendideste Bewirtung bei guter Laune zu erhalten (Phil. p. 57, 27), hatte die testamentarische Bestimmung getroffen (Phil. p. 57, 25. Ziebarth Die Stiftung nach gr. Recht, Ztschr. f. vgl. Rechtswissensch. XVI 1903, 270), jeder (offenbar der lebenden) Athener solle jährlich eine Mine erhalten. Dieses Legat löste H. durch einmalige Stiftung von fünf Minen ab und ein (p. 58, 13), ließ aber bei den Bankhäusern den Empfängern auch die Schuldkontos der Väter und Großväter überreichen, so daß mancher wenig, mancher nichts erhielt, ein Verfahren, das die Athener dem H., trotz aller seiner späteren glänzenden Leistungen für die Stadt, niemals ganz verziehen haben. Wegen der anscheinend sehr lässigen Finanzwirtschaft der Freigelassenen seines Vaters zog H. diese zur Rechenschaft, und der Prozeß, bei dem er πᾶν κέντρον ἠρμένος τῆς ἑαυτοῦ γλώττης auftrat (p. 58r 10), ging auch günstig für ihn aus, obwohl man ihm schwerste Gewalttätigkeiten gegen die Freigelassenen und pietätloses Ignorieren väterlicher Wünsche vorwarf (Fronto p. 42; s. u. S. 930, 41).

Nach des Vaters Atticus Tode, also wahrscheinlich 138/9, fällt die glänzende Ausstattung des Panathenäenfestes seitens des H. Den größten Eindruck machte das Schiff mit dem kostbaren Peplos der Athene, das nicht von Stieren gezogen, wurde, sondern ὑπογείοις μηχαναῖς ἐπολισθάνουσα (= unsichtbare Maschinen, Phil. p. 59, 6) vom Kerameikos, scheinbar durch 1000 Ruder bewegt durch die Stadt fuhr παρὰ τὸ Πύθιον, οὗ νῦν ὥρμισται sagt Philostrat (p. 59, 10. Clausen 42). Entzückt vom Jubel der Athener und στεφανωθείς (p. 58, 28), versprach H., bei den nächsten Panathenäen die Festversammlung σταδίῳ λίθου λευκοῦ zu empfangen, und er ließ in der Tat in den nächsten vier Jahren das Stadion jenseits des Ilissos mit pentelischem Marmor ausstatten, ein Werk, ὑπὲρ πάντα τὰ θαύματα sagt Philostrat (p. 59, 2), θαῦμα δ’ἰδοῦσιν Pausanias (I 19, 6, dazu die Kommentatoren), von verschwenderischer Pracht (καί οί τὸ πολὺ τῆς λίθοτομίας τῆς Πεντέλῃσιν ἐς τὴν οἰκοδομὴν ἀνηλώθη) Paus. a. a. O.) bei riesigen Dimensionen: wie die 1870 unter Zillers Leitung erfolgten Ausgrabungen gelehrt haben, war es 204 m lang, 33 m breit und faßte 50 000 Menschen (Wachsmuth Stadt Athen I 695; ders. o. Suppl. I S. 191). Die Athener freilich dankten durch den Spott, das panathenäische Stadion heiße mit Recht so, da es erbaut sei ἐξ ὧν ἀπεστεροῦντο Ἀθηναῖοι πάντες (Phil. p. 58, 26).

Im J. 143 hat H. das Consulat bekleidet, zusammen mit C. Bellicius Torquatus, und zwar das eponyme der ersten Monate (Phil. p. 47, 24. CIL VI 32 520 = 2379. Ἐφημ. ἀρχ. III 1885 p. 152 nr. 28. IGSI 1055 b ein Brief des Kaisers vom 16. Mai 143 nach dem Consulat des H. und Torquatus datiert). Politische Bedeutung hatte das Consulat nicht mehr. Daß aber Kaiser Antoninus Pius dem H. die hohe Ehre der Ernennung zum Cos. Ordinarius zuteil werden ließ, hatte seinen Grund jedenfalls in dem nahen verwandtschaftlichen Verhältnisse, in dem des H. Gattin mit der kaiserlichen Familie stand. Wann H. die Ehe mit [929] Appia Annia Regilla Atilia Caucidia Tertulla (Pros. imp. Rom. I 79, 557, o. Bd. I S. 2315 Nr. 125) geschlossen hat, wissen wir nicht genau (νηπιάχῳ ἀγνώτε [Schultess 28, 27 statt ἀγνώτε] κακῶν ἔτι πάμπαν ἀπύστω Marcell. 16. darf nicht zu wörtlich genommen werden, die Ehe ist also nicht erst 143 oder später anzusetzen), wahrscheinlich nicht lange nach dem Tode seines Vaters: ein Erbe des gewaltigen Vermögens war doch wünschenswert. Also etwa 140 mag H. nach Rom gekommen sein, nicht viel später Regilla geheiratet haben; dazu stimmt, daß ihre älteste Tochter etwa 14-jährig war, als die Eleer in den J. 155–159 ihr Standbild in Olympia weihten (s. u). Im Gedichte des Marcellus wird Regilla (v. 2–3) gepriesen als Abkömmling πολυκτεάνων .... ἐξ Αἰνεαδάων Ἀγχίσεω κλυτὸν αἷμα καὶ Ἰδαίης Ἀφροδίτης, d. h. also als Römerin vornehmster Abkunft: in der Tat haben ihr Vater Appius Annius Trebonius Gallus (o. Bd. I S. 2278 Nr. 88, nach ihm hieß sie Appia Annia, wie Atilia Caucidia Tertulla nach der Mutter und deren Eltern) und ihr Großvater Appius Annius Gallus (o. Bd. I S. 2268 Nr. 49), beide das Consulat bekleidet (vgl. den Stammbaum o. Bd. I S. 2269f.). Zum Geschlechte der Annier gehörte aber auch die Gemahlin des Antoninus Pius, Annia Galeria Faustina (die ältere, o. Bd. I S. 2312 Nr. 120) wie ihr Neffe und Adoptivsohn M. Annius Verus, der spätere Kaiser Marcus Aurelius (o. Bd. I S. 2279 Nr. 94), der seine Adoptivschwester, die jüngere Annia Galeria Faustina (o. Bd. I S. 2313 Nr. 121) heiratete. Das unliebsame Rencontre früherer Jahre auf dem Ida (zwischen H. und Antoninus Pius) war also vergessen, H., der etwa 140–145 in Rom gelebt haben muß, stand jetzt im engsten Verkehre mit den Gliedern des ihm verwandten Kaiserhauses. Als Lehrer der Rhetorik hat H. die Adoptivsöhne des Kaisers unterrichtet, den damals noch im Knabenalter stehenden Verus (geb. 130, Hist. aug. Ver. 2, 5), wie den älteren M. Aurelius (Cass. Dio LXXI 35. Hist. aug. M. Ant. 2, 4), der in jenen Jahren noch mit heißem Bemühen, besonders bei Fronto, den rhetorischen Studien oblag. Mit ihm stand H. in freundschaftlichsten Beziehungen. Damals wird es gewesen sein, daß vom jungen Marcus oft an einem Tage drei Briefboten in H.s Villa sich einfanden (Phil. p. 70, 3, aus einem späteren Briefe des H. an Kaiser Marcus). H. wohnte mit seiner jungen Gattin in der wundervollsten Gegend der Kampagna: links vom dritten Meilenstein der Appischen Straße, diesseits des Grabes der Caecilia Metella lag der Landsitz, der auch das mit Mosaiken und Marmorstatuen geschmückte Nymphenheiligtum umschloß, das die Renaissance die Grotte der Egeria getauft hat (s. u.). Daß H. auch während dieses römischen Aufenthaltes, abgesehen vom Unterricht der kaiserlichen Prinzen, als sophistischer Rhetor tätig war, erkennen wir aus Philostrat, der (p. 74, 12) berichtet, Aristokles aus Pergamon, bis dahin peripatetischer Philosoph, sei durch mehrfaches Anhören von σχέδιοι λόγοι des H. in Rom zur Sophistik bekehrt worden. Und H. schätzte späterhin diesen seinen früheren Schüler so hoch, daß er bei langer Abwesenheit von Athen jenem nach Pergamon seine ganze Schülerschaft zu schicken pflegte (Phil. p. 74, 20; o. Bd. II S. 937 Nr. 19). Auch hier in Rom entging [930] aber H. nicht den Anfeindungen seiner athenischen Gegner. Aus dem III. Buche des Briefwechsels des Marcus mit seinem Lehrer Fronto (geschrieben nach Frontos Consulat, Sommer 143, vor Marcus’ Hochzeit 145, Mommsen Herm. VIII 1874, 211) erfahren wir, daß man Fronto als den gewichtigsten Anwalt neben andern (genannt werden von Fronto III 4 p. 43 drei sonst unbekannte Leute, Capreolus, Marcianus noster [jedenfalls nicht identisch, wie A. Mai wollte, mit dem Juristen Aelius Marcianus der Digesten, der nach 217 schreibt] und Villianus) in einem zu Rom zu verhandelnden Prozesse gegen H. gewonnen hatte. Dadurch wurde natürlich das freundliche Verhältnis zerstört, das vorher zwischen H. und Fronto bestanden hatte. Ein Zeugnis dafür ist der Brief des Marcus an Fronto (ad M. Caes. I 6, geschrieben vor I 8, worin sich Marcus als 22jährig bezeichnet, also vor dem oder im J. 143/4), in dem er ihm schreibt (p. 17): Horatius cum Polione mihi emortuus est. Id Herodes non aequo fert animo. Volo ut illi aliquid quod ad hanc rem attineat paucorum verborum scribas. Marcus suchte jetzt zu vermitteln: er hatte bereits H. mit Erfolg gebeten, Fronto in seiner Rede nicht zu reizen, und er bat nun, als der einzige, der das wagen könne, den Fronto (III 2 p. 41) – utrumque enim vestrum pro suis quemque meritis diligo – gleichfalls um rücksichtsvolle Behandlung (uti quam, honestissime negotium istud odiosissimum transigatur). Fronto verspricht (III 3), nichts extra causam, nichts über mores und vita des H. vorbringen zu wollen, erbittet sich aber Rat von Marcus, wie er das behandeln soll, quae in causa; sunt autem atrocissima (so zu lesen, Thes. l. L. II 1578, 3), und wir erfahren dann: dicendum est de hominibus liberis crudeliter verberatis et spoliatis, uno vero etiam occiso; dicendum est de filio impio et precum paternarum inmemore; saevitia et avaritia exprobranda: carnifex quidam Herodes in hac causa est constituendus. Es waren also dieselben Klagen, die H. schon in Athen in einen Prozeß verwickelt hatten: Nichteinhalten der väterlichen Bestimmungen, aber auch schlimme Gewalttätigkeiten wohl gegen die väterlichen Freigelassenen. Marcus rät daraufhin Fronto (III 5): omnia quae ad causam, quam tueris, adtinent, plane proferunda; quae ad tuas proprias adfectiones adtinent, licet iusta et provocata sint, tarnen reticenda. Fronto billigt das (III 6). Und so scheint denn in der Tat der Prozeß ohne ungünstiges Ergebnis für H. verlaufen zu sein (143/4). Marcus hat dann weiterhin zwischen H. und Fronto zu vermitteln gesucht (IV 2 p. 61 et Herodes te amat) und mit Erfolg: später versichert Fronto in Briefen an den Kaiser Marcus (ad Ant. imp. II 8 p. 111) und an Verus (ad Ver. II 9 p. 138; beide Briefe gleichzeitig geschrieben; der eine zitiert den andern, nach Verus’ Rückkehr aus dem Orient 166, Mommsen a. a. O. 215): Herodes summus nunc meus, quamquam extet oratio (die Anklagerede Frontos gegen H.). Wir besitzen sogar, nach Niebuhrs wahrscheinlicher Vermutung, ein Stück eines griechischen Trostschreibens, das Fronto dem H. wahrscheinlich nach dem Tode seiner Gattin sandte (epist. Gr. 3 p. 243). In die Jahre des römischen Aufenthaltes wird auch H.s Fürsorge für das apulische Canusium gehören. Der wasserarmen (Hor. [931] sat, I 5, 91) Stadt schuf er eine Wasserleitung (Phil. p. 60, 1); unter Antoninus Pius wurde Canusium zur Kolonie erhoben (sie heißt seitdem colonia Aurelia Augusta Pia Canusium, CIL IX 344. Huelsen o. Bd. III S. 1502), vielleicht unter Leitung des H. Ob dieser persönliche Beziehungen zu Canusium hatte, etwa durch Grundbesitz, wissen wir nicht.

