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RE:Amphissa 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Stadt der westlichen (ozolischen) Lokrer, nordwestlich von Delphi
Band I,2 (1894) S. 1955 (IA)–1956 (IA)
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Amphissa (ἡ Ἄμφισσα). 1) Stadt der westlichen (ozolischen) Lokrer, drei Stunden nordwestlich von Delphi (Aeschin. III 123, während Paus. X 38, 4 die Entfernung irrig auf das Doppelte angiebt), im Nordwestwinkel einer vom Hylaithos durchzogenen, sehr fruchtbaren, noch jetzt mit Ölbaumpflanzungen, Weingärten und Getreidefeldern bedeckten Ebene (Herod. VIII 32), an der Stelle des jetzigen Salona. Die Akropolis, die im J. 192 v. Chr. ein römisches Heer vergeblich bestürmte (Polyb. XXI 2. Liv. XXXVII 6), lag auf einem steilen Hügel, den jetzt die Ruinen der mittelalterlichen Burg einnehmen, unter denen sich noch bedeutende Stücke hellenischen Mauerwerks nebst zwei Thoren finden (vgl. Vischer Erinnerungen und Eindrücke aus Griechenland 619); sie enthielt einen Tempel der Athene mit einem altertümlichen, angeblich aus der troischen Beute stammenden Erzbilde der Göttin (Paus. X 38, 5). Den Namen der Stadt leitete die Sage von A., der Tochter des Makar, deren Grab man in der Stadt zeigte, her (Paus. a. a. O.), während ihn Aristoteles (bei Harpokr.) aus der Lage mitten zwischen Bergen erklärte: als Gründer galt Andraimon, dessen Grab man ebenfalls in der Stadt aufwies (Aristot. und Paus. a. a. O.). Nachdem die alte Burgstadt Krisa nebst ihrem Hafenort Kirra zerstört und der dazu gehörige Teil der Ebene durch Beschluss der Amphiktyonen mit einem Fluche belegt worden war, hatten die Amphissaeer, ohne sich an diesen Beschluss zu kehren, den Hafen für ihre Zwecke wieder hergestellt und in der Ebene Ziegelbrennereien und Meiereien errichtet. Dies veranlasste den Aischines, sie im J. 339 v. Chr. bei den Amphiktyonen wegen Gottlosigkeit zu verklagen, eine Anklage, welche bekanntlich zu dem unheilvollen Kriege führte, der mit der Zerstörung der Stadt durch Philipp von Makedonien endete (Aeschin. III 118ff. Polyaen. IV 2, 8. Strab. IX 419, vgl. A. Schäfer Demosthenes II 499ff.). Doch kehrten die vertriebenen Bewohner jedenfalls bald wieder zurück und stellten die Stadt wieder her; denn wir hören, dass schon im J. 322 v. Chr. wieder ein aetolisches Heer bei seinem Durchzuge durch Lokris ihr Gebiet verwüstete und einige kleine umliegende Orte zerstörte, ohne die Stadt selbst einnehmen zu können (Diod. XVIII 38); ferner dass, als die Gallier unter Brennus in Griechenland eindrangen (278), [1956] die Amphissaeer 400 Hopliten zu dem gemeinsamen hellenischen Heere sandten (Paus. X 23, 2). Auch hat A. im 2. Jhdt. Münzen geprägt. Eine bedeutende Vermehrung der Einwohnerzahl erfolgte nach der Schlacht bei Aktion, indem viele Aetoler, um nicht als Contingent zur Gründung von Nikopolis gepresst zu werden, nach A., das von den Römern das Recht der Immunität erhalten hatte (Plin. n. h. IV 8), übersiedelten, was zur Folge hatte, dass die Bewohner, die sich ohnehin des Namens der ozolischen Lokrer schämten, sich nun zu den Aetolern rechneten (Paus. X 38, 4). Die Stadt, welche auch ein den Diaskuren oder Kabiren verwandtes Götterpaar unter dem Namen der Ἄνακτες παῖδες verehrte (Paus. a. a. O. § 7), bestand noch in der späten römischen Kaiserzeit, aus welcher eine lateinische Inschrift erhalten ist, worin von der Reinigung eines Aquaeducts und der Verteilung des Wassers desselben durch Dec. Secundinus V. C. proconsul curat(or) et defens(or) Amfissensium die Rede ist. Münzen Head HN 286. Inschriften CIG I 1761. Le Bas II 1019–21. CIL III 568. Bull hell. V 451. Vgl. Leake N.-Gr. II 587.

