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RE:Ἐπιμεληταί

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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die verschiedenen Arten von Epimeleten (= Beamten)
Band VI,1 (1907) S. 162171
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Ἐπιμεληταί, Titel a) ordentlicher Beamter, b) außerordentlicher Kommissionen für bestimmte Zwecke, c) der Beamten von Vereinen, d) als Übersetzung für curatores. Die Ausdrücke ἐπιμελητεύω und ἐπιμελητεία finden sich dafür, doch ist kein scharfer Unterschied zwischen diesen und ἐπιμελεῖσθαι sowie ἐπιμέλεια, wie Boeckh zu CIG 2371 annimmt; vgl. Dittenberger zu Syll.² 396, Der Titel findet sich vom 5. Jhdt. v. Chr. bis zum 3. Jhdt. n. Chr. in Inschriften, in ägyptischen Papyrusurkunden noch in byzantinisch-arabischer Zeit; im folgenden mögen zur lokalen Übersicht die Orte aufgezählt werden, wo ἐ. nachgewiesen sind: Athen, Aigina, Kleonai, Trozen, Kalauria, Epidauros, Olympia, Sparta, Megara, Pagai, Haliartos, Koroneia, Amphiaraum Oropiorum, Delphi, Antikyra, Ambryssos, Philippopolis, Beroe, Inschrift im Kloster Dragumir, Anchialos, Pizos, Apollonia-Sozopolis, Serdica; Chersonesos Taurica, Pantikapaion, Tanais; Salamis, Chalkis, Delos, Lemnos, Andros, Chios, Keos, Kos, Paros, Rhodos, Kreta (Lyttos); Halikarnassos, Ilion, Pergamon, Laodikeia am Meere, Palmyra; Ägypten.

Die ἐ. als Beamte lassen sich nicht zu den ἀρχαί in Gegensatz stellen (vgl. Hermann-Thumser 597), sondern gehören selbst zu den ἀρχαί (Schoemann-Lipsius I⁴ 430) nach der Definition, die Aisch. III 14 gibt; es standen ihnen innerhalb ihres Wirkungskreises die gleichen Rechte zu wie den übrigen Beamten: das Recht der ἐπιβολή, der Entscheidung und des Vorsitzes in den Gerichten, die ihren Wirkungskreis trafen. Wir haben in ihnen Spezialbeamte zu sehen, wie dies schon im Namen, in dem eine nähere Bestimmung hinzutritt, bezeichnet wird. Sie entstanden im Laufe der Zeit, hervorgerufen durch das Bedürfnis, [163] bei der Entwicklung des Staatslebens für besondere Zweige der Verwaltung und des Kultus Fürsorge zu treffen. An die Stelle der zeitlich begrenzten Spezialkommission trat dann die dauernde Beamtung; so bemerkt B. Keil Anonym. Argent. 217: die ἐπιμελόμενοι τοῦ νεωρίου des 5. Jhdts. haben eine kommissarische Stellung, die νεωρίων ἐπιμεληταί sind eine ordentliche Behörde. Mit der Erweiterung des Staates und mit dem Wachstum der Bevölkerungszahl bringt auch Arist. Pol. VII (VI) 8 p. 1321 die Einsetzung der ἐ. für besondere Zweige der Verwaltung in Verbindung. Wie die anderen Beamten werden sie entweder erwählt oder erlost (s. u.); sie bilden ein Kollegium, ihre Bestellung erfolgt auf ein Jahr; sie sind der Dokimasie und der Rechenschaftspflicht unterworfen. Die ἐ. als zeitliche Kommission sind bezeichnet durch δι’ ἐπιμελητοῦ oder δι’ ἐπιμελητῶν. B. Latyschew I 202. II 33. 312. 427. 430. 431 bis. 434. IG III 473. 479. 481. 491.

Hier soll nur eingehender über die ἐ. als ordentliche Beamte gehandelt werden, wobei die zeitliche Abfolge berücksichtigt werden soll. Wir finden sie in der Staatsverwaltung, im Kultus und in den staatlichen Unterabteilungen.

Epimeletai in der Staatsverwaltung. An erster Stelle sind zu nennen die ἐ., die in Inschriften des 5. Jhdts. v. Chr. erwähnt werden: IG I 22 a (446 v. Chr.). 38 (442 v. Chr.). 70. 92. XII 1, 977 vom J. 394 betrifft wohl dieselben. Es war eine Behörde des ersten Seebundes; nach Thumser 670 hatten sie Athen selbst vor Umtrieben, die etwa gegen die Ablieferung des φόρος in Szene gesetzt werden sollten, oder Ähnlichem zu schützen; Gilbert Handb. I 404 dagegen sieht in ihnen die Instruktionsbehörde für die Bundesgenossen. Er bezieht darauf auch die Stelle in der 417 gehaltenen Rede Antiphons V 17, wo er τῶν κακούργων mit νόμῳ verbindet, so daß die traditionellen ἐπιμεληταὶ τῶν κακούργων als Bezeichnung für οἱ ἕνδεκα beseitigt sind. Unzweifelhaft waren sie attische Beamte, eingesetzt für den Seebund; es irrt also v. Wilamowitz-Moellendorff, wenn er in der Inschrift IG I 22 a die ἐ. als Behörde in Milet ansieht (Philol. Unters. I 76). Näheres läßt sich nicht angeben.