Nach der Heimkehr nach Athen, die man sich durch den unliebsamen Prozeß mit veranlasst denken wird, nahm H. seine Lehrtätigkeit wieder auf. Unterbrochen wurde sie durch die Besuche der berühmten griechischen Heiligtümer und Feste, die wir zumeist nicht mit völliger Sicherheit auf bestimmte Jahre festzulegen vermögen. Eine Inschrift im alten Tempel des Apollon Ptoios bei Akraiphiai in Boiotien (vgl. o. Bd. II S. 64. Paus. IX 23, 6) zu Ehren der Tochter des H., Elpinike (Bull. hell. XVI 1892, 464), läßt auf H.s Anwesenheit daselbst und reiche Spenden irgendwelcher Art für das ehrwürdige Heiligtum schließen. Den Delphiern hat H. gelegentlich einer pythischen Panegyris, der er wohl als Vertreter Athens präsidierte, Ausbau (oder Wiederherstellung) des Stadion in Stein versprochen (Phil. p. 59, 28 ἀνέθηκε δὲ καὶ τῷ Πυθιῷ τὸ Πυθοῖ στάδιον. Paus. X 32, 1; er gibt, in Verwechslung mit dem athenischen Stadion, auch für das delphische pentelischen Marmor als Baumaterial an; die Sitze bestehen in Wahrheit aus Kalkstein vom Parnaß; Bull. hell. XXII 1898, 564). Die Inschrift einer Statuenbasis ist erhalten (Bull. hell. I 1877, 409), gesetzt dem als Kind gestorbenen Sohne des H. Regillus vom Vater selbst, aber ψηφισαμένης τῆς πόλεως τῆς Δελφῶν, und eine zweite, die des H. eigenes Bild trug, die errichtet hat ἡ πόλις ἡ Δελφῶν φιλίας καὶ [φιλο]ξενίας ἕνεκα (Foucart Rev. de philol. XXV 1901, 91; der Bau des delphischen Stadion von v. Hiller o. Bd. IV S. 2581 falsch in die hadrianische Zeit verlegt). Um welche Pythienfeier es sich handelt, läßt sich dadurch einigermaßen sicher bestimmen, daß bei dieser Gelegenheit H. mit den Quintiliern in Streit geriet. Diese wegen ihrer Eintracht berühmten Brüder (Cass. Dio LXXII 5, 4. Ammian. XXVIII 4, 21) ἄμφω τῆς Ἑλλάδος ἠρχέτην (Phil. p. 67, 11), und zwar Sex. Quintilius Condianus als Proconsul, der Bruder Sex. Quintilius Valerius Maximus als sein Legat (Prosop. imp. Rom. III 116) diese ihre Amtstätigkeit in Achaia fällt in die Jahre vor ihrem gemeinsamen Consulate (151). 147 war eine Pythienfeier: bei dieser können die Quintilier das Rencontre mit H. gehabt haben (falls es nicht bei einer späteren Pythienfeier war, bei der die Quintilier nicht mehr als Beamte, sondern als Privatleute zugegen waren): ἑτεροδόξως τῆς μουσικῆς ἠκροῶντο sagt Philostratos (p. 67, 5), offenbar eine Differenz im Geschmacksurteil: gewiß trat H. seinen altertümelnden Neigungen entsprechend für die noch einfachere Weise des älteren Πύθιος νόμος ein, während die Quintilier modernere Virtuosenmusik bevorzugten (vgl. Friedländer Sittengesch. III8 359ff.). Auch sonst gab es Differenzen: während ihrer Amtszeit tadelten die Quintilier H. wegen der massenhaften Standbilder für seinen Polydeukes und Genossen (Phil. p. 66, 31), was H. abwies: τί δὲ ὑμῖν, ἔφη, διενήνοχεν, εἰ ἐγὼ τοῖς ἐμοῖς ἐμπαίζω λιθαρίοις; auch ein Witzwort [932] des H. wurde kolportiert; er sagte zu Marcus Aurelius, der die Quintilier sehr hochschätzte: ἐγὼ καὶ τὸν Δία μέμφομαι, ὅτι τοὺς Τρῶας φιλεῖ (Phil. p. 67, 7; die Familie der Quintilier stammte nämlich aus Alexandreia Troas). Der wahre, ernstliche Grund der Streitigkeiten des H. mit diesen höchsten kaiserlichen Beamten in Griechenland war aber, wie schon Philostrat (p. 67,10) hervorhebt, daß die Quintilier in einer athenischen Volksversammlung allgemeine Klagen über H.s tyrannisches Wesen sich anhörten, auch darüber – wenn auch zunächst erfolglos – an den Kaiser Antoninus Pius berichteten und dadurch den Anfeindungen des H. seitens mancher athenischer Kreise neue Nahrung gaben. – Korinth bedachte H. mit einem gedeckten Theater (ὑπωφόριον θέατρον Phil. p. 59. 23), wohl identisch mit dem von Pausanias (II 3, 6) erwähnten ᾦδεῖον, das an der vom Markt nach Sikyon führenden Straße oberhalb der Glaukequelle lag (Curtius Peloponnesos II 1852, 531 u. 592), von dem 175 m nordwestlich vom Apollontempel dürftige Reste erhalten sind; H. ersetzte durch seinen Neubau ein älteres θέατρον, das bei Polyb. V 25 und Plut. Arat. 23 erwähnt wird. Die Grabungen der Amerikaner haben die Basis einer Statue der Regula zu Tage gefördert (Richardson Amer. Journ. of archaeol. II Ser. IV 1900, 204; die Inschrift S. 235. VI 1902, 306. Powell ebd. VII 1903, 43 nr. 21: [ν]εύματι Σισυφίης βουλῆς παρὰ χεύματι πηγῶν Ῥηγίλλαν μ’ ἐσορᾶς εἰκόνα σωφροσύνης. Ψ(ηφίσματι) Β(ουλῆς). Zu Σισυφίης βουλῆς vgl. Theocr. XXII 158. Antip. Anth. Pal. IX 151, 4. Paus. V 2, 2) bei der altberühmten Peirenequelle (Eur. Med. 69 σεμνὸν … Πειρήνης ὕδωρ), deren Wasser in Akrokorinth entsprang (Paus. II 5, 1), wo die obere Peirene liegt (Plin. n. h. 4, 11; vgl. Göttling Archäol. Ztg. II 1844. 326), und es ist eine wahrscheinliche Vermutung, daß H. die Marmorverkleidung, von der auch Pausanias (II 3, 3) spricht, für die Peirene gestiftet und an den unbedeckten viereckigen Vorhof die drei mit Halbkuppeln überwölbten Nischen angebaut hat (Abbildung der Fassade nach der Ausgrabung bei Richardson 1900, 230, Grundriß 1902 Taf. XI). In Eleusis ist eine Inschrift gefunden (Ἐφημ. ἀρχ. 1894, 204 nr. 30 = Dittenberger Syll. 395), mit der die Korinther das Standbild des H., des υἱὸς Ἑλλάδος aus Dankbarkeit weihten; das bedeutet nicht ‚ein echter Hellene‘ und gilt schwerlich dem jungen H. (wie Dittenberger und Schultess 5 vermuten; von Verdiensten des Vaters Atticus um Korinth ist auch gar nichts bekannt), sondern der Ausdruck preist H., den Wohltäter Griechenlands und Korinths, seiner damaligen Hauptstadt, als Sohn von ganz Hellas, der er durch seine Verdienste geworden, nicht bloß seiner Heimat Athen (es ist das der Stein, der auf der entgegengesetzten Seite die Hipparchosinschrift trägt, s. o., die durch die Weihung der Korinther ersetzt wurde). Besonders schmückte H auch das isthmische Heiligtum am Saronischen Golf: im Innern des Tempels ließ er ein gewaltiges Werk, das letzte der Goldelfenbeinkunst, aufstellen: ein Wagen, den ein Viergespann zog, trug Poseidon und Amphitrite, begleitet von zwei Delphinen, auf deren einem Palaimon als Knabe gebildet war (Paus. II 1, 7); das gleiche Werk [933] hat Philostrat im Sinne (p. 59, 25): τὰ Ἰσθμοῖ ἀγάλματα ὅ τε τοῦ Ἰσθμίου κολοσσός καὶ ὁ τῆς Ἀμφιτρίτης καὶ τὰ ἄλλα, ὧv τὸ ἱερὸν ἐνέπλησεν, οὐδὲ τὸν τοῦ Μελικέρτου (= Palaimon) παρελθῶν δελφῖνα. Den Plan, den korinthischen Isthmos zu durchstechen, den Nero vergeblich zu realisieren versucht hatte (Cass. Dio LXIII 16. Hertzberg II 115; vgl. auch des ältesten Philostratos Dialog Νέρων, der vom Isthmosdurchstich seinen Ausgang nimmt, an dem der eine der Unterredner, der Philosoph Musonios, selbst teilgenommen haben sollte, vgl. Münscher Philol. Suppl. X 549), soll H. (nach Phil. p. 60, 10) nur aufgegeben haben, (ὡς μὴ διαβληθείη διανοίας δοκῶν ἅπτεσθαι ᾗ μηδὲ Νέρων ἤρκεσεν. Dafür, daß H. den Plan ernstlich erwogen, hat Philostrat (p. 60, 12) als Gewährsmann einen Athener Ktesidemos, der mit H. zusammen über den Isthmos fuhr; als Ktesidemos der Reden und Taten des H. gedachte, ὡς οὐκ ἐχόντων ὑπερβολὴν ἑτέρῳ, meinte H., das sei alles vergänglich φθαρτά; der Isthmosdurchstich sei aber ein έργον ἀθάνατον καὶ ἀπιστούμενον τῇ φύσει, doch setzte er resigniert hinzu: δοκεῖ γάρ μοι τὸ ῥῆξαι τὸν Ἰσθμὸν Ποσειδῶνος δεῖσθαι ἢ ἀνδρός. Von der realen Bedeutung der Frage abgesehen, war das Thema H. aus der Rhetorenschule bekannt (Quintil. inst. III 8, 16 coniectura est, an Isthmos intercidi … possit, vgl. auch Hermog. p. 207, 16 Sp. κατατρέχει Χερρόνησον Φίλιππος γράφει Δημοσθένης διορύξαι τὸν Ἰσθμόν. Dasselbe bei Longin. p. 206, 13 Hammer).

Vor allem aber ist H. in Olympia gewesen und da bei den Festen als Redner aufgetreten. Dort wars, daß man ihn mit Demosthenes verglich, und er bescheidentlich erwiderte: εἴθε γὰρ ὡς ὁ Φρύξ (Phil. p. 49, 25, nämlich der Asianer Polemon; zur Bezeichnung ‚Phryger‘ vgl. Kaikilios’ Schrift Κατὰ Φρυγῶν, Dion. Hal. de ant. or. p. 4, 16 Usener), dort nannte man ihn ἕνα τῶν δέκα, worauf er ἀστειότατα erwiderte: Ἀνδοκίδου μὲν βελτίων εἰμί. (Phil. p. 72, 13). Dort erreichte er, daß seine Frau Regilla zur Priesterin der Δημήτηρ Χαμύνη (o. Bd. IV S. 2727, 18) erwählt wurde, der einzigen Frau, der es gestattet war, von einem marmorgeschmückten Ehrenplatze gegenüber dem der Hellanodiken den olympischen Spielen zuzuschauen (Paus. VI 20, 6. Inschriften von Olympia = Ergebnisse Textband V S. 610), dort ersetzte er aus Dankbarkeit die alten Bilder der Demeter und Kore im Tempel jener Demeter, der auf dem Hübel an der Ostseite des Stadion lag (Paus. VI 21, 1), durch neue aus pentelischem Marmor (Paus. a. a. O. 2), dort versprach er im Namen seiner Frau, der Demeterpriesterin, Olympia mit Wasser zu versorgen, und er hat dies Versprechen bis zur nächsten Feier erfüllt. In den nördlichen Seitentälern des Alpheios ließ er das Wasser sammeln, durch einen Backsteinaquädukt über einen Bach, in bedecktem Kanal nach dem Abhange des Kronos hügels leiten. Von dort wurde das Wasser aus drei großen Sammelbecken den Springbrunnen und Bädern der Altis zugeführt. Der architektonische Abschluß des grandiosen Werkes war die Exedra des H., die, von Pausanias merkwürdigerweise nicht erwähnt, zwischen Heraion und Metroon gelegen (östlich schließen sich, etwas zurückliegend, die Schatzhäuser, als erstes das der Sikyonier, an), vor Beginn [934] der Ausgrabungen allein mit ihren gewaltigen Resten über den Erdboden emporragte (vgl. Olympia, Ergebnisse, Textband II 1892, 134ff [F. Adler] und Taf. LXXXIIIff.). Den vorderen Teil der zweiteiligen Anlage bildete ein im Niveau der Altis liegendes, fast 22 m langes, über 3 m breites 1,20 m tiefes Wasserbassin, dessen Brüstung einen marmornen Stier (1,60 m lang) von sehr mäßiger Arbeit trug, der sein Haupt zum Stoße senkte, mit dem Schweife die linke Flanke schlug, während die rechte in roten Buchstaben gemalt die Inschrift trug: Ῥήγιλλα, ἱέρεια Δήμητρος, τὸ ὕδωρ τῷ Διί. Rechts und links war das Becken flankiert von je einem kleinen 8säuligen Rundtempel (3,80 m Durchmesser), die im Innern unter flachem Kegeldache je eine etwas überlebensgroße Statue (vielleicht Götter, Asklepios und Hygieia, oder Zeus und Hera) beherbergten. Hinter diesem Vorbau, 1,70 m erhöht, im Niveau der Schatzhausterrasse, liegt der Hauptbau, eine Halbkuppel, an den Seiten von niedrigen Flügelmauern begrenzt, die die Rundtempel von hinten und an der Seite umgeben. Eine halbkreisförmige, von außen mit acht Strebepfeilern gestützte, über 3 m hohe Grundmauer (innerer Durchmesser über 161/2 m) trägt ein Gewölbe, eine Viertelskugel, im Innern mit Kassetten geschmückt. Den Fußboden erfüllt ein halbkreisförmiges Bassin, das sein Wasser in das vordere, tiefer liegende ergießt. Boden und Wände mit Marmor bedeckt. Die Wände des Halbrunds mit überlebensgroßen Marmorbildern der Glieder des Kaiserhauses und der Familie des H. geschmückt, deren Trümmer besprochen sind Olympia, Ergebnisse, Textband III 2, 1897, 260ff. (die Bildwerke aus der Exedra des H. Atticus), dazu Taf. LXVff., die Inschriften Textband V Abschnitt VII 613–628. Dargestellt waren auf acht Basen in den Achsen der Strebepfeiler stehend: Hadrian (1) und Sabina (2), der regierende Antoninus Pius (3) und seine Gattin, die ältere, bereits verstorbene Faustina (4; Inschrift 613), dann Marcus Aurelius (5) und die jüngere Faustina (6; Inschrift 614), dann auf einem Postamente (7) zwei Kinder Marc Aurels, seine älteste Tochter, die im J. 146 geborene Annia Galeria Aurelia Faustina und der älteste lebende Sohn T. Aelius Antoninus (Inschr. 615–616), endlich (8; Inschr. 618) Verus, damals noch unverheiratet (erst seit 161 mit Marc Aurels drittem Kind Annia Lucilla verlobt, 164 verheiratet). Zwischen den acht Nischen, geschmückt mit den Bildern der kaiserlichen Familie, blieben sieben breitere Wandflächen frei und davor standen auf je zwei Basen (also im ganzen 14) gleichfalls in Überlebensgröße die Standbilder der eigenen Familie des H., nominell von den Eleern, in Wahrheit sicher auch auf H.s Kosten aufgestellt: in der Mitte H. (1; Inschr. 622) und seine Gattin Regilla (2), allein als Stifterin eine Opferschale haltend (erhalten bis auf den in zwei Stücke zerbrochenen, halbverbrannten Kopf mit dem Kranze, Abbildung Textband III S. 276), links daneben beider ältere Tochter Elpinike (3, kleiner als Regilla gebildet, 1,86 m hoch, etwa 14jährig gedacht, Inschr. 624 = DittenbergerSyll. 401), neben ihr auf einer Basis (4) die kleine Athenais (etwas älter als Marc Aurels Tochter erscheinend) und Regillus als Schulknabe mit dem Scrinium [935] neben dem linken Fuße (Inschr. 625–626), dann folgten Regillas Vater Appius Annius Gailus (5; Inschr. 619), und ihre Mutter (6), sowie ihre beiden Großväter, der väterliche (7) Appius Annius Trebonius Gallus und der mütterliche M. Appius Atilius Bradua (8; Inschr. 620); rechts von H. stand sein ältester Sohn Atticus (9, Inschr. 623), anschließend H.s Eltern, Ti. Claudius Atticus (10) und Vibullia Alcia (11, Inschr. 621) und sein mütterlicher Großvater Vibullius Rufus (12; der väterliche Hipparchos, der Hochverräter, ist offensichtlich mit voller Absicht fortgelassen). Zwei weitere Inschriften, roh und unregelmäßig geschrieben, nennen Λ(ούκιος) Βιβούλλιος Ἵππαρχος (Inschr. 627), den Gatten der Tochter des H. Elpinike, und deren Tochter Athenais (Inschr. 628 Ἀθηναῖς Ἱππάρχου θυγάτηρ; die Existenz dieses Schwiegersohns des H. wird zu Unrecht bestritten von Foucart Rev. de philol. XXV 1901, 91, weil auch H. selbst die Namen Vibullius Hipparchus führte; wessen Tochter soll aber dann diese Athenais sein?); man sieht, diese beiden letzten Inschriften samt den zugehörigen Statuen des Schwiegersohns und der Enkelin sind später einmal eilig hinzugefügt worden. Schwierig ist die Frage, zu welchen Olympien H. in Olympia war, wann also die Wasserleitung versprochen und samt der Exedra vollendet wurde. Sicher steht: als H. die Wasserleitung versprach, war seine Frau Demeterpriesterin, und sicher war sie es nicht mehr Ol. 234: da war es nach Inschr. Olymp. 456, 1 Antonia Baebia, Tochter des Saimippos. Da nun die 211. Olympiade auf Wunsch Neros (Suet. Nero 23) statt 65 erst 67 n. Chr. begangen wurde, und diese Verschiebung der Olympiadenjahre wahrscheinlich weiterhin beibehalten worden ist (Nissen Rh. Mus. XL 358. XLIII 254), so fällt Ol. 234 ins J. 159 (nicht 157). Regilla kann also das Priesteramt der Demeter Chamyne nur vor 159 bekleidet haben. So wird folgende Chronologie wahrscheinlich: 151 besuchte H. die Olympien und setzte durch, daß seine Frau für 155 jenes Priesteramt erhielt, 155, als Regilla ἱέρεια Δήμητρος war, versprach er den Bau der Wasserleitung und hat sie bis 159 – wenigstens vorläufig – fertigstellen lassen. Wie rasch die Arbeit geleistet werden mußte, beweisen besonders die Statuen: es wurde den wahrscheinlich athenischen Künstlern nicht genügend Zeit gewährt, etwas wirklich Gutes zu leisten. Zu diesem chronologischen Ansatze stimmt sehr wohl das Alter der im Stein dargestellten Personen, die in Betracht kommen. Marc Aurels Gattin, die spätere Kaiserin Faustina die Jüngere (6), ist ganz jugendlich mädchenhaft gebildet, ihre Tochter (7 a) zeigt der Mutter ähnliche Züge, sie ist als ein etwa 10jähriges Mädchen gebildet: dies Alter und die Ähnlichkeit entstammt gewiß nicht der Phantasie des Künstlers, sondern entspricht den Tatsachen: 146 geboren war Marc Aurels älteste Tochter 155, als der Bau der Leitung beschlossen wurde, ein Kind von neun Jahren. Ganz Griechenland war entzückt, daß durch H. die jahrhundertelange Wasserkalamität beseitigt war, διότι καὶ ἐν τοῖς ἄλλοἰς εὖ ἐποίησε τὴν Ἑλλάδα καὶ ὕδωρ ἐπήγαγε τῇ Ὀλυμπίᾳ καὶ ἔπαυσε δίψει ἀπολλυμένους τοὺς πανηγυριστάς, nur der polternde Kyniker Peregrinus, der auch in Athen hinter H. her ἡμιβαρβάρῳ [936] γλώττῃ zu schimpfen pflegte (Phil. p. 71, 15), schalt, H. verweichliche die Griechen δέον τοὺς θεατὰς τῶν Ὀλυμπίων διακαρτερεῖν διψῶντας: fast steinigte man ihn darob, er flüchtete in den Tempel und revocierte 4 Jahre später (also 163) durch Vortrag eines ἔπαινος ὑπὲρ τοῦ τὸ ὕδωρ ἐπαγαγόντος zugleich eine ἀπολογία ὑπὲρ τῆς τότε φυγῆς; wieder 4 Jahre später (167) beging er seinen theatralischen Selbstmord in Olympia (Lukian. Peregr, 19–20).

