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Pflanzen- und Thierleben auf der Insel

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Textdaten
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Autor: Friedrich Traumüller
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Titel: Pflanzen- und Thierleben auf der Insel
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 47, S. 788–791
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1879
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Im Anschluß an den Artikel über Java, Heft 47, S. 792
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Erinnerungen an Java.

Von Dr. Fr. Traumüller.

1. Pflanzen- und Thierleben auf der Insel.


Unter den vielen Inseln des malayischen Archipels, welche der Aequator wie einen Kranz von Smaragden durchschneidet, können nur wenige in Bezug auf Naturschönheiten mit Java sich messen; ja, von manchen Reisenden wird Java für das interessanteste und schönste Land der Erde erklärt. Diese Auszeichnung verdankt die Insel der wunderbaren Ueppigkeit und Mannigfaltigkeit ihrer Vegetation, mit der sie von den Küsten bis zu den höchsten Spitzen ihrer vulcanischen Kegelberge reich geschmückt ist, sowie der vielgestaltigen Thierwelt, die ihre Wälder und Fluren belebt.

Java besitzt alle Bedingungen für einen üppigen Pflanzenwuchs, nämlich fruchtbaren Boden, Wärme und Feuchtigkeit, dazu eine mannigfach gegliederte Oberfläche. Die flache Nordküste besteht zum größten Theil aus Schwemmland; die Südküste dagegen ist felsig und steil. Die Mitte der Insel wird von etwa hundert bis zu 3600 Meter emporragenden Vulcanen durchzogen, von denen gegenwärtig etwa achtundzwanzig thätig sind. Nirgends in der Welt findet man auf einem verhältnißmäßig so kleinen Raume (2313 Quadratmeilen) eine so große Anzahl thätiger und erloschener Feuerberge beisammen. Die thätigen Vulcane Javas liefen gegenwärtig nur lose vulcanische Auswürflinge, wie Bomben, Lapilli, Sand und Asche; manche hauchen nur Wasserdampf und verschiedene Gase aus. Aeltere Lavaströme haben in Folge ihrer Verwitterung einen sehr fruchtbaren Boden geliefert und sind jetzt mit dem üppigsten Grün bekleidet.

Das Klima ist in den verschiedenen Höhen und in der östlichen und westlichen Hälfte der Insel verschieden. Es ist zwar im Allgemeinen sehr warm und feucht, aber die Gluthhitze der Küstenstrecken wird durch die kühlen Seewinde gemäßigt. Aus meinen während einer vierthalbjährigen Hauslehrerthätigkeit in Batavia angestellten Thermometer-Beobachtungen ergab sich als höchste Temperatur 35° C. Mittags um ein Uhr und die niedrigste 19° C. des Morgens um sechs Uhr; die mittlere Tagestemperatur für Batavia schwankt zwischen 24,8 ° C. und 26, 7 ° C. Das Klima der Niederungen ist im Allgemeinen sehr gleichmäßig, und

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Landschaft in der javanischen Niederung.
Nach Photographieen gezeichnet von Ch. A. Goering.

[790] Europäer fühlen sich in der ersten Zeit ihres Aufenthaltes auf Java von der intensiven Sonnenhitze gar nicht belästigt; doch macht sich bald der erschlaffende Einfluß des tropischen Klimas, der in der beständig gleichmäßig hohen Wärme zu suchen ist, geltend. In den Gebirgsgegenden wehen kühlere Lüfte; dort herrscht ein wahrhaft paradiesisches Klima. Auf den höchsten Berggipfeln sinkt die Temperatur bei klarem Himmel und starker nächtlicher Ausstrahlung der Wärme in den Himmelsraum zuweilen bis zum Gefrierpunkt; ein zarter Reif überzieht dann die Pflanzen, und Wasserlachen erhalten eine dünne Eisdecke. Der Reif und das Eis verschwinden jedoch sofort, sobald die tropische Sonne ihre glühenden Strahlen über die Häupter der Bergriesen ausgießt. Schneefälle sind selbst auf den höchsten Berggipfeln nie, und Hagelschauer nur in seltenen Fällen beobachtet worden.