Gleichfalls ins 5. Jhdt. v. Chr. gehört der ἐπιμελητὴς τῶν κρηνῶν in Athen, der zwar inschriftlich erst für 333/2 v. Chr. bezeugt ist (IG II 169 b), dessen Amt jedoch schon im 5. Jhdt. 5 bestand; Plutarch Them. 31 berichtet nämlich, Themistokles habe in Sardeis gesehen τὴν καλουμένην ὑδροφόρον κόρην χαλκῆν. μέγεθος δίπηχερ, ἣν αὐτός. ὅτε τῶν Ἀθήνησιν ὑδάτων ἐπιστάτης ἦν, ἑλὼν τοὺς ὑφαιρουμένους τὸ ὕδωρ καὶ παροχετεύοντας ἀνέθηκεν ἐκ τῆς ζημίας ποιησάμενος Arist. Pol. VII (VI) 8 p. 1321 b nennt κρηνῶν ἐπιμελητάς und sagt Ἀθ. πολ. 43, daß der κρηνῶν ἐ. durch Cheirotonie auf vier Jahre bestellt wurde, vgl. Hesych. κρηνάρχη; Poll. VIII 113 erwähnt eine κρηνοφυλάκιον ἀρχή). Rechenschaftspflicht dieses ἐ. bezeugt IG II 169 b: αἱρεθεὶς ἐπὶ τὰς κρήνας ... ἐπειδὰν τὰς εὐθύνας δῷ. Auch außer Athen finden wir Fürsorge für Quellen und Wasser: in Palmyra CIG 4502 wird ein ἐπιμελητὴς αἰρεθείς Ἔφκας πηγῆς erwähnt, in Teira Athen. Mitt. XX 239 ein ἐπιμελητὴς ὑδάτων; in Chios lesen wir Athen. Mitt XIII 172 ἐπιμελεῖσθαι [164] τοῦ ὕδατος, und ausführliche Bestimmungen enthält die Inschrift von Andania Dittenberger Syll.² 653.

Epimeletai als Gouverneure der Kleruchien Athens. Aristoteles Ἀθ. πολ. 62 berichtet: λαμβάνουσι δὲ καὶ ὅσαι ἀποστέλλονται ἀρχαὶ εἰς Σάμον ἢ Σκῦρον ἢ Ἴμβρον εἰς σίτησιν ἀργύριον. Wir finden nun bereits im 4. Jhdt. v. Chr. (bald nach 387) ἐ. in den Städten Myrina und Hephaisteia auf Lemnos: Michel Recueil 160. 161. Im 2. Jhdt. wird ein ἐ. für Delos genannt: CIG 2286. 2298. 2306. Bull. hell. III 153. VI 320 u. ö. IG II 985; der Titel desselben ist ἐ. τῆς νήσου (CIG 2298. Bull. hell. VII 12f VIII 126) oder ἐ. Δήλου (IG II 985); ferner in Paros, IG XII 5, 270. 272 (von einigen nach Delos gesetzt), in Haliartos, IG VII 2850. Die in den Dekreten von Salamis, IG II 469. 470. 594. 595 genannten Epimeleten werden mit U. Köhler Athen. Mitt. I 268 Anm.) als Beamte der Kleruchengemeinde anzusehen sein. Über den Wirkungskreis dieses Epimeleten läßt sich nichts Bestimmtes sagen, jedenfalls aber spielte er eine große Rolle in der Mitte der Kleruchen. Hyper. Lykophr. § 14 erwähnt auch einen ἵππαρχος, der von Myrina und Hephaisteia geehrt wurde.

Die wichtigsten ἐ. Athens seit dem 4. Jhdt. v. Chr. waren die Aufseher über den Kriegshafen, deren Titel in den Inschriften lautet: νεωρίων ἐπιμεληταί, IG II 789. 793 (357/6 v. Chr.). 803. 807. 811, auch οἱ τῶν νεωρίων ἐπιμ., 809 u. 811, ἐ. τ. ν.: 804, bei Dem. XXII 63. XLVII 21. 26: οἱ τ. ν. ἐπ.; IG II 789 findet sich der Ausdruck οἱ ἄρχοντες ἐν τοῖς νεωρίοις und 811: οἱ τῶν νεωρίων ἄρχοντες. Auch Aisch. III 25 ist zu schreiben: καὶ νεωρίων ἀρχήν. Sie bildeten ein Collegium von zehn Mitgliedern, waren je einer aus einer Phyle auf ein Jahr (811 b 140) erlost, hatten ihren γραμματεύς (811: οἱ τῶν νεωρίων ἐπιμεληταὶ καὶ ὁ γραμματεύς αὐτῶν) und ταμίας (803 ταμίας γενόμενος εἰς νεωρία). Ihre Listen, die IG II 789ff. publiziert sind, enthalten Angaben darüber, welche Schiffsgeräte makellos, welche fehlerhaft oder unbrauchbar waren; sie geben Aufschluß darüber, welche Schiffe ausgefahren, welche keinem Trierarchen zugelost waren; welche Geräte und in welchem Zustande sie der jeweilige Trierarch erhalten hatte. Sie führten ein Verzeichnis über die rückständigen Verpflichtungen der Trierarchen, ebenso über die rückständigen Verpflichtungen der Schiffsbehörden: sie vertraten die Forderungen vor Gericht: 811 b 104: εἰσαγόντων αὐτὸν τῶν νεωρίων ἐπιμελητῶν; vgl. Dem. XLVII 26: προσεκαλεσάμην πρός τε τοὺς ἀποστολέας καὶ πρὸς τοὺς τῶν νεωρίων ἐπιμελητῶν. XXII 63. Bekk. An. 282: νεωρίων ἀρχή. ἦν οὖν τις ἄρχων, ὃς ἐπεμελεῖτο τῶν νεωρίων καὶ τῶν σκευοθηκῶν καὶ πάντων τῶν περὶ τὰς ναῦς σκευῶν meint jedenfalls die νεωρίων ἐπιμεληταί. Sie hatten also im wesentlichen die Aufgabe, die im 5. Jhdt. den νεωροί, IG I 78 a, Werftenaufsehern, und den ἐπιμελόμενοι τοῦ νεωρίου zugefallen war; den Titelwechsel erklären wir uns mit Kolbe Athen. Mitt. XXVI 418 am leichtesten in der Weise: ,Die dreißig Tyrannen haben die Schiffshäuser und Werftanlagen zerstört; das hatte die Aufhebung der νεωροί zur Folge, da dieses Amt keine Berechtigung mehr hatte. Mit [165] dem Wiederaufleben der athenischen Flotte wurde das Amt wiederhergestellt, der Name wurde geändert.’ Anschließend an die ,Werftaufseher’ seien die ἐπιμεληταὶ τῶν συμμοριῶν genannt, Dem. XLVII 21 gebraucht den Ausdruck οἱ ἐπιμεληταὶ οἱ ἐν ταῖς συμμορίαις, dagegen XXII 24 u. 30 ἐ. τῆς συμμορίας; ihre Zahl betrug 20, IG II 804 (οἱ εἴκοσι); es sind die trierarchischen Symmorien gemeint.