Diese olympischen Feste zeigen H. auf der Höhe seines Ruhms und seines Glücks. Das glückliche Familienleben (eine Inschrift aus seinem marathonischen Landgute lautet Ὁμονοίας ἀθανάτ[ου] πύλη, Ἡρώδου ὁ χῶρος εῖς ὃν εἰσέρχε[αι] CIA III 403) ward aber jäh zerstört zunächst durch den Tod von zweien seiner Kinder, die vor der Mutter starben (Marcell. v. 13–15). Zuerst starb der jüngste Sohn Regillus (der volle Name L. Claudius Vibullius Regillus Herodes Olymp. 626 = Dittenberger Syll. 403 oder L. Vibullius Regillus Claudius Herodes Bull. hell. I 1877, 409 aus Delphi; o. Bd. III S. 2884, Nr. 374). Wieder wie nach dem Tode des Polydeukes erschien Demonax als tröstender Mahner: in dunklem Zimmer eingeschlossen saß H. in seinem Schmerz, da ließ Demonax als μάγος sich melden und versprach, des verstorbenen Kindes εἴδωλον herbeizuschaffen, falls H. ihm drei Menschen nennen könne, die noch nicht getrauert hätten (Lukian. Dem. 25). Bald folgte die kleine Athenais (voller Name Marcia Claudia Alcia Athenais Gavidia Latiaria Olymp. 625 = Dittenberger Syll. 402; o. Bd.III S. 2889 Nr. 400; von Phil. p. 65, 29 falsch Παναθηναίς genannt). Die Athener erwiesen ihr dem Vater zuliebe, außerordentliche Ehren: sie ließen sie ἐν ἄστει bestatten und strichen ihren Todestag aus dem Kalender, d. h. versetzten ihn unter die dies nefasti (ψηφισάμενοι τὴν ἡμέραν, ἐφ’ ἧς ἀπέθανεν, ἐξαιρεῖν τοῦ ἔτους p. 65, 30). H.s Schmerz war umso größer, da der ältere Sohn Atticus (der volle Name ist nicht sicher überliefert, nach Klebs wahrscheinlich Ti. Claudias Atticus M. Appius Atilius Bradua Regillus, o. Bd. III S. 2680 Nr. 87) ihm viel Sorge machte. Er lernte schwer. Die Buchstaben ihm einzuprägen,, soll H. ihm 24 Spielgefährten gegeben haben, benannt nach den Buchstaben des Alphabets (Phil., p. 66, 7). Je älter er wurde, umsomehr enttäuschte der dumme und dazu noch liederliche Sohn die ehrgeizigen Hoffnungen des Vaters.

Kummer und Sorge mochten den in all seinen Gefühlsäußerungen unberechenbaren Mann nervös überreizen, übellaunig und jähzornig machen: so ward er selbst schuld am größten Unglück seines Lebens. Sein Schwager Appius Annius Atilius Bradua, der 160 Consul gewesen war (s. o. Bd. I S. 2264 Nr. 32), behauptete wenigstens, H. habe den Tod seiner eigenen Frau Regilla verursacht durch eine Züchtigung mit Schlägen, die er aus nichtiger Ursache durch seinen Freigelassenen Alkimedon an ihr habe vollziehen lassen. Jedenfalls ist Regilla wohl noch im J. 160 bei der vorzeitigen Geburt eines sehnlichst erwarteten Kindes gestorben (Phil. p. 63, 20). H. war völlig verzweifelt: sein Haus wurde mit schwarzen Vorhängen und Teppichen, verhängt, sogar mit schwarzem lesbischem Marmor ausgeschlagen. Vergeblich suchte ihn der Philosoph [937] Lukios zum Maßhalten in der Trauer zu bewegen, vergeblich, bis er ihm den höhnischen Vorwurf machte – er hatte Diener weiße Rettiche für H. waschen sehen – ὰδικεῖ, ἔφη, Ῥήγιλλαν Ἡρώδης λευκὰς ῥαφανίδας σιτούμενος ἐν μελαίνῃ οἰκίᾳ (Phil. p. 64, 20ff.). Bei Lebzeiten seiner Gattin hatte H. sie mit Ehren überschüttet. Wie er ihr in Olympia das ehrenvolle Amt der Priesterin der Demeter Chamyne verschafft hatte, so war sie auch die erste Priesterin in dem von ihrem Gatten neben dem Stadion neugegründeten Tempel der Τύχη τῆς πόλεως (Dittenberger Syll. 307, eine Ehreninschrift der ἐν Πειρα(ε)ῖ πραγματευταί. Phil. p. 59, 11; Reste erkennbar auf dem im Westen das Stadion überragenden Ardettos). Im eleusinischen Demeterheiligtume hatte er, der ἐξηγητής (ein Amt, das früher den Eumolpiden allein zukam, in der Kaiserzeit aber auch von den Keryken, zu denen H. gehörte, verwaltet wurde), der Regilla Bild aufstellen lassen (Dittenberger Syll. 398): jetzt weihte er in Eleusis ihren Schmuck (Phil. p. 64, 13), nachdem er sie auf seinen Gütern in Kephisia oder Marathon in einem σῆμα … νηῷ ἴκελον (Marcell. 46, damit ist natürlich nicht das Odeion gemeint, wie 3. B. auch Kaibel annahm) beigesetzt hatte (IGSI 1392 = Syll. 399 τὸ γὰρ σῶμα ἐν τῇ Ἑλλάδι καὶ νῦν παρὰ τῷ ἀνδρί ἐστιν); bei Kephisia wurde die Inschrift CIA III 1417 gefunden, die Unterschrift eines Denkmals: Ἀππία Ἀννία Ῥήγιλλα Ἡρώδου γυνή, τὸ φῶς τῆς οἰκίας; darunter stehen dringende Warnungen an spätere Besitzer des Orts gerichtet, ja nichts daran zu ändern, unter Androhung göttlicher Strafe, und mit Ankündigung göttlichen Segens bei Einhalten des Gebots. Endlich errichtete H. in den nächsten Jahren seiner Frau zum ehrenden Gedächtnis den Prachtbau des Odeion, an der Südwestseite der Akropolis (vielleicht als Ersatz für einen älteren Bau gleicher Bestimmung, Paus. I 8, 6 und dazu die Komm.), das ἀξιολογώτατον seiner Art nach Paus. VII 20, 6 (der es in seiner Attika nicht behandelt, da bei deren Abfassung H. noch nicht ὑπῆρκτο τοῦ οἰκοδομήματος); Philostrat (p. 59,19) erwähnt die Bedachung aus Zedernholz, ἡ δὲ ὕλη καὶ ἐν ἀγαλματοπούαις σπουδαἰα. Es bot in 19 X 13 (?) Marmorsitzreihen Platz für 5–6000 Personen. In späteren Jahrhunderten vielfach als Festung benutzt, ward es seines Marmorschmucks entkleidet, der als Kalk verbrannt wurde, wie die Steine sonst verbaut wurden. Erhalten sind die riesigen Mauerreste der Fassade im römischen Rundbogenstil; das Innere, seit 1848 durch die archäologische Gesellschaft in Athen ausgegraben, bietet das Bild eines Theaters römischer Zeit (Schillbach Das Odeion des H. Att 1858. Tuckermann Das Odeum des H. Att 1868. Danach Ansicht der rekonstruierten Fassade und Grundriß bei Baumeister Denkmäler Taf. 67 S. 1744. Curtius Stadtgesch. von Athen 1891, 274).[2]

