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RE:Batanaia 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Landschaft im Ostjordanland
Band III,1 (1897) S. 115 (IA)–117 (IA)
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Batanaia. 1) Landschaft im Ostjordanland (Ptol. V 15, 26. Polyb. XVI 39, 3. Joseph. ant. Iud. XV 342. XVII 189. XVIII 106. XX 138; bell. Iud. I 20, 4. II 6, 3. III 3, 5; ant. Iud. IV 173 Βατανίς; Vita 54 Βατανέα. Euseb. Onom. ed. Lagarde 231, 35ff. u. ö.). Der alttestamentliche Name ist Basan (Deut. 3, 10. 13. Jos. 12, 4 u. a.), griechisch-lateinische Form Basanitis (LXX. Joseph. Epiphan. Euseb. Hieron.); B. und Batanis sind der späteren aramaeischen Aussprache entsprechende Formen. Der Name B. kommt in doppelter Bedeutung vor: B. in weiterem Sinn (Joseph. ant. Iud. IV 173; Vita 54, sonst wie es scheint seltener gebräuchlich) deckt sich mit der alttestamentlichen Landschaft Basan, die vom Hermon im Norden bis zum Hieromyces (Scherî῾at el-Menâḍire), der die Grenze gegen Gilead bildete, im Süden, vom Jordanthal im Westen bis nach Salcha am Südfuss des Ḥaurangebirges im Osten reichte (Deut. 3, 10. 13 u. a.). Innerhalb dieses Gebiets lagen die späteren Landschaften Gaulanitis, Basanitis im engeren Sinn, Trachonitis, Auranitis. Heute trägt dieses Gebiet die Bezeichnung Ḥaurân (im weiteren Sinn, s. Auranitis). Der Name B. hat sich in der Form Arḍ el-Bethenîje noch erhalten, haftet aber an einer nicht zum alten B. gehörigen Gegend östlich von Trachonitis. B. im engern Sinn (Joseph. gewöhnlich) ist nur ein kleiner Teil von ganz Basan. Da Gaulanitis dem heutigen Dschôlân am westlichen Gebirgsrand der Hochebene gegen den Jordan entspricht, Auranitis dem Ḥaurangebirge, Trachonitis der heutigen el-Ledschâh, dem rauhen Plateau zwischen Damaskus und dem Ḥaurangebirge, südlich bis gegen Bostra hin reichend, so bleibt für B. nur die fruchtbare Hochebene, die sich östlich und südöstlich von Dschôlân hinzieht, also der grössere südliche Teil der heutigen en-Nuḳra. Damit stimmt, dass die hier liegenden Städte [116] Astarot und Adraa (s. d.) auch als Mittelpunkte des alten Basan genannt werden (Jos. 12, 4 u. a.; vgl. auch Euseb. Onom. s. Ἀσταρώθ ed. Lagarde 213, 35ff. 268, 98ff. u. a.). Ganz genau ist der Umfang von B. im engeren Sinn nicht festzustellen ; er mag auch geschwankt haben. Eusebius (Onom. ed. Lagarde 268, 98ff. u. a.) begreift B. unter Arabia; Ptolemaios (V 15, 26) rechnet es zu Koilesyrien, erwähnt aber auch in Arabia deserta an der syrischen Grenze Βαταναῖοι (V 19, 2).

Als die Israeliten sich in diese Gegend vorschoben, fanden sie in Basan ein mächtiges Reich unter dem sagenhaften König Og, mit zahlreichen festen Städten (Deut. 3, 4ff.). Durch die damascenischen Syrer wurde die Gegend schon frühe dem israelitischen Reich streitig gemacht (II Reg. 10, 32. 14, 25ff.). Nach der Deportation durch Tiglath Pilesar bildeten syrische und arabische Stämme die Hauptbevölkerung. Zeitweilig scheinen die Nabataeer von Petra aus ihre Herrschaft über Basan ausgedehnt zu haben. Von Aretas III. berichtet Josephus (ant. Iud. ΧΙII 392), dass er (um das J. 85 v. Chr.) in den Besitz von Damaskus und Koilesyrien gelangt sei. Doch hatte ihre Herrschaft keinen langen Bestand; schon unter Pompeius war Damaskus und wohl auch die Landstriche südlich davon unter römische Oberhoheit gebracht worden (Schürer Gesch. d. jüd. Volkes I 614ff.). Die räuberischen Nomaden der Gegend, mit denen sich Zenodoros verband, machten den Römern viel zu schaffen. Augustus schenkte deshalb nach Besiegung des Zenodoros, im J. 23 v. Chr., das ganze Gebiet desselben Herodes d. Gr. (Joseph. ant. Iud. XV 342ff.; bell. Iud. I 20, 4). Dieser siedelte zur Bekämpfung der unruhigen Elemente dort mehrmals fremde Colonisten an (s. Bathyra). So blieb die Bevölkerung immer sehr gemischt (Joseph. bell. Iud. IIΙ 3, 5), und noch später wird von einem der beiden Agrippa in einem Edict über die ‚tierische Lebensweise‘ (θηριώδης κατάστασις) der Einwohner und ihren Aufenthalt in Höhlen (ἐνφωλεύειν) geklagt (die Fragmente des Edicts s. bei Le Bas-Waddington 2329). Von Herodes ging B. an dessen Sohn Philippus über (Joseph. ant. Iud. XVII 189; bell. Iud. II 6, 3), später kam es an Agrippa II. (Joseph. ant. Iud. XX 138). Mit den Kulturbestrebungen des Herodes zog auch das griechische Element in jene Gegenden ein, wovon zahlreiche Ruinen von Tempeln und anderen Gebäuden, sowie Inschriften Zeugnis ablegen. Um das J. 35 n. Chr. (Fluch des Apostels Paulus nach Damaskus) gehörte B. wieder zum Gebiet des Nabataeerreichs; Damaskus stand unter einem Statthalter (ἐθνάρχης des Königs Aretas IV. (II Kor. 11, 32). Eine neue Zeit der Blüte begann für den Ḥaurân, wie für das ganze Ostjordanland, als um 200 n. Chr. südarabische Stämme hier das Reich der Dschefniden oder Ghassaniden gründeten. Diese Araber sollen Christen gewesen sein, und es wird schon aus dem 3. Jhdt. die Erbauung vieler Klöster berichtet. Als mit dem Auftreten des Islâm die Wanderstämme des inneren Arabiens sich gegen Syrien ergossen, ging 637 n. Chr. das Ghassanidenreich, von den griechischen Kaisern nicht genügend unterstützt, zu Grunde. Aus der muslimischen Periode wissen wir wenig über den Ḥaurân.