Die Aufsicht über den Handelshafen und den Großhandel führten die τοῦ ἐμπορίου ἐ., die [Dem.] LVIII 8. 9. 26. Din. II 10 erwähnt; inschriftlich bezeugt sind sie durch IG II 985 D 2. 27. E 34: ἐπ. τοῦ ἐμπορίου. Über sie handelt Arist. Ἀθ. πολ. c. 51, vgl. Harpokr. s. v. Bekk. An. 255: ihre Zahl betrug zehn, sie waren durch das Los bestimmt, hatten für den Handelshafen und besonders dafür zu sorgen, daß die Kaufleute zwei Drittel des in das athenische Emporium eingeführten Getreides nach Athen schafften. Daß sie eine regelrechte Behörde waren, dafür zeugt Din. II 10 τὶς οὐκ οἶδε καταμαρτυρηθεντα Ἀριστογείτονος, ὅτ’ ἐμπορίου ἐπιμελητὴς λαχὼν ἀπεδοκιμάσθη ὑπὸ τῶν τότε δικαζόντων ἄρχειν ταύτην τὴν ἀρχήν. Sie bildeten ein Kollegium mit einem γραμματεύς. [Dem.] LVIII 8.

Neben den genannten Aufsehern des Handelshafens wird ein Aufseher im Peiraieus genannt, der IG II 985 B 9. E 10 bezeichnet wird als ἐπ. τοῦ ἐμ Πειραιεῖ λιμένος, E 67 als ἐπ. τ. ἐν Πειραιεῖ C 13 und E 30 als ἐπ. Πειραιέως; derselbe ist wohl auch mit dem ἐπ. ἐπὶ τὸν λιμένα II 475 vgl. 476 gemeint. Thumser 616 meint, der ἐπ. ἐπὶ τὸν λιμένα sei später an die Stelle der ἐμπορίου ἐπιμεληταί getreten, und Gilbert I 248, 1 sagt: In einer ganz späten Inschrift IG II 475 wird ein gewählter ἐπ. ἐπὶ τ. λ. genannt. Doch die Erwähnung sowohl des ἐπ. τ. ἐμπ. als auch des ἐπ. τοῦ ἐν Π. λιμ. in derselben Inschrift IG II 985 spricht gegen die Annahme Thumsers. IG II 476, welche Bestimmungen über Maße und Gewichte enthält, erwähnt bei der Anordnung wegen Aufbewahrung der Normalmaße den ἐπιμελητής im Peiraieus.

Platon leg. VI 765 D und VIII 801 D spricht von einem Beamten, ὁ τῆς παιδείας ἐπιμελητὴς πάσης, der nicht jünger sein sollte als 50 Jahre; leg. XII 951 E gebraucht er den Ausdruck: ὁ περὶ τῆς παιδείας πάσης ἐπιμελητής. Aisch. I 10 erwähnt die νεανίσκοι und eine ἀρχή, ἥτις ἔσται ἡ τούτων ἐπιμελησομένη). Din. III 15 berichtet: καὶ ὁ δῆμος ἅπας .... ἀπεχειροτόνησεν αὐτὸν ἀπὸ τῆς τῶν ἐφήβων ἐπιμελείας und Arist. Ἀθ. πολ. c. 42: wenn die Dokimasie der Epheben stattgefunden hat, versammeln sich die Väter und wählen aus jeder Phyle 3, aus denen das Volk für jede Phyle einen σωφρπμοστὴς καὶ ἐπιμελητής bestellt, der über 40 Jahre alt sein mußte. Aus diesen Stellen ergibt sich, daß ein Aufseher über die Erziehung der Epheben existierte, doch erscheinen in den Inschriften, welche die Ephebenerziehung betreffen und die erst mit dem J. 317 v. Chr. beginnen, nicht ἐ., sondern κοσμηταί und σωφρονισταί Da die Rede des Deinarch im J. 324 gehalten ist, nimmt Glotz an, es habe in der Zeit zwischen 324 und 317 v. Chr. eine Änderung in der Aufsicht über die Epheben stattgefunden; vgl. Bd. V S. 2738. In der Kaiserzeit werden ἐ. der [166] Gymnasien genannt: IG III 10: ἐ. γυμνασίου (209 n. Chr.); 89 ἐ. Λυκείου (1. Jhdt. n. Chr.). In Chalkis wird im 1. Jhdt. v. Chr. genannt ἐπιμελητὴς γενόμενος τοῦ γυμνασίου. Oesterr. Jahresh. I Beibl, 48, in Epidauros ein ἐπιμελητὴς γυμνασίου τοῦ θεοῦ Ἀδριανοῦ IG IV 1474; Termessos Lanckoronski II nr. 5: ἐπ. τῶν γυμνασίων