Noch bei Lebzeiten des Kaisers Pins († 7. März 161) ist H. bald nach seiner Gattin Tod nach Rom gereist Der Kaiser bot ihm gewissermaßen als Trost ein zweites Consulat an (Phil. p. 64, 11), H. lehnte ab. Da erhob der Kaiser H.s Sohn, den ungeratenen Atticus, durch Senatsbeschluß in den patrizischen Stand (Marcell. 23 αὐτὰρ ὁ ἀστερόεντα περὶ σφυρὰ παιδὶ πέδιλα δῶκεν [938] ἔχειν. IGSI 1392 = Dittenberger Syll. 399 τὸν ἐκ ταύτης παῖδα εἰς τοὺς εὐπατρίδας ἐν Ῥώμῃ ἐνέγρψεν Ἀντωνῖνος αὐτοκράτωρ, das bedeutet den Bang des Patriziers, den H. selbst nicht besaß, wohl aber die Familie seiner Frau Regilla, nicht, wie man annahm, die Würde eines Senators; Dittenberger Hermes XIII 79). Der Stein, der uns das berichtet, weihte das Landgut vor den Toren Roms im Tale der Caffarella, in dem H. die ersten glücklichen Zeiten seiner Ehe verlebt hatte, dem Andenken der Verstorbenen: Ἡρώδης μνημεῖον καὶ τοῦτο εἶναι τῆς αὑτοῦ συμφορᾶς καὶ τῆς ἀρετῆς τῆς γυναικός (IGSI 1392). Dort wurde auf 2 m hohem Säulenschaft das Bild der früheren Besitzerin errichtet mit der bilinguen Inschrift Ἀννία Ῥήγιλλα Ἡρώδου γυνή, τὸ φῶς τῆς οἰκίας, τίνος ταῦτα τὰ χωρία γέγοναν, Annia Regula H[e]rodis uxor lumen domus cuius haec praedia fuerunt (IGSI 1391; 1 das Griechische mit falschen Archaismen – τίνος, γέγοναν – ausgestattet. Die Echtheit des Steins, der um das J. 311 als 7. Meilenstein mit neuer Inschrift verwendet wurde, dann am Esquilin verbaut war, 1698 ausgegraben wurde und nunmehr im Kapitolinischen Museum sich befindet, wie des anderen Steins IGSI 1392, hat grundlos bezweifelt Buresch Triopeion, Herodes, Regilla, Rh. Mus. XLIV 489. Dagegen Huelsen Rh. Mus. XLV 284); wieder wird, wie bei der analogen Kephisiainschrift, der Götter Strafe herabgerufen auf den, der im heiligen Bezirk etwas ändert oder etwas daraus entfernt (IGSI 1390). Ein Heiligtum gründet H. darin: zunächst zwei Göttinnen, Δηώ τε νέη Δηώ τε παλαίη (Marcell. 6) sollen darin verehrt werden, daneben der alten Demeter Tochter Kore und die Hauptgöttinnen Attikas, Athene und die rhamnusische Nemesis (Clausen 36). Zweifellos ist die neue Demeter des Pius verstorbene Gattin, die ältere Faustina, die auch auf Münzen öfters als Ceres erscheint (nicht die jüngere Faustina, des Marcus noch lebende Gattin, an die Visconti dachte, das Richtige erkannte Heyse). Diesen Göttinnen allen wird Regilla, die da weilt in den Gefilden der Seligen οὐ μὲν γὰρ θνητή, ἀτὰρ οὐδὲ θέαινα τέτυκται, empfohlen ἀμφίπολον γεράων ἔμεναι καὶ ὀπάονα νύμφην. So besang Marcellus, den schon Visconti mit Recht identifiziert hat mit dem Verfasser des Fragments περὶ ἰχθύων aus Side, in zwei Gedichten (das zweite ohne Namen, der Technik nach jedenfalls vom gleichen Verfasser wie das erste) die Gründung dieses neuen Heiligtums in 59 (Demeter und Faustina) + 39 (Nemesis und Athene) Versen altertümlicher Form, die gleichfalls im heiligen Bezirk in Stein gegraben standen (1607 an der Appischen Straße gefunden, jetzt im Louvre, IG XV = IGSI 1389 = Kaibel Epigr. gr. 1046. Visconti Iscrizioni greche Triopee, ora Borghesiano, Rom 1794. Salmasius Duarum Inscr. vett Herodis Attici Rhetoris et Regillae coniugis honori positarum explicatio, Paris 1819. Bergau Philol. XXIV 404). Der ganze heilige Bezirk erhielt den merkwürdigen Namen Triopeion (δήμῳ ἐνὶ Τριόπεω Marcell. 49. IGSI 1390 ἐκ τοῦ Τριοπίου, ὅ ἐστιν ἐπὶ τοῦ τρίτου ἐν τῇ ὁδῷ τῇ Ἀππίᾳ ἐν τῷ Ἡρῴδου ἀργῷ), genannt nach dem thessalischen Heros Triopas, nach dem das Demeter-Heiligtum auf dem Τριόπιον ἀκρωτήριον [939] bei Knidos benannt war (Boeckh zu CIG I 26 p. 45. Clausen 1). Möglich, daß H. – wie z. B. Kaibel annahm – durch seinen Lehrer Theagenes aus Knidos mit jenem Heiligtume bekannt war; man darf auch daran erinnern, daß H. mehrere Jahre lang in Kleinasien als Beamter gelebt hatte. Der eigentliche Grund aber für die Gründung des Demeterheiligtums und seine Benennung nach einem anderen berühmten gleicher Art liegt doch darin, daß Regilla als Priesterin der Chamyne zur Demeter ja in besonders engen Beziehungen stand. Höchstwahrscheinlich haben ein paar an der Via Appia gefundene Karyatiden, die einen Kalathos auf dem Kopfe tragen (daß dieser speziell im Kulte der triopischen Demeter von Bedeutung war, lehrt Kallimachos hymn. VI 3), zu einem der Gebäude des Triopeions des H. gehört (nachgewiesen von Bulle Röm. Mitt. IX 1894, 134). [3]Und der Tempel der beiden Deo, der Demeter und Faustina, ein Backsteinbau ohne Marmorverkleidung, steht noch heute unweit der Egeriagrotte. Papst Paschalis I. (817–824) ließ ihn in eine Kapelle des Märtyrers und Apostels Urban umwandeln, der in den nahe gelegenen Katakomben des Praetextatus begraben ist. Darum sind die vier korinthischen Marmorsäulen der Vorhalle in die Fassade aufgenommen, Fenster und Glockentürmchen hinzugefügt. Im Innern sind unter dem mit Kassetten geschmückten Tonnengewölbe (nach denen man die der Exedra in Olympia rekonstruiert hat) an den Wänden noch heute die Namen Ceres Faustina Herodes Regilla zu lesen (Ersilia Caetani Lovatelli Il triopio e la villa di Erode Attico, Nuova Antologia LXVI 1896, 24. S. Urbano abgebildet z. B. bei Petersen Vom alten Rom = Berühmte Kunststätten I 1898, 100).

Während dieses römischen Aufenthalts hat nun auch vor dem Senat die Prozeßverhandlung stattgefunden, in der Klagesache des Schwagers Bradua, εὐδοκιμώτατος ὢν ἐν ὑπάτοις (Phil. p. 26, cos. 160) gegen H. auf Totschlag, verübt an seiner Frau. Bradua wußte jedoch (nach Philostrat) nichts Positives vorzubringen, betonte seine vornehme Abkunft und patrizische Würde, daß er für eine italienische Stadt sich wohltätig erwiesen: alles Punkte, die es H. leicht fiel zu übertrumpfen. Philostrat liegt H.s Verteidigungsrede selbst vor: er erklärte, keinen Befehl der Art dem Alkimedon, seinem Freigelassenen, gegeben zu haben, wies auf seine Trauer über den Tod seiner Gattin hin, die Weihung des θέατρον (des Odeion) ihr zu Ehren, die Berufung zum zweiten Consulate, die Weihung des Schmucks der Regilla in Eleusis: das alles seien Beweise seiner Unschuld. Das Urteil fiel auch für H. günstig aus. Es fehlte Bradua offenbar das positive Beweismaterial; aber eben das, was H. für sich als entlastend anführte, die übertriebene Fülle von Ehren, die er der verstorbenen Gattin weihte, macht durchaus den Eindruck, als habe er das Bedürfnis gehabt, die beleidigten Götter, vor allem die beleidigte Demeter zu versöhnen, sein Gewissen zu beruhigen.

Nach Athen zurückgekehrt (wir wissen nicht, ob vor oder nach dem Tode des Antoninus Pius) nahm H., nunmehr der berühmteste und gesuchteste Lehrer der Rhetorik an der Universität [940] Athen, seine Tätigkeit in weitem Umfange wieder auf. Das war die Zeit, wo A. Gellius als iuvenis (N. A. II 21, 1 und 4) wohl ein Jahr lang in Athen rhetorischen und philosophischen Studien sich widmete. Calvisius Taurus war es, an den er sich als philosophischen Lehrer anschloß (s.o. S. 924); in dessen Begleitung besuchte er die Pythien in Delphi (wohl 163, XII 5, 1); auch mit Peregrinus Proteus kam er in Berührung (XII 11, 1. VIII 3). H. aber nahm sich als großzügiger Mäcen seiner wie aller jungen, in Athen studierenden Römer an: accersebat saepe, nos cum apud magistros Athenis essemus, in villas ei urbi proximas me et clarissimum virum Servilianum compluresque alios nostrates, qui Roma in Graeciam ad capiendum ingenii cultum concesserant (I 2, 1), Gellius schildert in lebhaftesten Farben die herrliche Lage der H.-Villa in Kephisia (I 2, 2); als er dort am Fieber krank lag, kam sein und H.s Lehrer Taurus ihn besuchen (XVIII 10, 1). Er überliefert manchen interessanten Zug von der Art des Verkehrs mit H., wie dieser einem vorlauten, jungen Stoiker durch Vorlesen eines Epiktetabschnittes (Arrian. diss. II 19, 12ff.) gebührend den Mund stopft (I 2, 3–13), wie H. gegen die stoische ἀπάθεια polemisiert (XIX 12) ganz im Stile seines Lehrers, des Platonikers Taurus, wie er einem ruppigen Kyniker eine Gabe reichen läßt mit den Worten: demus, inquit, huic aliquid aeris, cuicuimodi est, tamquam homines, non tamquam homini, und wie er im Anschluß daran über den Unterschied des wahren und falschen Philosophen sich ausläßt (IX 2), Geschichten, die die feindselige Haltung dieser Kreise zur Philosophie illustrieren, besonders zum Kynismus und zur Stoa, die sogar einen Kaiser Marcus, für diese Leute unbegreiflicherweise, der Sophistik entfremdet hatte. Nichts zeigt deutlicher, welchen Ruf H. damals genoß, als die Lobsprüche, die Gellius ihm erteilt: er sagt, er habe ihn gehört Graeca oratione in qua fere omnes memoriae nostrae universos gratitate atque copia et elegantia vocunt longe praestitit (XIX 12, 1; vgl. IX 2, 1). Ergänzt wird Gellius’ Darstellung durch Philostrat. Aus der Masse der Schüler pflegte H., so berichtet sein Biograph, eine engste Auswahl von zehn der befähigtsten zu treffen, denen er ein Privatissimum zu halten pflegte, kurze Vorträge, bei denen das sonst übliche Spenden von Beifall verboten war, von nur 100 ἔπη, für die die Zeit durch die Klepsydra abgemessen wurde, weshalb das Privatissimum den Spitznamen Κλεψύδριον trug. Die eigentlichen Lehrstunden fanden ihre Fortsetzung beim Wein; auch da sollten aber ernsthafte Gespräche nicht fehlen,, darum nannte man die Klepsydriten spottweise διψῶντες (Phil. p. 97, 26). Auch Gellius spricht von diesen Symposiengesprächen (I 2, 4 plerumque in convivio sermones), bei denen H. seine Gäste und Zuhörer aus der Fülle seiner Kenntnisse belehrte. So ist es eine ansprechende, wenn auch nicht völlig sichere Vermutung (Rudolph Comment. Fleckeisenianae, Leipzig 1890, 211), daß der Mann, in dessen Hause Athenaios sein Sophistengastmahl spielen läßt, der seine Ehre darein setzt, in seinem Hause viele τῶν ἀπὸ παιδείας um sich zu versammeln, sie οὐ μόνον τοῖς [941] ἄλλοις, ἀλλὰ καὶ τοῖς λόγοις zu bewirten, durch Aufwerfen und Lösen von allerlei Problemen in sokratischer Weise, der, ein Freund des Kaisers Marcus, von diesem die Leitung τῶν ἱερῶν καὶ θυσιῶν erhalten hat, der beide Sprachen gleichermaßen beherrscht, der in den alten Gesetzen, besonders den religiösen außerordentlich bewandert ist, eine ganz hervorragende Bibliothek besonders älterer Werke besitzt (diese Züge alle aus Athen. I 4), daß eben dieser Larensios in Wahrheit niemand anders als H. sei: stutzig macht nur, daß dieser Λαρήνσιος, ἀνὴρ τῇ τύχη περιφανής, τοὺς κατὰ πᾶσαν παιδείαν ἐμπειροτάτους ἐν [τοῖς del. Herwerden] αὐτοῦ δαιτυμόνας ποιούμενοις so geflissentlich als Ῥωμαῖος bezeichnet und geschildert wird (Athen. I 1,1), was doch H. trotz seines Consulats und seiner mehrfachen längeren Aufenthalte in Rom nicht eigentlich war. Von jenem Klepsydrion gibt Philostrat noch interessante Schilderungen, wie eines der Mitglieder, es war Adrianos aus Tyros, einmal alle berühmten Sophisten imitierte, mit Ausnahme des H. selbst ὅτι, ἔφη, οὗτοι μὲν οἷοι καὶ μεθύοντι παραδοῦναι μίμησιν, Ἡρώδην δὲ τὸν βασιλέα τῶν λόγων ἀγαπητὸν ἢν ἄοινός τε καὶ νήφων ὑποκρίνωμαι (Phil, p. 90 im Leben des Adrianos); dem Adrianos erteilt denn H., wie er eine Stegreifrede von ihm angehört, das Lob κολοσσοῦ ταῦτα μεγάλα σπαράγματ’ ἄν εἴη (p. 91, 4). 18jährig trat Adrianos im Klepsydrion ein; da er im 80. Lebensjahre unter Commodus, spätestens 192 gestorben ist, war er spätestens 113 n. Chr. geboren (o. B. VII S. 2176), und somit fiel sein Eintritt ins Klepsydrion ins Jahr 131, was denn beweist, daß H. nicht erst in seinen späteren Jahren dieses Privatissimum eingeführt hatte (falls nicht in Philostrats Angaben über Adrianos ein Fehler steckt, Zweifel bereits geäußert von Kayser Ztschr. f. d. Altertumswiss. 1839, nr. 124, 995). Als Genossen des Adrianos im Klepsydrion werden von Philostrat genannt ein Skeptos aus Korinth (p. 90, 6. 79, 28) und Amphikles aus Chalkis (p. 90, 7. 84, 6), der einmal mit dem Sophisten Philagros ein Rencontre hatte, das zu einem Briefwechsel zwischen H. und Philagros, in dem dieser dem H. Vernachlässigung τῶν ἀκροατῶν κόσμου vorwarf (p. 84), und zur ἀπέχθεια führte. Diese beiden Klepsydriten sind keine berühmten Sophisten geworden wie ihr Kamerad Adrianos und der Kappadokier Pausanias, der gleichfalls zu diesem engsten Kreise gehört hatte (p. 97, 25). Sonst nennt Philostrat noch als Schüler des E. Chrestos den Byzantier (p. 94, 30 ἄριστα μὲν Ἑλλήνων ὑπὸ Ἡρώδου ἐπαιδεύθη, Ptolemaios aus Naukratis (p. 98, 28 Ἡρώδου ἀκροατὴς μέν, οὐ μὴν ζηλωτὴς ἐγένετο, ἀλλ’ ἐς τὸν Πολέμωνα μᾶλλον ὑπηνέχθη), Onomarchos aus Andros, bei dem die Schülerschaft nach Philostrats Meinung zu Unrecht bezweifelt wird (p. 101, 23); manche, wie Rufus von Perinth (p. 101, 9) und Aristeides der Smyrnäer (p. 86, 24. Suid. s. Ἀριστείδης) waren Schüler des H. in Athen wie des H.-Schülers Aristokles in Pergamon (s. o. S. 929, 60); dagegen war der Lykier Herakleides nach Philostrat nicht mehr H.-Schüler, sondern nur der jüngeren Generation Adrianos, Chrestos, Aristokles (p. 114, 32). Ein gewisser Φλ(άουιος) Μάκερ nennt den H. seinen φίλος und διδάσκαλος auf einer Ehreninschrift für H.s jung [942] gestorbene Tochter Athenais (CIA III 894 a). Und durch seine Schüler hat H. dann auf die folgende Sophistengeneration tiefgehenden Einfluß geübt (Zusammenstellung bei Schmid Atticism. I 1887, 201). In die letzte Zeit von H.s Tätigkeit fällt seine Begegnung mit dem Sophisten Alexander, dem Peloplaton (o. B. I S. 1459 Nr. 98). Von Marcus nach Paionien (= Pannonien) als Sekretär berufen, wo der Kaiser seit 166 stand, berührt Alexander Athen, lädt H., der mit der gesamten lernenden Jugend in Marathon weilt, brieflich zur Epideixis ein, H. erscheint inmitten des Vortrags, den arkadischen Reisehut auf dem Kopfe, hört die Deklamation zu Ende mit an und überbietet darauf den Alexander, dessen eigene asianische Manier imitierend, derart, daß Alexander ausruft ὦ Ἡρώδη, τεμάχιά σου ἐσμὲν οἱ σοφισταὶ πάντες. Und H., sehr empfänglich für dies Lob, schenkt Alexander übertrieben reiche Gaben (Phil. II 5, 3). Nicht immer ohne Gehässigkeit und Neid scheint H. dafür gesorgt zu haben, daß ihm die Stellung des ersten der Sophisten, des βασιλεὺς τῶν λόγων, gewahrt blieb. Die Aristeidesscholien wissen wenigstens davon zu erzählen (Arist. III 7881 Dind.), daß H. seinen eigenen Schüler Aristeides habe verhindern wollen, seinen Panathenaikos vorzutragen, was dieser nur durch die List erreichte, daß er H. statt des berühmten großen Kunstwerkes ein kümmerliches Machwerk zeigte (ἀναθέμενος αὐτῷ), von dem H. voll Schadenfreude einen Mißerfolg des Aristeides erhoffte. So hat H. auch dem Philagros, mit dem er allerdings auch sonst Differenzen hatte, dadurch eine böse Falle gelegt, daß er ihm dasselbe Thema stellte (οἱ παραιτούμενοι τὴν τῶν ἀκλήτων συμμαχίαν, das Philagros in Asien bereits in einer publizierten Melete behandelt hatte, sodaß nun δοκοῦντι αὐτοσχεδιάζειν ἀντανεγιγνώσκετο ἡ μελέτη (Phil. p. 85, 9). In seiner Stellung als Lehrer der athenischen Jugend hat H. auch eine Stiftung für die Epheben gemacht: statt der bisher üblichen schwarzen Mäntel stiftete er ihnen, zunächst für die πομπή nach Eleusis, weiße (Phil. p. 59, 12. CIA III 1132 = Dittenberger Syll. 407; da nach dieser Inschrift Verus noch lebt und die Regenten die Beinamen Ἀρμενιακοί Παρθιανοί führen, steht die Zeit der Stiftung in den J. 166–169 fest), in Wahrheit wohl mit dieser Neuerung zum alten Brauche vergangener Zeiten zurückkehrend; wenigstens scheint das allerdings nicht ganz verständliche Fragment des Varronischen Sesculixes (462 Bücheler): ubi nitidi ephebi veste pulla candidi modeste amicti (cultus) pascunt pectore weiße Ephebenkleidung für eine frühere Zeit zu bezeugen. Aus Dankbarkeit feierten die Epheben H. zu Ehren in Eleusis Kampfspiele (nach dem Ephebenverzeichnisse Ἐφημ. ἀρχ. 1893, 71, 83: οἱ τὸν ἐπὶ Κλαυδίῳ Ἡρώδῃ πρῶτον ἀχθέντα ἐν Ἐλευσῖνι ἀγῶνα τοὺς παρευτάκτους νικήσαντες, vom Herausgeber Lolling etwa 167 angesetzt; Maass Orpheus 1895, 40 Amn.). In dieselbe Zeit etwa gehört die Iobakcheninschrift (Athen. Mitt. XIX 248 = Dittenberger Syll. II 737): dieser orphische Kultverein gibt sich in Hoffnung auf kommende glückliche Zeiten neue Statuten, nachdem Aurelios Nikomachos, der bisher 40 Jahre lang ἀντιερεύς und ἱερεύς gewesen ist, das Priesteramt τῷ κρατίστῳ Κλα(υδίῳ) Ἡρῴδῃ übertragen [943] hat εἰς κόςμον καὶ δόξαν τοῦ Βακχείου: es ist eine sehr wahrscheinliche Vermutung von Maass (a. a. O. 37), daß der neue Priester, unter dem die Kultgenossen einen neuen Aufschwung ihrer Gemeinschaft erhoffen (νῦν εὐτυχεῖς, νῦν πάντων πρῶτοι τῶν Βακχείων rufen sie Z. 26), niemand anders war als unser H., der hier wie in der Ephebeninschrift CIA III 1132 als κράτιστος bezeichnet wird.

