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RE:Camulodunum

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Britann. Stadt
Band III,2 (1899) S. 14481449
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Camulodunum, Britanniae oppidum, wird zuerst erwähnt in Verbindung mit der Angabe des Pytheas über die Tageslänge auf der Insel Thyle (s. d.) und, ,nach einigen‘ – die nicht genannt werden –, auch auf der Insel Mona (s. d.), die von Camalodunum (so die Hss.) ungefähr 200 Millien entfernt sei (Plin. II 187). Diese Angabe stammt noch aus der Zeit vor der Eroberung Britanniens. Zahlreiche Münzen des Königs Cunobellinus mit den Aufschriften Camul, Camu, Cam (Evans Coins of the ancient Britons 291. 561ff. Taf. IX 5–13) bezeugen seine Bedeutung. Ihren Namen führt die Stadt offenbar von dem des gallischen und britannischen Mars Camulus, der auch als Personenname und in mehreren Zusammensetzungen vorkommt (s. d.). Die Form Camalodunum in der oben angeführten Pliniusstelle und in einer italischen Inschrift (CIL XIV 3955) ist zwar vielleicht die ältere, kann aber auf blosser Verwechslung mit dem iberischen Namen Camalus (Holder Altkelt. Sprachsch. 707) beruhen. Nur bei Dio, der dem verlorenen Teil der Annalen des Tacitus folgt, ist die ausdrückliche Angabe erhalten, dass der Kaiser Claudius nach [1449] dem Sieg über die Britten an der Tamesis im J. 43 τὸ Καμουλόδουνον τὸ τοῦ Κυνοβελλίνου βασίλειον εἶλε (LX 21). Acht Jahre später, als Ikener, Briganter und Silurer aufgestanden waren, wurde durch Ostorius Scapula, den zweiten Legaten der Provinz, dort die erste Veteranencolonie gegründet – fast gleichzeitig also mit Köln am Rhein – (additam insuper veteranorum coloniam Tacit. Agric. 14, womit nur C. gemeint sein kann); genannt wird sie ausdrücklich zum J. 51 in Tacitus Annalen (XII 32 colonia Camulodunum valida veteranorum manu deducitur in agros captivos, subsidium adversus rebelles et imbuendis sociis ad officia legum). Zehn Jahre später (im J. 61) richtete sich der grosse Aufstand der Königin Boudicca gegen den Übermut der dort von neuem angesiedelten Veteranen (ann. XIV 31ff.). Der Tempel der Göttin Roma oder der Victoria und des Kaisers, der mit seinen delecti sacerdotes offenbar den Mittelpunkt des römischen Gottesdienstes in der neuen Provinz bilden sollte, wie die Tempel in Köln, Lyon und Tarragona – Seneca erwähnt ihn höhnend in der Apotheose des Claudius (c. 8) –, in den sich, da er auf der Burg lag, die kleine Besatzung zurückgezogen hatte, verstärkt durch zweihundert Mann, die der Procurator der Provinz Decianus Catus sendete, wurde nach drohenden Wunderzeichen zwei Tage lang von den Aufständischen belagert und erobert und die Stadt, die noch keine feste Mauern hatte (nullis munimentis saeptam), in Brand gesteckt; worauf dann der Aufstand den weiteren höchst gefährlichen Verlauf nahm (s. o. S. 871). Die Stadt der Trinovanten (Ptol. II 3, 11 παρὰ τὴν ταμήσα εἴσχυσιν Τρινόαντες, ἐν οἷς πόλις Καμουλόδουνον – die Hss. καμουδόλανον) liegt an der römischen Strasse von Venta Icenorum (s. d.) nach Londinium (Tab. Peut. Camuloduno; Itin. Ant. 480, 4 Camoloduno; 474, 4 nur colonia. Geogr. Rav. 429, 14), an der Stelle des heutigen Colchester – nicht, wie seit Camden der Namensähnlichkeit wegen vielfach angenommen worden ist, des kleineren Fleckens Maldon –; das coloniae castrum (Colneceaster) mit seinen Mauern und Türmen hat sich das ganze Mittelalter hindurch an seiner alten Stelle, wenngleich in spätem Umbau auf römischen Fundamenten, erhalten (CIL VII p. 33). Denn die Stadt muss später wieder aufgebaut worden sein, obgleich sie vom 2. Jhdt. an wie die übrigen alten Militärcolonien im südlichen Britannien an Bedeutung verlor. Einige dort gefundene Grabsteine von Centurionen der 20. Legion (CIL VII 90. 91), sowie eine nicht unbeträchtliche Anzahl anderer Altertümer, besonders zahlreiche Thon- und Glaswaren, lassen daran keinen Zweifel (vgl. auch Ephem. epigr. VII p. 282). In oder bei C. scheint das Lager der Legio XIV gewesen zu sein, die die Beinamen Martia Victrix erst nach der Wiedereroberung von C. erhielt; dass weder Ziegel mit dem Stempel der Legion, noch Grabsteine ihrer Soldaten bis jetzt dort gefunden wurden, erklärt sich daraus, dass sie bereits im J. 70 aus Britannien abgerufen und in ihr altes Standlager in Mainz zurückversetzt wurde. Die Legio XX Valeria Victrix hatte ihr Standquartier in Deva (s. d.). Der eine jener Centurionen der 20. Legion, dessen Bildnis in ganzer Figur in Hochrelief von vorzüglicher Arbeit mit [1450] der Inschrift erhalten ist (CIL VII 90), könnte der Zeit nach einer von den Vexillariern der Legion gewesen sein, die in der Schlacht gegen die aufständischen Britten neben den quartadecumani gekämpft hatten (Tacit. ann. XIV 37). Veteranen aller vier von Claudius nach Britannien geführten Legionen – ausser den beiden genannten waren es noch die II Augusta und IX Hispana – können in C. Landanweisungen erhalten haben (vgl. Herm. XVI 1881, 533ff.). Auf einer Inschrift etwa des 2. Jhdts. aus Nomentum wird der censitor civium Romanorum coloniae Victricensis quae est in Britannia Camaloduni genannt (CIL XIV 3955 = Orelli 208); auch auf einem Grabstein aus Iulipa in Baetica erscheint ein Soldat, der von seiner Heimat C. Vict[ricensis] genannt wird (CIL II 2362). Der Beiname wird von dem der vierzehnten Legion herrühren. Sonst wird als Heimat von Soldaten C. schlechthin genannt (CIL III 2053. 11233). Auf Münzen des Diocletian, sowie auf denen des Carausius und Allectus, der britannischen Usurpatoren des 3. Jhdts., erscheint C. – durch C bezeichnet – als Münzstätte. Die nicht unbeträchtliche Litteratur über C. ist CIL VII p. 34 verzeichnet.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S III (1918) S. 232
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S. 1448, 45 zum Art. Camulodunum:

Vielleicht von camulos = cambulos (vgl. den Personennamen Cambulus [Holder s. v.]), das Verkleinerungswort zu cambos ‚krumm‘. Das ist ersichtlich aus dem Wechsel von Camulodono und Camboduno (Holder s. Cambodunon), heißt also ‚Klein-ham-burg‘; vgl. cam aus cambas im Neuirischen, Kornischen und Mittelbreton (Holder s. cambo-).

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Band R (1980) S. 75
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Camulodunum

Britann. Stadt. S III.