Für das J. 328/7 v. Chr. nennt die Inschrift IG II 178 b Z. 14 λαχόντες ἐ. τῆς εὐκοσμίας τῆς περὶ τὸ θέατρον und Z. 17/18 heißt es περὶ τὴν ἐπιμέλειαν τοῦ θεάτρου. Näheres läßt sich nicht bestimmen.

Hier seien auch erwähnt die ἐ. κωμῳδῶν in Kos: Paton-Hicks 45 a 10 nennt ἐ. κωμ. φυλᾶς Δυμάνων, 45b 5 φυλᾶς Ὑλλέων.

Welches die Stellung und Aufgabe der von Suid. s. v., vgl. Etym. M. s. v., genannten ἐ. τῶν χορῶν war, läßt sich nicht näher bestimmen; Antiphon. VI 12 sagt: ἀσχολία ἦν παρεῖναι καὶ ἐπιμελεῖσθαι .. κατέστησα δὲ ἐπιμελεῖσθαι, εἴ τι δέοι τῷ χορῷ, Φανόστρατον .. καὶ ἠξίουν αὐτὸν ὡς ἄριστα ἐπιμελεῖσθαι.

Epimeletai im Kultus. Aristot. Pol. VII (VI) 8 p. 1322 b sagt: ἄλλο δὲ εἶδος ἐπιμελείας ἡ περὶ τοὺς θεούς, οἷον ἱερεῖς τε καὶ ἐπιμεληταὶ τῶν περὶ τὰ ἱερά. Wir finden nun an einer Reihe von Kultstätten ἐ., die mit der Verwaltung des Tempelgutes, besonders mit der von Stiftungen und Widmungen betraut sind. In erster Linie sind zu nennen die ἐ. τῶν Ἀτταλείων in Delphi: Collitz nr. 2642, etwa 158 v. Chr. Attalos II. hatte im ganzen 21 000 Drachmen gestiftet, aus deren Ertrag die Besoldung der Lehrer und die Kosten für das Fest Attaleia bestritten werden sollten. Mit der Verwaltung der Stiftung werden drei Epimeleten betraut, die vom Volke zuerst auf fünf Jahre, später jedes Jahr gewählt wurden; es heißt.: ἐγδανεισάντω δὲ τὸ ἀργύριον οἱ δὲ κατασταθέντες ἐπιμεληταὶ ἄνδρες τρεῖς .. und οἱ δὲ κατασταθέντες ἐπιμεληταὶ ὀμνυόντω καθὼς καὶ τὰ λοιπά ἀρχεῖα. Diese Epimeleten hatten Rechenschaft abzulegen.

Auch in Kalauria überwachen Epimeleten die Verwendung einer Widmung; IG IV 481 heißt es; τοῦ ἀργυρίου καὶ τοῦ χωρίου ... ἐπιμελητὰς καταστᾶσαι δύο, οἵτινες τό τε ἀργύριον ἐκδανεισοῦντι: auch 840 werden ἐ. αἱρεθέντες erwähnt. Sie hatten vor den εὔθυνοι Rechenschaft abzulegen; die Wahl erfolgte bei dem Opfer.

In Andania führte der ἐπιμελητάς, welcher die Leitung der städtischen Finanzen besorgte, die Aufsicht über die Mysteriengelder: Dittenberger Syll.² 653 Z. 45f. In Lyttos auf Kreta nennt eine Inschrift aus römischer Zeit einen ἐπιμελούμενος, der die Verwaltung eines Kapitals zu besorgen hat, das schon in älterer Zeit gestiftet war. Bull. hell. XIII 61 nr. 6. Als höchster Administrativbeamter erscheint in Olympia ein ἐπιμελητής, der genannt wird ἐπιμελητὴς Ὀλυμπίας, Inschr. v. Olympia 65 (20–16 v. Chr.). 80 (57 n. Chr.), ἐ. Διὸς Ὀλυμπίου 437. ἐ. τ. Διός 468, ἐ. τῶν τοῦ Διός 568, auch ἐ. allein 570 und in zahlreichen Ziegelstempeln 728f. Die Bezeichnung in 568 deutet an, daß das gesamte liegende und bewegliche Gut des olympischen Zeus seiner Verwaltung unterstand.