[117] Der Ḥaurân ist ein im Mittel etwa 600 m. hohes Plateau von vulcanischer Formation. Die eigentlichen Ḥauranberge im Osten sind eine Reihe ausgebrannter Vulcane, ebensolche finden sich auch am Westrand. Die Abhänge der Ḥauranberge und der Abfall des Plateaus gegen den Jordan waren in alter Zeit mit prächtigen Eichenwäldern bestanden (Ez. 27, 6. Jes. 2, 13) und boten gute Weideplätze. Die Ebene in der Mitte ist mit rotbraunem Humus aus verwitterten Lava- und Basaltmassen bedeckt, daher ihre ausserordentliche Fruchtbarkeit. In alter Zeit waren namentlich die fetten Weiden und die Rinderherden Basans berühmt (Jer. 50, 19. Micha 7, 14 u. oft). Noch heute gilt der halb durchscheinende Weizen des Ḥaurân für besonders vortrefflich und wird viel exportiert. Eine Bahn, die den Ḥaurân mit der Küste (Ḥaifa und Akko) verbinden soll, ist im Bau begriffen.

Eine Menge sehr interessanter Ruinen finden sich im Ḥaurân. Die zahlreichen Troglodytenwohnungen reichen in eine alte Zeit zurück. Die zum Teil sehr gut erhaltenen ‚Toten Städte‘ zeigen eine eigentümliche Bauart der Häuser. Diese sind ganz aus Stein (Lava und Dolerit) erbaut, ohne Verwendung von Holz; die Thüren bestehen aus grossen Doleritplatten, in den Zimmern bemerkt man steinerne Wandschränke und Bänke. Aus römischer Zeit stammen viele wohlerhaltene Prachtbauten: Tempel, Theater, Triumphbögen.

Reland Palaestina 106–110. 193–203. Ritter Erdkunde XV 800–1001. Raumer Palaestina 226ff. Baedeker Palaestina und Syrien³ 195–212. Schultz Artikel Basan in Herzogs Realencyclopädie² II 112–116. Mühlau Artikel Basan in Riehm Bibl. Handwörterbuch² I 188–190. Porter Historico-geographical history of Bashan: Journal of Sacred Literature New Series VI 1854, 281–313; Fife years in Damascus 1855 II 250–275. Wetzstein Reisebericht über Hauran und die Trachonen, Berlin 1860; Exkurs über den Hauran in Delitzsch Comment. z. Hiob; Das batanaeische Giebelgebirge, Leipzig 1884; Über die Gebirgsnamen in Psalm 68. Ztschr. f. kirchl. Wissenschaft 1884 (III) 113–127. Burton and Drake Unexplorated Syria 1872 I 132–261. Schumacher Der Dschôlân ZDPV IX 1886, 167–363 mit Karte; Across the Jordan 1886; The Jaulân 1888. Dr. A. Stübels Reise nach der Dîret et-Tulûl und Ḥaurân herausg. von Guthe ZDPV XII 1889, 225–302. Scharling Hauran, Stockholm 1889, deutsch von Willatzen Bremen 1890. Karte des Dschebel Ḥaurân gez. von Fischer ZDPV XII 1889. Noeldeke Zur Topographie und Geschichte des damascenischen Gebiets und der Ḥaurângegend, ZDMG XXIX1875, 419–444. Kuhn Die städtische und bürgerl. Verfassung des röm. Reichs II 381f. 384f. Waddington Comptes rendus de l’Académie des inscriptions et belles-lettres 1865, 82–89. 102–109. Vogüe Syrie centrale, Architecture civile et religieuse (giebt viele Abbildungen von Bauten a. d. Ḥaurân). Schürer Gesch. d. jüd. Volkes I 353ff. II 202ff. G. A. Smith The historical geography of the holy land 542. 609ff. Buhl Studien zur Topographie des nördlichen Ostjordanlandes 1894. Vgl. auch die Artikel Auranitis, Golanitis, Ituraia, Trachonitis.