So war H.s Leben an äußeren Ehren reich, aber im eigenen Hause verfolgte ihn nach wie vor das Unglück. Auch seine älteste Tochter Elpinike, die einen Verwandten L. Vibullius Hipparchus geheiratet und H. eine Enkelin Athenais geschenkt hatte (s. o S. 935, 14), starb wahrscheinlich an der Pest im J. 167. Verzweifelnd warf sich H. auf den Erdboden, jammernd τί σοι θύγατερ καθαγίσω; τί σοι συνθάψω; der Philosoph Sextus war jetzt sein Tröster: μεγάλα, ἔφη, τῇ θυγατρὶ δώσεις ἐγκρατῶς αὐτὴν πενθήσας. Jetzt konnte H., da sein einziger noch lebender Sohn Atticus sich mehr und mehr nur Wein und Weibern widmete, mit Grund klagen: εἶς δ’ ἔτι που μωρὸς καταλείπεται εὐρέι οἴκῳ (eine parodische Umbildung des Odysseeverses IV 498 εἶς δ’ ἔτι που ζωὸς κατερύκεται εὐρέι πόντῳ; Phil. p. 66, 17). Er hat dem Sohne später nur das mütterliche Erbteil hinterlassen; trotzdem aber ist dieser Atticus im J. 185 Consul und auch unter Commodus Archon in Athen gewesen (Pros. imp. Rom. I 348, 640). Eines aber hat H. trotz allem nicht gewinnen können: die Liebe seiner Athener, trotz der großen Stiftungen, die H. gerade für Athen gemacht hatte (auch einen Athenatempel hat er im Demos Myrrinus restauriert, ἐπεσκεύασεν, CIA III 69, gefunden in vico Merenda). Aber seit die Quintilier (s. o. S. 932,5) sich der Athener Beschwerden angehört und darüber nach Rom berichtet hatten, ist die Opposition gegen H. nicht mehr verstummt. Von persönlichen Differenzen und Rivalitäten abgesehen bot anscheinend die auch unter H., wie unter seinem Vater, einreißende Freigelassenenwirtschaft, unter deren Willkür die Athener schwer litten, Grund zu wohlbegründeten Klagen. Philostrat nennt (p. 67, 19) als des H. besondere Gegner den Demostratos (s. o. B. V S. 192 Nr. 13; Archon von 151/2?), den (Aelius) Praxagoras, der nach den Inschriften (CIA III 676. 679. 907. 1283, dazu Dittenberger p. 141; Archon von 139/40 und 155/6?) Daduchos und des Demostratos Schwiegervater war (beide stammten aus dem Gau Melite) und den Mamertinos (Archon von 167/8?). Man hoffte nun wohl auf Erfolg beim Kaiser Marcus mit einem Vorgehen gegen H.: man sprach von Intriguen des Verus gegen Marcus, und H., der dem Verus, als er nach dem Orient zog, gar lässig, sich überall nach Möglichkeit amüsierend (Hist aug. Ver. 6, 9 apud Corinthum et Athenas inter symphonias et cantica navigabat) trotz seiner Verlobung mit Marcus 14jähriger Tochter (s. o. Bd. III S. 1841), gastliche Aufnahme in seinem Hause gewährt hatte (Phil. p. 68, 22), verfiel dem gleichen Mißtrauen (Phil. p. 67, 26 ὥν γὰρ ὑπώπτευσε Λούκιον … οὐδὲ τὸν Ἡρώδην ἠφίει τοῦ μὴ οὐ ξυμμετέχειν αὐτῷ). Vielleicht stand mit der Feindschaft gegen H. schon in Zusammenhang ein Prozeß des Demostratos gegen einen gewissen Asclepiodotus, in dem Demonstratio Petilianus [944] (die Identität der Personen hat richtig angenommen Klebs Prosop. imp. Rom. I 358) sich von Fronto die Gerichtsrede schreiben ließ. Fronto übersendet die Rede mit anderen auf Veranlassung des Marcus dem Verus (ad Ant. imp. II 8 p. 111; ad Ver. II 9 p. 137, beide Briefe gleichzeitig geschrieben, nach Verus Rückkehr aus dem Orient 166), sehr bestürzt darüber, daß der angegriffene Asclepiodotus von Marcus non improbari, aber in der Hoffnung, der Angegriffene werde sein Freund werden trotz der Veröffentlichung der Rede, wie H. es geworden sei trotz der Publikation der früheren Anklagerede Frontos. Anlaß und Ausgang des Prozesses ist im übrigen unbekannt. In Athen suchte man den Statthalter vergeblich zum Vorgehen gegen H. zu bewegen, da erfolgten in einer Volksversammlung in Athen so heftige Angriffe gegen H., daß dieser selbst sich entschloß, Klage gegen die Angreifer beim Praetor zu erheben (ἦγεν ἐπὶ τὴν ἡγεμονίαν 67, 23). Die Gegner aber eilten zum Kaiser Marcus (Verus war inzwischen 169 am Schlage gestorben), der sich in Sirmium befand (169/70 und 173/5; s. o. Bd. I S. 2297. 2299; beide Jahre sind denkbar), und H. mußte ihnen dahin folgen. Demostratos war das Haupt der Gegner. Sein Helfer war ein früherer Schüler des H. selbst, der Sophist (Iulius) Theodotus (Melitensis), ein Verwandter des Demostratos, der zwar nicht öffentlich gegen H. auftrat, aber durch Anfertigen der Reden τοῖς ἀμφὶ τὸν Δημόστρατον beistand (Phil. v. soph. II 2). Und die Rede des Demostratos, in der τὸ ἐμβριθὲς ἐκ προοιμίων ἐς τέλος διήκει τοῦ λόγου, muß sogar Philostrat höchlichst bewundern (ἐν θαυμασίοις δοκεῖ p. 71,4). H., noch besonders erschreckt und bestürzt über den durch Blitzschlag erfolgten Tod der beiden Töchter seines Freigelassenen Alkimedon, die er wie seine Töchter liebte und auf der Reise in seiner Begleitung hatte, führte seine Anklage ungeschickt: er machte dem Kaiser Vorwürfe (wörtliches Zitat bei Phil. p. 68, 22 ταῦτά μοι ἡ Λουκίου ξενία, ὃν σύ μοι ἔπεμψας • ὅθεν δικάζεις, γυναικὶ με καὶ τριετεῖ παιδίῳ καταχαριζόμενος; Mutter und Kind sollten für die Athener gebeten haben), so daß der Praefect Bassaeus fo. Bd. III S. 103, Nr. 2) ihm mit dem Tode drohte, worauf H. mit dem stolzen Worte ὦ λῴστε, γέρων ὀλίγα φοβεῖται die Gerichtsstätte verließ. Marcus behielt seine unerschütterliche Ruhe, hörte voll tiefster Bewegung die weitere Verteidigung der beklagten Athener an; besonders wirkte die Verlesung des Protokolls jener Volksversammlung, in der gegen H. der Vorwurf erhoben wurde, die ἄρχοντες τῆς Ἑλλάδος bestochen zu haben (ὑποποιουμένου πολλῷ τῷ μέλιτι p. 69, 6). Und Marcus sprach nicht nur die beklagten Athener frei, sondern verurteilte die Freigelassenen des H. κολάσει χρησάμενος ὡς οἷόν τε ἐπιεικεῖ; nur jenem Alkimedon erließ er sie, der durch den Tod seiner beiden Töchter genug gestraft schien. Auf der Heimreise erkrankte H. in Orikon in Epirus, das infolgedessen seine Gunst erfuhr (p. 59, 32 ᾤκισε δὲ καὶ τὸ ἐν Ἠπεῖρῳ Ὠρικὸν ὑποδεδωκός ἤδη). Im Anschluß daran suchte er wohl die Thermopylenbäder auf, die auch von ihm reicher ausgestattet wurden (p. 59, 30). Dia Gegner machten aus dem Aufenthalt in Orikon eine Verbannung. Philostrat widerlegt das besondere mit dem Hinweis [945] darauf, daß bald eine Aussöhnung zwischen Marcus und H. zustande kam. [4]H. hatte nach der Heimkehr in Kephisia und Marathon seine gewohnte Lehrtätigkeit wiederaufgenommen (p. 69, 28) ἐξηρτημένης αὐτοῦ τῆς πανταχόθεν νεότητος, οἳ κατ’ ἔρωτα τῶν ἐκείνου λόγων ἐφοίτων Ἀθήναζε. Von dort schrieb er an den Kaiser, der gegen Avidius Bassus (175) gezogen war (ihm schrieb H. Ἡρώδης Κασσίῳ ἐμάνης Phil. p. 70, 31), einen Brief οὐκ ἀπολογίαν ἔχουσαν, ἀλλ’ ἔγκλημα (p. 69, 32): er fragte gesucht naiv, weshalb der Kaiser nicht mehr so oft wie früher an ihn schreibe. Und der unendlich gütige Marcus, der eben seine Gattin verloren hatte (176), antwortete seinem alten Lehrer, ihn anredend χαῖρε μοι φίλε Ἡρώδη, mit der Bitte, ihm jenes notwendige Urteil nicht nachzutragen, und der Ankündigung, er wünsche durch H. in die eleusinischen Mysterien eingeweiht zu werden. Als dann der Aufstand glücklich niedergeschlagen war, erschien Kaiser Marcus, nach einem Besuche bei Aristeides in Smyrna, wirklich selbst in Athen (176): wie versprochen, ließ er sich unter Assistenz des H., des Keryken, in die Mysterien einweihen (der eigentliche μυήσας war Λ. Μέμμιος ἐπὶ βωμῷ Θορίκιος , Dittenberger Syll. I 411), hörte mit Bewunderung H.s Schüler Adrianos, der inzwischen bereits die kaiserliche rhetorische Professur erhalten hatte, an Stelle des Theodotos, den Marcus früher ohne H.s Zutun damit betraut hatte (Phil. p. 73, 31), und überschüttete ihn δωρεαῖς τε καὶ δώροις, die Philostrat im einzelnen aufzählt (93, 11), und als der Kaiser jetzt die Universität Athen mit vier neuen kaiserlichen Lehrstühlen für je einen Platoniker, Stoiker, Peripatetiker und Epikureer ausstattete, überließ er die Auswahl der geeigneten Persönlichkeiten seinem alten Lehrer und Freunde H. (Phil, p. 73, 28. Hertzberg II 410. Wachsmuth Stadt Athen I 700). So hat noch einmal der volle Glanz kaiserlicher Freundschaft und Gnade auf H.s greisem Haupte geruht — die Gegnerschaft war verstummt. Bald darauf ist er 76 jährig, συντακὴς γενόμενος, an der Schwindsucht gestorben (177 oder 178) in Marathon, seinem Geburtsorte (p. 73, 3). Dort wollte er auch begraben sein, so trug er seinen Freigelassenen auf: aber das ließen die Athener nicht zu. Hatten sie so oft im Leben ihn getadelt, jetzt war das alles vergessen: man fühlte, daß man seinen größten Wohltäter verloren hatte. Die Epheben, denen eine seiner letzten Stiftungen gegolten, trugen seine Leiche zur Stadt (ἁρπάσαντες sagt Phil. p. 73, 6). Jung und alt zog der Bahre entgegen, weinend und klagend ὅσα παῖδες χρηστοῦ πατρὸς χηρεύσαντες. Im panathenäischen Stadion, das er so kostbar geschmückt hatte, wurde er beigesetzt (die Lage des Grabes ist nicht genau zu bestimmen; Wachsmuth Stadt Athen I 240; Reste der Unterbauten auf einer Höhe östlich neben dem Stadion?). Das Grab trug die kurze Inschrift: Ἀττικοῦ Ἡρώδης Μαραθώνιος, οὗ τάδε πάντα, κεῖται τῷδε τάφῳ πάντοθεν εὐδόκιμος (Phil. p. 73, 12). Sein Schüler Adrianos hielt ihm die Grabrede, die die Athener von neuem zu Tränen rührte (p. 91, 8).