Auch beim Heiligtum des Amphiaraos bei Oropos werden ἐ. erwähnt, IG VII 4252 (332/1 v. Chr.) [167] und 4255 (4. Jhdt.); in der ersteren Inschrift ist die Bestimmung enthalten: καὶ παραδοῦναι τὸν στέφανον ποησάμενον τοῖς ἐπιμεληταῖς ἀναθεῖναι εἰς τὸ ἱερόν· τοὺς δὲ ἐπιμελητὰς ἀνειπόντας τὰ ἐψηφισμένα τῷ δήμῳ ἐν τῷ ἱερῷ ἀνθεῖναι τὸν στέφανον τῷ θεῷ ἐφ’ ὑγιείᾳ καὶ σωτηρίᾳ ... und in der zweiten: παρέξουσιν ὅσων ἂν προσδεῖ οἱ ἐπιμεληταὶ πρὸς τῷ ἔργῳ. Wir sehen hier die Epimeleten in ausgedehnterer Weise mit der Geldgebarung der Stadt beschäftigt. In ähnlicher Weise findet sich beim Heiligtum des Apollon Ptoos IG IV 4139 (2. Jhdt. v. Chr.) die Bestimmung: καὶ τὸ γενόμενον ἀνάλωμα ἀπολογισάσθω πρὸς τὸν ἐπιμελητήν. In Chersonesos Taurica werden ἐ. αἱρεθέντες in einer Inschrift des 3. Jhdts. v. Chr. genannt, die Verkäufe betrifft, Latyschew IV 80; in Halikarnassos intervenieren Epimeleten beim Bau einer Stoa, Michel Recueil 595 (3. Jhdt. v. Chr.): οἱ ταμίαι δότωσαν παραχρῆμα τοῖς ἐπιμεληταῖς, die weiter den ἐργῶναι zahlen. In Apollonia-Sozopolis CIG 2856 d heißt es: δοῦναι τοὺς ἐπιμελητὰς ἢ παρέδρους. In der Inschrift aus Pizos Dittenberger Syll.² 932 ist die Bestimmung getroffen: κελεύω τοὺς τοπάρχους καὶ τοὺς ἐπιστάθμους στρατιώτας παὰ τῶν ἐπιμελητῶν παραλαμβάνειν τὰ πραιτώρια, wo Dittenberger zu S. bemerkt: qui pecunias aliasque res publicas emporii curant. Ei num ex ipsis incolis capti sint et qui eos constituerit, non perspicio. Aufstellung von Stelen und Aufzeichnung von Volksbeschlüssen besorgen die Epimeleten in Aigina, IG IV 2 τοὺς δὲ ἐπιμελητὰς στάλαν λιθίναν ποήσασθαι, und in Megara, IG VII 18 ἀναγράψαι δὲ καὶ τὸν ἐπιμελητὰν τόδε τὸ ψάφισμα, Bekränzung in Tegea Le Bas II 341 a.

Besondere Erwähnung verdient der von den Aitolern nach Delphoi geschickte ἐ. τοῦ τε ἱεροῦ καὶ τᾶς πόλιος. Collitz 2672 enthält das Ehrendekret der Delpher für einen Ἀρίσταρχος Αἰτωλίωνος ἐπιμελητὰς, der (καταστα)θεὶς ὑπὸ τῶν Αἰτωλῶν ἐπιμελητὰς usw. sich wohl verdient gemacht hatte. Dieser ständige aitolische Epimelet weist hin auf die Zeit 224–220 v. Chr.

Unter den Beamten in Rhodos werden fünf ἐ. τῶν ξένων genannt, IG XII 1, 49; van Gelder will dafür lesen ἐ. τῶν νεωρίων, aber unrichtig; die ἐ ξένων hatten wohl dieselbe Stellung in Rhodos wie die ξενοδίκαι in Phokis (Michel Recueil 3. 5. Jhdt.) und die ξενοκρίται in Pinara s. Heberdey-Kalinka Bericht 1896, 21 nr. 7; vgl. die ξενοφύλακες in Chios, Athen. Mitt. XIII 170.

Epimeletai in griechischen Städten in der römischen Zeit. In Sparta gab es ein Collegium von sechs ἐ., nämlich einen ἐπιμελητάς und fünf σύναρχοι. Le Bas II 168f.; vgl. Bull. hell. I 380, 4. Außerdem wird genannt ein ἐπιμ. πόλεως CIG 1241; ἐ. Ἀμυκλῶν 1338; ἐ. Κορωνείας 1243. 1255. 1258. In Athen erscheint außer dem bereits erwähnten ἐπ. γυμνασίου und Λυκείου ein ἐπιμ. τῆς πόλεως IG III 68 (Zeit Neros). 556 (61 n. Chr.). 721. 1085 (61 n. Chr. διὰ βίου); αἱρεθέντες ἐπιμεληταὶ δικαστηρίων 1017. 1018; ἐπ. πρυτανείου (Anfang der Kaiserzeit). Die ἐ. δικαστηρίων waren vier, jährlich gewählt, hatten zwei γραμματεῖς und führten den Vorsitz in den ständigen Gerichten, die außer dem Areiopag in Athen bestanden, s. Gilbert I 162. [168]

Epimeletai bei Festlichkeiten und religiösen Feiern. In Olympia wird in einer Inschrift des 4. Jhdts. v. Chr; ein ,Pfleger der Stuten’, ἐ. τᾶν ἵππων genannt, Collitz 1172. Derselbe war Mitglied des Collegiums der Hellanodiken und selbst Hellanodike, s. Arch. Zeit. XXXIII 184.

In Koroneia fungierte im 2. Jhdt. v. Chr. in ἐ. τῆς πανηγύρεως. IG VII 2871; in Oropos erscheint ein ἐ. ἱερῶν, IG VII 453 vgl. 436, in Pagai IG VII 190 (1. Jhdt. v. Chr.) v. 38 heißt es: ὁ ἐπιμελητὰς ἐν ἀγορᾷ ἐν τᾷ θυσίᾳ.