Der Temperaturunterschied zwischen dem Tiefland und den Gebirgen prägt sich denn auch in der Verschiedenartigkeit der Pflanzendecke aus. Von den Küsten zu den Berggipfeln aufsteigend, können wir die auf der Oberfläche der Erde vom Aequator, nach Norden und Süden zu, einander folgenden Vegetationszonen im Kleinen studiren.

Die Flora Java’s ist aber auch von den regelmäßig wehenden Winden, den Monsunen, abhängig. Die Osthälfte der Insel hat ein trockeneres Klima als die Westhälfe, auf welcher der größte Theil der Feuchtigkeit, welche der vom October bis April wehende Westmonsun mit sich führt, in heftigen Regengüssen niederfällt; die Osthälfte empfängt dagegen den trockenen Südostmonsun, welcher von den dürren Steppen Australiens zwischen Mai und October herstreicht. Während allgemein die javanische Flora und Fauna fast durchweg asiatischen Charakter zeigen, besitzt die Ostspitze schon einige Vertreter der australischen Thier- und Pflanzenwelt.

Wenn vielfach in Java die ursprüngliche Pflanzendecke den angebauten Culturpflanzen hat weichen müssen, so ist die Insel dadurch nicht ärmer an landschaftlichen Reizen geworden; denn die malerisch gelegenen Reisfelder und die Kaffeebäume mit ihrem glänzend grünen Laube, ihren schneeweißen Blüthen und ihren kirschenähnlichen rothen Beeren fesseln unsern Blick nicht minder, als die im Winde sich schaukelnden Wipfel der Palmen und die Urwaldriesen, deren Stämme und Aeste mit schmarotzenden Pflanzen dicht bedeckt sind.

Die Pflanzendecke der zur Fluthzeit auf weite Strecken überschwemmten flachen Nordküste bietet einen ganz eigenartigen Anblick dar. Aus dem seichten Wasser ragt dann nur die obere Hälfte der Rhizophoren (Wurzelbäume) hervor. Während der Ebbezeit sind die zahlreichen Wurzeln frei, und die Bäume stehen dann wie auf Stelzen in dem schlammigen Boden. Etwas weiter landeinwärts erheben sich aus brackigem Wasser die zu den Pandaneen gehörenden Nipapalmen gleichsam wie Cocospalmenwipfel ohne Stamm. Zur Ebbezeit wimmelt es auf dem schlammigen Boden von Wasserthieren aller Art; Störche und Reiher waten im Schlamme herum, und in der Nähe der Flußmündungen sieht man zuweilen Krokodile sich sonnen oder auf Beute lauern. Eine wahre Plage für den Besucher dieser Sumpfgegenden sind die in beispielloser Menge schwärmenden Mücken, die hier ihre rechte Brutstätte finden. Wird man von einem Mückenschwarm überfallen, so hilft kein Abwehren; man muß geduldig die schmerzhaften Stiche der blutgierigen Thiere aushalten. Nur selten schlagen daher die Javaner oder Chinesen in diesen äußerst ungesunden Landstrichen ihre Hütten auf.

Wenn wir uns den bewohnten Gegenden nähern, so erfreuen unsern Blick die schlank in die Lüfte sich erhebenden Palmen, besonders aber die in mehreren Arten vertretenen und mit mächtigen Wipfeln gekrönten Waringinbäume (Ficus- oder Urostigma-Arten), von deren Aesten unzählige Luftwurzeln herabhängen, die sich wieder im Boden befestigen und dann als Stützen des umfangreichen Laubdaches dienen. Bei vielen Bäumen erreicht die Laubkrone einen Durchmesser von 500 Fuß. Diese bei den Javanern heiligen Bäume bilden hauptsächlich im westlichen Java ihres erstaunlichen Umfangs halber an Straßen prachtvolle Alleen.