H. ist wohl die interessanteste und bedeutendste Persönlichkeit der II. Sophistik. Wirklich Bedeutendes hat er geleistet als Bauherr. [946] Mit schier unerschöpflichen Geldmitteln hat er an allen Orten, die er in seinem Leben berührte, sich als Gönner und Mäcen in großartiger Weise betätigt durch kostbare Schmuckanlagen, durch Restauration und Ausschmückung von Tempeln, durch Theaterbauten, durch Herstellung von Wasserleitungen größten Stils. Außer der Menge der schon genannten Werke sagt Philostrat noch von H. (p. 60, 3) ὤνησε δὲ καὶ τὰς ἐν Εὐβοίᾳ καὶ Πελοποννήσῳ καὶ Βοιωτίᾳ πόλεις ἄλλο ἄλλην (IG IX 1 = IGS 732 ein Stein aus Korkyra von der Basis des Denkmals eines Epheben Nymphios, des Nymphios Sohn, den H. als τὸν υἱὸν τοῦ φίλου ehrt ψηφισαμένης τῆς βουλῆς Κορκυραίων. Einen Freund, einen geborenen Marathonier [CIA III 3] ehrte H. auf Beschluß der Stadt Athen durch ein Standbild φιλίας ἕνεκεν Φλ. Δωρόθεον στρατηγήσαντα καὶ ἀγωνοθετήσαντα τῶν μεγαλῶν Ἐλευσινίων [CIA III 663; vgl. III 61,33]). Mit diesen Aufgaben, die er Architekten, Künstlern und Handwerkern in so überwältigender Fülle stellte, daß man die Hast, mit der gearbeitet werden mußte, um alle Aufträge zu erledigen, heute noch spürt, übertrifft H. die freigebigsten, wohltätigsten Privatleute, auch die Herrscher seiner Zeit wie vielleicht aller Zeiten. Was dieser υἱὸς Ἑλλάδος für viele, besonders die großen Kultstätten seines Vaterlandes in frommem, religiösem Eifer, der so ganz zur Stimmung der Zeit mit ihrer Sorge um das Heil der Seele paßte, getan hat (Maass Orpheus 1895, 35), davon legen die Trümmer noch heute lautes Zeugnis ab. So wird man Philostrat zustimmen, wenn er (p. 55, 24) H. rühmt, er habe am besten von allen Menschen den Reichtum gebraucht; und das sei keine leichte, vielmehr eine gar schwere Sache; durch H. sei der blinde Reichtum sehend geworden und habe gesehen auf Freunde, Städte und Völker; H. habe es als seinen Grundsatz ausgesprochen, dem Bedürftigen zu geben, damit er nicht mehr bedürftig sei, und dem nicht Bedürftigen, damit er nicht bedürftig werde; ungenützten Reichtum habe er toten Reichtum genannt, aufgespeicherte Schätze des Reichtums Gefängnisse. H. war der größte Wohltäter ganz Griechenlands, daß er aber trotzdem von den Athenern, die er nicht etwa weniger mit Wohltaten bedacht hat als andere, nie recht geliebt worden ist, hatte seinen guten Grund. Sie verglichen H. mit seinem Vater: der hatte den süßen Pöbel sich gewonnen durch Hekatomben und allgemeine Speisungen, hatte noch in seinem Testamente alle seine Athener reich beschenkt: ihm hat darum die Stadt Athen (CIA III 3. 665), ihm haben alle athenischen Phylen Standbilder errichtet εὐνοίας ἔνεκεν καὶ εὐεργεσίας τῆς εἰς τὴν πατρίδα (CIA III 669ff.) — H. haschte nicht nach solcher Popularität, er schmeichelte dem Demos nicht. Wohl gab auch er, aber er verlangte Anerkennung für das, was er tat, Ehrerbietung und Achtung für seine Leistungen und Erfolge: man sollte in ihm den ersten Mann der Stadt sehen und respektieren. Das machte ihn nicht bloß beim gemeinen Mann, auch bei den Gebildeten, vor allem auch bei den Kollegen unbeliebt. Dazu kam die ganze Art seines Wesens, das Schwankende, Impulsive, Nervöse in seinem ganzen Tun und Lassen: maßlos war er im Betätigen seiner Freude, gleich maßlos [947] in den Ausbrüchen seines Schmerzes, wenn Leid ihn traf; einmal hart und streng den Rechtsstandpunkt betonend, dann wieder schwach und nachgiebig den ihm nahestehenden Freigelassenen gegenüber; seine nächste Umgebung bald in übertriebener Schwärmerei vergötternd, bald im Jähzorn an ihr Gewalttätigkeiten verübend; in rührender Liebe hängend an seinen Kindern, aber über den ungeratenen Sohn, der dem Ehrgeize des Vaters nicht genug tat, heftig klagend und scheltend, seine Frau über alles verehrend und vergötternd, dabei in unsinnigem Jähzorn der ungewollte Mörder seiner Frau. Wahrlich, kein abgeklärter Charakter war dieser H.; es mochte schwer sein, mit diesem unsympathischen Menschen zu verkehren, schwerer ihn zu lieben — und den Athenern, die ihn allzu genau kannten, hat letzteres nie gelingen wollen. Gern würden wir die Züge dieser seltsamen Persönlichkeit kennen lernen. Aber trotz der Menge der Standbilder, die man ihm gesetzt und die er wohl sich selbst gesetzt hat, keines davon ist erhalten. Die H.-Statue der Exedra ist nicht unzweifelhaft sicher bestimmt, und derjenigen, die man für sein Bild hält, fehlt der eingezapfte Kopf samt den angesetzten Armen (Olympia, Ergebnisse, Testband III 273). Zweifelhaft bleibt auch, ob eine in Probalinthos bei Marathon gefundene, jetzt im Louvre befindliche Büste den H. darstellt: ,ein Mann etwa in den Fünfzigen, mit noch vollem, lockig in die Stirn fallendem Haar und etwas ungepflegtem, nicht sehr langem Bart, ziemlich steiler Stirn, zurücktretender Unterlippe und auffallend kurzem Kinn, mit intelligentem Ausdruck. Der Kopf rechts abwärts gerichtet auf Büste mit griechischer Gewandung (Unter- und Oberkleid), die Nase neu'. Für H. spricht, daß die Büste zusammen mit solchen des Marcus und Verus gefunden wurde, und der Fundort Marathon (natürlich kann es kein Grab gewesen sein, nur ein Denkmal), und so meint Bernouilli (Gr. Ikonographie II 1901, 207): ,ein mögliches Anrecht auf den H.-Namen wird man der Büste einstweilen nicht absprechen können'.

Zwar hat H. gelegentlich dem Gefühl Ausdruck gegeben, daß alle seine λόγοι und ἔργα doch φθαρτά und χρόνῳ ἁλωτά seien (Phil. p. 60, 23), aber wie er der größte Bauherr seiner Zeit war, so war er auch der berühmteste und bekannteste σοφιστής seiner Zeit. Seinen zahlreichen Schülern war er der βασιλεύς τῶν λόγων (Phil. p. 90, 28; vgl. Gell XIX 12, 1), und im ganzen und großen haben seine Zeitgenossen ihn als solchen anerkannt wie die nachfolgenden Sophistengenerationen. Philostrats Biographie ist ein Enkomion auf diesen König der Sophisten und zugleich eine Apologie gegen all das, was man seitens der Gegner und Neider gegen H. vorgebracht hatte. Denn auch an Tadlern des Sophisten H. hat es natürlich nicht gefehlt. Er wußte es selbst (Phil. p. 60, 25) τοὺς λόγους ἡμῶν τοιχωρυχοῦσιν ἕτεροι ὁ μὲν τὸ μεμφόμενος, ὁ δὲ τό. Σιτευτὸν ῥήτορα nannten ihn οἱ ὀλιγωροί τε καὶ λεπτοί (p. 72, 17), und sie haben damit einen hervorstechenden Zug seines Wesens bezeichnet. Die ganze Sophistik schaute ja zurück auf die großen Zeiten der Vergangenheit. In romantischer Verklarung sah man das Entschwundene. Mit schönen Worten [948] wenigstens hoffte man es den großen Männern der Vorzeit gleichzutun. Und gerade die Besten haben sich mit heißem Bemühen in die Werke der Vorzeit versenkt, in der Hoffnung, sie durch μίμησις zu erreichen. So war H. vor allem, wenn man so sagen will, ein gelehrter Mann, unermüdlich tätig, sein Wissen zu bereichern: εὐμαθέστατος δὲ ἀνθρώπων γενόμενος οὐδὲ τοῦ μοχθεῖν ἠμέλησεν, ἀλλὰ καὶ παρὰ πότον ἐσπούδαζε καὶ νύκτωρ ἐν τοῖς διαλείμμασι τῶν ὕπνων, drum eben schalt man ihn den gemästeten Redner. Und so ist es bemerkenswert, daß unter den Titeln seiner Werke, die Philostrat überliefert, neben den rein sophistischen solche stehen, die den Polyhistor kennzeichnen: ἐφημερίδες (Tagebücher), werden genannt, ἐγχειρίδια (Handbücher, vgl. Gell. praef. 7): Notizensammlungen, Kollektaneen seiner Lektüre mag man sich darunter denken (wie sie uns in Athenaios Deipnosophisten stilisiert vorliegen), endlich καίρια wobei vielleicht nicht sowohl an Blumenlesen zu denken ist (es sind nicht κηρία wie Gellius praef. 6 solche Blütenlesen benennt) als an Extemporalia, nachgeschriebene Improvisationen (Schmid Berl. philol. Wochenschr. 1904, 1552). Und von all diesen Werken sagt Philostrat (p. 72, 24): sie boten τὴν ἀρχαίαν πολυμάθειν ἐν βραχεῖ ἀπηνθιςμένα. Eine ausgebreitete Lektüre, zu der er durch den philosophisch-grammatischen Unterricht seiner Lehrer Munatius und Theagenes angeleitet war, bildete also die Grundlage seiner Redekunst. Eine große Bibliothek war dabei ein selbstverständliches Erfordernis (vgl. Athen. I 4 p. 3 A über Larensios: καὶ βιβλίων κτῆσις αὐτῷ ἀρχαίων Ἑλληνικῶν τοσαύτη ὡς ὑπερβάλλειν πάντας τοὺς ἐπὶ συναγωγῇ τεθαυμασμένους); Favorin, der Polyhistor, schenkte H. testamentarisch seine Bibliothek (Phil. p. 10, 6). Auch die Philosophie war ihm durch seinen Lehrer, den Platoniker Taurus, vertraut, wenn er sich auch gegen Stoa und Kynismus ablehnend verhielt. Wir finden Philosophen wie Sextus (Phil. p. 66, 3), Lucius, des Musonius Schüler (Phil. p. 64, 20), und Demonax (Lukian. Dem. 24. 25) in seinem Verkehre. Philologie und Philosophie stehen bei H. in engster Verbindung mit der Rhetorik, bilden deren Grundlage. Von den Reden abgesehen bildete einen Hauptteil seines literarischen Nachlasses seine Korrespondenz: ἐπιστολαὶ πλεῖσται Ἡρώδου sagt Philostrat p. 72, 23, und was Philostrat daraus gelegentlich zitiert (auch die Briefe der Adressaten lagen mit publiziert vor. wie die des Marcus p. 70, 10 u. a.; man mag sie sich wie Frontos Briefe nach den Adressaten geordnet denken), ist schon oben angeführt. Kap. 7 aber der Biographie Philostrats ist noch besonders hervorzuheben, als Auszug eines Briefes des H. an einen gewissen Iulianus (ἐν μιᾷ τῶν πρὸς Ἰουλιανὸν ἐπιστολῶν), offenbar denselben Mann, der in Frontos Briefen mehrfach als Freund des Marcus und Fronto vorkommt (ad M. Caes. IV 1 p. 59. IV 2 p. 60; ad amic. I 17 und 18 Cl. Juliano). Diesem erzählt H. in seinem Briefe eine reizende Geschichte, so ganz passend zur romantisch-sehnsüchtigen Stimmung der Zeit, die für ein einfaches naturgemäßes Landleben schwärmt H. will mit einem Naturburschen (ὂν ἐκάλουν οἱ πολλοὶ Ἡρώδου Ἡρακλέα sagt Philostrat), zusammengetroffen [949] sein, der, einem Kelten ähnlich, acht Fuß groß, täglich wilde Tiere (die es zwar in Attika gar nicht mehr gab), bezwingt, sich nur von Milch nährt, die das attische Landvolk ihm bereitwillig liefert, der durch diesen Verkehr mit den attischen Bauern das feinste Attisch gelernt hat, der über Kulturerrungenschaften wie die pythischen Spiele mit ihren dramatischen und gymnischen Wettkämpfen (er hat sie sich von einem Parnaßfelsen mal aus der Ferne angesehen) spottet; H. lädt ihn zu Gast, aber entrüstet geht der Naturmensch davon, da er dem großen Milcheimer es sofort anriecht, daß er von Weiberhand gemolken, was er ausdrücklich als geschworener Weiberfeind sich verbeten hatte; und da sich das als richtig herausstellt, erkennt H. (ὡς δαιμονία φύσις εἴη περὶ τὸν ἄνδρα, diesen (Ἀγαθίων, wie das Volk ihn nennt, des Heros Marathon leiblichen Sohn. Diesen humorvollen Schwank vom Herakles-Agathion hat H. frei erfunden nach dem Urbilde, das die Erzählungen über Sostratos boten, von dem bereits Plutarch quaest. symp. IV 1, 1 als einem Verstorbenen spricht (ὅν φασι μήτε ποτῷ χρησάμενον ἄλλῳ μήτ’ ἐδέσματι πλὴν γάλακτος διαβιῶσαι πάντα τὸν βίον) und den der Verfasser des Δημώνακτος βίος, doch wohl Lukian (Funk Philol. Suppl. X 559ff.; über Sostratos 639. Die Einwendungen Sinkos Eos XIV 1908, 135f. sind nicht stichhaltig), in einer besonderen Schrift behandelt haben will, den kraftstrotzenden Heraklesmenschen dem in Demonax verkörperten Sokrates-Diogenesideal gegenüberstellend: dabei ist die Behauptung Lukians (Dem. 1), er habe den Sostratos-Herakles selbst gekannt, ebenso Fiktion wie die des H. bez. seines Agathion (Reitzenstein Hellenistische Wundererzählungen, 1906, 70. Abzulehnen de Jong Sertum Nabericum 1908, 185, der Iulianbrief des H. sei nur eine Fiktion des Philostrat, weil die Inhaltsangabe Philostratischen Stil zeige. Münscher Bursians Jahresb. CXLIX 119). Ein Urteil über H. als Stilisten in seinen Briefen finden wir in dem Briefe des jüngeren Lemniers Philostratos über den ἐπιστολικὸς χαρακτὴρ τοῦ λόγου, gerichtet an den Sophisten Aspasios (Münscher Philol. Suppl. X 1907, 510), II p. 257f. Kayser. Da figuriert H. unter den Musterepistolographen neben Apollonios von Tyana und Dion den Philosophen, Brutus dem στρατηγός, Marcus dem Kaiser, als Vertreter der Sophisten, doch wird das Lob ῥητόρων ἄριστα ....ἐπέστελλεν eingeschränkt durch den Zusatz ὑπεραττικίζων δὲ καὶ ὑπερπλαλῶν ἐκπίπτει πολλαχοῦ τοῦ πρέποντος ἐπιστολῇ χαρακτῆρος.