Religiösen Charakter hat der vom Areiopag bestellte ἐ. μοριῶν, Lys. VII 29: ἐπιμελητὴς ᾑρημένος (die Rede ist gehalten 395 v. Chr).

Epimeletai werden als Festbesorger bei den Pythien genannt Plut. symp. II 4. VII 5, ohne daß wir etwas Näheres darüber wissen. Besondere Erwähnung verdienen in Athen die ἐ. bei den Mysterien, Dionysien und Diisoterien; vgl. )E. Pfuhl De Atheniensium pompis sacris (1900). Über die E. der eleusinischen Mysterien s. Art. Ἐπιμεληταὶ τῶν μυστηρίων.

Bei der Angabe des Wirkungskreises des Archon sagt Aristoteles Ἀθ. πολ. c. 56: ... πομπῶν ἐπεμελεῖτο ... καὶ τῆς Διονυσίων τῶν μεγάλων μετὰ τῶν ἐπιμελητῶν, οὓς πρότερον μὲν ὁ δῆμος ἐχειροτόνει δέκα ὄντας, καὶ τὰ εἰς τὴν πομπὴν ἀνλώματα παρ’ αὐτῶν ἤνεγκον, νῦν δ’ ἕνα τῆς φθλῆς ἑκάστης κληροῖ καὶ δίδωσιν εἰς τὴν κατασκευὴν ἑκατὸν μνᾶς. ἐπιμελεῖται δὲ καὶ τῆς εἰς Θαργήλια καὶ τῆς τῷ Σωτῆρι; vgl. Poll. VIII 89 ὁ δὲ ἄρχων διατίθησι μὲν Διονύσια καὶ Θαργήλια μετὰ τῶν ἐπιμελητῶν. Der Titel dieser ἐ. lautet ἐ. τῆς πομπῆς, IG II 318 b. 420; vgl. 469. Demosth. XXI 15 sagt: ἑαυτὸν εἰς Διονύσια χειροτονεῖν ἐπιμελητήν, auch in den Inschriften heißt es: οἱ χειροτονηθέντες ἐ., so daß wir annehmen müssen, die von Arist. a. a. O. angegebene Bestellung durch das Los sei nur vorübergehend in Kraft gewesen. Diese Festordner intervenierten mit dem Archon bei den Διονύσια τὰ ἐν ἄστει und bei den Thargelien; IG II 469 wird gesagt: πομπὴν συνέπεμψαν τῷ Αἴαντι καὶ ἔθυσαν μετά τε τοῦ ἄρχοντος καὶ τοῦ στρατηγοῦ καὶ τῶν ἐπιμελητῶν. Inschriftlich bezeugt erscheinen Festordner mit dem Archon zur Leitung der Diisoteria im Peiraieus mit dem Titel Διισωτηρίων ἐπιμ.: IG II 1358; vgl. 373 c ὑπὲρ ὧν ἐπαγγέλλει ὁ ἱερεὺς τοῦ Διὸς τοῦ Σωτῆρος τοὺ ἐμ Πειραιεῖ καὶ οἱ ἐπιμεληταὶ περὶ τῶν ἱερῶν ὧν ἔθυον τῷ τε Διὶ τῷ Σωτῆρι καὶ τεῖ Ἀθηναῖ τεῖ Σωτείρᾳ καὶ τῷ Ἀσκληπιῷ καὶ τεῖ Ὑγιείᾳ καὶ τοῖς ἄλλοις θεοῖς ... . Außerhalb Athens finden wir in Ilion CIG 3599 die Anordnung: τῆς δὲ πομπῆς ἐπιμελητὰς εἷναι τόν τε ἱερέα κτλ., wo es sich nicht um eine Behörde, sondern um eine Kommission, die sich aus Priestern und Beamten zusammensetzt, handelt.

Epimeletai der staatlichen Unterabteilungen. Herod. V 69 berichtet von Kleisthenes: τὰς φυλὰς μετωνόμασε καὶ ἐποίησε πλεῦνας ἐξ ἐάσσόνων. δέκα τε δὴ φυλάρχουςἀντὶ σεσσάρων ἐποίησε. Aber tatsächlich führten, wie Demosth. XXI 13. Ant. VI 13 und zahlreiche Inschriften lehren, die Phylenvorsteher den Namen: ἐ τῆς φυλῆς. IG II 553. 554. 554 b. 556–560. 556 d. 567 b. 563 c. 564. 565. 565 b. 565 d. 565 e. 567. 1209. 1210. 1211 c, die Zahl derselben betrug 3: IG II 1209, nach den Trittyen auf ein Jahr bestellt: IG [169] II 564, vgl. 565 e: sie bildeten ein Kollegium mit einem ταμίας, IG II 565. 1209. Ihr Wirkungskreis war ein ausgedehnter: sie hatten die Versammlung der Phylengenossen einzuberufen: IG II 564: τοὺς ἐπιμελητὰς τοὺς ἀεὶ καθισταμένους κατ’ ἐνιαυτὸν ἐπιμελεῖσθαι ...., ὅταν ἀγορὰν ποιῶσι; vgl. Ant. VI 13: συλλέγειν καὶ ἐπιμελεῖσθαι τῆς φυλῆς ἑκάστοτε, ... ὅσπερ ἑκάστοτε εἴωθεν ταύτην τὴν φυλὴν συλλέγειν sie hatten die Auszahlung der für Opfer und Aufzeichnung von Ehrendekreten bestimmten Gelder zu veranlassen: IG II 553. 554. 558; sie hatten mit dem ταμίας die Verwaltung des der Phyle gehörigen Grundbesitzes zu besorgen: IG II 564. 565; sie vertraten die Phyle in Streitigkeiten: Demosth. XXI 13: καὶ κατηγοροῦντος τοῦ μὲν ἄρχοντος τῶν ἐπιμελητῶν τῆς φυλῆς, τῶν δὲ ἐπιμελητῶν τοῦ ἄρχοντος . . . Sie werden von den Phylengenossen für ihre Amtsführung belobt: IG II 556 d: ἐπαινέσαι τοὺς ἐπιμελητὰς τῆς Αἰαντίδος (4. Jhdt.).