Auf unserer Wanderung haben wir auch bald Gelegenheit, den Anbau von Reis, der wichtigsten Getreidepflanze der Tropen, kennen zu lernen. Die Reiscultur wurde auf Java vielleicht schon im zweiten Jahrhundert nach Christo von den hindostanischen Colonisten eingeführt. In den ebenen Gegenden wird der Reis in Feldern, Sawahs, mit erhöhten Rändern gebaut. Der Same wird aber nicht direct auf die Felder ausgestreut, sondern es werden die in besonderen Beeten gezogenen etwa fußhohen Setzlinge in die künstlich überschwemmten Sawahs verpflanzt. Da bei der künstlichen Bewässerung der Felder der Anbau dieser Getreide-Art von der Jahreszeit ganz unabhängig ist, so sieht man zu jeder Zeit mit jungem und reifem Reis bedeckte Fluren. Auf reichlich zu bewässernden Sawahs können die Javaner jährlich zwei Ernten halten.

In den Berggegenden werden die Reisfelder terrassenförmig angelegt und durch das Gebirgswasser künstlich bewässert. Die niedrigen Umfassungsdämme der einzelnen Felder sind an einigen Stellen durchbrochen, und das Wasser fließt durch diese Rinnsale in zahlreichen kleinen, in der Sonne glitzernden Cascaden in die tiefer gelegenen Felder. Doch wird der Reis, als sogenannter Bergreis, auch auf trockenen Feldern gebaut, welche später in Sawahs umgewandelt werden.

Wenn der Reis anfängt zu reifen, wird das Wasser abgelassen; ein großer Theil desselben verdunstet unter der Einwirkung der Sonnenstrahlen. Bis zur Erntezeit sind die Felder völlig trocken. In die nun heranreifenden Reisfelder fallen zahllose Schwärme der zur Familie der Finken gehörenden Reisvögel ein und erheben einen ganz beträchtlichen Tribut. Um sich dieser ungebetenen lästigen Gäste einigermaßen erwehren zu können, werden die Reisfelder von einem Netz von Fäden überspannt, an denen kleine Segel hängen. Alle Fäden treffen in einer kleinen Hütte zusammen, welche in der Mitte mehrerer Felder auf vier hohen Pfählen ruht und in welcher ein Knabe durch beständiges Ziehen der Fäden und durch Klappern die Vögel zu verscheuchen sucht. – Beim Schneiden der Frucht bleibt der größte Theil des Halmes stehen.

Eine javanische Landschaft der Tiefebene oder der Hügelgegenden kann man sich ohne die schlanken Palmen, die Bananenstauden und die Bambussträucher gar nicht vorstellen. Die Palmen und Bananen- oder Pisanggewächse liefern hauptsächlich wohlschmeckende Früchte. Das grobfaserige Holz der Palmen wird nur wenig verarbeitet; aus den frischen Blättern ihrer Wedel werden Körbe geflochen, und mit getrockneten Blättern werden die Dächer der javanischen Hütten gedeckt. Die javanische Flora umfaßt mindestens fünfzig Palmenarten; außerdem werden noch eine große Anzahl aus anderen Tropenländern stammende Palmen cultivirt. Von der Cocospalme, der nutzbarsten von allen, sind bis jetzt vierzehn Varietäten bekannt.

Das Bambusrohr wird zur Herstellung aller nur denkbaren Geräthschaften benutzt; aus demselben bauen die Javaner ihre Häuser und Brücken; sie verfertigen daraus ihre Möbel und manche Musikinstrumente und verwenden es zu Dachrinnen und Wasserleitungen, ja in Ermangelung eines irdenen Topfes kochen sie sogar ihren Reis in einem noch mit der Scheidewand versehenen Stück Bambus. Das Bambusrohr ist in zahlreichen Arten in der javanischen Flora vertreten; manche erreichen eine Höhe von siebenzig Fuß und einen Durchmesser von einem halben Fuß. Da sich das Bambusrohr durch Schößlinge eines Wurzelstockes vermehrt, so bildet eine Mutterpflanze mit ihren zahlreichen Sprossen ein dichtes Buschwerk, das als Dschungeln bezeichnet wird und häufig der Aufenthaltsort der Tiger ist.