Einseitiger, übertriebener Attizismus wird hier H. in seinen Briefen vorgeworfen. Attizismus ist in der Tat das letzte, höchste Ziel, das H. in seiner Redekunst angestrebt hat. Dazu sollte das Studium der Alten, das er selbst betrieb und von andern verlangte, dienen, daß man völlig in der Sprache einer mehr als ein halbes Jahrtausend zurückliegenden Zeit, der der großen attischen Prosaliteratur, reden lernte. Mit dieser Forderung, kein Wort zu gebrauchen, das nicht hei einem Attiker belegt ist (als dem Philagros ein ἔκφυλον ῥῆμα entschlüpft ist, fragt der H.-Schüler Amphikles ihn recht naseweis παρὰ τίνι τῶν ἐλλογίμων τοῦτο εἴρηται; aber Philagros entgegnet stolz παρὰ Φιλάγρῳ Phil. p. 84, 11), setzt [950] sich H. in Gegensatz zu der Mehrzahl der sonstigen Sophisten seiner und der voranliegenden Zeit, die sich zumeist noch nicht so ängstlich an den Attizismus klammerten, die moderne, blühende, besonders von den Kleinasiaten gepflegter Redeweise bevorzugten. Das Emporblühen der ἐκλογαὶ ὀνομάτων, der attizistischen Lexika in den letzten Jahrzehnten des 2. Jhdts., beweist, welchen durchschlagenden Erfolg H. mit seiner neuen Lehre hatte Schmid Attizismus I 204ff. Doch wenn auch ἀττικίζειν das letzte Ziel, so verschmähte es H. keineswegs, gelegentlich im Stile eben dieser anderen, eines Polemon mit seinem ῥοῖζος, zu reden. Den Alexander Peloplaton überbietet er mit einer Leistung in seinem asianischen-Stile (Phil. p. 80, 4). Mit seinem εἴθε γὰρ ὡς ὁ Φρύξ in Olympia bekennt er, es einem Asianer wie Polemon gleichtun zu können, noch nicht aber einem der großen Attiker wie Demosthenes. Diese seine Vielseitigkeit ist besonders bestaunt worden : Ailianos, des H.-Schülers Pausanias ἀκροατής, bewunderte ihn ὡς ποικιλώτατον ῥητόρων (Phil. p. 123, 31). Und auch Philostrat erklärt ἄλλος μὲν οὖν ἄλλο ἀγαθός καὶ ἄλλος ἐν ἄλλῳ βελτίων ἑτέρου, ὁ μὲν γὰρ σχεδιάσαι θαυμάσιος, ὁ δὲ ἐκπονῆσαι λόγον, ὁ δὲ (H.) τὰ ξύμπαντα ἄριστα τῶν σοφιστῶν διέθετο καὶ τὸ παθητικὸν οὐκ ἐκ τραγῳδίας μόνον, ἀλλὰ κἀκ τῶν ἀνθρωπίνων συνελέξατο (p. 72, 18). Der letzte Satz beweist, daß H., wo nötig, auch das gewaltige Pathos zeigte, das er der Tragödie und dem Menschenleben selbst abgelauscht. Davon spricht Philostrat nicht in der allgemeinen Charakteristik von H.s Stil, mit der er doch wohl ein Bild von der Hauptmasse seiner Reden bezüglich ihres Stils zu geben versucht. Da heißt es (p. 71, 30): die ἁρμονία (= σύνθεσις) war hinreichend vorsichtig, die δεινότης mehr sanft einnehmend (ὑφέρπουσα als gewaltig eindringend (ἐγκειμένη), der volle Ton (κρότος) war verbunden mit Schlichtheit (ἀφέλεια), sein Wohllaut (ἠχώ) κριτιάζουσα, reich, wie bei keinem andern die Erfindung der Gedanken (ἔννοιαι οἷαι μὴ ἑτέρῳ ἐνθυμηθῆναι), die scherzende Anmut (κωμικὴ εὐγλωττία) nicht gesucht (οὐκ ἐπέσακτος), sondern aus dem Gegenstand sichergebend; lieblich war seine Bede (ἡδύς), mit vielen Figuren schön und abwechslungsreich geschmückt (πολυσχήματος καὶ εὐσχήμων καὶ σοφῶς ἐξαλλάττων), nichts Heftiges darin, alles sanft und gesetzt (τὸ πνεῦμά τε ού σφοδρόν, ἀλλὰ λεῖον καὶ καθεστηκός), kurz die ganze (ἰδέα τοῦ λόγου wie Goldsand aus dem Silberstrom hervorschimmernd (χρυσοῦ ψῆγμα ποταμῷ ἀργυροδίνῃ ὑπαυγάζον). Von alledem ist wohl das Wichtigste und eigentlich Charakteristische: keine gewaltige demosthenische δεινότης war zumeist bei H. zu finden, sondern schlichtere, einfachere Töne: κριτιάζουσα ἠχώ. Nicht sowohl die großen Redner des 4. Jhdts. waren seine liebsten Muster, sondern die noch einfacheren, schlichteren des ausgehenden 5. Jhdts.; nicht bloß Attizismus, Archaismus war sein Ziel, den er sogar auf seinen Inschriften gelegentlich betätigt (s. o. S. 938, 20. Fülles 30); drum sagt Philostrat des weiteren (p. 72,7) προςέκειτο μὲν γὰρ πᾶσι τοῖς παλαιοῖς, τῷ δὲ Κριτίᾴ καὶ προσετετήκει καὶ παρήγαγεν αὐτὸν ἐς ἤθη Ἑλλήνων τέως ἀμελούμενον καὶ περιορώμενον. [5]Von den beiden Charakteristiken des Stils des Kritias, die wir haben, [951] betont die des Hermogenes π. ἰδ. p. 415, er sei σαχὴς ἅμα τῷ μεγέθαι καὶ εὐκρινής, die des Philostratos selbst (vit. soph. I 16, 4) liefert mehr Züge, die zu der Stilcharakteristik des H. passen: die Fülle der γνῶμαι wird betont, er liebte es παραδόξως μὲν ἐνθυμηθῆναι, παραδόξως δ’ ἀπαγγεῖλαι, Kürze des Ausdrucks, das Asyndeton waren für ihn charakteristisch, im Attizismus war er nicht allzu ängstlich (ἀττικίζοντα οὐκ ἀκρατῶς οὐδὲ ἐκφύλως) seine Erhabenheit (σεμνολογία) nicht dithyrambisch, nicht mit poetischen Wörtern geschmückt, sondern ἐκ τῶν κυριωτάτων συγκειμένη, vom πνεῦμα seiner Eede heißt es, ganz ähnlich wie bei H., ἐλλιπέστερον μὲν, ἡδὺ δὲ καὶ λεῖον, ὥσπερ τοῦ Ζεφύρου ἡ αὔρα. Sein Urteil über H.s Stil mit Proben zu belegen, hat Philostrat nicht für nötig gehalten. Und was wir gelegentlich über H.s Beredsamkeit bei ihm hören, ist nicht viel. Seine Rede vor Gericht gegen die Freigelassenen seines Vaters wird kurz charakterisiert (p. 58, 12 ἡ κατηγορία, ἣν πεποίηται σφῶν πᾶν κέντρον ἠρμένος τῆς ἑαυτοῦ γλώττης). Von den Reden vor Behörden und Kaisern, die H. gehalten haben muß, die uns wegen ihres Inhalts, durch ihr Eingreifen in den Gang der Staatsverwaltung höchlichst interessieren würden, hören wir nichts (nur das λόγου ἐκπεσεῖν des jungen H. vor Hadrian wird hervorgehoben p. 72, 25). Die Blüte der Redekunst sahen zünftige Sophisten wie Philostrat in den Deklamationen: im Schriftenverzeichnis (p. 72, 23) nennt er denn auch διαλέξεις, jene oft als προλαλιαί gebrauchten Vorträge halb philosophischen, halb persönlichen Inhalts (zum Begriff der διάλεξις Dürr Philol. Suppl. VIII 5. Stock De prolaliarum usu rhetorico, Königsberg 1911, 2), die noch höher bewerteten μελέται, die Behandlung von Suasorien und Kontroversien, übergeht er. Nur zwei Themen dieser Art, die H. behandelt hat, lernen wir aus Philostrat kennen: einmal τὸν περὶ τῶν τροπαίων ἀγῶνα (Antrag auf Beseitigung der 4 Siegeszeichen des Peloponnesischen Krieges, Phil. p. 49, 21 und 1), welchen Stoff H. von Polemon hatte behandeln hören and seinerseits in Polemons asianischer Manier durchführte, und die auch von H. in asianischer Art (um Alexander zu übertreffen) behandelte ὑπόθεσις οἱ ἐν Σικελίᾳ τρωθέντες … αἰτοῦντες τοὺς ἀπανισταμένους ἐκεῖθεν Ἀθηναίους τὸ ὑπ’ αὐτῶν ἀποθνήσκειν; davon teilt Philostrat einen Satz mit, den H. unter Tränen sprach: ναὶ Νικία, ναὶ πάτερ, οὕτως Ἀθήνας ἴδοις 51 (p. 80, 10): mit solchen Stoffen feierte H. seine größten Triumphe, teils durch wohl vorbereitete Deklamationen (ἐκπονῆσαι λόγον), teils in Improvisationen (σχεδιάσαι), eine Kunst, die er von seinem Lehrer Skopelianos erlernt hatte (p. 34, 11) und die Aristokles so entzückte, daß er von der Philosophie zur Rhetorik überging (p. 74,12). Und nichts ist bezeichnender für die beherrschende Stellung dieser II. Sophistik, die zum guten Teil H. selbst, der Freund und Verwandte dreier Kaiser, ihr geschaffen hat, als daß selbst ein Marc Aurel solche Deklamationen anzuhören nicht verschmähte.

