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Pferdetransport in Ungarn

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Textdaten
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Autor:
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Titel: Pferdetransport in Ungarn
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 28, S. 497, 500
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1885
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[497]

Pferdetransport in Ungarn.
Nach dem Oelgemälde von Heinrich Lang.

[500] Pferdetransport in Ungarn. (Mit Illustration S. 497.) Für den Thierfreund im allgemeinen, wie für den Sportmann im besonderen, dürfte es kaum eine interessantere Scene zur Ergötzung wie zum Studium geben, als jene, welche die Künstlerhand H. Lang’s auf unserem Bilde mit nahezu photographischer Treue fixirt hat. Von dem klug um sich blickenden Milchschimmel, dem intelligenten, selbstbewußten Führer der Schar, bis zum Mutterfohlen, das trotz des stürmischen Laufes Zeit zu jugendlich muthwilligen „Seitensprüngen“ findet – welche Fülle, und zugleich welch reiche Variation von ungebändigter Kraft, anmuthiger Wildheit, ungestünmem Freiheitsdrange! Und welche Harmonie des Schauplatzes mit dieser Staffage! Ist’s nicht, als ob Wind und Wolken einen Wettlauf anstellen wollten mit ihren wie toll einher wirbelnden vierfüßigen Konkurrenten, als wäre dieser Boden in seiner end- und hemmnißlosen Monotonie von der Schöpfung eigens bestimmt zum Tummelplatz von Roß und Reiter? Ja ja, Held Arpad und sein Volk hatten guten Grund, gerade hier die lustigen Zelte aufzuschlagen, und weiset auch heute der Magyare mit stolzem Selbstgefühle auf den ungeahnten Aufschwung seiner glänzenden Metropole, eine kurze Stunde genügt, um fast ohne Uebergang aus dem Gewühle der modernen, von deutscher Bildung und Kultur durchtränkten Großstadt in die alte menschenleere Wildniß zu gelangen und die Urenkel derselben kleinen, windschnellen, unermüdlichen Rosse, wie jener schnurrbärtigen, krummbeinigen, kulturfeindlichen Reiter zu schauen, welche vor tausend Jahren Europa verheerend heimsuchten, nach Pest und Heuschrecken die dritte asiatische Plage jener plagereichen Zeit. Gott sei Dank, sie ist vorüber, und was davon geblieben, hat neben dunkeln Schatten auch seine Lichtseiten. Aus den Nachkommen dieser wilden Reiter und Rosse bezieht der österreichische Staat zum großen Theile jenes kraftstrotzende, urwüchsige Material, welches einen nicht zu verachtenden Faktor seiner Wehrmacht bildet. Tausende solcher halbwilder Pferde werden daher alljährlich den verschiedenen Assentplätzen zugeführt, und – irren wir nicht – steht oder galoppirt vielmehr auch die ganze ungeberdige Gesellschaft am Wendepunkt des Lebens; was da noch so übermüthig gährt, schäumt und übersprudelt, unter dem „eisernen Muß“ wird es sich bald geduldig regelrechter Arbeitsleistung beugen. Unerbittlich wie das Schicksal zeigt der Reiter mit der Peitschenspitze die Richtung des neuen Weges, der die stolze Schar leider nach kurzer Herrlichkeit unter Waffenschimmer und Trompetenklang einem nur allzu dunklen Endlose entgegenführt.