Aus der fast erdrückenden Fülle von Pflanzenformen der Ebenen und der Hügellandschaften erwähnen wir hier noch den Teak- oder Djatibaum, dessen Holz wegen seiner großen Festigkeit und weil es ein geringeres specifisches Gewicht als das Eichenholz besitzt, hauptsächlich als Schiffsbauholz, zu Hafenbauten und Eisenbahnschwellen verwendet wird. Die Höhe des Teakbaumes übersteigt selten hundert Fuß, und ein Umfang von sechs Fuß kann als Maximum der Dicke betrachtet werden. In den ersten Jahren ihres Wachsthums schießen die Teakbäume mit einer Schnelligkeit empor, wie sie nur in einem tropischen Klima möglich ist; so erreichen aus Samen gezogene Bäume in vier Jahren eine Höhe von zwanzig Fuß. Sie wachsen gesellig und bilden außer auf Java und anderen Inseln des Archipels auch in Vorder- und Hinterindien ausgedehnte Wälder.

Der Teakbaum gehört zu den wenigen Bäumen der Tropen, die während der trockenen Jahreszeit plötzlich ihre Blätter verlieren. Die meisten tropischen Pflanzen entblättern sich nach und nach, während sich gleichzeitig beständig neue Blätter bilden. Aber [791] auch unsere europäischen Bäume werden, in tropische Gegenden verpflanzt, immergrün und tragen, da sie die meiste Kraft auf die Ausbildung der Blätter verwenden, nur kleine Früchte, die sogar in den kühleren Gebirgsgegenden nie zur Reife gelangen.

Von dem auf das östliche Java beschränkten Gift- oder Upasbaum erzählte man, daß er giftige Dünste aushauche, die auf die in seinem Schatten ruhenden Menschen eine tödtliche Wirkung ausübten, und daß sogar Vögel, die über seinen Wipfel hinflögen, leblos niederfielen. Zweifellos wahr ist, daß dieser Baum einen giftigen Milchsaft enthält, mit dem die Javaner ihre Pfeil- und Lanzenspitzen vergiften. Von der merkwürdigen schmarotzenden Rafflesia, deren riesengroße, röthlichweiße Blüthen und Niederblätter oft in solcher Menge hervorsprossen, daß man an manchen Stellen keinen Schritt thun kann, ohne ihrer mehrere zu zertreten, hat die „Gartenlaube“ bereits ausführlicher Notiz genommen (Nr. 17, S. 292 dieses Jahrgangs, vergl. auch Nr. 42, S. 712).

