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RE:Barygaza

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Bedeutendes indisches Emporion
Band III,1 (1897) S. 35 (IA)
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Barygaza ( und τά), das bedeutendste indische Emporion am Golfe gleichen Namens (ὁ Βαρυγάζων oder Βαρυγαζηνὸς κόλπος, jetzt Golf von Khambay), 300 Stadien von der Münde des Namades (Narmadâ, jetzt Narbadà), im Reiche Ariake oder dessen nördlichem Teile Larike, Peripl. mar. Erythr. 41–51. Ptol. VII 1, 5. 62. VIII 26, 12; ἡ Βαργόση Strab. XV 720; die heutige Stadt Broač oder Barôč 21° 43′ nördlich, 73° 2′ östlich, 30 Miles von der Flussmünde am nördlichen Ufer der Narbadà. Die ägyptischen Kauffahrer, welche von Aromata oder von Kane gegen B. fuhren, erwarteten am Vorgebirge Papike südlich vom Inselchen Baione (s. d.), also an der Surâšṭraküste, die Lotsen aus B., welche die Schiffe zur gegenüberliegenden Landspitze Herone geleiteten und durch die seichte Flussmündung in Schlepptau nahmen; zumal bei Neumond staute die Hochflut das Wasser heftig auf und warf die Schiffe ans Ufer. In B. fanden die Griechen Erinnerungen [36] an die Zeit der indohellenischen Könige, z. B. Silberstateren und Drachmen des Apollodotos und Menandros; auch die arabischen Berichte erwähnen die Münzen ṭaṭerîa. Im Hafen strömten alle Naturproducte und Waren der indischen Welt zusammen, aus Malabâr, von der Čôramandalaküste (über Tagara und Paithana), aus Ozene, Indoskythia und weiter über Land aus Baktra und Serike; und von B. gelangten sie sodann in alle Häfen des westlichen Beckens, nach Ommana, Apologos, ῾Adana, Muza, Soqoṭra, Berenike und Alexandria, sowie nach den Emporien der Barbaria und Azania. Als Gegenstände der Ausfuhr erwähnt der Peripl. 75 a. a. O. Sclavinnen, Getreide, Reis, Sesamöl, flüssige Butter, Zucker, Têkholz, Ebenholz, Sandelholz, Malabathron, Kostos, Narde, Bdella, Edelsteine, Kupfererze, und namentlich Baumwollzeuge aller Art, einfarbige und bunte, bis zu den feinsten Musselins; dafür gelangten arabische, ägyptische und römische Waren und Producte in die indischer Lande. Die Barôčizeuge waren von jeher bei den Malâyn beliebt; aus der Verbreitung indischer Wollstoffe bei den Kaffern Sofâlas merkte Vasco de Gama die Nähe Indiens. Der inschriftlich überlieferte Name des Emporions lautet Bharu kaččha (prakr. Bharu-gačča). Im J. 640 erreicht der sinische Pilger Hjuan-Thsang von Mahârâšṭra an der Godâvarî in zehn Tagen die am Flusse Nai.mo.tho (Narmadâ) gelegene Metropole Pho.lu.kie.čhe.pho (Bharukaččheva) und zog von da nordwärts in das Reich Lâra oder Mâlava. Als die Araber wider die Piraten des Vallabhireiches Expeditionen veranstalteten, wurde auch die Hafenstadt Barôṣ oder Bharôğ, wie wir aus Ṭabarî ersehen, von ihnen angegriffen; diese wurde von Fahrzeugen aus Fârs und Čîna besucht, Edris p. 175, Bérûnî erwähnt die Stadt mehrmals; auch in der portugiesischen Zeit tritt Baroche oft hervor.