Wie die Phylen bildeten auch die γένη Korporationen, an deren Spitze ἐ. standen; diese werden IG II 785 genannt, wo sie den Verkauf von Ländereien besorgen; auch 784 B bezieht sich auf den ἐ. eines γένος.

Eine Inschrift des 4. Jhdts. v. Chr., Dittenberger Syll.² 571, nennt in Chios ἐ. der Phratrie der Klytiden und bestimmt: τοὺς δὲ ἐπιμελητὰς τὰς γενομένας γνώμας περὶ τοῦ οἴκου καὶ τῶν ἱερῶν καὶ τὰς διαμαντείας ἀναγράψαντας εἰς στήλην λιθίνην στῆσαι παρὰ τὴν εἴσοδον τοῦ οἴκου.

Epimeletai privater Vereinigungen. Die Privatvereine ahmten in ihrer Organisation die staatliche Verfassung vielfach nach; so finden wir bei ihnen ἐ. oft erwähnt: in Athen des κοινὸν τῶν ἐργαζομένων IG II 1332 (270/69 v. Chr.) neben 3 ταμίαι und 2 γραμματεῖς erscheinen 4 ἐ. Oft genannt sind die ἐ. bei den Orgeonen: IG II 573 b. 610. 618. 619. 621. 786. Bull. hell. XXIII 370. Österr. Jahresh. V 129; dann bei den Thiasoten: IG II 611 b. 615 b. 620. 1334. Athen. Mitt. XXI 93. Auch die Eranisten: Sabaziasten IG II 626 b und Sarapiasten 617, sowie die περὶ τὸν Διώντσον τεχνῖται IG II 628 hatten Epimeleten.

Außerhalb Athens findet sich ἐ. bei Vereinen erwähnt: z. B. Kos. Paton-Hicks 119: οἱ πρεσβύτεροι ἐτείμησαν τὸν δεῖνα, ἐπιμελητεύσαντα τῶν τᾶς Σεβαστᾶς Ῥέας ἱερῶν εὐαρέστως; Kallatis, Arch.-epigr. Mitt. VI 4, 4; Lesbos CIG 2167 b; Maionia 3438; Ephesos Anc. Gr. inscr. 595; Thyateira Bull. hell. XI 100 und an anderen Orten. Der Wirkungskreis dieser privaten E. war entsprechend dem der Phylen und γένη: sie hatten die Opfer zu besorgen, IG II 615 b. 615 c. 620, Sorge für Festzüge. 611 b. Bull. hell. XXIII 370. Österr. Jahresh. V 129 (zugleich Bewirtung der Orgeonen) usw. Sie waren zur Rechenschaftsablegung verpflichtet, vgl. IG II 615 b δεδώκασι δὲ λόγον καὶ εὐθύνας πάντων, ὧν διῳκήκασιν.

Ἐπιμεληταί gleich curatores in römischer Zeit. Es mögen einige Beispiele angeführt werden: ἐπιμελητὴς ὁδοῦ Φλαμηνίας, Arch.-epigr. Mitt. XIX 108, 63; ἐπιμελητὴς τόπων καὶ ἔργων δημοσίων in Herakleia Perinthos, Arch.-epigr. Mitt. VIII 20 nr. 60; ebd. ein ἐπιμελητής, der zu verstehen ist als curator rei publicae Heracleensium; ἐπιμελητὴς εὐθηνίας IG III 1186. IV 795; ἐπιμελητὴς παντὸς τοῦ Ἀλεξανδρείνου στόλου IG XIV [170] 917; ἐπιμελητεύσας ἔργων δημοσίων in Akalissos: Heberdey-Kalinka Bericht 12 nr. 38; vgl. Liebenam Städteverw. 318, 385. D. Magie De Romanorum iuris publici sacrique vocabulis sollemnibus in graecum sermonem conversis (1905) 101f.

