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Oberbayrisches Mädchen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: B. R.
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Titel: Oberbayrisches Mädchen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 10, S. 172
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1885
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[157]

Oberbayrisches Mädchen. 0Studienkopf von Hans Fechner jun.

[172] Oberbayrisches Mädchen. (Mit Abbildung S. 157.) Die Berge! Wer wüßte von ihrer Schönheit nicht zu erzählen? Viele Tausende nützen die Sommerzeit, um in den Alpen umherzuschweifen und in der Hochlandspoesie zu schwelgen. Man streift über Höhen und durch Wälder, verweilt entzückt beim Anblick der wilden Pracht, welche die Natur hier entfaltet – man schließt aber auch die Augen nicht, wenn einem der Zufall ein so „sauberes Deandl“ in den Weg führt, wie es unser Künstler als Studienkopf gezeichnet hat. So ein natürliches, liebliches Mädchengesicht läßt auch Einen, der mit dem Stift nicht umzugehen weiß, darin studiren. Es ist keine stolze klassische Schönheit, dazu ist das Profil zu sehr abgerundet, und kein Zug erinnert an das, was wir bei der Salondame interessant finden, aber „sauba is das Deandl, bildsauba“, und das genügt. Dichte dunkle Flechten umrahmen das runde Gesichtchen, aus dem uns ein Paar feurige Augen entgegenblitzen; ein gesundes Roth färbt die Wangen, aus dem geöffneten, lachenden Munde blinken zwei Reihen blendendweißer Zähne – Friseur und Zahnarzt sind dem fröhlichen Mädchen vollständig unbekannte Größen; so zeigt sich auch das Menschenkind als eine unverkümmerte Naturerscheinung, die in den Rahmen der Alpenwelt ganz vorzüglich hineinpaßt. Freilich ist es dem Städter nicht recht zu rathen, mit dem lieblichen Kinde „anzubandeln“, denn einmal ist es nicht ohne Beschützer, dann fehlt ihm die Gewandtheit der Weltdame, Galanterien gnädig entgegenzunehmen oder mit Erfolg zurückzuweisen. Die ländliche Schöne spricht „Fraktur“, wenn man ihr zu nahe tritt, und ein angeborner Mutterwitz verstattet ihr, allerdings etwas derb in der Form, dem Vorwitzigen ordentlich heimzuleuchten. Der Hut der Schönen stammt offenbar aus Südtirol. Er ist vielleicht ein Geschenk des Schatzes, der in Südtirol daheim ist, vielleicht aber auch ein Erbstück von Vorfahren, die von tirolischen Thälern nach Oberbayern verzogen. Jedenfalls findet man in Oberbayern häufig überlieferte Kostümstücke aus andern Thälern, die, wenn praktisch, noch ihrem Zwecke dienen müssen. B. R.