Nachträge und Berichtigungen

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Band S III (1918) S. 9294
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S. 1955, 19 zum Art. Amphissa:

Den Namen erklärt Ed. Meyer Gesch. d. Alt.² I 2, 684 für vorgriechisch; dagegen, kaum mit Recht, vermutet Fick Vorgr. Ortsn. 141, daß die Stadt ,von den dort verehrten Doppelgöttern benannt‘ sei. Ähnlich ist auch Gruppes Versuch (Gr. Mythol. 743, 4), sie als Kurzform der Ἀμφιγένεια zu erklären und so auf Leto Apollon und Artemis zu beziehen. Ganz alberne Erklärungen des Namens sind Schol. Lykophr. 1073 zu finden.

Es gab verschiedene kleine Ortschaften in der Gegend (Diod. XVIII 38), deren Einwohner der großen Stadt untertänig waren. Davon sind die Στιεῖς bekannt, Collitz 1874. Nikitsky Die geogr. Liste d. delph. Proxenoi 12. E. Bauer Unters. zur Geogr. u. Gesch. d. nordw. Landsch. Griechenlands usw. (Halle 1907) 19.

Der Kalender scheint ein ganz selbständiger zu sein. Nur wenige Monatsnamen kommen auch bei den Delphiern oder den Ätolern vor, Bischoff Leipz. Stud. VII 361ff.

Staatsbehörden sind, außer den üblichen Archontes, ein Bularchos (IG IX 1069. Bull. hell. XXV 221 und dazu Vollgraff 233ff. Dittenberger Herm. XXXII 182f. Bauer a. a. O. 50ff. Sotiriades Ἐφ. ἀρχ. 1908, 168ff.) und Nomographoi (Bull. hell. XXV 234. Sotiriades a. a. O. 174).

Zur Geschichte der Stadt ist noch folgendes hinzuzufügen: Am Anfang des Peloponnesischen Krieges erwähnt Diod. XII 42 (nach Ephoros) die Amphissäer auf Seite der Lakedaimonier, doch mit Unrecht, da sie erst im J. 426 übertraten (Thuc. III 101; vgl. Ed. Meyer Gesch. d. Alt. 545 A). Sie nahmen in diesem Jahre eifrig teil an der Expedition des Eurylochos, διὰ τὸ τῶν Φωκέων ἔχθος δεδιότες, wohl eine Grenzfrage, s. u.

Nach der Angabe des Pausanias III 9, 9 haben die Amphissäer den Korinthischen Krieg durch Anstiftung der Thebaner mit einer verheerenden Invasion der Phokis, die durch den Streit über ein Stück γῆ ἀμφισβητήσιμος verursacht war, begonnen. Damit stimmt der neuaufgefundene Theopomp. XIV 21ff. in einer detaillierten Geschichte der Ereignisse, der ähnlich von einer ἀμφισβητήσιμος χώρα περὶ τὸν Παρνασσόν spricht. [93] Dagegen nennt Xenophon hell. III 5, 3 die Opuntier als Anfänger dieses Krieges. Ed. Meyer Theopomp. hellen. 89ff. und Busolt Herm. XLIII 278 betrachten Xenophons Angabe als die besser beglaubigte, dagegen ist die Theopomps an sich viel wahrscheinlicher; vgl. Judeich Rh. Mus. LXVI 97, 2. 106, 1. Rühl Rh. Mus. LXVIII 199f. Es kann sein, daß die Thebaner Lokrer aus beiden Teilen des Landes zu gleicher Zeit gegen die Phoker aufhetzten.