Ein ganz neues und überraschend großartiges Bild bietet sich unseren Blicke dar, wenn wir die von den Hügelgegenden bis zu den Gipfeln der Berge und in horizontaler Richtung in fast ununterbrochener Folge meilenweit sich ausdehnenden Urwälder betreten, die nur selten von Menschen besucht werden und in denen die einheimische Pflanzenwelt sich noch in ihrer ursprüglichen Gestalt zeigt. Es ist kaum möglich, sich durch das Gewirre der vielfach in einander verflochtenen Pflanzen eines Urwaldes hindurchzuarbeiten, wenn man sich nicht mit dem Hackmesser einen Weg durch das Pflanzengewirr bahnt oder die Rhinocerospfade benutzt. Mit verschwenderischer Fülle hat die Natur diese Gegenden ausgestattet. Wo der Boden nicht ausreicht, die üppig hervorsprossenden Gewächse zu tragen, da müssen des Urwaldes hochstämmige Riesen die zahllosen parasitisch lebenden Pflanzen beherbergen, welche sich das gastliche Haus des Wirthes gegenseitig streitig machen. Unter den auf der Rinde vieler Bäume wuchernden Pflanzen fallen uns sofort die durch wunderbare Farbenpracht und aromatischen Duft ausgezeichneten Orchideen auf, die oft in mehr als zwanzig Arten auf einem einzigen Baume vertreten sind. Von den Wipfeln hängen die dicken, bis mehrere hundert Fuß langen Stämme der Schlinggewächse, die wie Riesenschlangen die Stämme umschlingen oder wie mächtige Taue sich zwischen mehreren Bäumen ausspannen. Der bekannteste und wichtigste Vertreter der Schlinggewächse ist die das spanische Rohr liefernde Rotangpalme. Als Charakterpflanzen des tropischen Urwaldes verdienen vor allen die schlanken, oft bis zu sechszig Fuß hohen Baumfarne erwähnt zu werden. Die größten Riesen eines javanischen Urwaldes sind die Rasamalabäume, deren kerzengerader Stamm erst in einer Höhe von neunzig bis hundert Fuß in den kugeligen fünfzig bis achtzig Fuß hohen Wipfel übergeht. Die größten Stämme erreichen einen Durchmesser von drei bis vier Fuß. An der hellgrauen glatten Rinde des Stammes bleiben keine Schmarotzerpflanzen haften, und nur selten winden sich Schlinggewächse um denselben. Ihre eigentliche Heimath ist in den Preanger Regentschaften des westlichen Java, in Höhen von zwei- bis viertausend Fuß. Die frühere Ausdehnung dieser Wälder hat jedoch durch die Kaffeecultur, welche hauptsächlich in dieser Zone blüht, abgenommen.

Java war eine der ersten Colonien, in welcher die Cultur des aus dem mittleren Afrika stammenden Kaffeestrauches eingeführt wurde (1696), und nächst Brasilien erzeugt Java gegenwärtig den meisten Kaffee. Am besten gedeiht derselbe indessen in den Preanger Regentschaften und in der östlichen Hälfte der Insel. Bei der Anlegung einer Kaffeepflanzung wird zuerst der Wald gelichtet; zum Schutze der jungen Setzlinge werden entweder einige Schatten gebende Bäume stehen gelassen, oder es werden alle Bäume gefällt und dann dichtbelaubte Bäume so angepflanzt, daß jeder Kaffeebaum zwischen vier sogenannten Schattenbäumen steht. Außerdem pflanzen die Javaner auch Kaffeesträucher als Umzäunung ihrer Gärten an. Die Kaffeebäume tragen fast das ganze Jahr hindurch Blüthen und Früchte, aber die eigentliche Blüthezeit fällt in die Monate September und October; wenige Monate später leuchten die dunkelkirschrothen Früchte unter dem glänzenden tiefgrünen Laube hervor. Da die Früchte nicht zu gleicher Zeit reifen, so müssen sie meist einzeln gepflückt werden.

Nächst der Kaffeecultur wird am meisten die des Zuckerrohres für den europäischen Markt betrieben, aber für ihren eigenen Gebrauch bereiten die Javaner den Zucker aus dem Safte der Arengapalme. Der Anbau der Theestaude und der Tabakspflanze ergiebt, seitdem die holländische Regierung ihn europäischen Pflanzern überlassen hat, reichlichere Ernten und Producte von besserer Qualität; auch die Cultur der Vanille und des Indigo wird nur von einigen europäischen Pflanzern betrieben. Der für die Tropen so ungemein wichtige Chinarindenbaum, dessen Anbau im Jahre 1843 begann und dessen Rinde das Chinin, das wirksamste Arzneimittel gegen Fieber, liefert, wurde in mehreren Arten aus seiner Heimath in den peruanischen Anden von einem in holländischen Diensten stehenden deutschen Botaniker Haßkarl nach Java gebracht und auf Kosten der Regierung am Gedeh-, Tangubanprau- und Malabargebirge angepflanzt. Anfangs lieferten die Pflanzungen nur geringen Ertrag und Rinde von schlechter Qualität, weil die Bäume im Schatten des Urwaldes angepflanzt worden waren. Seitdem man bessere Arten ausgewählt hat und den Pflanzen mehr Licht gönnt, gedeihen sie besser und ist auch der Gehalt der Rinde an Alkaloiden ein größerer.