Erhalten ist nur eine Deklamation des H. am Ende des Codex der kleinen Redner, im Burneianus (oder Crippsianus) 95 = A des Britischen Museums (166 b—170 a), saec. XIII; daraus sind Hss. des XV saec. (Laur. IV 11 = B, Marcian. append. VIII 6 = L, Vratislav. gymnas. Magdalen. [952] 1069 = Z, Burn. 96 = M) lediglich Abschriften. Erster Druck in der Ausgabe der attischen Redner von Aldus Manutius, Venedig 1513, vol. II am Ende f. 160—163. Textverbesserungen im Anhang der lateinischen Übersetzung des Aristeides von Guil. Canterus tom. IV, Basel 1566, p. 577—646. H. Stephanus Oratorum veterum orationes 1575, II p. 174–178. Nachdruck von Canter und Stephanus ist die Ausg. von Janus Gruterus Orationes politicae usw., Hanau 1619 p. 219—234. Reiske Oratores Gr. VIII, Leipzig 1773, p. 32—51, Supplemente p. 191f., mit vielen kühnen Besserungsvorschlägen. Raph. Fiorillo H. Attici quae supersunt, Leipzig 1801, zweifelte an der Echtheit praef. p. VI—VII, p. 12; Abdruck p. 182–201 nach Canters lateinischer Übersetzung und Reiske. Bekker Orr. Att., Oxonii 1823, IV 16—25 (mit Paragraphenzählung); Berolini 1824, V 658–663, benutzte Kollationen der geringeren Hss. Dobson Orr. Att. IV, London 1828, 553ff., darin p. XX—XXI Adversaria Dobrees. Müller Orr. Att., Paris (Didot) II 1848, 189—193. H. Hass De H. Attici oratione περὶ πολιτείας, Diss. Kiel (gedr. Leipzig) 1880. Drerup [Ἡρώδου] περὶ πολιτείας, ein politisches Pamphlet aus Athen 404 v. Chr. (Studien zur Gesch. u. Kultur des Altert. II 1), Paderborn 1908. E. Meyer Theopomps Hellenika, Halle 1909 (S. 199 die Rede an die Larisäer und die Verfassung Thessaliens). — Die Melete trägt den Titel περὶ πολιτείας (der wohl sicher nicht vom Verfasser stammt): ein Larisäer spricht zum larisäischen Volke; Anlaß bietet ein Angebot der Spartaner an die Larisäer, sich dem hellenischen Bunde anzuschließen und mit gegen Archelaos von Makedonien (regierte von 413—399, dadurch die Zeit, in die die Rede gehören soll, umgrenzt) zu Felde zu ziehen. Dieser hat in blutigen Kämpfen eine extreme Oligarchie in Larisa errichtet ) (insofern ist die Volksversammlung, in der die Rede gehalten sein will, eine ungeschickte Fiktion). In einem Prooemion (§ 1—4) begründet der Sprecher zunächst sein Auftreten: er sei zwar jung, aber in Kriegsgefahren gebührt gerade der Jugend das Wort. Die Lage der Stadt sei dank der τύχη günstig gegenüber den Feinden. Dann das zweiteilige Thema: er will zeigen, es ist ἀγαθόν (im Sinne von συμφέρον gesagt), dem Angebote zu folgen, und es ist ἀναγκαῖον. Ohne διήγησις (vgl. Aristot. rhet. III 16 p. 1417 b 12) werden nun die beiden Teile erörtert (das ἀγαθόν 5—18, das ἀναγκαῖον 19—24). Dann folgt eine Widerlegung gegenteiliger Ansichten (25—33), entsprechend der refutatio (τά πρὸς τὸν ἀντίδικον) der Gerichtsreden. Endlich der Epilog, die vorgebrachten Gründe resümierend (ἀνακεφαλαίωσις) mit der Aufforderung, nicht gegenteiligen Vorschlägen zu folgen, seinem entsprechend die συμμαχία anzunehmen (Disposition besprochen bei Drerup 68). So unklar vieles in der Rede bleibt (Volkmann Rhetorik 1885, 120 sprach mit Recht von einem ,matten, unbestimmten Halbdunkel der Behandlungsweise‘, das dadurch mit hervorgerufen wird, daß der Redner von der Verfassungsänderung — Abschaffen der bestehenden Oligarchie —, die notwendig ist, ehe von einem Zuge gegen Archelaos die Rede sein kann, keineswegs gerade herausspricht, sie nur für den [953] Zuhörer verständlich durchblicken läßt), so ist doch merkwürdig, wie viel der Verfasser von den uns sonst so wenig bekannten Verhältnissen Thessaliens weiß. Der Stoff, der Eingriff des Archelaos in die inneren Verhältnisse Thessaliens, ist so abgelegen, namentlich für einen Mann des 2. Jhdts. n. Chr., daß, wie Köhler (Makedonien unter König Archelaos, S.-Ber. Akad. Berl. 1893, II 489) bemerkte, ,diese Schilderungen auf eine Vorlage schließen lassen, welche der Zeit des Archelaos nicht fern gestanden hat‘. Und diese Vorlage war höchstwahrscheinlich Thrasymachos, des Chalkedoniers, Rede ὑπὲρ Λαρισαίων. Von dieser haben wir freilich auch nur bei Clem. Alex, strom. VI 2, 16 p. 746 P., p. 265 S. ein Sätzchen (Ἀρχελάῳ δουλεύσομεν Ἕλληνες ὄντες βαρβάρῳ, die Umformung eines Verses des Euripideischen Telephos, frg. 719 Nauck²), und die Situation der Thrasymachosrede ist aus den kurzen Worten des Zitates auch nicht klar zu erkennen; das ὑπὲρ zeigt aber wohl, daß die Rede sich nicht an die Larisäer selbst richtete, sondern in ihrem Interesse an andere sich wandte, um Hilfe gegen Archelaos (sei es, daß er erst Larisa bedroht, sei es, daß er es schon besetzt hat und man sein Joch abschütteln will) zu gewinnen, wie Sauppe Or. Att. II 162 vermutete, vielleicht bei den Athenern oder auch (wofür die in der H.-Deklamation vorausgesetzte Situation sprechen kann) bei den Lakedaimoniern. Was nun an positiven Angaben in der H.-Deklamation steckt, das hat er wahrscheinlich aus Thrasymachos entnommen (nur ist es ihm § 19—20 passiert, daß er bezüglich des Durchzuges des Brasidas nach Thrakien im J. 424 Perdikkas II. mit Archelaos verwechselt); nur in anderer Situation läßt er seinen Sprecher auftreten: vor dem larisäischen Volke selbst. Auch in dieser Deklamation sehen wir also H. in den Bahnen des Archaismus wandeln: Wie den Inhalt mag das Thrasymachosvorbild auch die Form beeinflußt haben. Drum stimmen nicht alle Charakteristika des Kritiasstils, die Philostrat angibt, zu dieser Deklamation, aber das Wesentliche, das Fehlen des großen demosthenischen Pathos beobachten wir auch hier. Den Stil der Rede hat Rohde (Rh. Mus. XLI 1886, 185, 1) am feinsten charakterisiert: ,hier ist der Ton im ganzen ein gedämpfter, die Affekte brechen selten und nicht stark hervor, die ἐκλογὴ ὀνομάτων ist eine schlichte (wiewohl nicht immer korrekte), der Schmuck in Figuren verhältnismäßig sparsam und nirgends sinnlos. Der Redner bleibt fast ängstlich bei der Sache, die er in feiner und natürlicher (etwas zu trocken schematisierter) Argumentation verficht; er will offenbar knapp und pointiert reden und wird darüber bisweilen schwer verständlich‘. Die Versuche, die Autorschaft des H. für die Deklamation περὶ πολιτείας zu bestreiten, sind als gescheitert zu betrachten. Beloch Gr. Gesch. II 1897, 132, 2 erklärte einen in Thessalien lebenden Sophisten oder sophistisch gebildeten Thessaler aus der Wende des 5.–4. Jhdts. für den Verfasser. Ihm stimmten zu E. Meyer Gesch. d. Alt. V 1902, 56. Pöhlmann Grundriß der griech. Gesch.³ 1906, 169, 4, die die Rede auf 401 oder 400 datierten. Costanzi De or. π. π. quae H. Attici nomine circumfertur, Studi ital. di filol. class. [954] VII 1899, 137 datierte sie auf 410/9, Drerup a. a. O. auf 404. E. Meyer in Theopomps Hell. auf 399. W. Nestle N. Jahrb. XI 1903, 191 hielt die erhaltene Deklamation gar für Thrasymachos’ Larisaeerrede selbst. Alle behaupten, daß der Verfasser eine ganz bestimmte Situation ins Auge gefaßt habe: die Uneinigkeit in der Bestimmung dieser Situation beweist aber, daß der Verfasser in Wahrheit keine bestimmte historische Situation im Auge hat, nur im allgemeinen auf Grund seiner Kenntnis der Verhältnisse Thessaliens nach dem Ende des Peloponnesischen Krieges und einiger positiven Tatsachen (die er Thrasymachos entnahm) seine Deklamation verfaßt hat. Für die Echtheit traten ein W. Schmid (wie früher in seinem Atticismus I 1887, 192fi.) Rh. Mus. LIX 1904, 512; Berl. philol. Wochenschr. 1909, 385. Schneider Wochenschr. f. klass. Philol. 1908, 969. Münscher DLZ 1909, 1437; Bursians Jahresb. CXLIX 38. Selbst was Schmid noch zugegeben hatte, man könne nichts in der Deklamation entdecken, was gegen Abfassung um die Wende des. 5. zum 4. Jhdt. spräche, muß man bei ruhiger Prüfung der von Drerup S. 36ff. vorgelegten Untersuchung der Sprache, die nicht wenige Worte und Wortverbindungen enthält, die nur aus der späteren Gräzität zu belegen sind, bestreiten. Dasselbe Resultat ergibt eine Prüfung der Klauseln; s. Heibges De clausulis Charitoneis, Münster 1911, 97.

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VIII,1 (1912) S. 13081310
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  1. Nachtrag des Verfassers: Romaios veröffentlicht Ἀθηνᾶ XIII 438 das Fragment einer Polydeukioninschrift aus Luku in der Kynuria sowie eine Inschrift gleichen Fundorts; Ἵππαρχος Ἀττικοῦ πατήρ; beide Steine lehren, daß H. im Grenzgebiete zwischen Argolis und Lokonika (vielleicht schon vom Vater her) eine Besitzung gehabt haben muß. Derselben entstammt vielleicht auch das in der Thyreatis gefundene sakrale Relief (Deubner in Roschers Myth. Lex. III 2124) mit seiner noch nicht sicher gedeuteten Darstellung und den Beischriften Τελετή, Ἐπίκτησις, Εὐθηνία (v. Prott Athen. Mitt. XXVII 266).
  2. Nachtrag des Verfassers: Den überwältigenden Eindruck einer vom Sophisten H. geweihten Aphroditestatue schildert Damaskios bei Phot. bibl. cod. 242 p. 342 a 7ff.; sie gehört vielleicht zum Schmuck des Odeion in Athen (Asmus Das Leben des Philosophen Isidoros von Damaskios 1911, 54).
  3. Nachtrag des Verfassers: Eine der Karyatiden trägt am Kalathos angebracht die Inschrift Κρίτων καὶ Νικόλαος Ἀθηναῖοι ἐποίουν Loewy Inschr. griech. Bildhauer 1885 nr. 346).
  4. Nachtrag des Verfassers: Graindor veröffentlichte Mus. Belge XVI 1912, 69ff. eine in Marathon gefundene Inschrift in Distichen (am Schluß verstümmelt. 27 Verse gut erhalten), die von der durch Gesamtathen erfolgten Begrüßung eines Ungenannten bei seinem Einzuge von Eleusis her berichtet. Daß der Ungenannte, der aus dem Gebiete der Sauromaten, wo er den Kaiser aufgesucht hat, heimkehrt (v. 3–5 νοστήσαντ’ ...ἀβίων ἀπὸ Σαυροματάων ), niemand anders als H. ist, lehrt die Hervorhebung der Epheben in dem begrüßenden Zuge, denen er weiße Gewänder gestiftet hat (v. 22 ἀργυρέαις χλαίναις οἴκοθεν ἀμφιέσας; neu lernen wir, daß diese Stiftung – s. S. 942, 39 – zur Erinnerung an H.s Vater erfolgte, v. 20 λήθην πατρὸς ἀκειόμενος, und daß H. selbst zum Dank von den Epheben elfenbeineren Schulterspangen erhielt, v. 23 δωρηθεὶς γ’ ἐνετῇσι κατωμαδὸν ἠλέκτροιο): es kann also nur die Heimkehr des H. nach seiner Reise zu Kaiser Marcus nach Sirmium (169/70 oder 173/5) gemeint sein, an die sich der Aufenthalt in Orikon und vielleicht in den Thermopylenbädern (s. S. 944, 60) anschloß. Daß H. von Orikon nicht zu Lande, sondern auf dem Seewege durch den korintischen Busen heimgekehrt sei, ist nur Vermutung Graindors 81. Auch seine Vermutung, daß gelegentlich dieser Heimkehr des H. die (s. 936, 13) erwähnte Ὁμονοίa ἀθανάτου πύλη (Trümmer der Rekonstruktion bei Lebas-Waddington Voyage, Monum. fig. pl. 90; an den Torpfeilern rechts eine männliche [H.?], links eine weibliche Figur [Homonoia?], deren Köpfe verloren sind) errichtet sei, zum Zeichen der Aussöhnung mit Athen, das erst – beeinflußt durch das kaiserliche Prozeßurteil – gegen H. sich zurückhaltend oder ablehnend benommen habe (daß CIA III 826, vorn unvollständig, H. gelte, ist ganz unbeweisbar), ist völlig unbegründet (die Statue CIA III 165 Ἀθηνᾶς δημοκρατίας ist sicher nicht von H. gesetzt, da die Inschrift Ἡρώιδη(ς) in [1310] imo margine nur Künstlerinschrift sein kann). Graindors Annahme, der Prozeß in Sirmium sei Ende 174 oder Anfang 175 anzusetzen, der Brief des Marcus an H. Frühjahr 176, so daß H.s Heimkehr ganz kurz vor Marcus’ Ankunft in Athen zur Einweihung in die eleusinischen Mysterien (Foucart Rev. de philol. XVII 1893, 205) erfolgt wäre, widerspricht der Angabe Philostrats (p. 69, 26ff.), daß H. nach seiner Heimkehr wieder unter größtem Zulaufe der Jugend in Kephisia und Marathon als Lehrer tätig war und von dort aus jenen Brief an den Kaiser schrieb. Man wird eher geneigt sein, den Prozeß etwas weiter zurück zu verlegen, etwa 173.
  5. Nachtrag des Verfassers: Radermacher Das Epigramm des Didius (S.-Ber. Akad. Wien 1912, 9. Abhdlg.) vermutet, der Grammatiker Didius Taxiarches, dessen Grabepigramm (IG XIV 1537 = Kaibel Epigr. 616) sich an Kritias frg. 3 Bergk anlehnt, sei durch H., in dessen Hause zu Rom er verkehrt haben könnte, auf Kritias aufmerksam geworden.
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Band R (1980) S. 124
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[13]) Ti. Claudius Atticus] H., att. Sophist im 2. Jh. n. Chr., Sohn des Ti. Claudius (III 2677 Nr. 71) Atticus H. und der Vibullia (VIII A 2470 Nr. 12) Alcia. VIII 1308. = Ti. Claudius (III 2678. S I 317 Nr. 72) Atticus H.; vgl. I 2315,50ff. S VIII 742,31ff.