Auch im zweiten Heiligen Kriege haben die Amphissäer den ersten Schlag geliefert (Diod. XVI 24ff.). Bei der Einnahme von Delphoi mußte Philomelos die heraneilenden Lokrer aus A. zurücktreiben. Der Streit dauerte einige Monate, bis endlich die Amphissäer in einer erbitterten Schlacht auf den Phaidriaden (354) erschlagen wurden. Im J. 353 nahm Onomarchos die Stadt ein, Diod. XVI 33. Es mag sein, daß die Angabe des Schol. und Paraphr. zu Lykophron 1073, daß A. eine phokische Stadt sei, aus dieser Zeit stammt, doch bezeugt dies, wie die albernen Erklärungen des Namens, viel mehr die klägliche Unwissenheit der Verfasser. Hierher gehört sicher die Geschichte bei Plutarch mul. virt. 13 (Φωκίδες, lies Λοκραί), wie einst die amphissäischen Frauen die Thyiaden aus Delphoi befreundeten und sie überwachten, als die phokischen Tyrannen Delphoi besetzten und viele Soldaten der Tyrannen in A. selbst standen. Zur Sache vgl. Rapp Rh. Mus. XXVII 21f. und Rohde Psyche 343, 1. Im J. 346 erhielt A. ihre Unabhängigkeit wieder, Beloch Gr. Gesch. II 519. Daß Athen ein Bündnis mit A. während des dritten Heiligen Krieges schloß, hat Fr. Lodek Wien. Stud. XIII 100ff., auf Grund der Urkunde bei Ps.-Plutarch erwiesen. Das Bellum Amiphissaeum behandelt M. Valeton Mnemos. XXXVI 106ff. Nach diesem Kriege wurde die Stadt zwar wiederaufgebaut, doch nur von neuen Kolonisten, da die ursprünglichen Einwohner alle ausgetrieben wurden, und noch unter Polysperchon, 319 v. Chr., durften sie nicht heimkehren. Diod. XVIII 56. Niese Gesch. I 38, 1. 237. Im J. 321 wurde die Stadt vergeblich von den Ätolern belagert (Diod. XVIII 38), doch wohl kurz nachher gehörte sie doch zu diesem Bunde, Niese II 212. Auch im J. 178 war sie noch Mitglied desselben; das hat Dittenberger gegen Foucart und Pomtow schlagend erwiesen (Herm. XXXII 161ff. 174ff.). Erst im J. 166 tritt sie aus (zwischen Juni und November nach Pomtow Jahrb. f. klass. Philol. CLV 789, 8). Vgl. noch Bauer a. a. O. 28ff. (nicht alles ganz richtig). Streitigkeiten, die die Amphissäer mit den Delphiern über die Grenzen hatten, wurden zuerst von M’. Acilius und dem römischen Senat mit Hilfe der Hieromnemonen um 189 v. Chr. ausgeglichen, und dann später, wahrscheinlich zur Zeit Traians (Th. Mommsen), nach dessen Anordnungen wieder geordnet, CIL III 1567 und Add. p. 987. Niese III 13. Über die Sonderstellung der Stadt bei dem Lokrern vom 4. Jhdt. an vgl. Bauer a. a. O. 41ff. Ein besonderes Kontingent zum Heere des Pompeius bei Pharsalus lieferte A., Lucan. III 172, wo er sogar von Phocaicas (!) manus spricht. Livius war wohl seine Quelle. A. war ein Bischofsitz in byzantinischen Zeiten und [94] der Metropolis Athen untertänig, A. Ellissen Michael Akominatos (Göttingen 1846) 11, s. o. Bd. II S. 2414, 26. Über A. als christliches Bistum vgl. noch Not. Episkop. Ztschr. f. Kirchengesch. XII 535. Die Νέα Τακτικά Leos des Weisen (= Aulon). H. Gelzer Ztschr. f. wiss. Theol. XXXV 428. 435. L. Duchesne Mél. d’arch. et d’hist. XV 385. Zur Geschichte der Stadt im Mittelalter vieles Zerstreute bei Finlay A hist. of Greece from its conq. by the Romans to the present time und C. Sathas Μνημεῖα Ἑλλ. Ἱστορίας.

Zu den Kulten kommen noch folgende hinzu: Apollon: Amphissa (s. d.) ist seine Geliebte; Amphissos (s. d.) sogar sein Sohn; vgl. Mannhardt Wald- u. Feldkulte² (Berlin 1905) 17f. Gruppe Gr. Mythol. 346. Gruppe bringt auch Leto und Artemis in Zusammenhang (s. o.), was noch unbewiesen bleibt. Apollon erscheint auch auf etlichen Münzen der Stadt, Cat. Brit. Mus. Centr. Greece 1. 2. Cat. of the Greek Coins in the Hunterian Coll. 1. Mionnet II 90; Suppl. III 485, 1. 2. Head HN² 337. Ares: wenn Usener Stoff d. griech. Epos 26 mit seiner Gleichstellung von Andraimon, dem Gründer der Stadt, mit Ares recht hat. Asklepios: Collitz 2202. IG IX 1, 318. 1066. 1070. Über das Asklepieion und seine Lage vgl. Keramopoullos Ἐφημ. ἀρχ. 1904, 137ff. Vgl. auch den Thearodokos der epidaurischen Asklepier zu A., IG IV 1504. Dryaden: vgl. Mannhardt a. a. O. Außer den oben zitierten Werken ist zu vgl. Frazer zu Paus. X 38, 4ff., der die ältere Literatur vollständig anführt, Inschriften: IG IX 1, 318–329. 1066–1072. Bull. hell. XXV 221 ff. Ἐφημ. ἀρχ. 1904, 113ff. 1908, 159ff.

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Band R (1980) S. 25
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Amphissa

[1]) Westlokr. Stadt. S III.