Epimeletai in Ägypten. Zahlreiche Papyrusurkunden Ägyptens erwähnen einen ἐπιμελητής und ἐπιμεληταί; in chronologischer Reihenfolge seien aufgezählt: aus dem 3. Jhdt. v. Chr. zwei Papyri des Gizeh-Museums, Arch. f. Papyrusforschung II 83. 84: Ἀπολλωνίῳ ἐπιμελητῆι .. ἀπογεγράμμεθα. Hier erscheint der ἐ. als Finanzbeamter; der Herausgeber bemerkt: the ἐπιμελητής also had to take cognizance of them, just as the κατ’ οἰκίαν ἀπογραφαί of Roman times were addressed to three distinct officiales. Aus dem 2. Jhdt. v. Chr. rühren mehrere Papyrus her: Kenyon Kat. I pap. 20 vom J. 162: κατὰ τὸν παρὰ Μεννίδου τοῦ ἐπιμελητοῦ χραματισμόν; pap. 23 vom J. 158/7: Δωρίωνι τῷ ἐπιμελητῇ. Zu beachten sind Amherst Pap. II 33 u. 34 vom J. 157 v. Chr.: συνεστηκυίας ἡμῖν καταστάσεως ἐπὶ Ζωπύρου τοῦἐπιμελητοῦ καὶ .. βασιλικοῦ γραμματέως; Wilcken Archiv II 121 bemerkt dazu: ,Wenger sagt mit Recht, daß hier zum erstenmal der Gerichtshof der Chrematisten kombiniert erscheint mit dem ἐπιμελητής und dem βασιλικὸς γραμματεύς. Dabei ist zu bemerken, daß der ἐπιμελητής den Vorsitz führt. Ist der ἐ. der bekannte Finanzbeamte, so dürfte er ad hoc mit dem Vorsitze betraut sein. Oder gab es schon damals einen eigenen höheren Richter dieses Namens, der in der Kaiserzeit über den Chrematisten stand? Mich erinnert unser Text daran, daß in der Kaiserzeit der ἀρχιδικαστής regelmäßig den bisher noch nicht erklärten Titel führt: καὶ πρὸς τῇ ἐπιμελείᾳ τῶν χρηματιστῶν. Dieser also ist der ἐπιμελητής der Chrematisten, hat die cura über sie.’ Aus dem 2. Jhdt. v. Chr. stammen noch Tebtunis Pap. I 6 (140/29 v. Chr.) Βασιλεὺς ... τοῖς στρατηγοῖς ... καὶ ἐπιμεληταῖς καὶ οἰκονόμοις; 61 (118/7 v. Chr.) τῆς μισθώσεως ὑπό τε τῶν ἐπιμελητῶν καὶ οἰκονόμων; 17 (114 v. Chr.) διέγνωσται τὸν ἐπιμελητὴν παραγίνεσθαι. Dem 1. Jhdt. v. Chr. gehört an Kenyon Kat. I p. 50: Μητροδώρῳ ἐπιμελητῇ. In den Berliner Papyrus findet sich der ἐ. erwähnt: BGU I 12 (181/2 n. Chr.) γενομένῳ ἐπιμελητῇ; II 362 (212/3 n. Chr.) γενομένου ἐπιμελητοῦ; 691 (byzantisch-arabische Zeit) ἐπιμελητῇ; III 974 (380 n. Chr.) ἐπιμελητὴς θ’ ἰνδ. Vom J. 346 n. Chr. ist Kenyon Kat. 235; καὶ τὸν ἐπιμελητὴν ἀπέστειλα. Nähere Bezeichnungen: Fayum Ostrak. 19 ἐ. χόρτου; Amherst Pap. II 64 (107 n. Chr.) τοὺς σὺν αὐτῶι κατασταθέντας ἐπιμελητὰς βαλανείου; Oxyrh. Pap. 1 43 ἐ. ἀχυροῦ Ὀξυρυγχίτου; 125 ἐ. τοῦ δημοσίου λογιστηρίου; 126 ἐ. οἴκου Θέωνος; 149 ἐ. κανονικῶν. Diese Aufzählung will Anregung geben zu einer Untersuchung über die ἐ. in Ägypten.

Es wurde oben gesagt, daß ἐ. auch gebraucht werde zur Bezeichnung einer Kommission für einzelne Arbeiten u. dgl.; so in der Inschrift Arch.-epigr. Mitt. XI 66 nr. 141: εἴς τε τὸμ μετὰ ταῦτα χρόνον ἐπιμελητὰς ἑλομένου τοῦ δήμου τῶν τειχῶν εἰς ἔτη δύο ἐπικληθείς; in Philippopolis Dumont Mél. d’arch. 59 heißt es: ἐπιμελητεύσαντες τῆς κατασκευῆς τῶν ναῶν, Beroe ebd. 61 e 3: ἐπιμελουμένων τῆς ἀρχῆς καὶ τῆς ἀναστάσεως ..., [171] Anchialos ebd. 6227 und S. 568: ἐπιμελητοῦ Τ. Φλ. Ν. διαδεξαμένου τὴν ἐπιμέλειαν; in Pergamon ἑλέσθαι δὲ καὶ ἄνδρας δύο τῶν πολιτῶν τοὺς ἐσομένους πρὸς τῇ ἐπιμελείᾳ τῆς κατασκευῆς καὶ ἀναθέσεως τῶν ἐψηφισμένων· οἵδε ᾑρέθησαν ἐπιμεληταί. 2 Namen; Inschr. v. Pergamon 252.

Welche Bedeutung der Ausdruck ὑπὸ ἐπιμελητάς in Kleonai IG IV 490, wo zwei Namen angegeben sind, in Antikyra IG IX 6 und Ambryssos ebd. 20 mit drei Namen hat, will ich unentschieden lassen.

Erwähnen möchte ich die Inschrift aus Elateia IG IX 119: in der Freilassungsurkunde folgt auf ἐ. die Aufzählung der Götter, denen der Freigelassene, Pheres, den Schutz seiner Freiheit anvertraut.

Literatur: Außer den Stellen in den Handbüchern von Schoemann-Lipsius, Gilbert, Hermann-Thumser und Busolt ist der ausführliche Artikel von G. Glotz Epimeletai in Daremberg-Saglio Dictionn. II (1892) (666–694 zu vergleichen.