Je höher wir an den Bergen emporsteigen, desto mehr verändert sich der Charakter der Vegetation, und auf den Berggipfeln selbst nimmt die javanische Flora einen fast europäischen Charakter an. Wir begegnen dort zahlreichen Vertretern der gemäßigten Zone, wie dem Wegerich, dem Beifuß, dem Knöterich, dem Sternkraut, dem schwarzen Nachtschatten und anderen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese Pflanze, in Europa lästige Unkräuter, mit Gemüsesamen nach Java verschleppt worden sind, doch ist auch die Annahme berechtigt, daß sie auf ihrer Wanderung durch Asien auf dem Landweg nach Java gelangten, als diese Insel noch im Zusammenhang mit dem asiatischen Festlande stand. Von den zahlreichen mit europäischen Pflanzen nahe verwandten Arten der Flora auf hohen Berggipfeln erwähne ich nur das geruchlose Veilchen, die kriechende Erdbeere mit ihren gelben und purpurrothen, aber ungenießbaren Früchten, und die winzige Gentiane mit ihren smalteblaue Blüthen. Die Bäume der Gipfelwälder sind meist klein und verkrüppelt und stehen so dicht zusammengedrängt, daß es hier unmöglich ist, sogar mit einem Hackmesser sich einen Weg zu bahnen. Der Boden dieser Wälder ist mit einem dichten Teppich von Bärlapp, Moosen und kleinen Farnkräutern bedeckt.

Während in den niedriger gelegenen Wäldern sich ein reiches und mannigfaches Thierleben entfaltet, verirren sich nur selten einzelne Thiere bis auf die Gipfel der hohen Berge. In den Gipfelwäldern des 9200 Fuß hohen Gedehgebirges sah ich nur den Bankivahahn, den Stammvater unseres Haushahns, und eine Taube. Daß aber auch das Nashorn bis zu den Spitzen der Berge emporsteigt, ersieht man aus seinen nach verschiedenen Richtungen sich kreuzenden Pfaden. Alle übrigen Repräsentanten der höheren Thierwelt, wie die Affen, der Tiger, der schwarze Panther, der wilde Stier, die wilden Schweine und die schönen Kidang-Rehe bewohnen meistens die Wälder der mittleren Gebirgszone. Eines der niedlichsten Thiere dieser Wälder ist das zierliche Moschusthier, das nicht größer ist als ein Kaninchen und dessen Beine nur die Dicke eines Bleistifts haben.

Die größte Mannigfaltigkeit und Pracht entfaltet die javanische Vogel- und Insectenwelt. Die merkwürdigsten Insecten sind die Blatt- und Stabheuschrecken; die ersteren haben blattähnliche Flügel und sind daher, wenn sie auf Bäumen sitzen, kaum von den Blättern zu unterscheiden; ebenso wird man die Stabheuschrecken mit ihrem einem dünnen Aste ähnlichen graubraunen Körper leicht übersehen. Einer der am häufigsten vorkommenden Schmetterlinge ist der Todtenkopf, und der größte der Atlas.

Wenn wir, auf einem der vulcanischen Kegelberge angelangt, über das durchwanderte Gebiet Umschau halten, so bietet sich uns die herrlichste Aussicht auf die zu unseren Füßen liegenden und mit der üppigsten Vegetation bedeckten Landschaften dar. Und doch vermissen wir in der javanischen Landschaft manche unserer gemäßigten Zone zu Theil gewordenen Reize. Wir sehen uns vergeblich nach unseren blumigen Wiesen und grünen Matten um und können nicht dem schönen Gesang unserer Singvögel lauschen. Anstatt der Wiesen sehen wir mit mannshohem Grase bewachsene Flächen, die Alang-Alangflächen, und das Heer der Vögel macht sich nur durch melancholisches Flöten oder durch unausstehliches Geschrei bemerklich; dadurch wird der düstere Urwald nur noch unheimlicher.